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Switch Tests

Henry the Hamster Handler Review

Was wir über Hamster wissen: Sie sind possierlich, haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang und stehen nicht im Ruf die klügsten aller Tiere zu sein. Diese Eigenschaften greifen auch die Entwickler von Pocket Money Games für ihre Nintendo Switch- Umsetzung zu Henry the Hamster Handler auf. Mehr zum Spielprinzip, zu unserem Eindruck und dazu, wie das ursprünglich als VR Spiel entwickelte Machwerk die Portierung zur Nintendo Switch überstanden hat erfahrt ihr hier im Test zu Henry the Hamster Handler.


Ein echter Hamster braucht keine Story

Eine Story, die den Sinn dessen was man gerade tut vermittelt, gibt es leider nicht. Gleich zu Beginn wird der Spieler aus einem recht optionsarmen Titelbildschirm in das erste der insgesamt 300 Level geworfen. Dort gilt es kleinen Fellknäulen dabei zuzusehen, wie sie vom Startpunkt aus in eine Art Röhre wandern und auf flehentlichen Zuruf diverse Tasten zu drücken, mit denen man Gefahren und Fallen für die Hamster deaktiviert. Irgendwann wird einem dann als Spieler bewusst, dass man Henry the Hamster Handler spielt, und irgendwie diese Flut an Hamstern zu „handeln“, also frei übersetzt zu führen hat. Mehr Story gibt es im gesamten Spielverlauf nicht. Hier verschenkt der Titel etwas an Potential. So fragt man sich im Spiel schon, wer diese Todeslabyrinthe für Hamster geschaffen hat und wie diese da rein gelangt sind. Nur dass es nicht freiwillig war wird irgendwann klar. Denn der eine oder andere Hamster gibt beim Erreichen des Levelendes ein erleichtertes „freedom“ (deutsch: Freiheit) von sich.

Etwas mehr Aufschluss versucht lediglich der Text im eShop zu geben. Der erklärt man wäre in einer uralten Kunst, der Hamsteralchemie, bewandert und müsse die Tierchen als Henry the Hamster Handler allerhand Gefahren aussetzen, auf dass sich diese dann in Gold verwandeln. Alles klar. Gold war im Spieletest leider keines ersichtlich.

Die Präsentation kann man wohl als minimalistisch bezeichnen.

Henry the Hamster Handler – Hamsterkauf für Fans von Quicktime Events

Erinnert die Optik zunächst an alte Lemmings Spiele, in denen es auch darum ging Tierchen von zweifelhaftem Lebenswillen an Fallen und Abgründen vorbei, durch 2D Levels zu bugsieren, so ist das eigentliche Gameplay eher als ein riesiges Qucktime Event angelegt. Die Hamster rufen Henry beim Annähern an eine Gefahr eine Taste zu, welche man als Spieler zu drücken hat. Zusätzlich gibt das Spiel visuelle Hilfestellung und lässt die Symbole für die jeweilige Taste auch über den Bildschirm zur Gefahrenquelle sinken, wo sie dann gedrückt werden kann. Im Wesentlichen erinnert das Gameplay also weniger an ein Lemmings, sondern eher an ein Guitar Hero ohne Tripple A Aufmachung. Denn aufs Grundlegende heruntergebrochen gilt es ja auch in der beliebten Serie für Wohnzimmer-Rocker lediglich die richtigen Tasten zum passenden Zeitpunkt zu finden.

Zu einem Preis von lediglich 2,89 Euro im eShop der Switch ist dem Spiel die fehlende Tripple A Aufmachung durchaus zu verzeihen. Man sollte sich der Tatsache lediglich bewusst sein, dass man hier eine Sammlung von 300 minutenlangen Quicktime Events ersteht und mangels neuer Todesfallen oder Mechaniken auch kaum bis keine Abwechslung gegeben ist.

Das Gameplay als solches funktioniert bestens. Nicht einen echten Fehler entdeckt man. Vor allem die Befehlsannahme über die Tasten oder den Analog Stick funktioniert zuverlässig, was absolut unverzichtbar ist, in diesem Spiel. Nur die teils unterschiedliche Tonlage der Hilferufe macht selten kurz Schwierigkeiten. Vor allem der „down“ Ruf, welcher dazu auffordert Steuerkreuz oder Analogstick nach unten zu bewegen, wird von nahezu jedem anderen Befehl zeitgleich übertönt. Da ist die optische Untermalung unverzichtbar.

Da sich jedes Level auf maximal wenige Minuten beschränkt ist Henry the Hamster Handler auch prädestiniert für die schnelle Runde im Zug oder im Bus. Hier ist ein Headset allerdings Pflicht. Denn lautlos, nur auf Basis der visuellen Hilfen, oder sehr leise, wenn Umgebungsgeräusche die Hilferufe der Hamster übertönen ist Henry the Hamster Handler kaum zu schaffen.

Das Spielprinzip ist simpel und leicht zu erlernen.

Grafik? Braucht Henry the Hamster Handler nicht

Grafisch ist Henry the Hamster Handler recht einfach aber schlüssig gehalten. Die Hamster und ihre Todesarten bei Spielerversagen sind schlüssig und teils wirklich nett gestaltet. Beispielsweise aufgepumpte Hamster, die gerade über einen Abgrund schweben, sehen im ersten Moment nett aus. Allerdings hat man sich daran auch schnell sattgesehen. Zu wenig Abwechslung für ausreichend knuffige Effekte bietet das Spiel. Dasselbe gilt im Übrigen auch für das Leveldesign. Bereits bei Level 50 wird man sich mehrfach gefragt haben ob man denn hier nicht schon war. So sehr ins Gewicht fällt dies allerdings nicht. Nach den ersten, leichteren, Stages hat der Spieler schnell gar keine Zeit mehr auf die Optik zu achten. Seine Welt besteht bald nur noch aus einzuhämmernden Befehlen.


Hamsterbacken voller Motivation?

Wer an solchen Reaktionstests gefallen findet, den holt das Spiel schnell in eine Art Motivationsspirale aus „einen Versuch mach ich noch“ oder „nur noch das nächste Level sehen“. Gleichzeitig offenbart Henry the Hamster Handler hier aber auch seine größte Schwäche. In jedem Level gilt es eine, mit fortschreitender Spielzeit steigende, prozentuale Wertung zu erlangen. Hier muss jeder Tastendruck sitzen und gut getimed sein. Eine falsche Taste kostet etwa ein Prozent, ein gegrillter, elektrifizierter oder sonst verunfallter Hamster bringt einen dem Scheitern erheblich schneller nah. Eben diese prozentual angelegte Wertung ergäbe für Perfektionisten sicher einen hohen Widerspielwert älterer Abschnitte. Leider findet sich aber nirgends eine Übersicht bereits erspielter Wertungen und vergangene Abschnitte lassen sich auch nicht erneut anwählen. Überhaupt beschränken sich die Optionen im Spiel auf das jeweils nächste Level und das Löschen des Spielstands. Hier wäre mehr Auswahl sehr wünschenswert.


Fazit: 

Ob man sich Henry the Hamster Handler ohne Reue zulegen kann ist die Frage, die wohl die meisten beschäftigt. Zum Glück für das Spiel liegt es in einem Preisrahmen, in welchem dies eigentlich meistens bejaht werden kann. Und in diesem Preisrahmen gehört es gerade auf Nintendos Switch sicherlich zu den besseren Vertretern. Unter der Voraussetzung diese Art von Gameplay grundsätzlich zu mögen ist Henry the Hamster Handler also trotz einiger Schwächen einen Kauf wert.


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