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V-Rally 4 im Test

Die Rallye-Legende kehrt zurück. Nachdem die französischen Entwickler von Kylotonn bereits der offiziellen WRC-Serie zu neuen Höhen verhalfen, widmen sich die Rennspiel-Profis in diesem Jahr ganz dem Comeback einer der bekanntesten Rallye-Serien aller Zeiten. V-Rally 4 ist endlich da und soll unkomplizierten Spielspaß mit einer gehörigen Prise Realismus kombinieren. Ob das gelungen ist, zeigt unser Test.

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V-Rally 4: Eine Legende kehrt zurück

Offraod-Action in V-Rally 4
V-Rally 4 will mit mehr Abwechslung punkten, scheitert aber an der Basis.

In den 1990er Jahren war der Name V-Rally allen Rennspielfans ein Begriff. Vor allem die ersten beiden Ableger auf der PlayStation zählen bis heute zu den wichtigsten Vertretern des Offroad-Genres, bevor die Reihe 2002 in der Versenkung verschwand. Damals wie heute musste sich das Rennspiel mit der namhaften (und herausragenden) Konkurrenz aus dem Hause Codemasters messen.

Entwickelt wird V-Rally 4 von den Franzosen bei Kylotonn Racing Games, welche sich seit WRC 5 um die offiziellen Spiele zur Rallye-Weltmeisterschaft kümmern und in jedem Jahr eine deutliche Steigerung der Qualität vorweisen konnten. Hält dieser Aufwärtstrend auch mit V-Rally 4 an?

In diesem Jahr bekommt ihr es also nicht mit einem WRC 8 zu tun, was sich als entscheidender Vorteil entpuppt. Waren die offiziellen Spiele lediglich auf die Weltmeisterschaft (samt niedrigerer Klassen) beschränkt, wartet V-Rally 4 mit abwechslungsreichen Renn-Optionen auf. Ganze fünf Disziplinen erwarten euch im Spiel. 

Natürlich dürfen dabei auch die klassischen Rallye-Etappen von A nach B nicht fehlen. Hinzu gesellen sich mit Hillclimb, Rallicross, Buggies und Extreme-Khana allerdings noch weitere Modi, welche mit einem komplett unterschiedlichen Spielgefühl aufwarten. Das sorgt natürlich für deutlich mehr Abwechslung, wenngleich ihr auf die offiziellen Strecken und Boliden der aktuellen WRC-Saison natürlich verzichten müsst.

Insgesamt erwarten euch in V-Rally 4 22 Strecken in 17 Ländern und 51 lizenzierte Autos. Der Umfang kann sich also durchaus sehen lassen. Zumal der Racer, ähnlich wie DiRT 4, die Strecken im Karrieremodus zufällig generiert – über 100.000 Strecken-Kombinationen sind damit möglich.


Meister aller Klassen

In V-Rally 4 wird auch Rallicross gefahren
In den Rallicross-Events geht es um hitzige Rennaction.

Kernstück von V-Rally 4 stellt für Solisten abermals der Karrieremodus dar. Dort besteht eure Aufgabe darin, euch vom unbekannten Neuling zum Meister der fünf Klassen hochzuarbeiten. Wirklich neu ist das nicht und auch die Inszenierung orientiert sich lediglich an den Genre-Standards. Im Prinzip arbeitet ihr euch auf der Weltkarte dabei durch die verschiedenen Events. Das haben wir bei der Konkurrenz schon deutlich besser gesehen.

Besser gefällt uns da schon der Ansatz, dass ihr mit Standard-Fahrzeugen beginnt, die ihr nach und nach mit Upgrades ausstattet, um ihre Leistung oder ihr Fahrverhalten zu verbessern. Aber auch hier wird schnell klar, dass V-Rally 4 kaum frische Ideen mit sich bringt. Natürlich wirken sich die Upgrades auf euer Fahrzeug aus, sonderlich motivierend ist das Tuning allerdings nicht. Das gilt leider auch für die gesamte Präsentation des Spiels. Sich auf Dauer durch die drögen Menüs zu hangeln, macht jedenfalls nicht wirklich viel Spaß.

