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Thema der Woche: Steam und der Summer Sale

Tims Meinung:

Der Steam Sale kam, blieb ein paar Tage und ging dann wieder. Ich hab ja schon seit Längerem das Gefühl, dass die Steam Sales inzwischen eben doch nicht mehr ganz das “Event” sind, dass sie noch vor zwei, drei Jahren waren. Das liegt insbesondere daran, dass Steam mittlerweile sehr viel Konkurrenz bekommen hat. GOG hat insbesondere, wenn es um das Retro-Angebot geht, oft die Nase vorne und meistens auch aktuelle Adventures oder Indie-Titel im Portfolio. Auch Gamersgate hat immer mal wieder gute Angebote. Notfalls meldet man sich auch mal bei völlig ausgefallenen Seiten wie dem portugiesischen Nuuvem an, um bei Call of Juarez: The Gunslinger ein paar Euro zu sparen. Und natürlich haben die Humble Bundles den Markt komplett umgekrempelt. Im Zweifelsfall wartet man einfach ein paar Monate, da sind die aktuell “heißen” Indie-Spiele meisten zum Selbstentscheiderpreis in ein hübsches Paket geschnürt.

Deshalb sind die Memes, die den Steam Sale als ultimative Geldausdentaschensaugungsmaschine darstellen, wenn auch unfassbar witzig, eben doch ein wenig überzogen. Ich hatte mir selbst eine Obergrenze von 20 Euro gesetzt und mich selbst dann per Paysafecard dann tatsächlich auch so eingeschränkt, dass ich gar nicht erst darüber hinausgegangen wäre.

sommerabenteuer
Das Sommerabenteuer – ein dubioses Meta-Spiel.

Was ich auf Steam ja schon seit Längerem nicht mehr verstehe, ist die Gamifizierung von Steam selbst. Plötzlich bekommt man Inventargegenstände oder Levelränge und mir will sich bei beidem nicht ganz erschließen, was ich damit soll. Steam ist für mich ein notwendiges Übel, ich will mich damit eigentlich nicht länger als nötig beschäftigen, deshalb fühlen sich diese Spielereien so fremd und aufgesetzt an.

In diesem Jahr hat es Steam dann jedoch mit dem dubiosen „Summer Adventure“ völlig übertrieben. Jeder Steam-Kunde wurde in fünf fabrlich sortierte Teams aufgeteilt und letztendlich ging es darum, dass die jeweiligen Teams um die Wette kaufen, damit eventuell ein paar Mitglieder des Gewinnerteams eine Handvoll Spiele für lau bekommen. Das Internet roch den Braten jedoch und entwertete den ohnehin schon fragwürdigen Wettbewerb, was die Kollegen von Krautgaming auch mit vielen Zahlenbeispielen analysiert haben.

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Sechs Spiele für zwanzig Euro – nicht die schlechteste Ausbeute.

Der große Gewinner war dann bei mir persönlich letztendlich wohl Bioware. Ich hab mir Dragon Age: Origins – Ultimate Edition nun auch für PC gegönnt, obwohl ich es auf der 360 bereits zwei Mal komplett durchgespielt habe, außerdem umfasst meine Spielebibliothek jetzt auch Baldur’s Gate: Enhanced Edition, damit ich diesen Klassiker endlich mal nachholen kann. Ein weiterer Klassiker, der zumindest auf einer Bioware-Vorlage aufbaut, ist Star Wars: Knights of the Old Republic II. Nachdem ich das erste KotOR liebe, muss ich auch mal in dessen Fortsetzung reinschauen. Quantum Conundrum steht schon länger auf meiner Wunschliste, vermutlich werde ich es mir dann als Let’s Play für unseren YouTube-Kanal anschauen. Schon seit Ewigkeiten steht Dinner Date auf meiner Liste und vermutlich wird es gleich nach Valiant Hearts zu einem Let’s Play verwurstet, für mich selbst fand ich es grundsätzlich zwar immer interessant, konnte mich jedoch nie komplett zum Kauf durchringen. Jetzt habe ich zumindest ein imaginäres Publikum, dass mir dabei zusieht. Meine Absicht, mich per Let’s Play zum Mehrspielen zu zwingen, geht jedenfalls ziemlich gut auf. Ein Großteil meiner Spieleliste steht als potentieller Kandidat dafür bereit.

