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Yakuza 6: The Song of Life Review

In Yakuza 6: The Song of Life lässt Hauptcharakter Kazuma Kiryu ein allerletztes Mal die Fäuste fliegen. Anders gesagt erwartet euch mit dem aktuellen Yakuza-Spiel der letzte Ableger, in welchem ihr in der Rolle des oben genannten Helden schlüpft. Das Ergebnis: Eine rund 50 stündige spannende Kriminalgeschichte, welche seines gleichen sucht. Warum Yakuza 6: The Song of Life das Epos des mittlerweile 48-jährigen Mannes würdig beendet und zeitgleich einen Generationswechsel einläutet, verraten wir euch mit unserem Review zum Spiel.

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Verdiente Rente sieht anders aus

Unsere Hauptfigur will sich eigentlich nur zur Ruhe setzen und mit der kriminellen und namensgebenden Yakuza-Organisation nichts mehr am Hut haben. Kazuma ist zudem deutlich gealtert. Während uns im ersten Ableger der Reihe noch ein draufgängerischer Jungspund entgegengetreten ist, muss er sich jetzt schließlich mit tiefen Falten und müden Augen zufriedengeben. 

Der Titel setzt nach den Ereignissen des direkten Vorgängers Yakuza 5 an. Nach dem Abschluss der Haupthandlung musste Kazuma drei Jahre im Gefängnis absitzen. Dass in dieser Zeit eine ganze Menge passiert ist, dürfte nachvollziehbar sein und auch das Leben des damaligen Yakuza-Handlangers weist einige Änderungen auf. Seine Ziehtochter Haruka Sawamura ist nicht nur zu einem populären Idol aufgestiegen, sondern zudem auch noch Mutter des kleinen Haruto geworden.

Yakuza 6
Nach drei Jahren Gefängnis hat sich einiges verändert.

Im Grunde genommen könnte es also nicht besser laufen, wäre da nicht der eine Vorfall der alles verändert. Die junge Mutter wird von einem Auto erfasst, woraufhin der Führer des Kraftfahrzeuges Fahrerflucht begeht. Kiryu glaubt zu keiner Sekunde, dass es sich dabei um einen Unfall handelt. Folglich macht ihr euch auf die Suche nach dem verlorenen Vater von Haruto und durchleuchtet die Hintergründe des Anschlags. Dabei entpuppt sich die Handlung als äußerst packend und motivierend.


Ihr werdet an die Hand genommen

Bevor es schließlich ans Eingemachte geht, werdet ihr mit einem Prolog angemessen an die Hand genommen und an das Spielgeschehen von Yakuza 6 herangeführt. Man sollte zudem noch erwähnen, dass es im neuesten Serienteil keine Rollenwechsel mehr gibt, wie es im direkten Vorgängerspiel der Fall war. Somit steuert ihr im gesamten Spielverlauf lediglich Kiryu und bekommt mit zunehmender Handlung weitere intime Einblicke in seinen Werdegang.

Grob gesagt, sieht das Gameplay so aus, dass ihr von A nach B lauft und mit den verschiedensten Leuten ins Gespräch kommt. Diese geben euch dann neue Informationen oder warten mit der einen oder anderen Nebenaufgabe, auf welche wir später noch zu sprechen kommen. Dabei werdet ihr immer wieder in körperliche Konfrontationen mit Kleinkriminellen oder gar Gangsterbossen verwickelt.

Yakuza 6
Großteils der Zeit durchstreift ihr verschiedene Orte und sammelt Informationen.

Übrigens: Wer einen fahrbaren Untersatz erwartet, der sucht bei Yakuza vergeblichst danach. Auch Schusswaffen stehen im Vergleich zur GTA-Reihe weniger im Fokus. 


Keine verschiedenen Kampfstile mehr

Im Gegensatz zu vergangenen Serienteilen, beschränkt sich Kazuma in Yakuza 6 nur noch auf einen Kampfstil. Die kämpferischen Fähigkeiten können dabei umfassend verbessert werden. Also ist es euch gestattet dem Gegner per Knopfdruck mit starken Hieben, wuchtigen Tritten und schwungvollen Würfen ordentlich einzuheizen.

Zudem ist der Drache von Dojima (so nennt man unseren Protagonisten auch) in der Lage, sogenannte Heat Actions auszuführen. Das sind Spezialangriffe, welche mit einer grotesken Sequenz ordentlich in Szene gesetzt werden. Neu und nochmal effektiver ist der Extreme Heat Mode, wodurch ihr nochmal mächtigere Attacken entfesselt.