Im Laufe der Karriere rekrutiert ihr neue Team-Mitglieder. Bessere Mechaniker sorgen dafür, dass Reparaturen schneller von statten gehen und euch weniger kosten. Bessere Manager verschaffen euch schneller Zugang zu den Events. Da ihr eure Schäden selbst bezahlt und eure Mechaniker ebenfalls einen Lohn fordern, lässt V-Rally 4 eine gehörige Portion Taktik einfließen, was durchaus gefällt. Immerhin müsst ihr abwägen, ob ihr euch zunächst ein neues Auto oder ein Upgrade kauft oder euer Preisgeld lieber in bessere Techniker investiert. 

Etwas seltsam ist jedoch, dass sich kein roter Faden durch den Karrieremodus zieht. Nach und nach schalten sich neue Events frei, aber ein wirklicher Fortschritt ist dabei nicht erkennbar. Es gibt keine Saisons, keine Ranglisten, die ihr erklimmt. Lediglich ein Rennen nach dem anderen. Ärgerlich ist zudem der seltsame SchwierigkeitsgradV-Rally 4 zeigt euch nicht an, wie stark die Gegner in einem Event sind. Lediglich eine Sterne-Wertung gibt einen Hinweis auf das, was euch erwartet. Doch selbst, wenn ihr mit einem leichten Event rechnet kann es passieren, dass ihr euch hier mit Gegnern messen müsst, deren Fahrzeuge mehrere Klassen über dem eurigen liegen. Was natürlich für Frust sorgt.


Tanz auf rohen Eiern

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V-Rally 4 beginnt mit einem kurzen Testlauf, um euch mit den grundlegenden Spielmechaniken vertraut zu machen und den für euch persönlich perfekten Schwierigkeitsgrad zu finden. Relativ schnell werdet ihr merken, dass das Handling der Fahrzeuge weder mit der Konkurrenz, noch mit der hervorragenden WRC-Serie mithalten kann.

Manche der Fahrzeuge sind weder mit Lenkrad, noch mit Controller gerade auf der Piste zu halten. Vielmehr eiert ihr im Zick-Zack-Kurs über die Geraden. Auch das Einlenken in Kurven wird stellenweise zur Qual, da sich eure Karre mitunter sofort dreht. Das ist komischerweise aber nicht bei jedem Boliden der Fall: Bei manchen Fahrzeugen funktioniert die Steuerung erstaunlich gut, was umso verwunderlicher ist. Das Übersteuern im Spiel fällt viel zu stark aus, was im Umkehrschluss zu einem unrealistischen Fahrverhalten führt.

Hoffen wir mal, dass die Entwickler das mithilfe eines Updates beheben können. Denn eigentlich beherrscht V-Rally 4 das Handling gar nicht mal schlecht. Allrad-, Front- und Heckantriebler steuern sich enorm unterschiedlich und auch die verschiedenen Untergründe wie Schotter oder Eis wirken sich realistisch auf das Fahrverhalten aus

Doch zum jetzigen Zeitpunkt sind einige der Boliden schlicht unspielbar. Außerdem ist sich das Spiel offenbar selbst nicht im Klaren, ob es nun ein Arcade-Racer oder eine Simulation sein möchte. Beides beherrscht V-Rally 4 jedenfalls nicht perfekt.


Abwechslungsreiches Gameplay

Hillclimb ist das spielerische Highlight von V-Rally 4
Die Hillclimb-Events in V-Rally 4 werden euch alles abverlangen.

Dabei kommt es dem Rallye-Rennspiel wirklich zugute, dass die Lizenz der Rallye-WM dieses Jahr pausiert. Die verschiedenen Disziplinen sorgen für spielerische Abwechslung. Während die Etappenrennen sich vertraut anfühlen, aber trotzdem mit abwechslungsreichen Umgebungen punkten, wird im Rallicross die Action großgeschrieben – Blechschäden nehmt ihr jedenfalls gerne in Kauf. Besonders die leichten und wendigen Buggies sind den Entwicklern hervorragend gelungen, während die teils 20 km langen Hillclimb-Rennen euch alles abverlangen werden.

Ganz anders Extreme-Khana: Wer die früheren DiRT-Spiele kennt, weiß genau, was ihn erwartet. Innerhalb eines Zeitlimits müsst ihr beipsielsweise in einem abgesteckten Bereich coole Fahrmanöver aneinander reihen, um am Ende die meisten Punkte zu verbuchen. Donuts hier, Drifts da, gepaart mit Sprüngen und umgefahrenen Schildern. Spielspaß pur und eine erfrischende Abwechslung. Ich jedenfalls habe den Modus bereits in den Codemasters-Racern sehr gemocht. Besonders die actiongeladenen Buggy-Rennen stellen jedoch ein Highlight des Spiels dar und sorgen für frischen Wind.