Einzige echte Überraschung war Metro 2033, jedoch kann man bei 1,99 € wirklich Nichts falsch machen, selbst wenn ich mir noch nicht sicher bin, dass es auf meinem derzeitigen PC laufen wird. Nicht minder überraschend waren die Geschenke zweier Redaktionskollegen. Von Cornelius bekam ich das bereits erwähnte Valiant Hearts: The Great War und von Hendrik The Elder Scrolls V: Skyrim Legendary Edition, außerdem wurde ich offiziell zum „Kellerlord“ von GamezGeneration ernannt.

Insgesamt verlief der Steam Sale erstaunlich unspektakulär. Klar, als Pfennigfuchser hat man natürlich die Tages- und Flash-Angebote im Auge behalten, aber da für mich ohnehin kein absolutes Must-Have dabei war, konnte ich das Ganze recht entspannt verfolgen. Ein paar Rosinen hab ich mir dann herausgepickt. Sechs Spiele für 20 Euro, darunter drei sehr umfangreiche RPGs – das ist doch ein ganz vernünftiges Ergebnis.


Cornelius‘ Meinung:

Seitdem ich Ende 2013 nach mehreren Jahren Absenz zum PC-Gaming mitsamt neuem, selbstgebautem Rechner zurückgekehrt bin, informiere ich mich regelmäßig über aktuelle Schnäppchen und Aktionswochen bei den zahlreichen Spiele-Resellern. Dank ebendieser Online-Shops hat die Hauptvertriebsplattform für PC-Spiele – Valves Steam – über die Jahre eine nicht zu verachtende Konkurrenz erhalten. Dank günstigen Wechselkursen oder Gutscheinen kommt man über einen kleinen Umweg oft weitaus günstiger ans Ziel. Doch selbst wenn man ansonsten nicht direkt über Steam einkauft, führt kein Weg an den jährlich mehrmals stattfindenden Steam Sales vorbei, die ordentlich Geld in die Kassen von Gabe Newell und seinen Mitarbeitern spülen.

GabeN
Erfreut sich dank Summer Adventure und Sale an steigenden Nutzerzahlen und Umsatz: Gabe Newell.

Vom 19. bis 30. Juni hat uns Valve in Zusammenarbeit mit den zuständigen Publishern wieder eine Menge heißer Angebote beschert und schon in der Vorlaufphase hat die Community ordentlich Memes gebastelt, sogar gaben.tv wurde aktualisiert. Von Far Cry über Batman Arkham bis hin zu Assassin’s Creed waren wieder zahlreiche Spiele-Reihen bis zu 80% reduziert. Nach der Flut an Indie- und Early Access-Titeln in den vergangenen Wochen und Monaten durften aber auch kleinere, jedoch nicht minder großartige Games wie BattleBlock Theater oder Space Engineers nicht fehlen.

Begleitet wurde das Event von dem bereits von Tim näher ausgeführtem Meta-Game. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, kein Geld mehr in Steam-Abzeichen zu investieren (durch diese schaltet man neue Hintergründe, Smilies und Funktionen wie eine erweiterte Kontaktliste oder Profil-Schaukästen für Screenshots oder Spiele frei), doch Valves Wirtschafts-Psychologen haben ganze Arbeit geleistet und mich dann doch dazu bewegt etwa drei Euro auszugeben. Man wollte ja doch „mitmachen“.

Im Vordergrund standen aber natürlich weiterhin die Spiele: Während einige Spielesammler auf meiner Kontakt-Liste mit Leichtigkeit über 100 oder gar 200 Euro für allerlei Games und Downloadinhalte ausgegeben haben, lagen meine Gesamtausgaben dafür – einschließlich Geschenkeinkäufen – bei etwa 75€. Ergattert habe ich Metal Gear Rising: Revengeance, The Wolf Among Us, State of Decay, BattleBlock Theater, Dishonored GOTY und Dead Rising 3 sowie den Season Pass zu Batman Arkham: Origins, allesamt Titel, die schon länger auf meiner Wunschliste standen. Beschenkt wurde ich im Übrigen wie Kollege Tim auch: Shovel Knight, Outlast und Devil May Cry 4 sowie einige kleinere, aber nicht minder nette Überraschungen durfte ich von großzügigen Spendern empfangen.

