Image default
News PS4 Reviews Xbox One

Testbericht: WRC 6 – Spaßige Raserei für Rallye-Puristen

Während die Rallye-Weltmeisterschaft so langsam auf die Zielgerade einbiegt, rollt das lizenzierte WRC 6 zur Offroad-Rennserie aus dem Hause Kylotonn Racing Games gerade erst an den Start. Nach einem durchaus gelungenen Vorgänger muss sich der neueste Ableger in diesem Jahr mit der herausragenden Konkurrenz aus dem Hause Codemasters messen.
In unserem Testbericht klären wir, ob WRC 6 einen ernstzunehmenden Anwärter auf den Rallye-Thron darstellt.


WRC 6 mit fettem Lizenzpaket

Dank der offiziellen FIA-Lizenz kann sich der Umfang von WRC 6 absolut sehen lassen.  Fans des Rallye-Sports dürfen sich über alle offiziellen Fahrer und Teams der aktuellen Saison 2016 freuen. Dazu gesellen sich außerdem einige bekannte Gesichter aus der WRC-2- und Junior-WRC-Klasse.

Gefahren wird in den 13 offiziellen Meisterschaften rund um den Globus. Diese bieten nicht nur optische, sondern auch spielerische Abwechslung und sorgen durch unterschiedliche Terrains wie tiefem Schnee in Schweden oder rutschigem Schotter auf Korsika für jede Menge Spannung. Insgesamt 65 Wertungsprüfungen haben es in das Spiel geschafft. Das ergibt mit über 400 Kilometern fahrbarer Strecke einen beachtlichen Wert.

WRC 6 bietet für Fans des Sports ein gelungenes Lizenzpaket und gutes Fahrgefühl
WRC 6 bietet für Fans des Sports ein gelungenes Lizenzpaket und gutes Fahrgefühl

Leider kann der Umfang in Bezug auf die Spielmodi da nicht ganz mithalten. Neben dem anfänglichen Tutorial und Leistungstest zur Ermittlung des idealen Schwierigkeitsgrades bietet WRC 6 für Solisten nämlich lediglich einzelne Rallies, sowie die Rallye-Weltmeisterschaft.


Im Multiplayer kaum Besserung

Andere Optionen oder Fahrzeugklassen sucht man im Spiel allerdings leider vergebens.

Im Mehrspielermodus dürfen nun endlich auch zwei Piloten an einem geteilten Bildschirm an den Start gehen. Ergänzt wird der Splitscreen-Multiplayer lediglich durch einen Hot-Seat-Modus, bei dem mehrere Spieler an einer Konsole nacheinander die verschiedenen Etappen absolvieren.

Endlich gibt es wieder Rennen am geteilten Bildschirm
Endlich gibt es wieder Rennen am geteilten Bildschirm

Online warten dann immerhin Rallye-Veranstaltungen, sowie wechselnde aktuelle Events, die euch die aktuellen Geschehnisse der offiziellen Rennserie nachspielen lassen oder das Absolvieren verschiedener Ziele einer bestimmten Etappe voraussetzen.

Auch die im Vorgänger noch kostenpflichtige eSports-Erweiterung ist nun von Beginn an mit an Bord und bietet den schnellsten Spielern sogar die Aussicht auf coole Sachpreise.

Immerhin funktionieren die Onlinerennen dank ordentlichem Matchmaking-System und guter Performance meist hervorragend. Wirklich viele Spieler tummelten sich zu unserem Testzeitpunkt allerdings noch nicht auf den Servern.


Abwechslung? Fehlanzeige!

So startet man im Kernstück des Spieles, dem Karrieremodus, in der Junior WRC-Meisterschaft und absolviert Rallye um Rallye, um letztlich in die WRC 2 aufzusteigen. Dort beginnt das Spiel dann von neuem. Genauso verhält es sich dann auch in der Königsdisziplin. Spielerische Abwechslung ist also nicht wirklich eine Stärke des Offroad-Rennspieles.

Mehr Abwechslung hätte WRC 6 durchaus gut getan
Mehr Abwechslung hätte WRC 6 durchaus gut getan

Hinzu kommt, dass WRC 6 seine einzelnen Events und Menüs absolut dröge präsentiert. Langweilige und verschachtelte Menüs machen jedenfalls nicht wirklich viel Spaß. Zumal der Titel ohne jegliche Musikuntermalung daherkommt.
Ansonsten bietet das Rennspiel Rallye-Kost von der Stange und liefert keinerlei nennenswerte Neuerungen für Kenner des Genres.

So absolviert man eine Wertungsprüfung nach der anderen, darf nach ein paar Events etwaige Schäden am eigenen Boliden reparieren und dann den Kampf um die Meisterschaft wieder aufnehmen.


Die Sache mit dem Budget

Obwohl die Fahrzeugmodelle dabei sogar relativ hübsch ausgefallen sind und die Grafik gerade bei schönem Wetter mit durchaus ansehnlichen Lichteffekten punktet, ist WRC 6 leider weit entfernt davon, als hübsches Spiel durchzugehen. Besonders das enorme Kantenflimmern, die niedrige Weitsicht und die teils enorm matschigen Texturen und klobigen Elemente am Streckenrand nerven.

