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Thema der Woche: Das sagen unsere Redakteure zum neuen „Kinect“-Konzept

Am Dienstag hat Microsoft offiziell bekanntgegeben, dass ab dem 9. Juni eine neue Version der XboxOne auf den Markt gebracht wird. Das Besondere dabei: Die Konsole wird nur 399,99 Euro kosten und ohne Kinect verkauft werden. Anders als bei der ersten Version der Konsole soll dann dennoch voller Zugriff auf die XboxOne-Spiele und -Programme gewährleistet werden. Ab Herbst wird Kinect 2.0 dann als separates Paket, ähnlich wie sein geistiger Vorgänger auf der Xbox360-Plattform, erhältlich sein. Zudem wurden neue Deals zu XboxLive und Games with Gold sowie diverse Boni und Rabattprogramme angekündigt. Außerdem erlaubt Microsoft die Cross-Plattform-Nutzung der Entertainment-Inhalte.

Die Nachricht über den Kinect only-Verzicht von Microsoft und den damit verbundenen erheblichen Rückzieher von bisherigen Aussagen sorgte in der vergangenen Wochen für viele hitzige Diskussionen und Gemüter. Auch unsere Redakteure haben sich eine eigene Meinung zur Sachlage gebildet:

Xbox One KinectTims Meinung:

So manch einer hat anfangs über die Wii und ihr Gimmick der Bewegungssteuerung gelacht. Als sich dann jedoch zeigte, dass gerade dieses Gimmick die sonst oft relativ hohe Einstiegshürde, die Videospiele nunmal haben, wegfallen lässt, wurde aus Lachen Häme – zumindest beim Durchschnittszocker. „Guck mal, der Opa spielt Wii!“. Microsoft und Sony dagegen sahen, dass die Wii plötzlich auch Kundenschichten ansprach, die sonst nie eine Videospielkonsole angerührt hätten. Mütter, ältere Menschen, Familien – bei Wii Sports verstand jeder sofort, wie es funktionierte und die meisten wollten das dann auch zuhause mal ausprobieren. Die kleine Wii, die technisch so viel schwächer war als die PS3 und die Xbox 360, erwies sich als Verkaufsmoloch und schickte die Konkurrenz mit einem saftigen Kinnhaken auf die Plätze.

Sony und Microsoft waren wachgerüttelt, wussten, dass sie jetzt im Zugzwang waren und selbst ein Bewegungssteuerungskonzept nachlegen mussten. Während „Clonys“ Move-Eistütchen eine recht offensichtliche Kopie waren, erwies sich Microsoft als experimentierfreudiger. „Project Natal“, wie Kinect anfangs hieß, sollte völlig ohne Controller funktionieren, den Körper selbst zum Steuerungsgerät machen. Ein zukunftsweisendes Konzept.

Jedoch haben weder Microsoft selbst noch die Drittentwickler verstanden, ein wirklich interessantes Harry_Potter_Kinect_coverSpiel dafür zu entwickeln. Kinect Sports sorgte für Schlagzeilen, dass es mit einem Gumiboot ausgeliefert würde und erwies sich dann als solide, aber nicht sonderlich spannende Wii-Sports-Kopie. Kinect Star Wars oder Harry Potter and the Deathly Hallows wurden schnell dafür berüchtigt, einige der schlechtesten Spiele der jüngeren Vergangenheit zu sein. Fable: The Journey machte aus der beliebten Rollenspielreihe einen mäßigen Rail-Shooter. Rise of Nightmares war von seinem Ansatz her interessant, doch die ungenaue Steuerung und die völlig hanebüchene Geschichte enttäuschten auch hier. Daneben gab es die zu erwartenden Tanz-Spiele und insgesamt listet Wikipedia sogar ganze 128 Spiele. Überraschenderweise doch mehr, als ich gedacht hätte.

Echte Kracher fehlen jedoch. Es ist nicht ein einziges Must-Have dabei. Nur Child of Eden von Rez-Erfinder Tetsuya Mizuguchi und Sesame Street: Once Upon a Monster von Double Fine stachen aus der Masse hervor. Und ich weiß noch, dass Kollege Chris damals auch von Kung Fu High Impact recht angetan war. Auch über die Sprachsteuerung von Mass Effect 3 hört man viel Positives – aber: wieso brauche ich für Sprachsteuerung eine Kamera? Würde ein Headset, was bei den meisten Zockern ohnehin vorhanden sein dürfte, für diese Funktion nicht reichen?

