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Tests Xbox One

Crackdown 3 im Test

Microsoft veröffentlichte unlängst die Chaos- und Ballerorgie Crackdown 3 als Xbox Exklusivtitel. Hohe Erwartungen wurden bei der Spielerschafft von Beginn an geweckt. Bereits als das Spiel zu Beginn der gerade beinahe schon auslaufenden Konsolengeneration erstmals angekündigt wurde, wurden die Erwartungen der Fans auf einen echten Action-Kracher geschürt. Von großartigem Gameplay über tolle Grafik bis hin zu einer komplett zerstörbaren Umgebung im Multiplayer, die so aufwändig ist, dass nur Cloudberechnung sie möglich macht, wurde so ziemlich alles versprochen. Dies ließ nicht nur die Herzen von Fans des Franchises höherschlagen, sondern Gamer allgemein ungeduldig die verschiedenen Release-Verschiebungen ausharren. Ob und für wen sich das Warten gelohnt hat oder ob das Kartenhaus auch ganz ohne Cloud beim Spielen in sich zusammenfällt klären wir in unserem Test.

Crackdown 3


Crackdown 3 – Die Story ist doch eigentlich egal

Das grundsätzliche Crackdown Gameplay bezog sich noch nie sonderlich stark auf Storytelling. Dies merkt man auch dem neuesten Ableger Crackdown 3 deutlich an. In der Regel rennt ihr in Third-Person-Ansicht durch die Gegend, zerlegt ganze Hundertschaften von Gegnern aller Art und vollführt so manch übermenschliche Tat. Und damit ist durchaus übermenschliches gemeint. Zu Beginn werft ihr beispielsweise “nur” schwere Gegenstände, mit denen ihr eure Gegner zerlegt, etwas weiter im Spielverlauf fliegen ganze Fahrzeuge. Außerdem springt, boostet und klettert ihr deutlich überzeichnet, wie es nur eine Mischung aus modernem Videospielcharakter und eines typischen Kino-Helden der 90er sonst könnte. Hierzu steht euch eine frei begehbare Stadt mit Missionszielen zur Verfügung. Bei all dem rückt die Story doch sehr in den Hintergrund. So sehr, dass man sich scheinbar auch keine Mühe machen wollte dies zu ändern.

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In recht zweckmäßigen Animationssequenzen und gar nicht mal so schlechten, überdreht eingesprochenen Funksprüchen bekommt ihr im Grunde folgende Story präsentiert: Weltweiter Stromausfall. Eine Stadt hat noch Strom. Diese wird von einem totalitären Unterdrückerregime namens Terra Nova beherrscht und dessen Führerriege gilt es “freizuspielen” und zu erledigen. Story beendet. Ganz ohne echte Spoiler, denn für Spoiler gibt Crackdown 3 schlicht kaum genug Handlung her.


Früher war nicht alles besser (…)

(…) Das Crackdown 3 Gameplay wäre früher allerdings besser gewesen. Denn die Open World in der Stadt der Zukunft sieht insgesamt eher so aus, wie man es von einer Open World vor zehn Jahren oder gar noch früher erwartet hätte. Dabei spielt nicht die Technik in erster Linie eine Rolle, sondern ein unglaublich rückständiges Art-Design. Kann man vielerorts die künstlich grelle Neon-Welt der Gebäude noch damit abtun, dass die Welt in Crackdown 3 nun mal so ist, wirken auch kahle Betonwände oftmals einen guten Tick zu steril. Die Fahreigenschaften des ansehnlichen Fuhrparks im Spiel werden von Jahre alten Open-World-Spielen um Längen übertroffen und sorgen für Ernüchterung. Nachvollziehbares Fahrverhalten gibt es, wenn überhaupt, nur bei eurem Agentenflitzer.

Auch Terry kann Crackdown 3 nicht so recht retten. Egal wie oft er in die Kamera schreit.

