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PS4 Tests Xbox One

Tennis World Tour im Test

Das Genre der Tennis-Spiele feiert im Jahr 2018 ein Comeback. Lange war es ruhig um Games zum beliebten Sport um den gelben Filzball und nun stehen uns in diesem Jahr gleich drei neue Spiele ins Haus. AO International Tennis manövrierte sich bereits mit einem Doppelfehler ins Abseits. Kann Tennis World Tour seine Sache besser machen?

Tennis World Tour
Nachdem die Konkurrenz versagt: Schafft es Tennis World Tour auf den Genre-Thron?

Tennis World Tour betritt den Platz

Nachdem die Konkurrenz aus dem Hause Big Ant Studios nicht überzeugen konnte, klingt Tennis World Tour auf den ersten Blick ziemlich vielversprechend. Immerhin setzen sich die Entwickler von Breakpoint Studios aus den ehemaligen Top Spin-Machern zusammen. Da Top Spin 4 bis heute als wohl bestes Tennis-Game aller Zeiten gilt, dürfte die spielerische Qualität eigentlich sicher sein oder? Leider weit gefehlt!

Der erste Schock trifft euch bereits beim Öffnen des Hauptmenüs: Der Online-Multiplayer ist ausgegraut und soll in einem späteren Update nachgereicht werden. Genauso verhält es sich mit den Doppel-Matches, die zum Start des Spiels ebenfalls noch nicht zur Verfügung stehen. Okay, lässt sich verschmerzen. Dann widmet ihr euch eben ganz der umfangreichen Einzelspieler-Kampagne mögt ihr euch jetzt vielleicht denken. 

Tennis World Tour
Auf dem Papier klingt eigentlich alles gut. Online-Multiplayer und Doppel fehlen jedoch (noch).

Auch das Roster an Original-Stars des Sports kann sich sehen lassen: Von Roger Federer, über Angelique Kerber und Alexander Zverev ist fast alles vertreten, was Rang und Namen hat (auch wenn Rafael Nadal exklusiv bei der Konkurrenz aufschlagen darf). 

Damit sollte dem Spielspaß doch eigentlich Nichts mehr im Wege stehen oder? Immerhin versprach Game Designer Pierre André im Vorfeld großmundig einen „geistigen Nachfolger zu Top Spin 4, der dank neuer Technik die ultra-realistische Simulation ist, die man schon immer machen wollte„.

Tja, genau das ist Tennis World Tour eben nicht.


Tennis World Tour Gameplay

Tennis World Tour
Tennis World Tour wartet mit zahlreichen Bugs und Fehlern auf.

Die Wahrheit liegt, wie so oft, auf dem Platz. Und genau dort liefert Tennis World Tour eine blamable und halbgare Vorstellung ab und hätte in der aktuell vorliegenden Form keinesfalls veröffentlicht werden dürfen. Bugs und Fehler dominieren das Spielgeschehen.

Tennis World Tour liefert eine halbgare Vorstellung ab und hätte in der aktuell vorliegenden Form keinesfalls veröffentlicht werden dürfen

Natürlich können die Entwickler das Meiste davon durch zukünftige Patches noch ausbessern und mit Doppels und Online-Multiplayer noch Kernfeatures eines solchen Spiels nachreichen, doch zum jetzigen Zeitpunkt tröstet das nicht über das desaströse Gameplay hinweg.

Die Grundmechaniken beherrscht Tennis World Tour dabei sogar noch relativ gut. Die Ballwechsel gehen relativ gut von der Hand und es macht durchaus Spaß, den Filzball mit Slices, Top Spin oder Lobs über das Netz zu schlagen – Ja, sogar mehr Spaß als bei der Konkurrenz. Meistens jedenfalls. Denn oftmals entscheidet das Spiel selbst, welchen Schlag es eure Spielfigur ausführen lassen möchte. Erneut also eine fragwürdige Hilfestellung, die euch das Gefühl gibt, keine wirkliche Kontrolle über euren Charakter zu haben.

So wird aus eurem eigentlich geplanten fiesen Spin wie von Geisterhand ein langsamer Konter. Das führt im Endeffekt dazu, dass sich jeder Spieler gleich spielt und die Partien zu stumpfen Ping-Pong-Einlagen verkommen. 

Im Endeffekt läuft also jedes Match fast gleich ab, Variationen gibt es nur wenige. Vom eigentlichen Spielgefühl her macht Tennis World Tour seine Sache sogar besser als der Konkurrent AO International Tennis. Eure Schläge lassen sich auf dem Court kontrolliert platzieren und auch die Distanz wirkt nachvollziehbar. Auch die Stopp-Bälle und Aufschläge sind nicht so übermächtig.

Dann wiederum kommt es regelmäßig zu seltsamen Blocks, wenn ihr einen weit entfernten Ball retournieren wollt. Euer Spieler rennt dabei einfach auf Höhe des Balls, um ihn irgendwie über das Netz zu befördern. Das sieht fast aus, als hättet ihr es hier mit einem Volleyball-Spiel zu tun und wirkt schlicht deplatziert


Probleme über Probleme

Tennis World Tour
Die KI nervt und die Partien spielen sich immer gleich.

Alles an Tennis World Tour wirkt irgendwie leb- und lieblos. Und damit sind noch nicht einmal unbedingt die unmotivierten Zuschauer, die bescheidenen Animationen oder das quasi nicht vorhandene Geschehen abseits des Platzes gemeint.