Yakuza 6
Kämpfe fühlen sich deutlich wuchtiger an und der gute Kazuma kann trotz des Alterungsprozesses noch ordentlich austeilen.

Sega hat auch ordentlich an der Kollisionsabfrage geschraubt. Folglich fühlen sich Treffer noch wuchtiger an und das ausgezeichnete Trefferfeedback lässt die Kämpfe noch intensiver werden.


Der Pappaufsteller um sie alle zu knechten

Obwohl es so gut keine Schießereien gibt, müsst ihr euren Verfolgern aber keineswegs unbewaffnet gegenüberstellen. Ihr könnt den Widersachern so ziemlich alles um die Ohren werfen oder schlagen, was nicht angekettet ist. Darunter zum Beispiel Pappaufsteller, Schilder oder sogar Fahrräder.

Zusätzlich ist es euch gestattet, verschiedene Gebäude zu betreten und den Kampf innerhalb von vier Wänden fortzusetzen. Die Ausstattung des Ladens kann euch dabei ebenfalls hilfreiche Dienste leisten, dies führt aber im Umkehrschluss zum Unmut des Ladenbesitzers. Dadurch kann es vorkommen, dass sich dieser eine ganze Weile weigert, euch in der Zukunft zu bedienen. Nahrungsmittel werden bei Yakuza übrigens verwendet, um Lebensenergie wiederherzustellen.

Yakuza 6
Wenn die Fäuste und Beine nicht mehr ausreichen, dürft ihr zu verschiedenen Hilfsmitteln greifen.

Durchs Kämpfen und dem Abschließen von Aufgaben erhaltene Erfahrungspunkte, nutzt ihr zum Aufwerten verschiedener Statuswerte. Neben diversen Fitness-Attributen, wie Geschwindigkeit oder Stärke, ist es euch ebenfalls gestattet, die sozialen Kompetenzen des Ex-Yakuza zu erhöhen. Dementsprechend wird Kazuma besser in Dialogen reagieren und mehr Informationen erhalten. Doch auch verschiedene Schlagkombinationen lassen sich hiermit freischalten.


Eine Runde Virtua Fighter 5 gefällig?

Mit laufendem Spielfortschritt werdet ihr euch in zwei Arealen herumtreiben. Hauptangelpunkt stellt natürlich wieder das Serien typische  Rotlichtbezirk Kamurocho dar. Hier könnt ihr die Vorteile des District genießen und an verschiedenen spaßigen Minispielen teilnehmen, welche einen guten Kontrast zu der sonst so ernsten Hauptstory darstellen. 

Im Kontrast zu der ernsten Story, stehen eine Vielzahl von absurden Nebenaufgaben und Minispielen. Dementsprechend dürft ihr beispielsweise Hostessen in einem Nachtclub bespaßen, Konversationen mit leicht bekleideten Damen in „Erwachsenen-Chats“ führen oder sogar eure in der Spielhalle mit alten Klassikern wie Virtua Fighter 5 oder Puyo Puyo totschlagen. 

Während einige Minispiele, wie der Sexchat, durch das Drücken einfacher Tastenkombinationen zum richtigen Zeitpunkt absolviert werden, sind andere Nebenbeschäftigungen so umfangreich, dass man sie glatt als eigenes Spiel ansehen könnte.

Yakuza 6
Ein harter Kerl braucht auch mal etwas „Entspannung“.

Egal wie die Spiele schließlich ausfallen, eines ist dabei ganz sicher: Sie sind alle sehr unterhaltsam und passen atmosphärisch zu dem zwielichtigen Yakuza-Bezirk Kamurocho.

Als zweite große Ortschaft erwartet euch die idyllische Stadt Hiroshima. Gegensätzlich zu Kamurocho handelt es sich hierbei viel eher um einen Wohnbezirk. Wenn ihr euch nicht mit dem Recherchieren von Hinweisen und Spuren bezüglich der packenden Story beschäftigt, unternehmt ihr beispielsweise etwas mit dem kleinen Haruto oder genießt die Landschaft.

Alles in Allem kann man sagen, dass in der kleinen Hafenstadt die Zeit still steht. Junge Leute sehnen sich nach dem Großstadtleben, während Rentner die ruhige Umgebung von Hiroshima sehr zu schätzen wissen. Doch keine Sorge, auch hier gibt es die ein oder andere Prügelei für unseren Aussteiger.


