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AO International Tennis Review

Auf der letzten Konsolengeneration erfreuten sich Tennis-Games großer Beliebtheit. Große Namen wie Top Spin oder Virtua Tennis galten als Spielspaß-Garanten. Mit AO International Tennis von Entwickler Big Ant Studios erscheint nun das erste Spiel für die aktuellen Konsolen. Doch handelt es sich hierbei um ein Ass oder einen fatalen Doppelfehler?

AO International Tennis
Mit AO International Tennis gibt es endlich Tennis auf den aktuellen Konsolen.

AO International Tennis – Alles, was man braucht

Auf den ersten Blick bietet AO International Tennis eigentlich alles, was man von einem guten Tennis-Game erwarten kann. Mit einer Steuerung, die stark an die bekannten und beliebten Vorbilder erinnert und einigen großen Namen wie Rafael Nadal, Angelique Kerber oder David Goffin steht es um das Sportspiel auf dem Papier doch eigentlich ziemlich gut.

Allerdings auch leider wirklich nur auf dem Papier. Denn beim eigentlichen Gameplay auf dem Platz offenbart AO International Tennis eklatante Schwächen. Eigentlich geht das Spielgeschehen sogar relativ gut von der Hand. Verschiedene Tasten stehen für die unterschiedlichen Schlagtypen wie Top Spin, Lob oder Slice und doch mangelt es den Matches spürbar an Dynamik und Kontrolle.

Das Hauptproblem des Spiels ist, dass sich der Titel in unnötig komplizierten Mechaniken verstrickt. Nicht nur, dass ihr mit dem linken Analog-Stick einen Zielmarker in der gegnerischen Hälfte platzieren müsst, das wäre ja noch machbar. Allerdings müsst ihr gleichzeitig auch noch auf das perfekte Timing der Schläge achten und dabei die Ausdauer eures Spielers im Auge behalten, da der Ball sonst irgendwo landet und nicht dort, wo ihr es vorgesehen habt. 

AO International Tennis
Auf dem Papier klingt alles gut, doch der Titel hat enorme Schwächen

Das resultiert darin, dass ihr in den Partien ausschließlich damit beschäftigt seid, die verschiedenen Anzeigen und Markierungen im Auge zu behalten. Die eigentlichen Ballwechsel und Spieler gehen dabei komplett unter. Ein Glück dass euch AO International Tennis unzählige Hilfen an die Hand gibt, die euren Charakter perfekt zum Ball ausrichten und wie durch Geisterhand perfekt positionieren.

Durch diese Assistenzen wirkt das gesamte Spielgeschehen unrealistisch und spätestens nach dem ersten Match werdet ihr das Gefühl nicht los, zu keinem Zeitpunkt jemals wirklich die Kontrolle über eure Spielfigur und Schläge zu haben – Schade! Ein gutes Tennisspiel lebt von seiner Dynamik: Mit harten Schmetterbällen jagt ihr euren Gegner über den Platz, nur um ihn am Ende mit einem fiesen Stopp-Ball in die Knie zu zwingen. In AO International Tennis ist dies hingegen gar nicht erst möglich! Mal eben ans Netz sprinten, um den Gegner zu überraschen? Nope! Die Spielhilfen halten euch zurück und lassen auch auf der Grundlinie versauern.


Bloß nicht bewegen

AO International Tennis
Aufschlag und Stopp-Ball führen fast immer zum sicheren Punkt

Als Fan hervorragender Tennis-Spiele wie Top Spin oder Virtua Tennis wird man bei AO International Tennis ziemlich traurig. Viele Elemente, die den Sport und auch die entsprechenden Spiele ausmachen, sind in diesem Game schlichtweg nicht vorhanden. Minutenlange Ballwechsel sind beispielsweise gar nicht erst möglich, da sich keiner der Charaktere überhaupt dazu verpflichtet sieht, etwas Einsatz zu zeigen.

Natürlich dürft ihr die Position für euren Aufschlag wählen, doch euer Gegner verharrt immer stur an derselben Position. Zwar agiert die KI durchaus klug, passt sich aber zu keinem Zeitpunkt eurem Spielverhalten an, was ziemlich schnell für Langeweile sorgt. Prinzipiell könnt ihr immer und immer wieder mit demselben Ansatz punkten.