Eure Schläge fühlen sich immer so an, als seien Federer und Co gerade erst aus dem Bett gestiegen und lassen jeglichen Wumms vermissen. Zumal der Controller nicht einmal vibriert, wenn ihr den Ball härter schlagt, Feedback ist also quasi nicht vorhanden. Die Schlagbewegungen wirken komplett unrealistisch, außerdem wird das Spielgeschehen regelmäßig von hässlichen Bugs und Fehlern beeinträchtigt. In den Zeitlupen fällt auf, dass die Spieler oftmals den Ball eigentlich gar nicht treffen und ihn dennoch zurück spielen. Außerdem kommt es leider regelmäßig zu kleineren Rucklern, die den Spielspaß trüben. 

Auch die KI kann leider nicht überzeugen. Immerhin vier Schwierigkeitsstufen stehen euch zur Wahl, die sowohl Anfänger als auch Profis ansprechen sollen. Blöd nur, dass die computergesteuerten Spieler regelmäßig zwischen Genie und Wahnsinn agieren. So gibt es in jeder Partie schlicht Phasen, in denen ihr euren Gegenspieler problemlos an die Wand spielt. Und dann wiederum Phasen, in denen ihr kein Land seht. Obwohl ihr die Schläge perfekt positioniert und timt, erreicht euer Gegenüber einfach jeden Ball. Das ist extrem frustrierend, da euch Tennis World Tour zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gibt, tatsächlich besser geworden zu sein. Mit Roger Federer einen schwachen KI-Gegner zu dominieren ist schlicht und ergreifend gar nicht möglich. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad. Es wirkt fast so, als sei die KI gescriptet. Trotzdem ergeben sich dadurch immerhin selbst gegen die KI spannendere Ballwechsel, als bei der Konkurrenz. Was durchaus positiv zu verstehen ist.

Tennis World Tour
Es will einfach kein Spielspaß aufkommen.

Ach und dann wären da ja auch noch die anderen Bugs, die so zahlreich sind, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann. Im Karrieremodus ermüdet euer Spieler aus unerklärlichen Gründen binnen kürzester Zeit und erholt sich für den Rest der Partie einfach nicht mehr oder Spieler glitchen einfach mal so vom CourtTennis World Tour wirkt einfach komplett unfertig


Es wird nicht unbedingt besser

Kernstück des Spiels ist natürlich (mangels Alternativen) der Karrieremodus, der sogar erstaunlich gut funktioniert. Alles beginnt mit der Erstellung eures eigenen Spielers. Dabei dürft ihr aus einer lächerlich niedrigen Anzahl an Vorgaben wählen und so zumindest mehr oder weniger euer virtuelles Ebenbild erstellen.

Immerhin wirken sich die verschiedenen Untergründe wie Sand oder Gras auf die Flugbahn des Balles aus.

Wie so oft ist es eure Aufgabe, euch an die Spitze der Weltrangliste hochzuarbeiten. Dazu absolviert ihr kleinere Turniere oder Einzelspiele, bis ihr euch an die Grand Slams wagen dürft – welche allerdings allesamt nicht lizenziert sind. Immerhin wirken sich die verschiedenen Untergründe wie Sand oder Gras auf die Flugbahn des Balles aus.

Nach und nach steigt ihr im Level auf und dürft eure verschiedenen Fähigkeiten verbessern. Außerdem schaltet ihr sogenannte Skill-Cards frei, die ihr ausrüsten könnt. Diese beeinflussen aktiv oder passiv euren Spieler und bieten euch beispielsweise mehr Ausdauer oder lassen euch härtere Schläge ausführen, wenn ihr zurück liegt. Somit habt ihr zumindest ein Bisschen das Gefühl, einen einzigartigen Spieler erschaffen zu können.

Tennis World Tour
Die Technik ist hoffnungslos veraltet. Das haben wir schon vor 10 Jahren besser gesehen.

Zwischen den Turnieren liegt es an euch, ob ihr euch ausruhen und so neue Kraft tanken, einzelne Partien spielen oder eure Fähigkeiten trainieren und so verbessern wollt. Grundsätzlich macht der Karrieremodus seine Sache also ganz gut.

Was man von der Technik leider nicht behaupten kann. Grafisch kann es Tennis World Tour nicht einmal mit den großen Vorbildern der vorangegangenen Konsolengeneration aufnehmen. Die Charaktermodelle sind detailarm, die Animationen hölzern und die gesamte Präsentation wirkt schlicht altbacken und leblos. 

Teilweise reagieren eure Spieler noch nicht einmal logisch auf das Geschehen auf dem Platz: Da landet ihr ein Ass und euer Tennis-Profi rastet komplett aus. Bitte was? Auch die Vertonung macht es leider nicht besser, so wirklich Stimmung will zu keinem Zeitpunkt aufkommen und die englischen Kommentare von John McEnroe wiederholen sich gefühlt alle paar Minuten. 


Fazit:

Den Entwicklern ist es tatsächlich gelungen: Tennis World Tour agiert auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Blöd nur, dass dieses Duell in den unteren Spielspaßgefilden stattfindet. Damit haben wir das 2. Tennis-Spiel des Jahres 2018, welches es noch nicht einmal im Ansatz mit den fast zehn Jahre alten Größen des Genres aufnehmen kann.

Die Karriere ist durchaus motivierend und das eigentliche Gameplay könnte sogar funktionieren. Aber zahllose Bugs und Fehler sorgen dafür, dass Tennis World Tour letztlich doch keinen Spaß macht. In Kombination mit der bescheidenen Technik und der nervigen KI ergibt sich so ein Gesamtbild, welches schlicht unfertig wirkt und noch Monate an Feinschliff benötigt hätte.

Theoretisch hat Tennis World Tour wirklich Potential. WENN der Online-Multiplayer kommt, WENN Doppels kommen, WENN die Bugs behoben werden, WENN der Spielablauf verbessert wird,… Für den jetzigen Zeitpunkt sind das aber einfach zu viele wenns. Schade und somit heißt es weiter warten auf das erste gute Tennis-Game seit Jahren.


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