Image default
PC PS4 Tests Xbox One

Project Cars 3 im Test

Alle guten Dinge sind drei. Das haben sich wohl auch Bandai Namco Entertainment und Slightly Mad gedacht und brachte vor kurzem mit Project Cars 3 den dritten Teil der Rennspielserie für die Xbox One, PlayStation 4 und PC auf den Markt. Ursprünglich war die Project Cars-Reihe für seine beinharten Simulationen bekannt und entpuppten sich gerade bei Lenkrad-Enthusiasten für ein wahres Rennspielfest. Der dritte Teil will jetzt hingegen eine andere Kerbe schlagen. Inwieweit sich dieser also neu im Feld positioniert und ob der Titel das Zeug für die Pole-Position hat, verraten wir euch in unserem Test!


Sporadischer Story-Modus der dennoch langfristig motiviert

Das Herzstück der Spielmodi dürfte wie in den meisten Rennspielen dieser Art der „Story-Modus“ sein. Wir setzen dies nicht ohne Grund in Anführungszeichen, denn eine wirkliche Story gibt es nicht wirklich. Stattdessen kämpfen wir uns durch verschiedene Fahrzeugklassen, die zugegeben in ihren kurzen Intros immer wieder inszeniert vorgestellt werden.

So beginnen wir unsere Karriere mit einem alltagsüblichen Kleinwagen, in unserem Fall dem Honda Civic und messen uns auf einem Mix von Fantasie- und echten Strecken (z.B. Monaco oder Hockenheimring) mit anderen Wagen dieses Kalibers.

Project Cars 3
In der Story steigt ihr in die Cockpits verschiedener Fahrzeuge.
©Project Cars 3

Ob ihr später, also in den höheren Klassen dann in ein neues Auto investiert oder euren fahrbaren Untersatz mit Upgrades über die Fahrzeugklasse hinaus aufwertet liegt ganz bei euch. Demnach ist es zum Beispiel möglich euren Civic mit dem richtigen Tuning in ein ernstzunehmendes Hypercar zu verwandeln. Ohnehin ist dem Fuhrpark nur wenig Grenzen gesetzt, sodass ihr euch im Laufe der Story unter anderem hinter das Steuer exotischer Supersportwagen, Rennboliden oder gar Formula-E Autos klemmt. Wem das oberflächliche Upgraden seiner Karre nicht ausreicht, der kann auch Feintuning betreiben und das Auto so an seine eigenen Vorlieben anpassen.

Alles in allem fällt die Präsentation aber recht trocken aus, dennoch schafft es Project Cars 3 den Spieler mit seinen unterschiedlichen Events trotzdem recht lange bei Laune zu halten. Neben den normalen Rennen, gilt es hier zum Beispiel in einer Runde eine vorgegebene Zeit zu schlagen, nach drei Runden eine Durchschnittsrundenzeit zu bezwingen, auf den Strecken verteilte Punktetafeln zu zerstören oder eine Meisterschaft bestehend aus zwei bis drei Rennen abzuschließen. Für jedes Rennen erwarten euch außerdem verschiedene Herausforderungen. Beispielsweise sollt ihr eine bestimmte Zeit im Windschatten eurer Kontrahenten fahren, in einem knappen Zeitlimit eine bestimmte Anzahl an Gegnern überholen oder eine saubere Runde hinlegen.


