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Testbericht: Metal Gear Solid: The Phantom Pain

Lange haben wir darauf gewartet, jetzt ist es endlich soweit, Ladies and Gentlemen: Hideo Kojimas neustes Meisterwerk ist nun im Handel erhältlich. Die Rede ist natürlich von Metal Gear Solid V. Nach insgesamt fünf Jahren Entwicklungszeit dürfen wir uns nun auf das (wahrscheinlich) letzte Metal-Gear-Spiel aus der Feder von Herrn Kojima stürzen. Was euch dort erwartet, verraten wir euch in unserem Test.

Snake, Ocelot, Quiet, Patriots, La-li-lu-le-lo … WAAAAS?

Ja, die Metal-Gear-Reihe ist umfangreich und komplex. Und selbst Serienveteranen sind wohl im Laufe dieser Spielereihe nicht drumherum gekommen, sich in dem einen oder anderen Wiki-Artikel noch einmal Erklärungen, Zusammenfassungen, Deutungen und Interpretationen zu dem durchzulesen, was man in den vergangenen (Spiel-)Stunden so erlebt hat. Gott sei Dank macht einem The Phantom Pain das Leben da nicht allzu schwer. Zwar benötigt man nicht das allumfassendste Hintergrundwissen, um die Story genießen zu können, aber komplette Neulinge sollten sich zumindest den Prolog Metal Gear Solid V: Ground Zeroes ansehen. Das Spiel, welches vor etwa einem Jahr erschien und die kurze Vorgeschichte zu Phantom Pain erzählt, bietet die Mindestvoraussetzung, um storytechnisch zu Beginn von MGS V nicht ganz auf dem Trockenen zu sitzen. Wer allerdings sein hart erspartes Geld bereits in The Phantom Pain investiert hat, kann sich auch alternativ auf Youtube ein Let’s Play hierzu anschauen, welches aufgrund des geringen Umfangs der Hauptmission auch nicht mehr als 60 Minuten in Anspruch nehmen sollte. Wer darüber hinaus noch ein wenig Zeit erübrigen kann, dem empfehle ich noch das Video „MGS in 12 Minuten“, welches das wichtigste aus der MGS-Reihe noch einmal knackig zusammenfasst.

Ist dies geschehen, sollte nicht nur MGS V auf der Konsole fertig installiert sein, sondern auch ihr seid bestens für das Spiel vorbereitet. Los geht’s.

MGSV Mother Base
Willkommen auf der Mother Base

 

Der Schmerz sitzt tief

Nach einer mehr oder minder geglückten Rettungsaktion befindet sich unser Held Snake beziehungsweise Big Boss auf dem Heimweg zu seiner Mother Base, welche zugleich von der UN kontrolliert werden soll. Doch bereits beim Anflug auf die Station sieht man, dass dort keine UN-Kontrolleure gelandet sind, sondern feindliche Soldaten, die gerade dabei sind, alles zu zerstören. Zwar versucht man, sich dieser Übermacht entgegenzustemmen, aber mehr als das Retten einiger Verbündeter aus diesem Chaos ist leider nicht möglich. Als man sich gerade mit dem Heli wieder aus der Gefahrenzone verziehen will, steht allerdings das nächste Unheil vor der Tür: Eine der Geiseln die man zuvor noch gerettet hat, trägt eine Bombe in ihrem Körper, welche detoniert und der Heli stürzt ab.

Dies ist grob zusammengefasst das, was wir aus Ground Zeroes mitnehmen können.

In The Phantom Pain wachen wir in einem Krankenhaus auf und werden zugleich mit mehreren schrecklichen Tatsachen konfrontiert. Wir haben einen Arm verloren, sind übersät mit einigen Splittern und Schrapnellen, die man einfach nicht entfernen kann, wir lagen neun Jahre im Koma und zu guter Letzt sind einige uns nicht gerade wohlgesinnte Personen uns auf die Schliche gekommen und wollen unserem Leben schneller ein Ende setzen, als es uns lieb ist.

Das ist der Auftakt zu einem der intensivsten Spieleinstiege, die ich je hatte, denn die erste Stunde von Metal Gear Solid V haut einen so dermaßen von den Socken, dass es kaum in Worte zu fassen ist und am besten von jedem selbst erlebt werden sollte.

Nostalgie vs. Moderne – Was hätten Sie denn gerne?

Nachdem man all das hinter sich gebracht hat, findet man sich auf seiner neuen Mother Base wieder, welche sich gerade im Aufbau befindet. Immerhin haben die alten Verbündeteten Ocelot und Miller die letzten Jahre nicht auf der faulen Haut gelegen und haben schon einmal etwas Vorarbeit geleistet, damit man als Rückkehrer nicht ganz verlassen da steht.

