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Quantum Break Review

Die Manipulation der Zeit scheint bei den finnischen Entwicklern von Remedy Entertainment eine wichtige Rolle zu spielen: Was als mittlerweile ja schon legendäre „Bullet Time“ im ersten May Payne ihren Anfang nahm, wird in Quantum Break, dem neuesten Action-Adventure des Studios, gekonnt auf die Spitze getrieben. Auch spielerisch muss sich der Titel hinter den Abenteuern des Racheengels im schwarzen Ledermantel kaum verstecken, wie unser Testbericht beweist.

Die irische Schauspieler Aidan Gillen mimt den Bösewicht im Spiel - perfekt!
Die irische Schauspieler Aidan Gillen mimt den Bösewicht im Spiel – perfekt!

Setzen, 6

Da hat der gute Jack, seines Zeichens Protagonist des Spiels, scheinbar in der Historie der Videospiele, Filme und TV-Serien nicht wirklich aufgepasst. Anders lässt sich sein Handeln zu Beginn von Quantum Break kaum erklären, denn Kenner wissen, dass die Kombination aus offenkundig minimal (vielleicht auch etwas mehr) durchgeknalltem Wissenschaftler und einer Maschine, welche in der Lage dazu ist die Welt ins Chaos zu stürzen, keine gute ist. Doch fangen wir von vorne an:

Eigentlich wollte Jack Joyce seinen wohlverdienten Urlaub im sonnigen Thailand genießen, als ihn eines Tages sein alter Freund Paul Serene um Hilfe bittet. Also machen wir uns auf den Weg und kehren nach knapp sechs Jahren Abstinenz zurück in die Stadt Riverport, an deren Universität Serene zusammen mit unserem Bruder William an einer Zeitmaschine werkelt. Doch obwohl die Maschine eigentlich noch gar nicht fertiggestellt ist, will unser Freund uns beweisen, dass diese bereits funktioniert. Und so kommt, was kommen musste: Das Experiment gerät außer Kontrolle und eine gewaltige Explosion zerstört das Raum-Zeit-Kontinuum – mit verheerenden Folgen für die gesamte Erde.

Nach dem gescheiterten Experiment ist Nichts mehr, wie es einmal war
Nach dem gescheiterten Experiment ist Nichts mehr, wie es einmal war

Immer wieder friert die Zeit Menschen und Tiere ein und sorgt dafür, dass Becher voller wohlig warmem Kaffee oder wichtige Aufzeichnungen schwerelos durch den Raum schweben. Doch auch für unseren Helden haben die schrecklichen Ereignisse erstaunliche Konsequenzen: Schnell merken wir, dass unsere Präsenz im Zentrum der Explosion einige interessante Veränderungen mit sich gebracht hat, denn fortan sind wir in der Lage, die Zeit zu unseren Gunsten zu manipulieren. So können wir uns beispielsweise durch das sogenannte „Wooshen“ in Windeseile von Punkt A nach Punkt B bewegen oder die Zeit in einem begrenzen Radius einfrieren, um so Gegner leichter eliminieren zu können.
Doch auch für den Einsatz von zumeist simplen Rätseln sind unsere neuen Kräfte von enormer Wichtigkeit: Relativ zu Beginn des Spieles müssen wir so beispielsweise das Senken einer Hebebühne mittels Zeit-Stopp aufhalten, um ein höhergelegenes Areal zu erreichen.

Serene hingegen ist durch die Explosion um 17 Jahre in die Zukunft gereist und nun Chef des zwielichtigen Unternehmens Monarch Solutions. Urplötzlich trachtet uns unser alter Freund nach dem Leben und hat zudem nicht weniger als die vollständige Zerstörung der Erde im Sinn. Zurück im Hier und Jetzt bedeutet das, dass bereits kurze Zeit nach der Detonation bewaffnete Monarch-Söldner den Komplex stürmen. Zusammen mit unseren Bruder gelingt uns dank unserer neuen Superkräfte letztlich die Flucht und das spannende, enorm wendungsreiche Abenteuer nimmt seinen Lauf.

