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PS4 Tests

The Seven Deadly Sins Knights of Britannia Review

Das Thema Anime/Manga ist langsam in Deutschland angekommen und erfreut sich großer Beliebtheit. Umso weniger verwunderlich ist es, dass es immer mehr Videospiele in dem Bereich zu uns schaffen. Neben unzähligen Titeln zu renommierten Serien wie Dragon Ball Z, One Piece oder Naruto, schafft mit The Seven Deadly Sins Knights of Britannia eine relativ neue Serie den Sprung auf die heimische Spielekonsole. 

Das Gegenstück zum Spiel aus der Feder des Autors Nakabi Suzuki konnte schon ziemlich schnell die Herzen vieler Anime-Fans erobern. Ob das virtuelle Abenteuer rund um die sieben Todsünden auf Sonys PlayStation 4 der Vorlage gerecht wird, zeigt der nachfolgende Testbericht.

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Die etwas anderen Ritter der Tafelrunde

Bevor wir das Spiel allerdings auf seine Stärken und Schwächen durchleuchten, wollen wir euch natürlich erstmal erzählen um was es eigentlich geht. Nicht nur, dass unsere Protagonisten und Kämpfer wie in der Einleitung angedeutet die sieben Todsünden repräsentieren, so gehören sie zudem auch noch einem Ritterorden an, welcher früher das britannische Königreich beschützte.

In dem Videospiel, wie auch im gleichnamigen Manga, dreht sich alles um den scheinbar jungen (eigentlich ist er irgendwas mit über 3000 Jahre alt) blonden Burschen und der Verkörperung der Todsünde Zorn mit dem Namen Meliodas, welcher auf seinem Weg zahlreiche Abenteuer erlebt und ebenso viele Kämpfe bestreitet. Er ist der Protagonist des beliebten Shōnen Manga und außerdem auch noch der Wirt der Bar Boar Hat. Dieses Gasthaus befindet sich skurriler weise auf dem Rücken eines grünen riesigen Schweines, welches gleichzeitig als Fortbewegungsmittel fungiert. Spätestens ab diesem Punkt sollte euch bewusst werden, dass die Welt von The Seven Deadly Sins nur so vor Humor und Verrücktheit strotzt.

The Seven Deadly Sins Knights of Britannia
Meliodas steht für die Todsünde Zorn

Zusammen mit Meliodas und der weiblichen Hauptakteurin, der attraktiven Prinzessin Elizabeth Liones, besteht die erste Hälfte der spielbaren Adaption darin, die sieben Todsünden zu vereinen. Im späteren Verlauf der Handlung nimmt die Geschichte dann ein typisches Gut-gegen-Böse-Szenario an, wo ihr euch als Retter des Landes beweist.

Dabei umfasst der Titel eine grobe Zusammenfassung der ersten Staffel. Natürlich kratzt man dabei nur an der geschichtlichen Oberfläche der Serie, sodass man einige Beweggründe verschiedener Charaktere nicht auf Anhieb versteht.


Macht euch wichtig

Damit unser ungleiches Gespann die restlichen Sünden überhaupt findet, hört ihr euch im ganzen Reich nach Gerüchten um. Ihr bereist hierbei eine Weltkarte und navigiert das riesige Fortbewegungsmittel per Knopfdruck von A nach B.

Um euch überhaupt ins Gespräch zu bringen und die Gerüchteküche anzuheizen, gilt es während der zahlreichen Kämpfe sogenannte Rufpunkte zu sammeln. Diese erhaltet ihr zum Beispiel für lange Verkettungen von Angriffen oder durch das Zerstören verschiedener Objekte.

The Seven Deadly Sins Knights of Britannia
In coolen Anime-Kämpfen macht ihr euch im Reich einen Namen.

Obgleich sich dies im ersten Gehörgang zwar ganz cool anhört, entpuppt sich hierbei schon der erste Kritikpunkt. Zumeist ist eure kämpferische Leistung nämlich vollkommen nebensächlich, solange ihr alles Mögliche in der Arena zerstört. Großteils werdet ihr am Ende eines Kampfes schließlich mit dem gewünschten S-Rang im Bereich der Rufpunkte belohnt.


Schlichtes Kampfsystem

Folgt ihr genügend Gerüchten, so werdet ihr euch ganz schnell in einem Kampf wiederfinden. Neben dem klassischen Duell, erwarten euch zudem noch Doppel-Duelle und Massen-Kämpfe. Im Doppel-Duell übernimmt ein vom Computer gesteuerter Charakter die Rolle eures Helfers, der in den meisten Fällen aber nicht sonderlich hilfreich ist. Somit rennt die CPU oftmals nutzlos über das Feld, Spezialangriffe werden sehr selten angewandt und hält sich die meiste Zeit aus dem Kampfgeschehen raus. Ihr hingegen müsst es regelmäßig mit zwei Gegnern aufnehmen, die euch von verschiedenen Seiten in die Mangel nehmen.