Von nun an wird einem vollkommen freie Hand gelassen, wie man vorgeht. Will man stringent an den Hauptmissionen arbeiten, um die Story voranzutreiben oder sollten es doch erst einmal ein paar Nebenaufgaben sein, damit die kleine umherschwimmende Basis zur mächtigen Mother Base heranwächst? Egal wie ihr euch entscheidet, ihr werdet so oder so zahlreiche Spielstunden in das Game versenken. Alleine die Hauptmissionen sollten euch für rund 30 Stunden beschäftigen.

MGSV Crew Horse
Irgendwo dort unten wird es gleich ziemlich ungemütlich werden

Alte Metal-Gear-Hasen werden sich aber erst einmal ziemlich umgewöhnen müssen, denn Phantom Pain ist nicht gerade mit den Vorgängern vergleichbar. Was gab es in den bisherigen Teilen nicht an unzähligen (und, um ehrlich zu sein: zum Teil auch nervigen) Codec-Gesprächen. Diese wurden um einiges heruntergedampft, sodass Big Boss, der noch in MGS 3 gerne mal in einen wahren Plauderrausch verfiel, nun kaum noch die Zähne auseinander bekommt. Gleiches gilt für die Zwischensequenzen. Unvergessen bleibt die fast neunzig minütige finale Cutscene zu MGS 4. Zusammengezählt kommt man bei MGS V vielleicht auf knapp vier Stunden Videomaterial. Böse Zungen behaupten, dass das vielleicht damit zusammenhängt, dass Kiefer Sutherland als Synchronsprecher von Snake / Big Boss vielleicht doch etwas teurer war als Stammsprecher David Hayter. Im Endeffekt werden diese Frage nur Kojima und Konami beantworten können, trotzdem empfinde ich persönlich diesen Schritt als etwas schade, da gerade diese filmische Inszenierung für mich einen großen Teil von Metal Gear ausgemacht hat.

Andere, die sich wiederum seit Jahren beschweren, dass MGS mehr Video als Spiel ist, werden vermutlich anderer Meinung sein. Geschmackssache eben.

The world is yours!

Wie man nun an die nächsten Missionen herangeht, bleibt einem vollkommen selbst überlassen. Denn MGS V bietet einem in seiner Open World so viele Möglichkeiten, sein Ziel zu erreichen, dass man geradezu davon erschlagen wird. In den meisten Fällen lautet das Missionsziel, einen Gefangenen aus der feindlichen Basis herauszuholen, geheime Daten zu beschaffen oder spezielle Zielpersonen zu liquidieren. Wie das geschieht, bleibt euch überlassen.

Die zwei simpelsten Methoden wären das konventionelle Schleichen oder die alt bekannte Haudrauf-Methode. Letzteres kann sogar deutlich häufiger zum Erfolg führen als noch in den Vorgängern. Dadurch, dass man sich relativ gut mit Waffen versorgen kann und Big Boss über eine automatische Gesundheitswiederherstellung verfügt, sofern er eine gewisse Zeit nicht getroffen wird, kann man sich schon gut und gerne im Alleingang durch eine mittelgroße Armee schlagen.

MGSV Dog
Zusammen mit D-Dog sollte nicht viel schief gehen

Es gibt aber auch durchaus raffiniertere Methoden, um an sein Ziel zu gelangen. In einer Mission muss man beispielsweise jemanden ausschalten. Zunächst einmal wäre es nicht schlecht, wenn man sein Ziel irgendwie markiert hat, was automatisch geschieht, sofern man die betreffende Person mit seinem Fernglas erspäht. So verliert man sie nie aus den Augen. Verfügt man nun über ein Scharfschützengewehr, kann man mit ein wenig Geduld so lange in einer aussichtsreichen und sicheren Position verharren, bis sich eine günstige Gelegenheit bietet. Ein Schuss, Mission erledigt.

Wer auf eine etwas actionreichere Methode steht, kann aber auch einen LKW großzügig mit C4 bestücken. Dieser wird von einem feindlichen Soldaten bis zu dem Gebäude manövriert, in dem sich unser Ziel aufhält. Jetzt genügt ein Druck auf den Auslöser und nicht nur das Gebäude zerfällt zu Asche, sondern auch unser Ziel.

Ihr seht, in dieser Hinsicht werden euch so gut wie keine Grenzen gesetzt. Und mit dem wachsenden Equipment, welches ihr im Laufe der Zeit durch Forschungen in eurer Mother Base herstellen könnt, bieten sich immer wieder neue Möglichkeiten.

