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Switch Tests

Hollow Knight im Test

Auf der E3 2018 präsentierte Nintendo erstmals Spielszenen zum Metroidvania-Titel Hollow Knight, welches noch dazu sofort veröffentlicht wurde. Knapp anderthalb Jahre nach dem PC-Release des per Kickstarter finanzierten Indie-Games kommen nun also endlich auch Konsolenspieler in den Genuss. Ob sich das Warten gelohnt hat, verrät unser Review!


Hollow Knight schlägt auf Nintendo Switch auf

Hollow Knight ist das Erstlingswerk der australischen Entwickler von Team Cherry, welches vollständig über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert wurde. Knapp 2.000 Unterstützer halfen dabei, das Projekt zu verwirklichen. Im Februar 2017 erschien der Titel dann endlich für den PC, seit wenigen Tagen steht die Konsolenfassung für Nintendo Switch zum Download bereit. Mit dabei sind sämtliche Download-Inhalte, als da wären: „Hidden Dreams“, „The Grimm Troupe“ und „Lifeblood.“ Das Gesamtpaket liegt bei fairen 14,99 Euro.


Metroidvania: Die besten Alternativen auf Nintendo Switch

Bei Hollow Knight handelt es sich um einen interessanten Gameplay-Mix, der Jump-n-Run-Elemente mit Metroidvania und einer Prise Dark Souls mischt. Kombiniert mit einem wunderschönen, handgezeichneten Grafikstil der direkt aus der Feder von Tim Burton stammen könnte, ergibt sich so ein einzigartiges Spielerlebnis

Hinter dem stimmigen Gameplay-Konstrukt versteckt sich ein faszinierendes Erlebnis, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet!

Auf den ersten Blick wirkt der Downloadtitel dabei gar nicht so besonders. Sprungpassagen und Kämpfe des Protagonisten mit einem Nagel gehen gut von der Hand, wirken allerdings sehr vertraut. Doch der Schein trügt: Hinter dem stimmigen Gameplay-Konstrukt versteckt sich ein faszinierendes Erlebnis, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet!

Hollow Knight
Hollow Knight besticht durch einen einzigartigen handgezeichneten Grafikstil

Willkommen in der Melancholie

Dabei ist es nicht unbedingt die Story von Hollow Knight, die das Spiel so besonders macht. Diese hält sich nämlich dezent im Hintergrund und liefert euch nur wenige handfeste Informationen. Tief unter der verfallenden Stadt Dirtmouth liegt Hallownest. Ein riesiges verlorenes Königreich das nur darauf wartet, von einem strahlenden Helden zu neuem Leben erweckt und von den fiesen Monstern, die im Dunklen lauern, befreit zu werden. 

Hollow Knight
Euch erwartet eine atemberaubende, enorm umfangreiche Welt

Also macht ihr euch als furchtloser Käfer auf, das vergessene Königreich zu retten und die mächtigen Schätze zu bergen, die in den Ruinen schlummern. Bewaffnet mit einem Nagel, der euch als Schwert dient, bahnt ihr euch euren Weg durch eine faszinierende und abwechslungsreiche Welt voller bösartiger Kreaturen und erkundet zahlreiche spannende Geheimnisse.

Hollow Knight versprüht eine enorm dichte und bedrohliche Atmosphäre

Bereits der erste Abstieg in die düstere Welt sorgt bei euch für ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Hollow Knight versprüht eine enorm dichte und bedrohliche Atmosphäre. Das gesamte Artdesign wirkt wie aus einem Guss und wandert nahezu perfekt auf dem schmalen Grat zwischen niedlichen Elementen und skurrilen, melancholischen Umgebungen. Die herausragenden Animationen tun ihr Übriges: Der Grafikstil in Kombination mit den butterweichen Animationen könnten einem Zeichentrickfilm entsprungen sein. Grandios!


Hollow Knight Gameplay

Hollow Knight setzt auf ein klassisches Metroidvania-Spielprinzip, ähnlich wie beispielsweise Yoku’s Island ExpressDas bedeutet, dass ihr die weitläufigen Umgebungen jederzeit frei erkunden könnt. Bis zu einem gewissen Punkt zumindest, denn an bestimmten Stellen müsst ihr auf ein Item oder eine Fähigkeit zurückgreifen, um weiterzukommen. Um an Doppelsprung oder Hechtrolle zu gelangen, müsst ihr zunächst einmal fette Bossgegner besiegen, die es mächtig in sich haben. 

Hollow Knight bietet nur einen Schwierigkeitsgrad und dieser liegt auf Dark Souls Niveau!

Selbst bei kleinen Standardgegnern wird euch der Titel einiges abverlangen, denn selbst diese setzen das Auswendiglernen ihrer Angriffsmuster voraus. Noch kniffliger wird es bei den Bossen. Über 130 Gegnertypen und satte 30 Bossgegner haben es in das kleine Indie-Spiel geschafft. Hollow Knight bietet nur einen Schwierigkeitsgrad und dieser liegt auf Dark Souls Niveau! Soll heißen: Im Laufe des über 30-stündigen Abenteuers werdet ihr garantiert unzählige Male das Zeitliche segnen. 

Hollow Knight
Trotz simplem Kampfsystem wird euch Hollow Knight alles abverlangen.