Um nicht komplett hilflos zu sein, greift ihr auf ein simples Kampfsystem zurück. Folglich besitzt fast jeder Charakter, neben der Möglichkeit leichte und schwere Angriffe zu verketten, auch noch einen kleinen Fernangriff und drei Magie-Attacken. Letztere können nur ausgeführt werden, wenn die Magie-Leiste unterhalb des Lebensbalkens gefüllt ist. Ist diese leer, schaut ihr was magiebezogene Manöver angehen in die Röhre. Doch auch praktische Teleportationen hinter den Gegner und das Stabilisieren in der Luft nach einem schweren Treffer zerrt an eurer magischen Energie.

The Seven Deadly Sins Knights of Britannia
Die Magieangriffe sind schick inszeniert.

Richtig rund geht es aber erst, wenn ihr einen der fantastisch inszenierten ultimativen Angriffe startet. Dafür gilt es eine weitere Anzeige neben eurem Leben zu füllen. Diese überaus mächtigen Attacken werden mit einer kleinen Sequenz in Szene gesetzt und fügen dem Gegenüber eine beachtliche Menge an Schaden zu. Alles in allem erinnert das Kampfsystem stark an eine Lite-Version der Naruto: Ultimate Ninja Storm-Reihe.

Zusätzlich dazu kommt es vor, dass euer KI-Partner die Unterstützung einstellt, weil er nicht sonderlich gut auf euch zu sprechen ist. Euer Band kann sich während des Kampfes verbessern, meistens sind die Kämpfe aber vorbei, bevor man dies signifikant merkt. Kurz gesagt klingt das zwar auf den ersten Blick nach einem innovativen Spielelement, wirkt aber bei näherer Betrachtung keineswegs ausgereift.


Massen-Kämpfe stellen ein Problem dar

Wer über die patzende Verbündeten-KI noch hinweg sehen kann, dem wird spätestens in den Massen-Kämpfen auffallen, dass The Seven Deadly Sins Knights of Britannia nicht alles richtig macht. Innerhalb dieser Konfrontationen stellt ihr euch alleine, oder alternativ mit einem Verbündeten, vielen kleinen Schergen und Lakaien gegenüber. Hierbei erinnert das Spiel an eine abgespeckte Form eines Musou-Titels.

The Seven Deadly Sins Knights of Britannia
The Seven Deadly Sins macht in den Kämpfen nicht alles richtig.

Klingt ganz nett? Ist es aber nur halbwegs. Die Problematik setzt nämlich an dem Punkt an, dass das Kampfsystem einfach nicht gut für Kämpfe gegen mehrere Gegner ausgelegt ist. Beispielsweise verfügen nur die wenigsten Charaktere über die Möglichkeit mehrere Gegner gleichzeitig anzugreifen, wodurch sich Begegnungen mit bis zu zehn Gegnern sehr zäh und gestreckt anfühlen.


Die Schöne und das „Biest“

Gegenüber den Doppel-Duellen und Massen-Kämpfen, stehen die Besorgungs-Aufträge, welche ihr mit Elizabeth und Hawk ausführt. Wer jetzt denkt, dass es sich bei Hawk um einen Vogel-Charakter handelt, der hat weit gefehlt. Hawk ist nämlich nichts anderes als ein Kampfschwein und stellt DAS große Highlight unter den Charakteren da. Immerhin, wann durften wir schon mal in einem Kampfspiel, die Rolle eines Schweins übernehmen und den Kontrahenten eindrucksvolle Angriffe um die Ohren jagen?

The Seven Deadly Sins Knights of Britannia
Oink, oink! Hawk ist das schweinische Highlight des Spiels.

Jedenfalls geht es in diesen Nebenaufgaben darum, verschiedene Gegenstände auf dem Kampfareal zu besorgen. Aufgrund Elizabeths nicht vorhandener Kampferfahrung, habt ihr stets Hawk an eurer Seite, welcher euch von sich aus vor den heranstürmenden Recken beschützt. Im Gegensatz zu den Doppel-Duellen funktioniert die Ki von dem Kampfschwein außerordentlich gut, sodass ihr alle gewünschten Materialien fast problemlos aufnehmen könnt. Auch wenn diese optionalen Aufträge kurzfristig für etwas Abwechslung sorgen, werden sie relativ schnell öde. Dennoch sind sie ein wichtiger Bestandteil des Spiels, da ihr die gesammelten Gegenstände zum Verbessern eurer Ausrüstung benötigt.