Richtungswechsel zur SimCade

Wenn man dabei an Rennmodi wie Breakout, also das Event, bei welchem ihr Punktetafel zerstören müsst, denkt, fällt direkt auf, dass Project Cars 3 anders als seine Vorgänger eine andere Richtung einschlägt. Anders gesagt verlässt man die Spur einer beinharten Simulation und versucht stattdessen einen Mix zwischen Arcade und Simulation zu finden. Ganz neu ist das nicht. Gleiches wurde früher unter anderem schon Need for Speed Shift versucht und wir müssen zugeben: Ja, der dritte Teil von Bandais Rennspielreihe fühlt sich vom Verhalten ähnlich an. Ein Schadensmodell gibt es zum Beispiel nur noch optisch, auf Reifenabnutzung hat man ebenfalls verzichtet und auch längere „Rennwochenenden“ mit Qualifying, Boxenstopps und Co. wurden in die Mottenkiste verfrachtet. Demgegenüber erwarten euch kurze knackige Rennen, dynamische Wetterwechsel inklusive, mit einer Renndistanz von durchschnittlich zwei bis drei Runden.

Project Cars 3
Mit dem Kaufen von Upgrades könnt ihr euren liebsten Kleinwagen zum exotischen S-Klasse verwandeln.
©Project Cars 3

Wir konnten das Spiel mit dem Lenkrad nicht bewerten, haben uns aber sagen lassen, dass dies nicht mehr so rund von der Hand geht. Ganz anders verhält es sich mit der Eingabe mit dem Controller. Diese funktioniert hingegen tadellos und wirkt vor allem deutlich zugänglicher als früher.


Weniger Fahrhilfen für mehr Erfahrungspunkte

Ein weiterer Fakt der für das eher lockere Gameplay spricht, sich zudem auf der Strecke ab. Hier bekommt ihr nämlich je nach Manöver während des Rennens Erfahrungspunkte. Darunter zählen unter anderem das fehlerfreie fahren von Kurven, saubere Überholmanöver oder das Ausnutzen des Windschattens. Ziemlich cool ist dabei, dass man auf eine penetrante Ideallinie, wie man sie beispielsweise in Form von grünen leuchtenden Pfeilen kennt, verzichtet hat. Stattdessen zeigt man euch anhand drei Punkten den Bremspunkt, Kurvenscheitel und das Herausbeschleunigen an. Schade nur, dass man dies nicht ganz bis zum Ende gedacht hat. Anders gesagt ist es stellenweise vollkommen egal wie ihr die Kurve fahrt und auffallende Verbremser werden ebenso verziehen.

Project Cars 3
Die Kulissen können sich trotz altbackener Grafik durchaus sehen lassen.
©Project Cars 3

Ungeachtet dessen ist es ähnlich wie in Forza und ihr erhaltet mehr Erfahrungspunkte und Credits, wenn ihr weniger Fahrhilfen eingeschaltet habt. Gewonnene Credits lassen sich dann logischerweise für Upgrades oder einem neuen fahrbaren Untersatz ausgeben, wohingegen Erfahrungspunkte euer Fahrer- und Fahrzeugleveln erhöhen. Während die Fahrerstufe neue Events freischaltet, freut ihr euch bei einem höheren Level des Autos über größere Rabatte was die Upgrades für das jeweilige Fahrzeug betrifft.


Auch abseits der Story gibt es einiges zu tun

Natürlich gibt es aber auch abseits der „Kampagne“ noch den einen oder anderen Spielmodus. Beginnen wollen wir dementsprechend mit dem Rivals-Modus. Hier habt ihr eine vorgegebene Anzahl an Versuchen und müsst euch in verschiedenen Herausforderungen mit den Resultaten anderer Spieler messen. Der Fuhrpark ist dabei frei zugänglich, sodass ihr stets mit eurem Wunschauto an der Challenge teilnehmen könnt. Beispielsweise gilt es eine gute Rundenzeit abzuliefern oder auf einer bestimmten Strecke eine besonders hohe Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Umso besser ihr dabei abschneidet, desto lohnender ist eure Belohnung.