Fahrzeuge muss man allerdings auch nicht zwangsläufig nutzen. Wir empfehlen ohnehin die Stadt zu größten Teilen, abgesehen von Autorennen und Stuntringen natürlich, zu Fuß zu erkunden. Da funktioniert die Steuerung eures Agenten immerhin besser, wenngleich wir auch hier den Eindruck nicht loswerden konnten, dass es am letzten Feintuning fehlt. Genaue Sprünge und nachvollziehbare Klettermanöver kann Crackdown 3 zwar teilweise, aber längst nicht immer bieten.


Mit LT gegen Hundertschaften

Im Gefecht ist die Steuerung ohnehin kein großes Problem. Mit LT aktiviert ihr euer Auto-Aim und dieses visiert den aktuellen Gegner für euch fest an. Dies funktioniert selbst durch Wände hindurch. Ihr dürft lediglich noch entscheiden ob ihr eher Richtung Kopf, Torso oder Beine schießt. Auch Granatwürfe werden auf diese Art zum fast sicheren Treffer. Gegner sind hier also lediglich Kanonenfutter und werden höchstens durch ihre schiere Überzahl einmal wirklich gefährlich. Dass ihr als Spieler unglaublich „OP” seid ist im Falle von Crackdown 3 zwar das grundlegende Spielprinzip, macht die Sache so über lange Strecken aber auch etwas zu leicht.

So mordet ihr euch durch Gegnerhorden. Befreit ihr Gefängnisse wird irgendwann der zuständige Endgegner verfügbar. Zerstört ihr Minen wird irgendwann der zuständige Endgegner verfügbar. Zerlegt ihr… Ihr wisst wo das hin führt, bis ihr der Regierungsorganisation Terra Nova dann endlich den Gar aus gemacht habt. Immerhin gibt es abgesehen von der Steuerung keine starken technischen Querelen auf dem Weg dorthin, die uns negativ aufgefallen wären. Lediglich der insgesamt sehr solide Sound hatte beim Nachladen teils kleinere Aussetzer.

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Grinding, Leveln und Looten

Auf eurem Weg durch etliche Einrichtungen, die man guten Gewissens als besonders bleihaltiges Grinding bezeichnen kann, werdet ihr immer stärker. Wie schon am Beispiel der werfbaren Gegenstände angedeutet könnt ihr auch andere Eigenschaften leveln. So werdet ihr zu Beginn nur springen können, später einen Doppelsprung und noch später einen zusätzlichen Boost in eure Wunschrichtung erhalten, wenn ihr in der Luft seid. Dies funktioniert einerseits über auf der Map verteilte EP-Kugeln, andererseits über das Killen der Gegner. Wollt ihr besser schießen müsst ihr einigen Schaden mit Waffen verursachen. Wollt ihr effektiver mit Sprengstoff werden benutzt den. Sprünge und Bewegungen levelt ihr mit EP-Kugeln, die vorzugsweise auf Dächern oder sonst weit über euren Köpfen anzufinden sind. Jedes Fahrzeug, jede Waffe die ihr einmal aufnehmt wandern in euer Repertoire, auf welches ihr an Nachschubpunkten zugreifen könnt.


Spaß ja – Tripple-A Spaß nein

Das größte Problem, abgesehen vom Multiplayer, auf den wir unten eingehen hat Crackdown 3 allerdings gar nicht im Spiel. Die Vermarktung ist es, die Erwartungen weckte, die das Spiel niemals halten können wird. Es kann durchaus Spaß machen relativ kopflos und mordend durch die Stadt zu ziehen und einfach den Grind zu erledigen. Es macht auch unglaublich Spaß die Gegner mal etwas kreativer zu töten. All dies macht noch mehr Spaß, wenn man die Option nutzt die Kampagne im Online-Coop zu spielen und vielleicht auch einfach mal etwas Quatsch zu veranstalten. Wo sonst könntet ihr eurer besseren Hälfte ungestraft ein Auto übers Haupt ziehen?

Die Open World ist vergleichsweise steril und unbelebt.