Das alles klingt für euch nun mehr als verwirrend? Das ist es auch und keine Sorge: Das ist so gewollt! Denn wie in den guten Mystery-Serien erschließen sich einige Zusammenhänge erst im Verlaufe des Spiels, nachdem sich die einzelnen Handlungsstränge und Informationsfetzen zu einem großen Ganzen zusammengesetzt haben.


Das Konzept geht auf

Schnell wird klar, dass die spannende und wendungsreiche Hintergrundgeschichte das Glanzstück von Quantum Break darstellt, weswegen wir in unserem Test nicht viel weiter darauf eingehen möchten. Nur so viel: Die Story des Spiels punktet mit jeder Menge Spannung, einigen unvorhersehbaren Wendungen, einer Prise Romantik und einem gelungenen Humor. Doch gerade die glaubhaften und facettenreichen Charaktere machen das Spiel im Verlaufe der knapp zehnstündigen Kampagne zu einem enorm spannenden Erlebnis, welches auch aufgrund des interessanten Konzeptes gefällt.

Nicht nur dank realer Schauspieler bietet der Titel eine kinoreife Atmosphäre
Nicht nur dank realer Schauspieler bietet der Titel eine kinoreife Atmosphäre

Der Clou liegt nämlich darin, wie uns Quantum Break die Hintergrundgeschichte näher bringt. Denn während wir im Spiel selbst und in den hervorragend inszenierten Ingame-Zwischensequenzen die Geschehnisse aus Sicht unseres Helden erleben, beleuchtet die ins Spiel eingeflochtene, in vier knapp 20-minütige Episoden aufgeteilte Live-Action-Serie fast ausschließlich die Beweggründe und Gedanken unserer Widersacher.
Das sorgt letztlich dafür, dass im Verlaufe des Spiels nicht nur die Guten ein Gesicht bekommen, sondern auch die Antagonisten  greifbar und glaubhaft dargestellt werden. Schnell wird klar, dass es eben nicht nur schwarz und weiß, Gut und Böse gibt.

Die Identifikation mit den facettenreichen Figuren gelingt Quantum Break zudem hervorragend, was vor allem den herausragenden Darstellern zu verdanken ist. Gerade ein Aiden Gillen (bekannt als Petyr Baelish aus „Game of Thrones“) brilliert in der Rolle als skrupelloser Geschäftsmann Paul Serene, getrieben von seinem Plan von der Zerstörung der Erde, dessen düstere Motive im Verlauf der Handlung aber mitunter nachvollziehbar werden.
Die anderen Schauspieler stehen dem in Nichts nach, genauso wie übrigens auch die Qualität der Episoden im Vergleich zu einer waschechten TV-Serie. Shawn Ashmore (Iceman aus den X-Men-Filmen) mimt einen charismatischen und glaubhaften Protagonisten, der aus „Lost“ und „Der Herr der Ringe“ bekannte Schauspieler Dominic Monaghan seinen klugen, wenngleich etwas tollpatschigen Bruder William.
Remedy fährt hier ein in der Form unvergleichliches Star-Aufgebot auf, welches zudem durch hochkarätige Akteure wie Lance Reddick („Fringe“) komplettiert wird. Alle Schauspieler liefern eine hervorragende Leistung ab und obwohl die Charaktere leider nicht mit ihren Orignal-Synchronsprechern aufwarten, sorgt diese Einbindung echter Schauspieler für eine kinoreife Atmosphäre.

Die Umgebungen strotzen nur so vor Details. Quantum Break sieht bombastisch aus
Die Umgebungen strotzen nur so vor Details. Quantum Break sieht bombastisch aus

Diese nahezu makellose Qualität kann Quantum Break in den Ingame-Cutscenes allerdings nicht ganz halten: Zwar überzeugen auch hier die einzelnen Figuren mit enorm detaillierten und glaubwürdigen Gesichtern und einer hervorragenden Mimik, einzelne Ruckler und hakelige Animationen trüben die ansonsten rundum stimmige Atmosphäre des Spiels dann allerdings doch.