Dann wurde die Xbox One angekündigt. Mit Kinect bei jeder Konsole. Denn angeblich funktioniere die Konsole nicht ohne Kinect. Recht schnell machten sich Bedenken breit, dass Microsoft mit der Xbone die Privatsphäre ihrer Kunden ausspionieren würde, natürlich nur für hehre Ziele wie „Marktforschung“. Man musste schnell zurückrudern: Klar, doch, sicher, ihr könnt Kinect auch ausschalten, aber denkt daran, es ist doch grundzipiell ALLES besser mit Kinect, also lasst büddebüddebüdde die Kamera an. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Xbox One offenbar auch ohne Internetverbindung und ohne Kinect funktioniert – beides wurde damals als völlig unverzichtbar angekündigt, was ohnehin keiner glaubte.

Microsoft tut jetzt so, als habe man auf die Wünsche der Kunden gehört – völliger Quatsch. Microsoft hat nur gesehen, dass die Verkaufszahlen der Xbone nicht annähernd den Erwartungen entsprechen, während die PS4 sich blendend verkauft. Eine Preissenkung durch den Kinect-Verzicht war natürlich unausweichlich, keiner war ernsthaft von dieser Nachricht überrascht. Jedoch ändert es Nichts an Microsofts Grundproblem: Sony hat starke Eigenmarken, die Unterstützung der Third-Party-Entwickler und holt sich Alles ins Boot, was im Indie-Sektor auch nur halbwegs interessant sein könnte, um damit die Lücken im eigenen Portfolio zu schließen. Spiele, Spiele, Spiele – das ist es, worauf es bei Konsolen ankommt. Sony liefert, Nintendo liefert. Nur Microsoft verlässt sich weiterhin insbesondere auf TV-Angebote sowie die jährlichen Updates von EA Sports und erkennt offenbar nicht, dass Zocker nunmal zocken wollen, während Multimedia-Funktionen maximal eine nette Beigabe, aber definitiv kein Kaufgrund sind.

Mit dem Verzicht auf Kinect hat Microsoft einer grundsätzlich sehr spannenden Technik definitiv den Todesstoß versetzt, bevor auch nur irgendwas halbwegs Interessantes damit gemacht wurde. Ob das die völlig konzeptlose Xbox One rettet? Ich habe meine Zweifel und kann gut verstehen, weshalb Microsoft ernsthaft darüber nachdenken muss, sich von dieser Sparte zu verabschieden.

kinect-adventures-coverPascals Meinung:

Die Xbox One gibts es nun also auch ohne Kinect. Ganz ehrlich? Mich überrascht dieser Schritt nicht. Wenn man die Verkaufszahlen der PS4 seit Launch im November letzten Jahres mit denen der Xbox One verglichen hat, dann war klar, dass Microsoft früher oder später reagieren musste. Jetzt bietet man die Konsole also zum gleichen Preis wie die Playstation 4 an. Mit gleichem Inhalt – also ohne Kinect Kamera. Mir persönlich kommt dieser Schritt seitens Microsoft eigentlich ganz gelegen, da ich noch keine der neuen Konsolen besitze und mein Interesse an Kinect bisher auch eher gering ausfiel. Klar ist für „gemütliche“ Menschen ganz nett, die Konsole per Voice Control zu steuern. Aber ein wirkliches Killer Feature, welches mir 100€ mehr im Vergleich zur PS4 Wert ist, war das für mich nie.

Nachdem Kinect auf der 360 schon keine wirklich guten, interessanten Spiele bot, welche die Hardware auch wirklich sinnvoll nutzten, hatte ich ernsthaft gehofft, dass sich dies mit der Xbox One und Kinect 2.0 ändern würde. Doch Pustekuchen. Das einzige Spiel was bisher auf dem Markt ist und die Hardware wohl ganz anständig nutzt ist Kinect Sports Rivals. Aber das ist eindeutig zu wenig. Da hätte einfach mehr kommen müssen. Von daher ist es schon schade, dass von Seiten der Entwickler bisher nicht mehr gute Spiele für Kinect 2.0 auf den Markt kamen. Aus Sicht des Kunden ist es natürlich super, dass man die Konsole jetzt auch für 100€ weniger bekommen kann. Ob es für die Platform an sich von Vorteil ist, wird sich wohl erst noch herausstellen.