Das Mädchen das durch die Zeit sprang

Wie schon erwähnt, erwarten euch aber auch einige optionale Nebenaufgaben. Wer hierbei an den 0815-Stoff denkt, der hat aber weit gefehlt. Yakuza 6 schafft es auf geschickte Art und Weise, die laufenden Nebenaufgaben nach und nach mit dem Hauptplot in Verbindung zu bringen. Ihr trefft beispielsweise auf verschiedene Personen, welche sich durch die Karriere von Kazumas Ziehtochter beeinflussen ließen.

Yakuza 6
Befreundete Katzen gewähren euch sichere Unterschlüpfe in Form von Katzencafés.

Selbst außerhalb der ausgeklügelten Nebenquests gibt es eine ganze Menge skurriler Figuren und Orte zu entdecken. Resultierend daraus trefft ihr zum Beispiel auf ein Mädchen, welches der Meinung ist, dass sie eine Zeitreisende ist und stark an Makoto aus dem Anime Das Mädchen was durch die Zeit sprang erinnert. Oder aber einen Nerd, dessen richtige Beziehung, aufgrund seiner zu hohen Aktivität im Erotikchat, auf der Kippe steht. Außerdem könnt ihr Freundschaften mit Katzen schließen, welche euch als Dank die Möglichkeit geben in sicheren Katzencafés unterzukommen. 


Let me take a selfie

Ähnlich wie bei GTA verfügt auch der Protagonist in Yakuza 6 über ein Handy. Dieses kann er zum Einen dafür nutzen, um Selfies zu schießen, zum anderen erweist sich das Mobiltelefon aber auch als praktisches Hauptmenü. Kurzum habt ihr über das Smartphone Einblicke in eure Quests, könnt auf eine Karte zugreifen, falls ihr euch verlauft oder seht an welcher Stelle ihr Bürgern helfen könnt. Erstmals seht ihr außerdem Gegner auf dem Radar, sodass ihr die Chance bekommt, diese gekonnt zu umlaufen.

Yakuza 6
Das Smartphone ist auch bei Yakuza 6 ein nützliches Organisationsmittel.

Technik

Optisch macht Yakuza 6 einen gewaltigen Schritt nach vorne. Nicht selten kommt es ebenso vor, dass die Grafik dabei das Niveau des Fotorealismus annimmt. Die Städte wurden überzeugend im Spiel präsentiert, sodass es euch durch die scharfen Texturen sogar möglich ist kleinere Aufschriften zu lesen.

Schön ist hierbei ebenso, dass die Mitmenschen ein dynamisches Eigenleben haben und ihren täglichen Bedürfnissen nachgehen. Gesichter und Mimik sind überragend dargestellt, sodass man schon alleine bei unserem Helden jede einzelne Altersfalte erkennt. Demgegenüber müsst ihr euch aber mit dem einen oder anderen Ruckler zufriedengeben.

Yakuza 6
Yakuza 6 punktet mit detaillierten Gesichtern und Mimiken.

Akustisch erwartet euch je nach Situation eine passende Untermalung. Zum Beispiel erklingt in der Hafenstadt Hiroshima das Wellenrauschen im Hintergrund, während in Kamurocho das rege Nachtleben angemessen untermalt wird. Leider gibt es keine deutsche Sprachausgabe und auch die deutschen Texte haben es nicht in das Spiel geschafft. Stattdessen bedient sich Yakuza 6 einer japanischen Vertonung und englischen Untertiteln.


Fazit: Award

Mit Yakuza 6: The Song of Life wird das Epos rundum Kazuma Kiryu würdig abgeschlossen. Außerdem läutet man zeitgleich einen Generationswechsel ein. Die vielen innovativen Nebenbeschäftigungen wissen neben der spannenden Haupthandlung zu unterhalten. Weitestgehend wird die Grausamkeit und zwielichtige Handlungsweise der Yakuza gezeigt, während wir immer mehr Einblicke in das Leben unserer Spielfigur erhalten.

Aufgrund des hervorragenden Kampfsystems und der eingängigen Steuerung machen die Konfrontationen mit den Kriminellen eine ganze Menge Spaß und fallen zudem noch deutlich wuchtiger, dank optimierter Kollisionsabfrage, aus. Demgegenüber schmälern leider eine fehlende deutsche Lokalisierung und vereinzelte Ruckler das Spielerlebnis geringfügig.

Daher gibt es von uns nicht nur für Serien Veterane eine klare Kaufempfehlung.


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