Immerhin flimmert der Racer angenehm flüssig über den Bildschirm. Auch das Geschwindigkeitsgefühl geht absolut in Ordnung. Zudem punkten die verschiedenen Umgebungen auch mit einer optischen Abwechslung.

Das Rennspiel macht Spaß. Die Technik leider eher weniger.
Das Rennspiel macht eine Menge Spaß. Die Technik leider eher weniger.

Doch leider spürt man das niedrige Budget, welches den Entwicklern zur Verfügung stand, jederzeit. Gerade bei Nachtetappen offenbart WRC 6 eklatante technische Schwächen und sieht aufgrund der Beleuchtung sehr merkwürdig aus.
Auch die Zuschauermodelle am Streckenrand liegen auf dem technischen Niveau von vor knapp sechs Jahren.

Ähnlich verhält es sich mit der Vertonung. Prinzipiell klingen die Motorengeräusche durchaus ordentlich und der Beifahrer punktet mit sehr präzisen Ansagen. Allerdings wirken einige Effekte leider äußerst blechern und billig.

Das Knattern des Auspuffs klingt nämlich mitunter, als würde in einem Ego-Shooter eine Granate neben einem explodieren.
Zudem sind die Ansagen sehr hölzern und monoton ausgefallen. Zumindest, bis euer Mitfahrer dann mal wieder eine Bodenwelle entdeckt hat und laut zu schreien beginnt. Man habe ich mich da beim ersten Mal erschrocken.


WRC 6… Doch eigentlich ein gutes Spiel

Aber und das ist doch eigentlich das Wichtigste: WRC 6 macht Spaß! Und zwar eine ganze Menge.
Das liegt vor allem an dem sehr präzisen, einsteigerfreundlichen Handling der einzelnen Boliden.

Die Steuerung wurde gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert und lässt sich dank unzähliger Optionen hervorragend an die eigenen Vorlieben anpassen. Obwohl das Handling zu keinem Zeitpunkt ein Simulationsniveau erreicht, hinterlässt es als gelungener Mix aus Arcade und Simulation einen sehr guten Eindruck.
Es macht einfach Spaß, die verschiedenen Karossen um die Kurven zu jagen und mit angezogener Handbremse um die Haarnadel zu driften.

Auch vom Schwierigkeitsgrad her richtet sich WRC 6 eher an Anfänger und solche Spieler, die mit einem Rennspiel einfach Spaß haben möchten.

Insgesamt vier Schwierigkeitsgrade stehen diesmal zur Auswahl. Erfahrene Rallyepiloten erfahren aber am Ende einer Meisterschaft selbst auf dem zweithöchsten davon mit Leichtigkeit einen Vorsprung von ein bis zwei Minuten auf die Konkurrenz.
Doch dieser leichten Zugänglichkeit in Kombination mit den Einstellungsmöglichkeiten am eigenen Fahrzeug und der Steuerung ist es zu verdanken, dass WRC 6 ordentlich Laune macht.
Eine Verbesserung gegenüber dem Vorgänger jedenfalls ist in allen Belangen des Spiels deutlich spürbar.

Gerade für Einsteiger oder Spieler, die einfach nur Spaß haben und die WRC-Serie möglichst authentisch miterleben möchten, kann man den Titel wirklich empfehlen.

Denn wenn es um den reinen Fahrspaß geht, nimmt es WRC 6 tatsächlich mit seiner namhaften und bockschweren Konkurrenz aus dem Hause Codemasters auf.
Wunder was da alles möglich wäre, wenn den Entwicklern von Kylotonn Racing Games ein ähnliches Budget zur Verfügung stünde. Wenn man die Serie ansprechend präsentieren könnte, wäre jedenfalls deutlich mehr möglich.


Fazit:

Rein subjektiv betrachtet, würde ich WRC 6 gerne unseren begehrten Awards verleihen. Denn die Offroad-Raserei punktet durch eine gelungene Steuerung und hervorragende Spielbarkeit. Gerade Einsteiger und solche Spieler, die Wert auf unkomplizierten Spielspaß legen, werden mit dem Titel eine ganze Menge Freude haben. Rein aus spielerischer Sicht muss sich WRC 6 nämlich nicht hinter der namhaften Konkurrenz verstecken.

Objektiv betrachtet stehen dem allerdings die durchwachsene Technik, öde Präsentation und der geringe Umfang im Weg. Auch etwas mehr spielerische Abwechslung würde dem Titel gut tun. Stünde den Entwicklern doch nur ein höheres Budget zur Verfügung, könnte die Serie in Zukunft ganz weit oben im Rennspielgenre mitspielen.

Rallye-Fans, denen eine ansprechende Optik und abwechslungsreiche Spielmodi nicht so wichtig sind wie eine gelungene Spielbarkeit werden mit WRC 6 allerdings eine ganze Menge Spaß haben.


Vielen Dank an Bigben für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

verwandte Beiträge

DmC Devil May Cry: Vergil’s Downfall und Bloody Palace Modus im Anmarsch

Nature225

Splinter Cell: Blacklist – Video zeigt Besonderheiten der Wii U Fassung

Nintendo 3DS-Fans: Seid ihr bereit, dem Horror ins Auge zu sehen?

Nature225