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PS4 Reviews

Testbericht: Wolfenstein – The New Order

An Wolfenstein – The New Order scheiden sich ein bisschen die Geister und nicht zuletzt hat die Diskussion um die Hakenkreuz-Symbole die Neugier auf das Spiel nur angefacht. Allerdings ist natürlich auch ohne Hakenkreuze völlig klar – hier geht es darum, Nazis in einer futuristisch anmutenden Alternativzukunft den Schädel wegzupusten. Ob und wie sehr das einem Shooter-Frischling wie mir Spaß gemacht hat, lest ihr in unserem Testbericht.

Wolfenstein The New Order Ingame1

Wenn die Naz…, ähem, das Regime den Krieg gewonnen hätte..

Wir schreiben das Jahr 1946. Die Alliierten starten einen letzten verzweifelten Angriff gegen das hoffnungslos überlegene Regime. Inmitten von Blut, Tod und Zerstörung schlüpfen wir in die Rolle von William „B.J.“ Blazkowicz. Bereits jetzt weiß man eigentlich schon nicht mehr, ob man das Spiel und seine Story ernst nehmen soll oder nicht. Auf der einen Seite haben wir Blazkowicz, der ausgelaugt und müde vom Krieg über den Tod und die Sinnlosigkeit und Grausamkeit der Kriegstreiberei nachdenkt. Auf der anderen Seite haben wir irrwitzige Mechas, vom Regime entwickelte Tötungsmaschinen, Schäferhunde mit Exoskeletten und einen Protagonisten, dessen Ähnlichkeit mit Til Schweiger nicht von der Hand zu weisen ist. Auf der einen Seite wird unser Protagonist zu teilweise grausamen und blutigen Entscheidungen gezwungen, er wird schwer verletzt, fällt ins Wachkoma und erwacht erst 1960, also 14 Jahre später auf ehemals polnischem Boden, in einer Welt, in der das Regime das Kommando übernommen und jeden Widerstand niedergeschlagen hat. Und dann wieder setzt er sich in ein halb verschrottetes Auto in einer Garage und macht „Brrrrruuuummm, brrruuuuum, hup, huuup!“ 

Inzwischen bin ich mir sicher, dass das Spiel sich letztlich kein Stück ernst nimmt. Dennoch hat es seine ernsten Momente und die Figuren, auch oder gerade weil sie überzeichnet sind, passen wie die Faust aufs Auge ins Setting und man möchte insbesondere die Schurken des Spiels General Totenkopf oder Frau Engel schon in den ersten Sekunden inniglich schnetzeln und bluten sehen.

Kaum wieder auf den Beinen, tut B.J. schon wieder das, was er am besten kann: Regime-Leute durchlöchern. Zusammen mit der polnischen Krankenpflegerin Anya gelingt ihm die Flucht, als das Krankenhaus vom Regime überrannt wird. Gemeinsam mit ihr geht es nach Berlin, die wenigen überlebenden Kameraden aus dem Gefängnis holen, um sich danach dem Wiesenau-Widerstand anzuschließen. Für den Widerstand könnt ihr neben der Hauptstory auch kleinere Nebenaufträge annehmen, in denen ihr beispielsweise verlorene Dinge wiederbeschafft oder Utensilien für den Widerstand.

Wolfenstein The New Order Ingame2

Abwechslungsreiche Level und viel zu sehen

Ab hier werden die Level, die bisher zum Großteil eher schlauchig waren, auch deutlich abwechslungsreicher. Oft bleibt euch die Wahl überlassen, ob ihr euch brachial durchschießen wollt oder lieber schleichend eure Feinde erlegt. Letzters wird allerdings deutlich als vorteilhafter präsentiert. Erledigt ihr beispielsweise einen Kommandanten schleichend, werden auf eurer Karte wichtige Punkte aufgedeckt. In den Leveln selbst gibt es für Sammelwütige und Schaulustige auch zusätzlich noch viel zu entdecken. Nicht nur Zeitungsausschnitte von beispielsweise den „Käfern“, die ganz offensichtlich die Beatles sind, sondern auch Briefe, versteckte Schätze, Schallplatten, Teile des Enigma-Codes und noch mehr sind über die Level verstreut.

Zusätzlich habt ihr mehrere Talentbäume, die im Laufe des Spieles eure Fähigkeiten deutlich verbessern. Dazu müsst ihr nur einen Blick auf die jeweiligen Anforderungen werfen, die das gewünschte Talent hat. Meist sind das Anforderungen wie „Töte X Gegner vom Typ Y“. Letzteres ist teilweise relativ leicht zu erreichen, denn hin und wieder setzt die K.I. der Gegner aus, sodass sie sinnlos vor uns stehen und sich gegen Angriffe nicht oder erst verspätet zur Wehr setzen. Dies passiert allerdings nicht ständig und gerade gegen Ende zieht der Schwierigkeitsgrad des Titels ohnehin nochmal ordentlich an, sodass ihr euch über mangelnde Herausforderung keine Sorgen machen müsst.

Optisch sieht Wolfenstein: The New Order gut aus, zumindest innerhalb der Level. Die Cutscenes wirken stellenweise etwas holprig, aber das ist zu verschmerzen. Grafisch haut es uns zwar vielleicht nicht ganz aus den Socken, aber absolut solide ist es allemal. Auch der Soundtrack unterstreicht stimmungsvoll und passend das Geschehen.

Wolfenstein The New Order Ingame3

„Was für ein blöder Tod…“bronze-groß

Insgesamt ist Wolfenstein: The New Order eine interessante Mischung aus Komödie und Drama, aus nachdenklich machenden Kriegserlebnissen und wilder Blutspritzerei. Auf ein Weltkriegs-Feeling zwischen riesigen Mechas, Hunden mit Exoskelett und futuristischen Maschinen muss man sich einlassen können und wollen, dann fetzt der Titel absolut. Gerade der Wechsel zwischen den teilweise staubtrockenen und bescheuerten Sprüchen von B.J. und seinen dann doch wieder tiefgründigen Gedanken und seiner Kriegsmüdigkeit ist spannend und schafft einen angenehmen Spagat zwischen Komik und Dramatik. Generell sind die Charaktere toll und glaubhaft dargestellt, sodass man die Helden schnell liebgewinnt und die Bösewichte aus tiefstem Herzen brennen sehen will. Das einzige, womit ich persönlich mich vermutlich niemals so richtig anfreunden werde ist das Zielen und Schießen mit Controller… Für mich muss es dann doch PC mit Maus und Tastatur sein. Abgesehen davon bietet Wolfenstein auch für Frischlinge wie mich einen moderaten Schwierigkeitsgrad. Sofern das Ego mit dem Schnullergesicht beim Auswählen zurechtkommt.


Vielen Dank an Bethesda für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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