Maurice‘ Meinung:

Schon zu PlayStation 2 Zeiten hat Sony versucht mit der EyeToy Kamera Bewegungssteuerung in Videospielen an den Mann zu bringen. Bereits damals haben sich die Spiele mehr und mehr an Kinder gerichtet, die Genauigkeit der Kamera war eher bescheiden. Eine Generation später, im Schatten der Wii, hat es Microsoft dann auch nochmal versucht. Angekündigt wurden HD Kameras und weitere atemberaubende Features, die es nicht ins finale Gerät geschafft haben. So endete auch Kinect als Kinderspielzeug mit vielen Minispielsammlungen und Sportspielen. Doch während Sony die EyeToy Technik in ausgebauter Form weiterhin als Peripherie handelt und den Spielern dieser Welt so die Wahl lässt, konnte Microsoft es einfach nicht lassen: Die Xbox One wurde zwangsweise mit einer überarbeiteten Form von Kinect ausgeliefert.

Fable_The_Journey_Kinect_coverUnd ich habe einige interessante Dinge über das Gerät gehört. Die Erkennung des Spielers, sobald er den Sichtkegel betritt ist erschreckend genau, Sprachbefehle erleichtern die Kommunikation mit dem Gerät auf ungeahnte Wege. Doch damit enden die positiven Aspekte auch schon, denn ein Spiel, welches Kinect nicht nur nutzt, sondern auch echten Nutzen daraus zieht, solch eines kann mir spontan wohl niemand nennen. Und so ist es, nach all den Fehlschlägen des letzten Jahres also wirklich dazu gekommen, dass Microsoft eine Variante der Xbox One angekündigt hat, ohne Kinect. Und was soll ich sagen? Es macht die Konsole einfach nicht interessanter. Nach wie vor fehlen mir die Spiele. Die wenigen die mich interessieren sind Multiplattform. Sony hat durch seinen Standpunkt einen interessanten japanischen Markt und durch den Support im Westen eine perfekte Balance zwischen West und Ost geschaffen, was die Vielfalt an Spielen angeht. Und wenn die Gerüchte rund um die E3 wahr sind, wird es nicht besser für mich. Gears of War 4 und Halo 5 sind Titel die ich nicht brauche. Ein mögliches God of War IV und mehr zu The Order: 1886 sind da schon eher mein Bier.

Und da kann der Wegfall von Kinect eben nicht viel dran rütteln. Die Konsole kostet so genauso viel wie eine PlayStation 4, die Umstellung des Games with Gold Programms zeigt nur, das Sony mit PlayStation Plus von Anfang an richtig lag. Microsoft zieht in meinen Augen nach. Und das, nachdem sie mit der Xbox 360 so vieles richtig gemacht haben. Für mich persönlich war Microsoft letztes Jahr unten durch. Phil Spencer hat in den letzten Monaten aber definitiv wieder Punkte für das Unternehmen gewonnen. Wenn jetzt bald noch interessante Spiele kommen, die mehr Varianz in der Xbox One Bibliothek schaffen, dann sehe ich zumindest einen Aufwärtstrend, dem ich entgegenblicke. Doch bis es soweit ist, werde ich mich weiterhin nach einer PlayStation 4 umschauen und hoffen, dass die Gerüchte um God of War IV wahr sind.

Xbox One Controller, Konsole, KinectDannys Meinung:

Die Bewegungssteuerung, immer wieder wurde versucht sie eloquent und richtig einzubinden, aber außer Nintendo hat es kein anderer so richtig geschafft. Sony mit der EyeToy-Kamera oder Move und eben Microsoft mit dem damals groß angekündigten Kinect. Und ich bin ehrlich, ich war wirklich neugierig und gespannt. Ich hatte tatsächlich meinen Spaß mit der Wii, gerade für Spielabende mit nicht ganz so affinen Gamern brachte es immer Laune. Doch nicht nur bei mir, auch bei anderen setzte sich schnell Ernüchterung breit. Statt motiviert die virtuelle Bowlingkugel zu schwingen, saß man etwas lustlos auf der Couch. Dann kam Microsoft „Project Natal“! Der Körper ist der Controller! Die Vorstellung, dass das wirklich funktioniert und erst die Möglichkeiten, die sich einem bieten könnten! Ja, die Euphorie hat mich früher schneller gepackt als heute, und dann erschien es, Kinect!