Dabei fällt das Kampfsystem eigentlich sehr simpel aus. Eine Taste dient zum Angreifen, eine weitere zum Ausweichen. Viel mehr zu beachten gibt es nicht. Seinen Schwierigkeitsgrad bezieht der Titel vor allem aus dem fordernden Ressourcenmanagement

Jeder besiegte Gegner belohnt euch mit Seelenenergie und Geo-Münzen. Die Energie nutzt ihr, um euch im Kampf selbst zu heilen und um eine mächtige Fernkampfattacke zu entfesseln. Das Problem bei der Selbstheilung: Dies funktioniert nur, wenn ihr an einem ruhigen Ort meditiert. Selbstredend prügeln die Gegner währenddessen weiterhin auf euch ein. Das kann mitunter ganz schön frustrierend werden. Die Geo-Münzen hingegen sind die Ingame-Währung von Hollow Knight, welche ihr bei verschiedenen Händlern unter anderem in neue Talismane investieren dürft. 


Zwischen Frust und Faszination

Hollow Knight ist brutal schwer und unbarmherzig. Und das sogar für geübte Spieler. Die Geo-Münzen investiert ihr nicht nur in nützliche Talismane oder Waffenupgrades, sondern schaltet damit auch Karten, Schnellreisepunkte und Checkpoints frei. Zu Beginn des Spiels steht euch nicht einmal eine Karte zur Verfügung, während ihr durch die verworrene Untergrundwelt manövriert. Diese könnt ihr zwar beim Händler kaufen, doch damit euch darauf auch eure Position angezeigt wird, benötigt ihr zusätzlich noch den Kompass.

Ärgerlich wird es, wenn ihr – dem Tode nahe – einen sicheren Schnellreisepunkt erreicht, aber nicht das nötige Kleingeld habt, um diesen überhaupt freizuschalten. Zudem verliert ihr alle Geo-Münzen, wenn ihr sterbt. Zwar dürft ihr in bester Dark Souls-Manier zum Ort eures Ablebens zurückkehren, um bei eurem Geist die verlorenen Münzen zurück zu erhalten, doch sterbt ihr auf dem Weg dorthin erneut, sind alle Geos verloren. 

Hollow Knight
Sterbt ihr bei einem Boss, beginnt ihr vom letzten Speicherpunkt erneut.

So fordert Hollow Knight von euch eine enorme Frustresistenz. Auch, weil es eben nicht die genretypischen Checkpoints vor den Bosskämpfen gibt. Normalerweise beginnt ihr bei eurem Tod gegen einen Obermotz direkt vor seinem Eingang erneut. Hier nicht. Stattdessen müsst ihr erneut mehrere Minuten lang durch die Welt laufen und dabei hoffen, nicht erneut durch einen der knackigen Standard-Gegner getötet zu werden. Brutal hart, doch wer sich darauf einlässt, wird belohnt. 

Hollow Knight ist zu keinem Zeitpunkt unfair. 

Nicht selten wollten wir bei unserem Test, bitterlich weinend, die Switch gegen die nächste Wand pfeffern. Doch Hollow Knight ist zu keinem Zeitpunkt unfair. Wer vorsichtig und taktisch vorgeht und die nötige Konzentration an den Tag legt, kann alle Abschnitte meistern.

Frustresistente Spieler belohnt der Titel mit einem einzigartigen Insekten-Setting und einer unglaublich dichten Atmosphäre. Die wunderschöne und butterweiche Grafik wird zudem durch einen gelungenen Soundtrack komplettiert, der sich meistens allerdings dezent im Hintergrund hält. Besonders bemerkenswert, wie abwechslungsreich die Musikstücke ausfallen. Auch innerhalb der Erweiterungen, die mit ihrer Vertonung eine ähnlich dichte, aber ganz andere Atmosphäre auf den Bildschirm zaubern.


Fazit:

AwardHollow Knight ist ein unglaublich faszinierendes Spiel geworden. Auf der einen Seit wanderte ich beim Testen regelmäßig zwischen Wut, Frust und purem Hass aus das Erstlingswerk der australischen Entwickler. Auf der anderen Seite belohnt mich der Titel aber mit einem nahezu perfekten Metroidvania-Gameplay, gepaart mit einer einzigartigen Grafik und einem starken Soundtrack.

Das eigentliche Spielprinzip fällt denkbar simpel aus und funktioniert hervorragend. Vor allem die Animationen und vielen kleinen Details, die ich auf meiner Reise erblicke, gefallen mir ausgesprochen gut. Auch das System mit der Seelenenergie und den Geo-Münzen gefällt mir gut. Wäre da nur nicht der brutal hohe Schwierigkeitsgrad, weshalb ich den Titel leider nicht allen Spielern empfehlen kann.

Die Checkpoints sind leider viel zu spärlich gesät und dass ich selbst Schnellreisepunkte für Münzen kaufen musst, ist dann doch ein Tick zu viel des Guten. Ein Rücksetzpunkt vor einem Boss wäre bei einem so hohen Schwierigkeitsgrad eigentlich Pflicht. Aber sei es drum, unfair ist der Titel dabei zu keinem Zeitpunkt.

Hollow Knight ist eine faszinierende und stellenweise sogar atemberaubende Reise geworden, die ich aufgrund des Schwierigkeitsgrades aber nur leidensfähigen und frustresistenten Spielern empfehlen kann. Doch wenn ihr euch auf das Spiel einlasst, werdet ihr reichlich belohnt.


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