Image default
Tests Xbox One

Testbericht: Ori and the Blind Forest

Ja es gibt sie, diese ganz besonderen Spiele. Diese Titel, denen es gelingt, einen emotional zu erreichen und sich dadurch für immer in mein Gedächtnis einbrennen. Ich erinnere mich da gerne an das gute Ende des ersten Bioshocks oder an diverse Momente in Metal Gear Solid. Das Ende der ersten Staffel von The Walking Dead aus dem Haus Telltale Games, eine bestimmte Szene in The Darkness und viele mehr.

Doch Emotionen brauchen eine gewisse Zeit um sich zu entfalten, für gewöhnlich muss ich erst eine gewisse Verbindung zu den Charakteren aufgebaut haben und dann gibt es da diese ganz seltenen Meisterwerke, denen solch ein Kunststück bereits in den ersten Spielminuten gelingt. Ein solches ist Ori and the Blind Forest.

Gerade der Spielbeginn überzeugt auf ganzer Linie
Gerade der Spielbeginn überzeugt auf ganzer Linie

Ori and the Blind Forest: Allein im düsteren Wald

Es ist eine dunkle, verregnete und stürmische Nacht in der der kleine katzenähnliche Ori wie eine Sternschnuppe von einem riesen Baum geschleudert wird. Doch das kleine Schlappohr hat Glück, denn Ori wird von einer bärenähnichen Kreatur gefunden und liebevoll umsorgt und aufgezogen. In einer wunderschönen Intro-Sequenz beobachte ich die beiden dabei, wie sie vergnügt miteinander spielen, gemeinsam arbeiten und Nahrung suchen.

Immer mit dabei ist eine Gänsehaut, denn die Entwickler der Moon Studios sorgen direkt zu Beginn dank wunderschöner, farbenfroher Grafik in Kombination mit den knuffigen Hauptfiguren und dem wunderschönen Soundtrack dafür, dass mir dieser Titel für immer in Erinnerung bleiben wird – hier stimmt einfach alles!

Doch schnell nimmt die Idylle ein jähes Ende, als ein riesiger Vogel auftaucht und das Licht des magischen Waldes langsam zu schwinden droht. Auch Nahrung ist knapp im sterbenden Wald und so muss ich mit ansehen, wie meine Bärenmutter stirbt. Traurig und einsam stapfe ich also mit letzter Kraft durch das düstere, furchteinflößende Geäst, begleitet nur von den Geräuschen des Windes und zarten Piano-Klängen.

Ist Ori auf sich allein gestellt?
Ist Ori auf sich allein gestellt?

Hier zeigt sich schon deutlich, dass die Entwickler ihre Arbeit in Sachen Storytelling wirklich hervorragend verstehen, denn die Geschichte von Ori and the Blind Forest präsentiert sich trotz kindlicher und kunterbunter  Knuddeloptik erstaunlich erwachsen und enorm facettenreich. Das ist zudem erstaunlich, denn die Geschichte kommt ohne jegliche Worte aus und wird lediglich in den Zwischensequenzen weiter erzählt und wartet dabei dennoch mit unglaublich viel Dramatik, liebevollen Charakteren und spannenden Wendungen auf.

Als der Wald so langsam beginnt, zu neuem Leben zu erwachen, macht sich Ori mithilfe einer leuchtenden Waldfee (welche künftig immer an eurer Seite verweilt und hilfreiche Tipps gibt) auf, die Essenzen der Wärme, des Wassers und des Windes zu finden und an ihren Platz zurückzubringen, um so das Aussterben des Waldes zu verhindern.


Rayman’sches Metroidvenia in Perfektion

Dabei rennt Ihr auf dem Weg zum nächsten Ziel durch unzählige, wunderschön handgezeichnete,  zweidimensionale Level und besiegt allerlei Feinde. Die Umgebungen könnten dabei, genau wie übrigens die Gegner, kaum abwechslungsreicher daher kommen: Zu Beginn durchquert ihr eine freundliches Waldgebiet, später auch eine düstere Höhle, ein Eislevel und sogar einen Vulkan.

Obwohl die Gebiete allesamt miteinander verknüpft sind, könnt ihr bestimmte Punkte ganz nach dem typischen „Metroidvania“-Spielprinzip erst mit Erlangen einer bestimmten Fähigkeit erreichen, beispielweise erreicht ihr ein höhergelegenes Areal erst nach Erlernen des Doppelsprungs. Dank unzähliger Sammelgegenstände, welche beispielsweise eure Lebensenergie erhöhen lohnt es sich allerdings, in bereits besuchte Gebiete zurückzukehren und so im Verlaufe des Spiels stärker zu werden.