Summer Sale 2014
Collage meines Summer Sale-Hauls.

Abschließend vielleicht noch ein paar Worte zu den angesprochenen Spiele-Sammlern, welche die erworbenen Inhalte wohl zum Großteil nie anrühren werden, da dieses Thema wie bei jedem Steam Sale wieder besonders präsent war. Mir ist nach wie vor schleierhaft, warum manche Mitmenschen deswegen so einen Aufriss betreiben. Wer das Geld übrig hat und seine digitale Spielesammlung – aus welchem Motiv auch immer – möglichst groß aufziehen will, soll das doch bitte machen? Mich beeindruckt das genauso wenig wie die Briefmarkensammlung meiner Großmutter, aber wenn besagte Sammler Freude an ihrer Tätigkeit haben: Wieso denn nicht? To each his own.


Janinas Meinung

Anscheinend bin ich nicht die einzige, für die sich die Steam Events ein bisschen abgekühlt haben. Zugegeben, ich mag Hypes um sowas, ich mag Virales und auch den kurzzeitigen Overflow von Memes. Im letzten Jahr war der Steam Summer Sale ein bisschen wie Feiertage des Gaming für mich. Ich habe viele kleine Perlen abgestaubt, wie Dust – An Elysian Tail oder The Stanley Parable.

Dieses Jahr allerdings – ich weiß nicht, ob es an der Auswahl der Spiele lag – hat mich der Sale weitgehend kalt gelassen und war eher ein Pappmaché-Tiger für meinen Geldbeutel denn eine echte Gefahr. Insgesamt habe ich 12,57€ ausgegeben für vier Spiele; nämlich die Divinity Anthology mit Divinity und Divinity II, GameDev Tycoon und Gone Home. Zwei davon sind Titel, die ich ohnehin schon längst mal nachholen wollte.

Gabe Steam Sale

Auch ich habe das Phänomen mit der Gamifizierung von Steam mit Stirnrunzeln betrachtet. Immerhin sollte Steam für mich (notwendigerweise) meine Spiele verwalten, aber sonst bitte auch nichts. Schlau und verkaufspsychologisch geschickt ist es aber natürlich schon, diese Spielerei einzubauen. Der lästige Steam-Client wird so zum verspielten Interface, mit eigenen Achievements, Leveln, Items und Sammelkarten. Wenn Sammelkarten dann auch noch mit Rabattaktionen verknüpft werden, klingeln bei Gabe Newell die Kassen und manch einer erwischt sich vielleicht bei dem Gedanken, doch noch diesen einen, kleinen, günstigen Indie-Titel mitzunehmen, um die 10$-Grenze zu überschreiten und noch eine Karte zu bekommen. Ich selbst kann mich davon nicht ausnehmen, auch wenn ich bisher zum Glück recht eisern war, was das angeht. So gilt bei mir zum Beispiel die absolute Regel, kein Geld für Sammelkarten auszugeben, das ich nicht durch den Verkauf von Sammelkarten bekommen habe. Sollten im Steam Sale viele verlockende Angebote sein, setze ich mir vorher eine Grenze, wieviel ich allerhöchstens ausgeben will. So bin ich bisher gut durch die Events gekommen, allerdings spüre ich trotzdem jedes Mal die Verlockung; so ganz einfach ist es trotz Mantra ja nicht, sich dem Sammelwahn zu entziehen.

Ob man dem Hype nun folgt oder nicht, abschließend bleibt eigentlich nur, Valve für die Idee der Gamification zu beglückwünschen und sich selbst die ein oder andere Taktik zurechtzulegen, um nicht hinterher verärgert in die eigene Steam-Bibliothek zu schauen und über Lustkäufe zu fluchen. Am vergangenen Wochenende sind 8 Millionen Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig bei Steam online gewesen, was für Valve ein neuer Rekord ist. Das spricht trotz steigender Konkurrenz von GOG doch eine deutliche Sprache.

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