Der Xbox-Exclusive-Heilsbringer, als der Crackdown 3 schon viel zu lange vermarktet wurde, ist dieses Spiel aber ebensowenig, wie ein heutiger Vollpreistitel. Kann man den letzten Punkt durch den Release im Gamepass noch gut kompensieren, so stolpert Crackdown 3 allerdings noch immer über die Erwartungen, welche über Jahre geweckt wurden. Wer gänzlich frei von diesen ist wird wohl eher Spaß finden, für einige Stunden Spielzeit. Danach nutzt das größtenteils gleichbleibende Spielprinzip sich allerdings ohnehin ab.


Crackdown 3 Multiplayer – Der Cloud-Berechnete Elefant im Raum

Die Abrisszone, der Crackdown 3 Multiplayer mit seiner frei zerstörbaren Umgebung, kommt mit tatsächlich nur dieser einen Karte daher, auf welcher man auch nur zwei Modi spielen kann. Eine Variante des klassischen Modus “Stellung” aus anderen Shootern, hier Territorien genannt, und eine Variante von Abschuss bestätigt, was man hier “Agent Hunter” taufte. Für wirkliche Langzeitmotivation fehlt es hier schon mal an grundlegender Abwechslung. Das Gameplay, welches mit seinem Auto-Aim direkt der Kampagne entnommen wurde, macht es außerdem sehr anspruchslos. In vielen Fällen hat einfach der Spieler einen Kill, der den anderen zuerst gesehen und anvisiert hat. Danebenschießen ist schon sehr schwer. Flüchten geht zwar, dann rennt man aber eben, schon angeschlagen wie man ist, dem nächsten Auto-Aim-Helden vor die Flinte. Das hat zur Folge, dass man gefühlt immer von überall beschossen wird. Hier wird es manchen geben, der sich eher nicht zuhause fühlt.

Trifft dies auf eure Freunde auch zu? Halb so schlimm. Denn mit ihnen eine Team bilden und zum Gefecht antreten ist ausgerechnet im Multiplayer nicht möglich. Hier geht nur Matchmaking mit Zufallspersonen. Wie diese Entscheidung in einem Multiplayer des Jahres 2019 zustande kommt ist uns ehrlich gesagt unerklärlich.

Im Gamepass ist Crackdown 3 einen Blick wert. Als Vollpreistitel eher nicht.

Vollkommen überbewertet statt vollkommen zerstörbar

Was aber ist nun mit “dem Feature” der vollständigen Zerstörung? Nicht viel, müssen wir anmerken. Zwar lässt sich mit Sprengwaffen einiges zerlegen, einiges ist aber eben noch immer nicht alles. Zusammenstürzende Gebäude wie in frühen Trailern konnten wir noch überhaupt keine entdecken. Kernelemente bleiben ohnehin stehen. Frühe Titel der Playstation 2 Ära haben da schon mehr geleistet. Das Gefühl der vollständigen Zerstörbarkeit war im Multiplayer von Red Faction beispielsweise weitaus größer.


Fazit

Crackdown 3 ist zweifelsohne ein Must-Have für Serienfreunde die den Gamepass besitzen. Auch anderen Spielern dürfte es in der Funktion eines “Games zum mal Abschalten” noch einige vergnügliche Stunden bereiten, sofern der erste negativere Eindruck einmal überwunden ist und man sich an die Steuerung gewöhnt hat. Letzteres ist leider erstmal nötig. Ein Vollpreisspiel oder der Console-Seller, den man nach all den Ankündigungen erwarten sollte, ist Crackdown 3 allerdings unserer Ansicht nach zu keinem Zeitpunkt. Hierzu kam das Spiel mindestens 10 Jahre zu spät in dieser Form auf den Markt.

Multiplayerpunkte kann Crackdown 3 zwar einige sammeln, allerdings nur in der Kampagne im Coop mit Freunden. Der eigentliche Multiplayer, vor allem auch das fehlende Party-Feature und die nicht ganz so tolle Zerstörung, ist hingegen aus unserer Sicht eine klare Enttäuschung.


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