Balancing lässt zu wünschen übrig

Wer die Vorlage zu dem Spiel kennt, der weiß, dass die einzelnen Charaktere gänzlich unterschiedlich sind. Anhand dieses Wissens wurden die Kämpfer auch in drei Kategorien eingeteilt. Dementsprechend greifen Figuren des Typs Geschwindigkeit flott an, während kräftige Charaktere eher langsamer agieren, aber ihre physischen Angriffe dafür umso mehr Schaden verursachen. Wer hingegen eher auf verheerende Magie-Angriffe aus ist, der sollte nach Kämpfern unter der Kategorie Magie Ausschau halten. Ihr solltet hierbei aber stets eure Magie-Leiste im Auge behalten. Sollte diese aufgebraucht sein, ist es den meisten Magiern nicht mehr möglich anzugreifen.

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Ein Balancing zwischen den einzelnen Rittern ist dabei fast nicht existent. Demnach fühlten sich einige Recken einfach schlichtweg übermächtig im Vergleich zu wiederum anderen an. Hierbei bedienen wir uns als Beispiel an der leicht bekleideten Merlin und dem klein gewachsenen King. Gerade Merlin behauptet sich dank ihrem Repertoire von magischen Angriffen und stellt eine wahre Übermacht dar. Während King sich beispielsweise mit einem extrem schwachen Magieangriff herumplagt, haut Merlin im gleichen Atemzug mit demselben Tastendruck ordentlich Schaden raus und friert den Gegner zusätzlich noch ein. Solche Balancingprobleme sind zudem leider keine Seltenheit und ziehen sich mit einem faden Beigeschmack durch den eigentlich sympathischen Kader.


Charakteroptimierungen im Laufe der Story

Im Story-Modus erwarten euch neben der Haupthandlung, auch noch diverse Nebenbeschäftigungen, welche euch nach dem Absolvieren nicht nur mit kleineren Informationen zur Handlung belohnen, sondern auch noch ein paar nützliche Gegenstände für euch bereit halten. Diese können dann dafür verwendet werden um eure Charaktere mit neuer Ausrüstung zu optimieren oder andere Verbesserungen freizuschalten.

Neben der Story steht euch außerdem noch ein Duell-Modus zur Verfügung, welcher auch Online spielbar ist. Leider haben wir in unserer Testphase noch keine Gegenspieler gefunden, sodass wir zum jetzigen Moment nicht viel dazu sagen können.


Technisch eher Mittelfeld

Obwohl die allgemeine Grafik und die japanische Synchronisation vollkommen in Ordnung gehen, muss sich der Prügler mit anderen Makel herumschlagen. Demnach erwarten euch in den Dialogen rudimentäre Zwischensequenzen, wo die Charaktere meistens nur herumstehen. Wenn sie sich schließlich doch mal bewegen, sehen die Animationen aber auch eher mittelmäßig aus. Generell hätten die Charaktermodelle und ihre optischen Handlungen ein wenig mehr Feinschliff vertragen können.

The Seven Deadly Sins Knights of Britannia
Aus technischer Sicht kann das Spiel nicht vollends überzeugen.

Auch die akustische Untermalung in Form des Soundtracks überzeugt nur zum Teil. Was soll ich sagen? Ich kann mich schlichtweg nicht mehr an den Soundtrack erinnern, da dieser einfach nicht im Ohr hängen bleibt. Einerseits ist das zwar gut, weil Hintergrundmusik, wie das Wort schon sagt in den Hintergrund gehört, doch das sich die schrillen Todesschreie jedes einzelnen (!) Gegners mehr als Ohrwurm entpuppen, als der Soundtrack selbst, ist irgendwie enttäuschend.


Fazit:

Zugegeben, liest sich unser Review zu The Seven Deadly Sins Knights of Britannia sehr kritisch. Wir möchten aber hier noch einmal betonen, dass es sich hierbei keinesfalls um ein schlechtes Spiel handelt.  Der Videospieladaption hätte, der tollen Vorlage zur Liebe, einfach ein wenig mehr Zeit und Feinschliff eventuell noch ganz gut getan.

Neben einer gelungenen Handlung voller Humor und charmanten Charakteren, unterliegt The Seven Deadly Sins Knights of Britannia leider einem enormen Balancing-Problem und dem einen oder anderen technischen Defizit, wie einer schwachen Verbündeten-KI oder einem redundanten Soundtrack. Eine klare Kaufempfehlung können wir daher leider nicht aussprechen, für Fans des dazugehörigen Anime/Manga lohnt sich der Titel aber allemal. Wer dennoch interessiert ist, dem empfehlen wir das Spiel vorher einmal irgendwie antesten.


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