Project Cars 3
Nicht nur auf dem Papier wird Project Cars zugänglicher. Auch die Rennen selber fallen kurz und knackig aus.
©Project Cars 3

Im richtigen Multiplayer könnt ihr euch für vorgefertigte Events qualifizieren oder selber eigene Lobbys nach euren Vorlieben und mit bis zu 32 Fahrern erstellen. Hier sind euch fast keine Grenzen gesetzt, sodass ihr beispielsweise die Fahrzeugklasse und Leistung bestimmen dürft oder Strafen für unsauberes Fahren ein- oder eben abschaltet. Der Netzcode war in unseren Test Sessions stets stabil, sodass keine wirklichen Verbindungsdefizite spürbar waren. Übrigens ist es auch fernab des Multiplayers möglich, benutzerdefinierte Events mit unterschiedlicher Rundenzahl zu erstellen und einfach ein paar Runden zu drehen.


Project Cars 3 verfehlt Podiumsplatz durch mangelnder Technik

Der wohl größte Kritikpunkt, neben dem nicht ganz durchdachten Wechsel zum Arcade-Genre, ist die fast schon minderwertige Präsentation. Dies wird vor allem in der Cockpit-Ansicht und den Replays der Rennen sichtbar. Anzeigen der Instrumente auf dem Armaturenbretter, Schatten der Fahrzeuge und allgemeine Streckentexturen wirken insgesamt recht altbacken und könnten ein sorgfältiges Tuning in Sachen Kantenglättung vertragen. Außerdem dämpfen Grafikfehler gepaart mit immer wieder auftretende Frameeinbrüche das Spielgeschehen merkbar.

Project Cars 3
Mit dem nötigen Kleingeld dürft ihr euch im umfangreichen Fuhrpark austoben.
©Project Cars 3

Anders verhält es sich mit Wettereffekten, zum Beispiel hereinbrechender Regen oder dem Sonnenuntergang am Horizont, diese zeigen sich durchaus ansehnlich und gelungen. Akustisch punktet Project Cars 3 mit hervorragend passenden Motorengeräuschen und einem stimmigen, wenngleich auch einem sehr arcadigen Soundtrack. 


Fazit:

Project Cars 3 ist definitiv kein schlechter Racer, überragt aber auch nicht unbedingt durch Großartigkeit. Viel eher findet die Neuinterpretation des Rennspiels seinen Platz im Mittelfeld. Der Spurenwechsel in Richtung SimCade-Racer à la Need for Speed: Shift macht das Gameplay und vor allem auch die Steuerung mit dem Controller deutlich zugänglicher, wirkt aber insgesamt trotzdem nicht so richtig geglückt. Der Titel bietet demnach viele gute Ansätze, wie zum Beispiel das Ersetzen der penetranten Ideallinie durch weniger auffallende Punkte, schafft es aber nicht diese konsequent durchzuziehen. Auch das dynamische Wetter ist zwar ein gut gemeintes Feature, wirkt aber anhand der geringen Rundenanzahl recht unrealistisch. 

Demgegenüber bietet Project Cars 3 allerdings trotz einer obsoleten Grafik und trockener Menüführung, einen großartigen Fuhrpark, der vom Kleinwagen bis zu exotischen Sportwagen oder Formula-Karosserien reicht. Außerdem sind bekannte Strecken wie Monaco oder der Hockenheimring ebenfalls mit von der Partie. Die vielfältigen Events machen insgesamt eine ganze Menge Spaß und unterstreichen das arcadige Gameplay hingegen gelungen. 

Abschließend können wir Project Cars 3 also jedem empfehlen, der eine solide Mischung zwischen Simulation und Arcade sucht. Wenn ihr hingegen Vollblut-Rennfahrer seid und zusätzlich dann noch das Spiel mit einem hochwertigen Lenkrad genießen wollt, dürfte es deutlich empfehlenswertere Alternativen in diesem Bereich auf dem Markt geben.


Related posts

Pokémon Let’s Go Pikachu & Evoli im Test

Lars Schulze

All-Star Fruit Racing (Nintendo Switch) Review

Anthem Guide: So greift ihr auf die verheerenden Kombo-Effekte zurück

Lars Schulze