Um dieses oftmals doch eher nervige Backtracking ein wenig  interessanter zu gestalten, bietet Ori and the Blind Forest ein besonderes Feature: Durch die sogenannten Weltereignisse verändert sich die Welt nachhaltig, wenn ihr ein bestimmtes Ereignis gemeistert habt. Beispielsweise ist es so erst möglich, überhaupt im kühlen Nass plantschen zu gehen, nachdem ihr mit der Essenz des Wassers die Gewässer des Waldes gesäubert habt. So ergeben sich im Verlauf des Spiels viele neue Wege, Gebiete und Abkürzungen. Dennoch hätte eine Teleportfunktion dem Spiel gut getan.

Technisch macht der Titel eine hervorragende Figur, zudem sind die Rätsel sehr spannend.
Technisch macht der Titel eine hervorragende Figur, zudem sind die Rätsel sehr spannend.

Dank butterweicher und enorm präziser Steuerung kommt bei den unzähligen Kletter- und Sprungpassagen nur selten Frust auf. Dass das Spiel allerdings nicht selbstständig den Fortschritt speichert, ist heutzutage eher ungewohnt und so kommt es durchaus vor, dass ihr nach dem Ableben erneut eine weite Strecke zurücklegen müsst, nur weil ihr das Speichern vergessen habt.

Frustpotential hingegen bieten die Passagen, in denen ihr unter Zeitdruck aus einem bestimmten Gebiet entkommen müsst, beispielsweise weil heiße Lava aufsteigt. In diesen Gott sei Dank sehr wenigen Abschnitten gibt es zudem keinerlei Checkpoints, da hilft also nur Auswendiglernen. Auch wirklich spannende Bosskämpfe sucht ihr vergebens, ein Kinderspiel ist Ori and the Blind Forest dafür aber trotzdem nicht, denn gerade die versteckten Höhlen und Areale warten mit spannenden Geheimnissen und teils knackigen Rätseln auf.

Hervorragend funktioniert zudem das Kampfsystem: Da Ori nicht in der Lage ist, sich selbst seiner Widersacher zu erwehren, greift er auf verschiedene Angriffe der Waldfee zurück. Das hat zur Folge, dass ihr auch mit Lichtangriffen attackieren könnt, während ihr gerade an einer Wand hochklettert oder euch in der Luft befindet.  Zudem benötigt ihr bei einigen Gegnern auch eine bestimmte Taktik, um diese besiegen zu können. Gepanzerte Käfer wollen beispielsweise erst geknackt werden, bevor ihr ihnen den Garaus machen könnt.

Dafür belohnt euch das Spiel mit Erfahrungspunkten, die ihr in unterschiedlichste neue Fähigkeiten investieren könnt, darunter ein Dreifachsprung, stärkere Angriffe oder die Fähigkeit, von Gegnern fallengelassene Energiekugeln automatisch einsammeln zu können.


So schön bunt

Wie bereits eingangs erwähnt, gelingt dem Spiel auf emotionaler Ebene etwas, was nicht viele Spiele schaffen. Das liegt natürlich auch an der wunderschönen Technik. Gerade grafisch überzeugt der Titel dank abwechslungsreicher Hintergründe, butterweicher Animationen und wunderschöner Lichteffekte auf ganzer Ebene.  Leider wird der Spielspaß dabei aber ab und zu durch nervige Slowdowns und Ruckler getrübt.

Die Level sind sehr abwechslungsreich, aber allesamt wunderschön ausgefallen.
Die Level sind sehr abwechslungsreich, aber allesamt wunderschön ausgefallen.

Prunkstück von Ori and the Blind Forest ist aber die wunderschöne Vertonung rund um den herrlichen, eher ruhig daherkommenden Soundtrack, welcher auf ganzer Linie überzeugen kann und die perfekte Atmosphäre des Spiels noch einmal herrlich untermalt.


verwandte Beiträge

Microsoft: Rücktritt des Japan-Chefs

Zweie gehn noch! Rayman Legends findet den Weg auf die Next-Gen

Nature225

Testbericht: Pikmin 2 – New Play Control

Lars Schulze