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Testbericht: Kingdom Hearts 2.8 HD Final Chapter Prologue

Seit nunmehr 15 Jahren verknüpft die Kingdom Hearts-Serie von Square Enix auf unvergleichliche Art und Weise das Final Fantasy– und Disney-Universum miteinander. Anlässlich des Geburtstages steht dieses Jahr scheinbar ganz im Zeichen der beliebten Action-Rollenspiel-Reihe. Den Anfang macht Kingdom Hearts 2.8 HD Final Chapter Prologue, welches den Übergang zum dritten Serienteil markieren soll, der uns im Laufe des Jahres erwartet.


Square Enix mag Zahlen

Hachja. Früher war alles einfach. Nach Teil 1 erschien Teil 2. Dann folgte Teil 3 und so weiter. Für die Damen und Herren von Square Enix ist dies offenbar viel zu einfach, anders lässt sich das Zahlenchaos innerhalb der Kingdom Hearts-Serie nicht erklären. Immerhin ist von „II“, über „358/2“, bis hin zu „1.5 und 2.5 HD ReMiX“ nahezu alles vertreten. (Die Chancen auf ein Kingdom Hearts Pi irgendwann nach Teil drei stehen also vielleicht gar nicht so schlecht.)

Wie dem auch sei. Der neueste Ableger hört jedenfalls auf den Namen Kingdom Hearts 2.8 HD Final Chapter Prologue und stellt ein weiteres Remake dar. Genauer gesagt haben wir es mit einer Neuauflage des 3DS-Ablegers Dream Drop Distance zu tun. Hinzu gesellt sich allerdings mit Kingdom Hearts 0.2: Birth by Sleep – A Fragmentary Passage eine komplett neue Episode.

In Kingdom Hearts 2.8 feiern wir ein Wiedersehen mit einigen alten Bekannten
In Kingdom Hearts 2.8 feiern wir ein Wiedersehen mit einigen alten Bekannten

Zusätzlich spendiert Square Enix der Sammlung den knapp 70-minütigen HD-Film Kingdom Hearts x Back Cover, welcher auf der Handlung des Browserspiels Kingdom Hearts x aufbaut. Dieses war nur in Japan erhältlich, wurde aber mittlerweile unter dem Namen Kingdom Hearts Unchained als Mobile-Spiel auch hierzulande veröffentlicht.

Damit wären jetzt also alle Namen genannt. Serienfans wissen Bescheid, alle anderen sind verwirrt. Perfekte Voraussetzungen, um mit dem eigentlichen Test zu beginnen.

Doch zunächst noch eine Warnung: Wer mit diesem Spiele seine ersten Schritte im Universum von Kingdom Hearts macht, dürfte nur Bruchteile der an sich schon verwirrenden Story verstehen. Neueinsteiger, die wirklich alle Storyzusammenhänge verstehen wollen, sollten möglicherweise auf die Remakes von Teil Eins und Zwei warten, welche in Kürze erscheinen werden.


Kingdom Hearts 2.8 – Dream Drop Distance HD

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Das HD-Remake des 3DS-Titels markiert den Hauptteil der Spielesammlung. In dem knapp 25-stündigen Abenteuer bereisen die Protagonisten Sora und Riku insgesamt sieben abwechslungsreich gestaltete Welten, um ihre Prüfung zum Schlüsselschwertmeister abzulegen.

Dabei treffen sie auf allerlei bekannte Figuren aus dem Disney-Universum wie den Glöckner von Notre Dame oder Esmeralda. Allerdings verzichtet die Neuauflage auf einige Spielelemente des Originals. Seinerzeit griff das Spiel beispielsweise intensiv auf die speziellen Möglichkeiten des Nintendo 3DS zurück, welche die PlayStation 4 natürlich nicht bietet.

