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Fell Seal: Arbiter’s Mark im Test

„Ich hätt‘ mal wieder richtig Bock auf ein Taktik-RPG im Stile von Final Fantasy Tactics“ dachte ich mir und stieß eher zufällig auf das Indie-Game Fell Seal: Arbiter’s Mark von 6 Eyes Studio, das am 30.04. für PC, PlayStation 4 und Xbox One erschienen ist und nicht nur Genrefans begeistern wird. Unser Test zum rundenbasierten Taktik-Rollenspiel verrät, warum sich der Kauf lohnt.

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Für die Hüter, für den Rat

In Fell Seal: Arbiter’s Mark verschlägt es uns in eine Fantasy-Welt, die mit einer Prise Steampunk versehen wurde, um so eine ganz besondere Atmosphäre zu verströmen. Wir schlüpfen in die Haut der Hüterin Kyrie, die zu Beginn des Spiels Zeugin eines Mordes durch einen hochnäsigen Adeligen wird.

Als Agentin des Rats der Unsterblichen, der für Stabilität und Ordnung im Land verantwortlich ist, nehmen wir den Schnösel in Gewahrsam, um ihn vor das Gericht zu zerren. Doch es stellt sich heraus, dass der Gute als Gezeichneter für die Nachfolge eines dahinscheidenden Ratsmitgliedes in Frage kommt und damit über dem Gesetz steht. Somit kommt der adelige Lackaffe mit seinem Mord also ungeschoren davon, während er sich auf Pilgerreise begibt, um zum nächsten Mitglied des Rates aufzusteigen.

Da wir dem Kerl aber keine fünf Zentimeter trauen, nehmen wir kurzerhand die Verfolgung auf. Das Abenteuer beginnt. Die recht klischeehafte Handlung von Fell Seal: Arbiter’s Mark kommt gerade in den ersten Spielstunden relativ langsam in Fahrt, überzeugt allerdings mit einigen klugen Ideen und überraschenden Wendungen, die wir an dieser Stelle allerdings aus Spoilergründen unerwähnt lassen wollen.

Fell Seal: Arbiter's Mark
Ein Fest für Taktik-Fans: Fell Seal: Arbiter’s Mark

Taktikfest für RPG-Fans

Aus spielerischer Sicht hat es Fell Seal: Arbiter’s Mark allerdings faustdick hinter den Ohren und besticht durch ein vielschichtiges, unglaublich strategisches Kampfsystem, das Fans von Klassikern wie Final Fantasy Tactics oder Tactics Ogre begeistern wird.

Auf der Weltkarte navigieren wir uns von Gebiet zu Gebiet, während uns in den meisten Leveln knackige Kämpfe erwarten. Wenn wir nicht gerade in die Schlacht ziehen, können wir in Städten neue Items, Rüstungen und Waffen kaufen oder in der Gilde neue Mitglieder für unsere Gruppe rekrutieren.

Die taktischen Kämpf sind es allerdings, in denen Fell Seal: Arbiter’s Mark tatsächlich brilliert. Wer schon einmal ein Taktik-RPG gespielt hat, wird sich sehr schnell zu Recht finden. Für Genreneulinge gibt es zu Beginn ausführliche Tutorials, die uns mit den Spielmechaniken vertraut machen.

Je nach Gebiet steht uns eine bestimmte Anzahl an Feinden gegenüber. Je mehr Widersachern wir uns stellen, desto mehr eigene Truppen können wir an den Start bringen. Die wollen zu Beginn auch erst mal klug positioniert werden.

Nahkämpfer an die Front, Halunken und Waldläufer an die Seiten. Magier und Heiler sollten hinter der Frontlinie positioniert werden, damit diese nicht zum ersten Ziel für unsere Feinde werden. Haben wir die Startpositionen bestimmt, kann es auch schon losgehen.  

Fell Seal: Arbiter's Mark
Auf der Weltkarte navigieren wir von Kampf zu Kampf

Fell Seal: Arbiter’s Mark: Zug um Zug zum Sieg

Allen Charakteren stehen pro Runde zwei Aktionen zur Verfügung, eine Leiste am oberen Bildschirmrand zeigt, wer als nächstes dran ist. Wir können uns eine bestimmte Anzahl an Feldern bewegen und angreifen beziehungsweise Zauber wirken oder einen Gegenstand verwenden. Welche dieser Aktionen wir zuerst ausführen, bleibt dabei uns überlassen.

