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Desperados 3 im Test

John Cooper ist mit Desperados 3 zurück. Dieses Mal schleicht sich der Kopfgeldjäger der renommierten Echtzeit-Strategie-Reihe nicht nur auf dem PC durch den staubigen Wilden Westen, sondern macht sogar auf der PlayStation 4 und Xbox One die Saloons des Landes unsicher. Dank des Publishers THQ Nordic konnten wir uns für letztere ein Testmuster ergattern. Schon damals war Desperados eine wohltuende Ergänzung oder Alternative zu dem ebenfalls sehr beliebten Commandos. Immer die Sichtkegel der Gegner im Auge behaltend, schlich man sich mit einer kleinen Gruppe von Charakteren von Mission zu Mission und versuchte dabei möglichst unentdeckt zu bleiben. Lange Zeit war es ruhig um den dritten Teil der Saga, jetzt ist er endlich da und wie sich dieser auf der Konsole spielen lässt, verraten wir euch in unserem Test!


Desperados 3 – In Daddys Fußstapfen

Das Spiel beginnt mit einem Prolog, welcher auch gleichzeitig als Tutorial dient und euch verschiedene Gameplaymechaniken näherbringt. Ihr übernehmt die Rolle des jungen John Coopers, welcher seinen Vater bei einem Auftrag begleitet. Nicht nur, dass ihr hier alles wichtige über Kameraführung und Steuerung lernt, zusätzlich werdet ihr über nützliche Spielfunktionen wie den hilfreichen Showdown-Modus, bestimmten Fähigkeiten und das Einschätzen von Sichtkegeln instruiert. Diese sind in zwei Bereichen eingeteilt. Während man euch im hellen Bereich egal bei welcher Bewegung erkennt, seid ihr im dunklen Bereich lediglich dann erkennbar, wenn ihr aufrecht lauft. Schleichend in der Hocke müsst ihr euch also keine Gedanken machen, solange ihr nicht in den hellen Sichtkegel tretet.

Nach dem Prolog sind dann ein paar Jahre vergangen und John ist wieder in der Stadt. Als Kopfgeldjäger hat er sich zum Ziel gesetzt einen Mann namens Frank zu jagen. Dabei durchstreift er unterschiedliche Missionen. Demzufolge müsst ihr zum Beispiel eine Aufseherin töten, die verantwortlich für einen Zugüberfall ist oder sammelt in einer gut bevölkerten Stadt nach Informationen.

Desperados 3
Es war ein Unfall… wirklich.
©Xbox Store

Alleine habt ihr keine Chance

Dies muss man natürlich nicht alleine machen. Demnach stellt ihr im Laufe der Kampagne eine schlagkräftige Truppe aus Altbekannten, wie auch einem neuen Sonderling zusammen.

Während sich John ganz klassisch mit Wurfmesser, einer ablenkenden Münze und seinem Revolverpaar durch die Missionen schlägt, greift Doc McCoy auf Giftspritze, Köder und Scharfschützengewehr zurück. Kate O‘ Hara hingegen täuscht andere indem sie sich verkleidet, verdreht Männern den Kopf oder blendet sie mit ihrem Parfümfläschchen. Das Quartett der Veteranen wird durch Johns alten Freund Hector Mendoza komplettiert. Dieser legt große Bärenfallen und nimmt es körperlich sogar mit sogenannten Long Coats auf.

Dafür müssen wir einmal weiter ausholen. In Desperados 3 gibt es verschiedene Gegnerarten: Feinde die einen Poncho tragen lassen sich nicht lange ablenken, weibliche Fieslinge sind von Kate nicht verführbar und Long Coats sind besonders robust und müssen gleich mehrmals eine auf die Mütze bekommen, bevor sie zu Boden gehen… außer man benutzt eben den Hünen Hector.

Desperados 3
Die obligatorischen Sichtkegel sind essenziell für den Erfolg.
©Xbox Store

Besonders cool sind aber die Fähigkeiten des Neulings. Voodoo-Praktikerin Isabelle Moreau befasst sich, wie man an ihrer „Berufung“ schon annimmt, mit Voodoo-Zaubern. Mit ihrem Blasrohr kann sie zwei Gegner miteinander verbinden. Infolgedessen wird der ausgeteilte Schaden auf beide Ziele angerichtet. Zudem nutzt sie ihre Kräuter zur Heilung oder kann eine bestimmte Zeit die Kontrolle über einen der Widersacher übernehmen.

Einzeln betrachtet funktioniert das Taktieren mit den einzelnen Fähigkeiten per Controller hervorragend. Geht es dann allerdings darum, alle Einheiten gleichzeitig zu bewegen und mit ihnen Aktionen auszuführen, wird es sehr fummelig, sodass es uns immer mal wieder passierte, dass wir den richtigen Revolverheld nicht ausgewählt hatten.


12 Uhr mittags steht die Zeit still

Weiter oben haben wir den besagten Showdown-Modus schon einmal ganz kurz angeschnitten. Jetzt wollen wir ein wenig mehr ins Detail gehen und euch berichten, was es mit dieser neuen Mechanik auf sich hat. Der Showdown-Modus ist am Ehesten mit einer Art Planmodus zu beschreiben. Wenn ihr nicht gerade auf der schwersten Schwierigkeitsstufe „Desperados“ spielt, wird die Zeit bei Aktivierung für einen Moment angehalten. Folglich könnt ihr in Ruhe die in naher Zukunft angedachten Aktionen der zur Verfügung stehenden Akteure vorplanen. Springt ihr anschließend wieder in den normalen Spielfluss zurück, lässt sich der eben ausgeklügelte Plan per Knopfdruck in die Tat umsetzen. Kurzum lassen sich somit Ablenkungen und Takedowns perfekt miteinander verketten und abstimmen. Zum Beispiel lenkt ihr eine Wache per Münzwurf ab, während zwei andere Widersacher im Rücken des Abgelenkten ausgeschaltet werden.