Dennoch gehört die Story ganz klar zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Zudem haben unsere Entscheidungen Konsequenzen, welche die Handlung und den weiteren Spielverlauf beeinflussen: An verschiedenen Punkten können wir mit bestimmten Gegenständen interagieren, ein Hinweis verrät uns dann, dass diese Interaktion den Verlauf der Story geändert hat. Ernüchternd ist dann aber zu sehen, wie marginal diese Änderungen letztlich wirklich ausgefallen sind. Oftmals bemerkt man diese nämlich eben als nicht viel mehr, als simplen Nebensatz in den TV-Episoden.

Doch glücklicherweise bietet das Spiel darüber hinaus auch deutlich weitreichendere Konsequenzen, deren wirkliche Ausmaße sich mitunter erst deutlich später offenbaren. Diese Entscheidungen warten am Ende eines jeden Aktes auf uns, wobei uns das Spiel zwei mögliche Optionen zur Auswahl bietet.
Am Ende des ersten Aktes liegt es so zum Beispiel an mir, ob ich eine verlogene PR-Kampagne starte oder kurzen Prozess mache und alle Zeugen des verunglückten Experiments auslösche.
Diese Entscheidungen wirken sich dann spürbar auf den Verlauf des Spiels, aber auch auf die TV-Episoden aus, auch wenn uns diese noch immer nicht weit genug gehen: Abgesehen von einigen Abweichungen und Hintergrundinformationen, welche uns bei Auswahl des jeweils anderen Handlungsstranges möglicherweise verwehrt blieben, verläuft die Story doch relativ linear.

Dennoch sei nochmals erwähnt, dass Quantum Break nicht zuletzt dank hervorragender Figuren und spannendem Plot eine von der ersten Minute an fesselnde Geschichte entfaltet, der man gebannt folgt und es kaum erwarten kann zu erfahren, wie es denn mit Jack, William und Paul weitergeht.


Die Revolution bleibt aus

Doch genug von der Story, letztlich zählt doch, wie es sich spielt. Im Grunde genommen lässt sich Quantum Break als reinrassiger Deckungs-Shooter im Stile eines Gears of War beschreiben, um einen groben Eindruck davon zu bekommen, worum es überhaupt geht.
Allerdings verfügt das Spiel über kein waschechtes Deckungssystem, wie seine Kollegen: Der gute Jack sucht nämlich ganz von alleine hinter Tischen, Wänden und anderen Objekten Schutz. Was anfangs – auch aufgrund des Faktes, dass Blindfeuer aus der Deckung heraus nicht möglich ist – noch extrem gewöhnungsbedürftig anmutet, geht allerdings bereits binnen weniger Feuergefechte in Fleisch und Blut über und gefällt.

Ansonsten hat Quantum Break spielerisch allerdings leider nur wenig Innovation zu bieten: Zumeist erwehren wir uns mit Pistole, Sturmgewehr oder Schrotflinte herannahender Gegner und säubern den aktuellen Spielabschnitt, bevor unsere Reise weiter geht.

Dabei ist die KI der Gegner einen Hauch zu passiv ausgefallen und oftmals haben wir den Eindruck, dass manche der Schergen lieber schlichtweg unmotiviert auf ihr Ableben warten, als uns dingfest machen zu wollen. Das gilt allerdings beileibe nicht für alle Gegner, denn einige von ihnen agieren durchaus klug und suchen selbstständig Deckung oder versuchen uns zu flankieren – gerne auch über mehrere Ebenen. Auch die verschiedenen Gegnertypen sorgen mit ihren unterschiedlichen Stärken und Schwächen für spielerische Abwechslung.

Der Einsatz der Kräfte ist cool, dennoch gibt es spielerisch zu wenig Neues
Der Einsatz der Kräfte ist cool und sieht enorm schick aus, dennoch gibt es spielerisch zu wenig Neues

Das Salz in der Suppe sind dabei aber Jacks Zeitkräfte, von denen ihm insgesamt sechs verschiedene zur Verfügung stehen. Diese sind zwar nicht wirklich neu, sorgen allerdings für eine Menge Spaß:

Noch bevor die Action beginnt, solltet ihr euch mit dem Zeitblick erst einmal einen Überblick verschaffen. Diese Kraft zeigt nämlich Bedrohungen und nützliche Munitionskisten mittels Röntgenblick auch durch Wände hindurch an und ermöglicht dadurch das taktische Planen des eigenen Vorgehens.