Da ich selber nie Besitzer einer Xbox 360 war, freute ich mich, dass mein Cousin sich Kinect sehr schnell zulegte und wir gemeinsam und voller Freude dieses neue Wunder der Technik testen konnten. Wir erhofften uns einen ähnlichen Spaß wie mit der Wii und Wii Sports, nichts was wirklich weltbewegend ist, aber uns die neue Steuerung näher bringt und unterhält. Also, Xbox an und Kinect Sports (Danke an Rare für diesen absoluten Quatsch!) rein. Aber bevor wir endlich spielen konnten musste Kinect ja erst einmal richtig kalibriert werden. Und was soll ich sagen, es dauerte solange, dass wir keinen Bock mehr hatten zu spielen, jedenfalls nicht Kinect. Und diese Einstellung blieb, denn an Spaß war nie zu denken, eher Frust, dass es wieder nicht richtig funktionierte. Es wurde belanglos und verstaubte.

Und belanglos passt ganz gut, wenn ich heute an Kinect denke. Meine Hoffnung war noch nicht ganz am Ende, doch je mehr ich hoffte um so mehr murks erschien. Sonic Free Riders oder so etwas wie Steel Battalion: Heavy Armor, das den Simon von Game One fast mental zerstörte. Und dann kam der Punkt an dem es belanglos wurde, die Interesse war so gering, aber solange es mich nicht ärgert ist ja alles in Ordnung.

Aber wie ihr euch sicher denken könnt, Kinect blieb nicht ruhig, denn die Xbox One wurde angekündigt und voller Freude durfte man feststellen, Kinect ist pflicht! Und es kam ja noch doller, Kinect könne sehen wer und wie viele gerade vor ihm setzen. Die Xbox One war für mich so schnell vom Tisch wie leckere Schokoladenkekse. Bei Microsoft ruderte man zurück. Nun die Ankündigung, Kinect sei keine Pflicht mehr, Konsolen werden auch ohne Kinect verkauft. Ein klares Eingeständnis an sich selber, die Erkenntnis der eigenen Fehler. Und was wird aus dem einst so verheißungsvollem Kinect? Es hätte so viel mehr sein können, die Möglichkeiten, die sich den Entwicklern hätte bieten können. Ab und zu blitzte das Potenzial auf, doch viel mehr als Beiwerk wurde es nie. Ich hatte Hoffnung, dass Kinect wirklich was ganz tolles sein könnte und nicht belanglos und verschmäht enden würde. Eine neue Zeit bricht heran. Am Horizont wartet die virtuelle Realität. Der Fokus liegt auf Oculus Rift oder Project Morpheus. Und langsam aber beständig verschwindet Kinect im Schrank und fängt den Staub.

Schade, du hattest Potenzial.

kinect-star-wars-artikelbildJaninas Meinung

Letztlich war es nur eine Frage der Zeit, dass Microsoft einknickt und die Glaubwürdigkeit hinsichtlich Aussagen über die Xbox One noch weiter in den Abgrund reißt. Zuerst hieß es, Kinect sei völlig unverzichtbar, es sei gar technisch nicht mehr möglich, die Kamera abzukoppeln und überhaupt, Kinect würde so dermaßen zum Spielerlebnis beitragen, nicht zuletzt durch Sprachbefehle, das dürfe man schlichtweg nicht verpassen.

Nach und nach kamen dann immer mehr Details heraus, was die wunderbare Kamera samt Mikrophon noch so alles kann und tut. Zum Beispiel zuhören, wenn die Konsole ausgeschaltet ist; klar, muss ja in Bereitschaft bleiben, damit man die Xbox One per Sprachbefehl anschalten kann. Sie kann aber auch sehen, wieviele Leute vor dem Fernseher sitzen, hat Potential, sich zu merken, wer genau da sitzt. Soll lernen, Gesichtsausdrücke und Stimmen zu erkennen und zu unterscheiden, natürlich alles nur zur Verbesserung des Service, versteht sich.

Selbstverständlich sollen die Daten nicht weitergegeben werden! Hieß es. Allerdings nicht lange. Schon bald erklärte Microsoft, dass man mit Kinect den perfekten Datensammler für’s Wohnzimmer hat; niemand sei noch näher an Kundinnen und Kunden – was für eine Fundgrube an marktforschungstechnisch interessanten Daten! Und was für eine potentielle Goldgrube. Schon bald musste Microsoft zugeben, dass die Skepsis berechtigt war und genau das geplant ist bzw war – Datenerfassung und -weiterverkauf von Daten, die so noch niemand erheben kann.