So weit, so bekannt. Spannend wird es dann aber, wenn wir das Gelände in unsere Strategie miteinbeziehen müssen. Greifen wir einen Feind von der Seite an, verursachen wir mehr Schaden. Von hinten sind unsere Angriffe besonders verheerend.

Dabei gilt es allerdings zu bedenken, dass Flächenangriffe und Zauber nicht nur Feinde treffen, sondern auch unsere eigenen Truppen schädigen. Zumindest, solange wir noch nicht den entsprechenden Skill freigeschaltet haben. Ja, in Fell Seal: Arbiter’s Mark steigen unsere Charaktere in bester Rollenspiel-Manier auf und schalten so abwechslungsreiche neue Fähigkeiten frei.

Wo sich der Titel allerdings gekonnt von der Konkurrenz abhebt, ist bei der Verwendung der Gegenstände und den Klassen. Items werden nämlich nicht verbraucht, sondern stehen uns in jedem Kampf in begrenzter Zahl zur Verfügung. Stellen wir einen starken Heiltrank einmal her, steht er uns fortan für immer zur Verfügung. Die Schwierigkeit liegt allerdings darin, dass uns nur eine bestimmte Anzahl an Nutzungen pro Kampf zur Verfügung steht. Dazu gehören übrigens auch Steine, die wir unseren Feinden an den Kopf donnern können, um Schaden zu verursachen.

Spannend gestalten sich auch die abwechslungsreichen Klassen im Spiel. Denn während jede Figur anfangs auf eine Klasse festgelegt ist, schalten wir nach und nach  – je nachdem welche Fähigkeiten wir im Kampf nutzen – neue Unterklassen frei. So wird unser Söldner kurzerhand zum Zweit-Heiler, während wir unseren Magier zum Alchemie-Meister umfunktionieren. Insgesamt gibt es über 20 Klassen im Spiel mit knapp 200 Fähigkeiten, die wir nach Lust und Laune miteinander kombinieren dürfen. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Besonders die intensiven Bosskämpfe und spannenden Endgame-Herausforderungen verlangen uns alles ab. Mit 40 Gefechten kommt Fell Seal: Arbiter’s Mark auf eine Spielzeit von knapp 10 Stunden, allerdings sorgen die abwechslungsreichen Klassen für hohen Wiederspielwert.

Fell Seal: Arbiter's Mark
Vor allem die Kämpfe bieten mächtig Tiefgang.

Eine schöne Fantasy-Welt

Auch technisch macht Fell Seal: Arbiter’s Mark einiges her und überzeugt mit einem wunderschönen, handgemalten Grafikstil, der sich absolut sehen lassen kann. Gerade das mitunter verrückte Charakterdesign weiß zu gefallen, bei den Animationen und Effekten wäre allerdings deutlich mehr drin gewesen. Trotzdem wirkt das Taktik-Rollenspiel in sich stimmig und zaubert eine dichte Atmosphäre auf den Bildschirm.

Dazu trägt auch der gelungene, treibende Soundtrack bei, der das Geschehen auf dem Bildschirm nahezu perfekt untermalt und im Kopf bleibt. Evergreen-Potential zum Mitsummen bietet die Musik aber nicht. Auf eine Sprachausgabe verzichtet das Spiel allerdings konsequent, immerhin gibt es gute deutsche Bildschirmtexte.

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Fazit:

AwardFell Seal: Arbiter’s Mark hat mich positiv überraschend. Das rundenbasierte RPG wandelt qualitativ tatsächlich auf den Pfaden der Genreklassiker wie Final Fantasy Tactics oder Tactics Ogre und hält dabei einige gelungene Neuerungen bereit. Gerade die unterschiedlichen Klassen sorgen für eine Menge Abwechslung und laden zum Experimentieren ein.

In Kombination mit der stimmigen Technik und dem erstklassigen Kampfsystem sollten Genrefans und solche die es werden wollen sich Fell Seal: Arbiter’s Mark unbedingt genauer anschauen. Lediglich die etwas klischeehafte Story und der überschaubare Umfang stoßen sauer auf. Doch aus spielerischer Sicht gibt es nahezu nichts zu kritisieren. Eines der besten Taktik-RPGs, die ich in den letzten Jahren gespielt habe. Klare Kaufempfehlung.


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