Als äußerst hilfreich erweist sich zudem der sogenannte Zeitstopper: Hierbei handelt es sich um eine Art Granate, welche die Zeit in ihrem Detonationsradius komplett einfriert. Das erleichtert das Ausschalten der nun bewegungsunfähigen Gegner natürlich deutlich.
Mittels Woosh und Rush bewegt ihr euch zudem  in Windeseile durch die Umgebung, während der Zeitschild einige herannahende Geschosse absorbiert.
Auch eine Variation der hauseigenen Bullet-Time findet in Quantum Break Verwendung und sorgte für eine kurze Verlangsamung der Zeit, welche natürlich präziseres Zielen zur Folge hat.

Auch wenn der ansonsten sehr faire Schwierigkeitsgrad gegen Spielende urplötzlich kräftig anzieht, ist Quantum Break zu keinem Zeitpunkt wirklich unfair, zudem lockern einige kleinere Rätsel und Geschicklichkeitseinlagen den blutigen Action-Alltag auf.
Insgesamt spielt sich der Titel auch aufgrund der präzisen Steuerung hervorragend, wenn auch das Gameplay einen Hauch zu routiniert daherkommt und ein paar mehr Innovationen, sowie etwas mehr spielerische Abwechslung Quantum Break gut zu Gesicht gestanden hätten.


Gelungene Technik – Mit Abstrichen

Hand aufs Herz: Quantum Break sieht schlichtweg bombastisch aus. Nicht nur einmal ist mir während des Spielens die Kinnlade heruntergeklappt, wenn die Kugeln die Umgebung auseinandernehmen oder ich gar dank Zeitstopper mehrere Explosionen zu einer Kette der Zerstörung kombiniere und die wunderschönen Feuer- und Lichteffekte bestaune. Die liebevoll gestalteten und teils ausgesprochen detailreichen Umgebungen gefallen auf ganzer Linie und vor allem der Detailreichtum und die Mimik der einzelnen Charaktere überzeugt.

Etwas getrübt wird der herausragende, optische Gesamteindruck allerdings leider von teils etwas hakeligen Animationen und stellenweise heftigem Tearing. Auch einige übertriebene Unschärfeeffekte und mitunter seltsam anmutendes Leuchten, sowie ganz seltene Einbrüche in der Bildrate stoßen etwas sauer auf. Trotzdem gehört Quantum Break auch optisch zu den absoluten Highlights der aktuellen Konsolengeneration und das obwohl die Auflösung des Spiels teilweise dynamisch auf 720p heruntergeregelt wird.

Gerade die Zeitanomalien sehen aber hervorragend aus, zumal das Spiel dabei auch den Sound verzerrt, was sich positiv auf die Atmosphäre auswirkt. Bei der Vertonung macht Quantum Break nahezu alles richtig: Die Soundeffekte überzeugen auf ganzer Linie und kommen mit ordentlichem Druck daher. Die Synchronsprecher mögen zwar nicht die Originalen sein, liefern allerdings einen fehlerfreien Job ab und hauchen den spannenden Charakteren Leben ein. Auch die Musik gefällt und treibt das Geschehen auf dem Bildschirm ordentlich an.


Fazit:

 

Nach den ersten, komplett verwirrenden Spielstunden entwickelt sich Quantum gzg-medailleBreak zu einem enorm spannenden Action-Adventure, welches vor allem durch seine wendungsreiche und erstklassig inszenierte Story punkten kann. Die Verknüpfung aus Spiel und TV-Serie gelingt dem Titel hervorragend, nicht zuletzt dank sehr guter Schauspieler. Technisch leistet sich der Titel nur wenige Patzer und gehört zweifelsohne mit zu dem Besten, was die aktuelle Konsolengeneration derzeit zu bieten hat. Spielerisch bietet Quantum Break zwar wenig Anlass zur Kritik, allerdings auch prinzipiell nur routinierte Genrekost ohne wirkliche Neuerungen.
Dennoch, auch trotz überschaubarer Spielzeit, ein absolutes Must-Have für die Xbox One. Ein Erlebnis, welches man gespielt haben muss.


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