Dumm nur, dass Microsoft einfach keinen sinnvollen Titel für die Kinect vorstellen konnte, um die Leute großflächig dazu zu animieren, sich den dreisten Spion ins Wohnzimmer zu setzen. Und dann soll das schmucke Gerät auch noch 100€ mehr kosten als das Konkurrenzprodukt PlayStation 4. Ganz ehrlich? Diese Abstrafung hat sich Microsoft mit dem ganzen Zirkus und den – nennen wir das Kind doch gern beim Namen – saftigen Lügereien, mehr als verdient.

Kinect-Sports-RivalsHendriks Meinung

Kinect. Dieses Wort löste noch vor wenigen Jahren ähnliches Aufsehen und gleichwertige Beifallsstürme auf, wie wir sie heutzutage bei Oculus Rift und anderen kommenden Peripherie-Geräten erleben. Kinect galt als Revolution, als hoffnungsvolles Stück Zukunft, als modernen Weg, Spiele zu spielen, als die Schnittstelle zwischen Mensch und Spiel. „Du bist der Controller“, brüllte man uns damals von den knallgrünen Werbeanzeigen entgegen. Mit Projekt Natal und Kinectimals machte man uns hungrig auf mehr und Entwicklergrößen wie Peter Molyneux lobten das Potential der neuen Kamera. Kinect war trendy, Kinect brach Verkaufsrekorde für Xbox360-Zubehör und schaffte es tatsächlich, einen großen Käuferkreis anzusprechen.

Dennoch scheiterte es. Abgesehen von Ubisofts „Just Dance“-Spielereihe mit dem wilden Dance-Gefuchtel vor der Kamera schaffte es kein Spiel, die Steuerung der Kinect wirklich auszunutzen. Möglichkeiten blieben ungenutzt, vor allem weil es bis zuletzt nicht möglich war, die Genauigkeit des Gerätes zu erhöhen. Bewegungen wurden nur in wenigen Spielen genau erfasst und die Sprachsteuerung war selten gehörig. Da nützten auch witzige Patches für klassische Spiele wie Halo oder Skyrim wenig. Der Funke sprang einfach nicht über, aus Vorfreude wurde Ernüchterung und aus Ernüchterung Spott.

Kinect vollbrachte zwar den Sprung zu den „Casualgamern“ und Familienspielen, verpasste es aber ebenso die Stammspieler auf der Xbox360 anzusprechen. Zudem sorgte der Fokus auf Bewegungsspiele dafür, dass fähige Studios wie Rare nur noch zu einem bloßen Schatten ihrer selbst wurden und abseits von „Kinect Adventures“ und anderen Hampelabenteuern wenig innovative Games rausbrachten.

Mit der Ankündigung der XboxOne setzte Microsoft einen mutigen Schritt nach vorn. Kinect sollte Teil der Konsole werden, sogar zur Pflicht. Kinect 2.0 war zwar technisch besser ausgerüstet als sein Vorgänger, doch gerade die Verbindung zum NSA-Skandal und die Vorstellung vom „allsehenden Auge“ im Wohnzimmer sorgte dafür, dass sich viele Neukäufer verunsichert abwandten. Zudem kämpfte Kinect stets mit dem gleichen Problem wie Playstation Move oder auch das Wii U-Tablet. Obwohl die Technik grandios ist und großes Potential bietet, sind gerade die Third-Party-Publisher selten bereit, Geld und Manpower in die Entwicklung von Spielen und Spielteilen zu stecken, die diese Geräte voll ausnutzen und ihr revolutionäres Potential komplett ausschöpfen.

Dementsprechend ist es wahr, dass Microsoft der Kinect mit der neuen XboxOne-Version den bildlichen Todesstoß versetzt. Wenn die Entwickler nicht mehr darauf setzen können, dass jede Konsole über eine Kamera verfügt, warum sollten sie dann überhaupt bereit sein, neue Spiele für die Kinect zu entwickeln? Im heutigen megalomanischen Spielemarkt ist selbst der kleine Käuferkreis der XboxOne-Konsolen mit Kinect für viele Publisher ein löchriges Fass mit niedrigem Boden.

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