Doch Vorsicht: Nicht nur der Sichtkegel ist entscheidend. Ein Revolverschuss ist beispielsweise deutlich lauter, als ein Messerwurf. Heißt, dass ihr eben auch die Lautstärke eurer Aktionen immer im Hinterkopf behalten solltet.

Desperados 3
Mit Doc McCoys Scharfschützengewehr nehmt ihr auch auf längere Distanz Gegner ins Visier.
©Xbox Store

Gleiches gilt übrigens für das regelmäßige Schnellspeichern, welches man in Desperados 3 schon fast als essenzielles Spielfeature bezeichnen könnte. Ganz bequem mit einem Tastendruck lässt sich schnell speichern. Solltet ihr demnach kurz darauf ins Gras beißen, könnt ihr auf eine der drei zuletzt getätigten Speicherungen zurückgreifen.


Missionen mit Herausforderungen und verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Innerhalb der Aufträge könnt ihr selber entscheiden, ob ihr eure Gegner nur bewusstlos schlagt – was den Nachteil hat, dass sie eben wieder aufgeweckt werden können, oder ob ihr sie tötet. Egal wie ihr euch entscheidet: Wichtig ist, dass ihr Leichen oder ausgeknockte Körper gut versteckt, damit sie von anderen nicht entdeckt werden. Zudem sind interaktive Objekte und begehbare Gebäude auf den Karten verteilt, die zur unkomplizierten Ausschaltung beziehungsweise zum Verstecken von Wachen verwendbar sind. Beispielsweise löst ihr eine riesige Glocke in einem Kirchturm, damit diese unterhalb des Gebäudes auf eine Patrouille kracht.

Desperados 3
Kates Verführungskunst lenkt die Feinde ab, sodass man sie leichter in einen Hinterhalt locken kann.
©Xbox Store

Außerdem könnt ihr vor jeder Mission einen Schwierigkeitsgrad auswählen. Je höher die Schwierigkeit eingestellt ist, desto aufmerksamer sind eure Feinde und desto weniger Fehler werden von dem Spiel verziehen. Für reichlich Wiederspielwert sorgen zusätzlich an dem einzelnen Level geknüpfte Herausforderungen. Kurzum gilt es das Level in einem knackigen Zeitlimit schaffen, auf die Speicherfunktion verzichten oder eine bestimmte Person auf einen speziellen Weg die Radieschen von unten zu zeigen.


Ausreichende Technik

Technisch ist Desperados 3 durchaus als gelungen zu bezeichnen. Zwar sind die Charaktermodelle bei näherer Zoomstufe etwas schwach und matschig, dafür fallen die Western-Kulissen überragend aus. Hier wurde definitiv Liebe zum Detail bewiesen und auch die Bildrate hält sich zumindest in unserer Testversion für die Xbox One stabil.

Die Steuerung wurde optimal für den Controller angepasst. Außer wenn ihr, mehrerer Figuren gleichzeitig koordinieren müsst. Aber auch das funktioniert nach einer gewissen Eingewöhnungszeit gut von der Hand.

Für einen passenden Sound sorgen schallende Revolver, zischende Messerwürfe und eine hervorragende Synchronisation der Charaktere. Also auch in diesem Bereich lässt sich nicht wirklich etwas bemängeln. Die ruhige Hintergrundmusik und dazu passenden Hintergrundgeräusche wie das Zwitschern von Vögeln begleitet das Gameplay angemessen.

Desperados 3
Dank Showdown-Modus sind abgepasste Doppel-Takedowns kein Problem.
©Xbox Store

Fazit:Award

Ehrlich gesagt habe ich dem Release Desperados 3 schon lange herbei gesehnt. Schon früher auf dem PC haben mich die Vorgänger, wie auch Commandos, stundenlang vor dem Monitor gefesselt. Was soll ich sagen? Das Warten hat sich absolut gelohnt! Der dritte Teil der Western-Strategie-Reihe entpuppte sich in unserem Test als würdiger Nachfolger, welcher mit einem durchdachten Missionsdesign, authentischen Charakteren und einem hohen Wiederspielwert punktet. Besonders das Zusammenspiel zwischen Schnellspeicher- und neuer Showdown-Funktion öffnet viele taktische Möglichkeiten und fügt sich hervorragend in das eigentliche Gameplay ein.

Technisch wirken die Charaktermodelle zwar etwas blass und die Steuerung bei dem Handling mehrerer Figuren gewöhnungsbedürftig, dafür sorgen eine gute akustische Untermalung und großartige Kulissen für eine stimmige Western-Atmosphäre. 

Selbst auf der Konsole lässt sich der Titel dank anständig zugeschnittener Steuerung, abgesehen von dem angesprochenen Kritikpunkt, sehr gut bedienen. Wer also dem Echtzeit-Taktik-Genre etwas abverlangen kann und/oder vielleicht auch schon mit den Vorgänger, Commandos oder Shadow Tactics seinen Spaß hatte, für jenen dürfte Desperados 3 sowohl am PC, als auch auf den Konsolen in der heutigen Zeit fast schon alternativlos sein.

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