Gelungene Strecken und ordentlicher Multiplayer

V-Rally 4
Die Strecken und Umgebungen wissen durchaus zu gefallen.

Belohnt werdet ihr, egal in welcher Disziplin, mit einem hervorragenden Streckendesign und teils atemberaubenden Aussichten. Die verschiedenen Länder im Spiel warten nicht nur mit verschiedenen Herausforderungen auf, sondern unterscheiden sich auch optisch stark voneinander. Ob ihr im staubigen Monument Valley an einem Bach entlang rast oder die wunderschöne Fauna der japanischen Berge bestaunt: V-Rally 4 überzeugt mit malerischen und gut designten Kursen. Besonders, da die Lichteffekte schlicht hervorragend aussehen und für eine passende Stimmung sorgen.

Zudem könnt ihr im Zeitfahren oder schnellen Events antreten. Dabei erwarten euch fest vorgegeben Kurse, damit ihr euch in der Online-Bestenliste mit anderen Spielern vergleichen könnt. Doch wirklich motivierend sind diese Modi auf Dauer nicht.

Der Online-Multiplayer weist eine gelungene Verbindungsqualität auf und das selbst, wenn mehrere Fahrzeuge auf der Strecke sind, wie im Rallicross oder den Buggy-Rennen. Außerdem sollen euch wechselnde, wöchentliche Events bei Laune halten. Allerdings fallen die actiongeladenen Spielmodi ziemlich chaotisch aus, was sicherlich nicht jedem schmecken wird. Ärgerlicherweise kam es während unseres Tests immer wieder zu nervigen Verbindungsabbrüchen.


Die Technik von V-Rally 4: Nur Durchschnitt

Auch technisch ist in V-Rally 4 noch Luft nach oben
Die Grafik wirkt verwaschen und unscharf. Slowdowns trüben den Spaß.

Grafisch überzeugt V-Rally 4 vor allem mit seinem abwechslungsreichen Streckendesign und den hübschen Lichteffekten. Dafür wirkt die gesamte Grafik verwaschen und unscharf. Von den Umgebungen, über die Fahrzeuge, bis hin zu den Objekten im Hintergrund – Das Spielgeschehen sah sogar in WRC 7 besser aus und selbst das war kein wunderschönes Spiel. Auch die Wettereffekte liegen nur auf mittelmäßigem Niveau

Ärgerlicherweise kommt es zudem regelmäßig zu kleinen Rucklern und Slowdowns, wenn viele Fahrzeuge auf dem Bildschirm zu sehen sind. Das ist besonders ärgerlich, da es direkten Einfluss auf den Spielspaß hat. Wenn ihr wieder einmal eine Kurve nicht richtig erwischt, weil die Bildrate einbricht, nervt das extrem!  Zumal die Bildrate mit lediglich 30 fps für heutige Verhältnisse einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Die Motorengeräusche und quietschenden Reifen wissen zu gefallen: Die Soundeffekte in V-Rally 4 liegen auf hohem Niveau, was man vom Soundtrack leider nicht sagen kann. Ein ganzer Song wird in Dauerschleife immer und immer wieder abgespielt. EIN EINZIGER. Das grenzt fast schon an Folter.


Fazit:

Ich hatte mich wahnsinnig über das Comeback der legendären Rallye-Serie gefreut und meine Erwartungshaltung war nach dem gelungenen WRC 7 durchaus hoch. Leider wird V-Rally 4 meinen Erwartungen in keinster Weise gerecht. 

Streckendesign und Lichteffekte sind den Entwicklern hervorragend gelungen. Die verschiedenen Disziplinen spielen sich (meist) gut und abwechslungsreich. Besonders Xtreme-Khana und die Buggy-Rennen sorgen für eine Menge Spaß und frischen Wind (auch wenn man diese schon aus anderen Racern kennt).

Doch dann ist da das Problem mit dem Handling. Warum kann ich manche Wagen selbst auf einer Geraden nicht auf der Straße halten? Andere hingegen ganz problemlos. So, wie ich es mit meiner über 20-jährigen Rennspiel-Erfahrung gewohnt bin. Von der lahmen Karriere über die durchschnittliche Grafik, bis hin zu den Verbindungsabbrüchen im Onlinemodus gibt es nicht viel, was man an V-Rally 4 lieben könnte. Da bleibe ich lieber bei DiRT Rally oder WRC 7. Schade drum.


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