MGSV Quiet
Gibt uns immer Rückendeckung, die Scharfschützin Quiet

Wo wir gerade bei dem Thema sind: Von nichts kommt nichts. Dies gilt auch für Big Boss und seine Crew. Aber kann man bei drei Leuten wirklich schon von einer Crew, geschweige denn von einer Armee sprechen? Nicht wirklich! Aber wie kommen wir zu neuen Mitarbeitern? Selbst anwerben heißt die Antwort, obwohl das bei MGS V wohl eine eher schwammige Ausdrucksweise für das ist, was Big Boss darunter versteht.

Wenn ihr während der Einsätze eure Feinde nicht gerade tötet, sondern nur ausknockt, könnt ihr sie mit dem Fulton Recovery System ausstatten. Wem das vielleicht nichts sagt, dem könnte der Begriff Skyhook weiterhelfen, welcher auch im Film „The Dark Knight“ vorkam. Die Zielperson schnallt sich eine Art Gürtel samt Ballon um. Dieser Ballon steigt auf und rastet in einem Flugzeug ein, welches die drangehängte Person (oder auch das drangehängte Fahrzeug) zur Mother Base bringt. Und schon haben sich die Diamond Dogs um ein Mitglied vergrößert.

Unterstützung auf jede erdenkliche Art und Weise

Neben all den Gadgets, die einem das Leben im Einsatz erleichtern, gibt es auch noch andere Sachen, die im Gefecht weiterhelfen. Nehmen wir zuerst das, was vielleicht am simpelsten klingt: die Umwelt!

Denn MGS V verfügt nicht nur über einen Tag- und Nachtwechsel, sondern auch über ein Wettersystem. So ist es also deutlich smarter, seine Aktionen bei Nacht auszuführen als bei Tag, da der Sichtradius der Wachen dadurch um einiges eingeschränkter ist. Jedoch sollte man nicht jede Mission bei Nacht absolvieren, denn die Gegner lernen mit. Bei zu häufigen Nachteinsätzen werden irgendwann die Gegner mit Nachtsichtgeräten ausgestattet, was den Vorteil der Dunkelheit zunichte macht. Generell agiert die feindliche KI sehr smart und passt sich an das Verhalten des Spielers an. Laufwege ändern sich, Wachpersonal patrouilliert nicht mehr alleine, sondern mindestens zu zweit. Und setzt man zu oft zum Kopfschuss an, um die Gegner zu eliminieren, werden diese bald mit Helmen ausgestattet.

MGSV Flying Horse
Das Fulton Recovery System im Einsatz!

Darüber hinaus ist auch das Wetter ein wichtiger Faktor. So kann es beispielsweise immer wieder zu Sandstürmen kommen, welche ihr zu eurem Vorteil nutzen könnt. Denn auch hierdurch wird die Sicht eurer Gegner stark eingegrenzt. Kommt es zu einer Situation, in der ihr euch möglichst schnell aus dem Gefahrengebiet zurückziehen müsst, könnte euch wettertechnisch nichts Besseres passieren. Umgekehrt sieht es dann allerdings nicht besonders gut für euch aus, denn beim Auskundschaften der Umgebung schränkt schlechtes Wetter das Sichtfeld natürlich ebenfalls ein.

Alleine kann man sich zwar ganz gut durchs Schlachtfeld schlagen, aber ein wenig Unterstützung wäre natürlich auch nicht schlecht. Gut, dass einem das Spiel die Möglichkeit bietet, zusammen mit ein paar Verbündeten loszuziehen. Da wäre zum Beispiel D-Horse, ein treues Ross, welches einen schnell und sicher durch die Landschaft Afghanistans transportiert. Dann haben wir noch D-Dog, eine Art Wolfshund, welcher automatisch Feinde markiert, wenn er sie entdeckt, aber auch weglocken oder anderweitig ablenken kann. Weitere Unterstützung erhält Big Boss durch Quiet, die relativ knapp bekleidete Scharfschützin, welche dank besonderer Fähigkeiten nicht nur in Windeseile die Position wechseln, sondern auch gute Rückendeckung leisten kann. Wer hingegen mehr Feuerkraft benötigt, wird langfristig vermutlich die Hilfe des D-Walkers in Anspruch nehmen. Hierbei handelt es sich um einen Mini-Mech, in dem man Platz nimmt und der vor allem durch seine Waffengewalt auf sich aufmerksam macht. Trotzdem sollte man mit ihm nicht überstürzt agieren, denn er ist zwar stark, aber nicht unzerstörbar.


Vielen Dank an Konami für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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