Sora ist der Protagonist von Dream Drop Distance HD
Sora ist der Protagonist von Dream Drop Distance HD

Obwohl man den entsprechenden Passagen die Herkunft jederzeit anmerkt, ist es den Entwicklern durch sinnvolle Anpassungen hervorragend gelungen, diese auf die große Heimkonsole zu übertragen. Kingdom Hearts 2.8 fängt den Charme des Originals hervorragend ein und besticht auch aus heutiger Sicht noch durch seine gelungene Spielbarkeit, die spannenden Free-Flow-Kämpfe und die hervorragenden Bossfights.
Gerade die Bewegungen profitieren spürbar von der Controller-Steuerung und lassen sich nun weitaus präziser ausführen. Das kommt dem Spielspaß natürlich zugute.

Aus technischer Sicht konnte das Maximum aus der Vorlage herausgeholt werden. Mehr aber auch nicht. Auch wenn die Grafik auf der PlayStation 4 gnadenlos veraltet ist, hat Square Enix den Handheld-Titel sauber portiert. Vor allem die starre Mimik der Charaktere und die leblosen Areale sind allerdings einfach nicht mehr zeitgemäß.

Technisch ist das 3DS-Remake nicht auf der Höhe der Zeit. Spaß macht es aber allemal
Technisch ist das 3DS-Remake nicht auf der Höhe der Zeit. Spaß macht es aber allemal

Die neue Kantenglättung und die schärferen HD-Texturen runden den stimmigen Look von Dream Drop Distance HD jedoch hervorragend ab.


Gelungener Neuling: Kingdom Hearts 0.2: Birth by Sleep – A Fragmentary Passage

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Der interessanteste Bestandteil von Kingdom Hearts 2.8 dürfte sicherlich die Neuentwicklung Kingdom Hearts 0.2: Birth by Sleep – A Fragmentary Passage sein. Die Handlung der Episode setzt direkt am geheimen Ende des PSP-Ableger aus dem Jahr 2010 an.

Protagonistin Aqua ist im Reich der Dunkelheit gefangen, welche die schillerndsten Umgebungen des Disney-Universums zu verschlingen droht. A Fragmentary Passage stellt dabei vielmehr eine Art Demo oder Vorschau auf den kommenden dritten Serienteil dar, als ein eigenständiges Spiel. Die Länge der Episode ist nämlich mit ungefähr drei bis vier Stunden sehr überschaubar ausgefallen. Neben einigen freischaltbaren Kostümen und Herausforderungen bietet dieser Ableger auch keine wirklichen Gründe, das Abenteuer erneut erleben zu wollen.

Kingdom Hearts 0.2: Birth by Sleep - A Fragmentary Passage ist sehr kurz, macht aber eine Menge Spaß.
Kingdom Hearts 0.2: Birth by Sleep – A Fragmentary Passage ist sehr kurz, macht aber eine Menge Spaß.

Spielerische Neuerungen lassen sich zudem an einer Hand abzählen. Noch immer rennt man durch eher linear gestaltete Areale und prügelt seine Widersacher ins Jenseits. Dank stimmiger Rätsel und hervorragender Steuerung macht das allerdings eine Menge Spaß.

Die größte und gleichzeitig sinnvollste Änderung hat Square Enix dem Kampfsystem spendiert, welches deutlich dynamischer daher kommt, als jemals zuvor. Nach kurzer Eingewöhnung verketten wir unsere Aktionen zu brachialen Kombos. Auch die Magie lässt sich jetzt mit aktivierter L1-Taste deutlich einfacher verwenden, ohne diese zuvor mühsam durchschalten zu müssen.

Am Kampfsystem hat Square Enix ordentlich geschraubt. 0.2 spielt sich dynamischer, als je zuvor.
Am Kampfsystem hat Square Enix ordentlich geschraubt. 0.2 spielt sich dynamischer, als je zuvor.

Erfolgreiche Angriffe füllen zudem eine Leiste, wodurch wir dann eine Vielzahl von Feinden gleichzeitig mit spektakulär inszenierten Spezialattacken einheizen können. Und das ist bitter nötig, denn A Fragmentary Passage wirft uns teilweise ganze Armeen entgegen.