Nach dem Ball hechten, um die Filzkugel vielleicht doch noch im Spiel zu halten? Nicht möglich. Zudem gehen einige Partien ins Land, bis ihr die Sache mit dem richtigen Timing überhaupt erst verstanden habt. Doch statt um jeden Ball zu kämpfen, geben die Spieler in AO International Tennis lieber auf. Der Ansatz der Entwickler, hier eine echte Tennis-Simulation abzuliefern, scheitert bereits an den simpelsten Aufgaben.

Selbst die verschiedenen Untergründe wie Sand oder Gras haben keinen spürbaren Einfluss auf das Verhalten des Balls oder der Spieler. Zudem fallen die Aufschläge und Stopp-Bälle viel zu stark aus und führen, nach etwas Eingewöhnung, fast automatisch zum Punktgewinn. Das gilt nicht nur im Spiel gegen die KI, sondern auch in den Multiplayer-Modi an einer Konsole oder über das Internet.

Ein Match ausschließlich mit Assen gewinnen? Nichts leichter als das! Und selbst wenn es euer Gegenüber doch noch schafft, den Ball zu returnieren, habt ihr mit einem Stopp-Ball danach leichtes Spiel. Packende Ballwechsel sucht ihr in AO International Tennis jedenfalls meist vergebens. 


Cooler Editor – Schwache Lizenzen

AO International Tennis
Technisch macht AO International Tennis ebenfalls keine gute Figur.

Das wohl beste Feature von AO International Tennis ist der umfangreiche Charakter-Editor. Dass viele große Namen des Tennis-Sports im Spiel durch Abwesenheit glänzen, lässt sich durch die mächtigen Design-Werkzeuge verschmerzen. In Windeseile erstellt ihr nicht nur euren eigenen Spieler samt Logos oder ganzer Stadien, sondern könnt auch Abbilder von Stars wie Roger Federer oder Boris Becker erschaffen und anderen Spielern zum Download anbieten

Auch dieses Feature klingt zwar erst einmal ziemlich cool. Blöd nur, dass keiner der Spieler über eine Mimik verfügt und noch dazu mit bescheidenen Animationen aufwartet. Zumal die Spielermodelle ziemlich detailarm ausgefallen sind und so aussehen, als entstammten sie direkt dem Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds.

Die gesamte Präsentation von AO International Tennis wirkt veraltet und das ist noch nett ausgedrückt. Das konnten selbst Spiele auf der vorangegangenen Konsolengeneration besser. Ob es die starren Zuschauer auf den Rängen sind, die unbeweglichen Linienrichter oder die TV-Kameras, die nicht einmal dem Spielgeschehen folgen: Auch aus technischer Sicht macht der Titel keine wirklich gute Figur. 

Zudem fällt der Karrieremodus ziemlich öde aus. Im Prinzip absolviert ihr ein Spiel oder Turnier nach dem anderen und verbessert die Fähigkeiten eures erstellten Spielers in langweiligen Trainings-Minispielen. Oder aber ihr investiert euer gewonnenes Preisgeld in die Verbesserung von Fähigkeiten, was allerdings ziemlich deplatziert für eine Simulation wirkt. Im Multiplayer erwarten euch lediglich einzelne Partien, die ihr allerdings auch im Doppel bestreiten dürft und das sogar gemischt.


Fazit:

Was habe ich mich auf das erste Tennisspiel für die aktuellen Konsolen gefreut. Doch AO International Tennis gelingt es mit Leichtigkeit, diese Freude bereits in den ersten Spielminuten zunichte zu machen. Okay, es gibt ein paar echte Spieler und der Editor ist ziemlich cool. Der Multiplayer funktioniert auch online gut, doch sonst?

Steht es um das Spiel ziemlich düster. Das liegt vor allem am katastrophalen Gameplay, welches bereits das erste Virtua Tennis auf der Dreamcast besser machte. Die Dynamik ist in den Spielen quasi nicht vorhanden und lange Ballwechsel sind gar nicht erst möglich. Stattdessen führen die übermächtigen Aufschläge und Stopp-Bälle fast immer zum Sieg, da sich meine Gegner überhaupt nicht darauf einstellen. Geschweige denn dass sie versuchen, die Bälle überhaupt zu erreichen. So kommt zu keinem Zeitpunkt ein flüssiges Spielgefühl aus, von dem der Tennis-Sport nun mal lebt. Aber dem Geschehen auf dem Platz kann ich ja eh nicht folgen, da ich die ganze Zeit auf die Anzeigen auf dem Court achten muss, damit mein Ball überhaupt dahin geht, wo ich ihn haben wollte. So ist AO International Tennis leider ein Schuss in den Ofen, den ich nicht mal waschechten Fans des Sports empfehlen würde.


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