Schick dank Unreal Engine 4

Trotz des relativ simplen Spielprinzips und dem überschaubaren Umfang macht 0.2 seine Sache als Demo allerdings ausgesprochen gut. Ich hatte beim Spielen jedenfalls eine ganze Menge Spaß. Zudem stellt es dank Unreal Engine 4 zweifelsfrei den bisherigen grafischen Höhepunkt der Reihe dar. Besonders die wunderschön gestalteten Fantasy-Areale warten mit einer traumhaften Umgebungsgrafik au. Allerdings fallen sie auch diesmal relativ detailarm aus.

Die etwas leblosen Umgebungen sehen dank Unreal Engine 4 hervorragend aus.
Die etwas leblosen Umgebungen sehen dank Unreal Engine 4 hervorragend aus.

Auch die Licht- und Spezialeffekte hinterlassen einen gelungen Eindruck. Ähnlich wie die Charaktermodelle, die mit deutlich mehr Details aufwarten, als in den Vorgängern. Vor allem bei der Mimik der Figuren hat Square Enix ordentlich nachgelegt.

Schade nur, dass die Bildrate auf der normalen PlayStation 4 speziell bei größerem Feindaufkommen des Öfteren ins Stocken gerät, was den Spielspaß etwas trübt. Auf der PS4 Pro hingegen bleibt diese weitestgehend bei konstanten 60 Bildern pro Sekunde, auch eine 4K-Auflösung wird unterstützt.

A Fragmentary Passage zeigt sehr gut, was uns mit Kingdom Hearts III erwarten könnte.
A Fragmentary Passage zeigt sehr gut, was uns mit Kingdom Hearts III erwarten könnte.

Kingdom Hearts x Back Cover

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Den Abschluss auf der Disc bildet der Render-Film Kingdom Hearts x Back Cover, welcher ebenfalls komplett in der Unreal Engine 4 entstanden ist. Der bildgewaltige Streifen ist auf jeden Fall äußerst schick anzusehen, dürfte aber nur bei beinharten Serienfans wirklich Begeisterungsstürme auslösen. Für alle anderen sorgt die wirre und verzweigte Handlung höchstens für ein Stirnrunzeln.

Der Film Back Cover sieht stellenweise bombastisch aus. Die Story ist allerdings sehr komplex und verwirrend.
Der Film Back Cover sieht stellenweise bombastisch aus. Die Story ist allerdings sehr komplex und verwirrend.

In seiner knapp 70-minütigen Laufzeit erzählt er anhand von Zwischensequenzen des Browser-, beziehungsweise Mobile-Spiels die Zusammenhänge und schließt zudem ein paar Story-Lücken, die die Vorgeschichte der Reihe Spielern bisher schuldig blieb. Technisch ist Back Cover zumindest aber eine Wucht. Sowohl die Vertonung, als auch die Optik rangieren auf einem äußerst hohen Niveau.


Fazit: 

Kingdom Hearts 2.8 HD Final Chapter Prologue ist unterm Strich eine gelungene Spielesammlung geworden. Allerdings richtet sich diese vor allem an Fans und Kenner der Serie. Alle anderen werden ohne Vorkenntnisse mit einigen Fragezeichen zurückbleiben. 

AwardDie Umsetzung des Handheld-Titels ist Square Enix zumindest sehr gut gelungen. Auch wenn man natürlich kein technisches Meisterwerk erwarten darf. A Fragmentary Passage hingegen liefert einen sehr guten Vorgeschmack auf den dritten großen Serienteil. Obwohl der Umfang viel zu gering ausgefallen ist. Die technischen Ungereimtheiten auf der normalen PlayStation 4 stoßen zudem sauer auf, auch wenn das Spiel ansonsten bombastisch aussieht.

Back Cover macht seine Sache als Fanservice gut, bietet allerdings keinen großen Nährwert und hätte es in der Form nicht unbedingt gebraucht. Fans der Serie dürfen bedingungslos zugreifen. Alle anderen sollten besser auf die Neuauflagen von HD 1.5 ReMIX + 2.5 ReMIX warten und sich erst danach an 2.8 wagen.


Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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Lars Schulze