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Testbericht: Just Cause 3

Kennt ihr das? Da spielt man ein Spiel, welches einem auf dem Papier eigentlich richtig gut gefallen müsste und doch will es einem einfach keinen Spaß machen? So ein Spiel ist für mich der neueste Streich der Avalanche Studios: Just Cause 3. Der Open-World-Titel will mit schier unendlichen Freiheiten, einer riesigen Spielewelt und einer Vielzahl abgedrehter Ideen für jede Menge Spaß sorgen – doch leider gelingt das dem Titel in meinen Augen nur bedingt. Warum versuche ich in meinem Test zu klären.

Rico ist wieder da und hat jede Menge Explosionen im Gepäck.
Rico ist wieder da und hat jede Menge Explosionen im Gepäck.

Viel Lärm um Nichts

Bei Just Cause 3 steht vor allem eines im Vordergrund: Explosionen. Gepaart mit jeder Menge Chaos und Zerstörung will der Sandbox-Titel einen riesigen Spielplatz erschaffen. Doch dabei bleibt die Story leider komplett auf der Strecke. Ist diese zwar ohnehin nicht gerade das Aushängeschild dieses Genres, gelingt es dem Spiel leider zu keinem Zeitpunkt, mich mitzureißen.

Als Rico Rodriguez, welcher bereits aus den Vorgängern bekannt ist, ist es meine Aufgabe, die tropische Inselgruppe Medici von ihrer diktatorischen Herrschaft durch General Di Ravello zu befreien. Dieser hat einen Narren an dem wunderschönen Eiland gefressen, weil nur dort der geheime Wunderrohstoff Bavarium vorkommt. Also mache ich mich im Zuge der 10-15 Stunden langen und 25 Missionen umfassenden Kampagne auf, dem Schreckensherrscher das Handwerk zu legen. Leider bleiben dabei alle Charaktere enorm eindimensional und blass, Emotionen oder nachvollziehbare Handlungen suche ich leider vergebens.
Genretypisch erwarten mich dabei aber zusätzlich einige allzu bekannte Nebenmissionen (wie die Befreiung von Außenposten, Luft-, Wasser- oder Landrennen, Stunt-Parcours und vieles mehr). Wenn man Just Cause 3 eines nicht vorwerfen kann, dann ist dies mangelnde Abwechslung: Sowohl die Hauptmissionen, als auch die unzähligen Nebenaufgaben oder Sammelobjekte könnten unterschiedlicher kaum sein.

Just Cause 3 ist verrückt, chaotisch und riesengroß.
Just Cause 3 ist verrückt, chaotisch und riesengroß.

Das alles ist eigentlich die Mischung, die mir richtig gut gefällt. In Far Cry 4 fand ich toll, Metal Gear Solid V hervorragend, ganz zu schweigen von GTA V und vielen anderen. Warum also will mir Just Cause 3 einfach keinen Spaß machen? Am völlig abgedrehten und saucoolen Humor kann es nicht liegen, denn in welchem Spiel kann ich schon auf einem Flugzeug mit einer Panzerfaust bewaffnet den Boden mit Feuer eindecken? Oder gar auf einer Rakete reiten? Ich stehe auf diesen abgedrehten Humor, doch dem Spiel fehlt etwas…
Vielleicht ist es die extreme Versteifung auf die Explosionen, welche einem der Titel ab der ersten Minute regelrecht aufzwingt: „Hier hast du den Enterhaken, verbinde damit ein explosives Fass und einen Gastank und schau dir die Explosion an.“ Es scheint, als würde mich das Spiel gar nicht das tun lassen wollen, was ich eigentlich tun möchte. „Du möchtest mit dem Maschinengewehr vorgehen? Neeeeein du Narr, hier – nimm den Raketenwerfer!“

Und das ist es wohl, was Just Cause 3 sein möchte: Ein riesiger (die Größe der Karte ist schlichtweg atemberaubend und zudem extrem abwechslungsreich – von Dschungel, über Schnee bis hin zu Vulkanen ist alles vorhanden) Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Durch den ich stundenlang rennen soll, mit Hubschraubern Städte bombardiere, mittels Enterhaken Kühe an eine Windmühle kette und sehe was passiert oder einfach nur Chaos stifte. Tut mir Leid, aber das ist mir einfach zu wenig.
Was natürlich für viele Spieler funktionieren dürfte und sicherlich auch jede Menge Spaß machen kann – einfach mal die Grenzen des Möglichen auszutesten, mit dem Wingsuit und Gleitschirm durch die riesige Welt fliegen, Geheimnisse suchen – ist mir einfach zu wenig. Dem Titel gelingt es leider zu keinem Zeitpunkt, mich irgendwie mitzureißen oder gar zu motivieren, noch eine Mission zu absolvieren – eine Suchtspirale eines Metal Gear Solid V („Ach komm, nur noch die eine Mission.“ „Ach, das ist hier in der Nähe, das mache ich auch noch schnell.“) entfesselt der Titel leider zu keinem Zeitpunkt.

Schick und doch problembehaftet

Just Cause 3 macht zumindest aus technischer Sicht eine sehr gute Figur. Auch wenn es vereinzelt zu nervigen Hängern und Rucklern kommt, läuft das Spielgeschehen zumeist angenehm flüssig. Gerade die herausragende Weitsicht und die wunderschönen, abwechslungsreichen Umgebungen wissen zu gefallen. Dabei lassen sich teils unscharfe, aufploppende Texturen und mitunter klobige Objekte verschmerzen – gerade wenn man bedenkt, wie riesig die dargestellte Welt einfach ist. Auch die Charaktermodelle sind den Entwicklern gut gelungen und sind mitunter sehr detailliert. Besonders die Effekte überzeugen allerdings auf ganzer Ebene: Wenn ich eine Rakete in einen riesigen Turm jage und dieser unter unzähligen Explosionen alles um sich herum mit in den Abgrund reißt, sieht das einfach nur grandios aus.

Schick sieht das Spiel allemal aus, allerdings fehlt die spielerische Tiefe. Leider.
Schick sieht das Spiel allemal aus, allerdings fehlt die spielerische Tiefe. Leider.

Weniger schön sind allerdings die teils sehr hakeligen Charakteranimationen, auch das häufige Kantenflimmern nervt.
Auch die Vertonung kann leider nicht auf ganzer Linie überzeugen. Auch hier stechen abermals die Effekte positiv hervor, welche mit ordentlich Wumms daher kommen. Die deutschen Sprecher sind allerdings gerade einmal in Ordnung, vor allem gelingt es ihnen zu keinem Zeitpunkt, die Emotionen glaubhaft zu vermitteln – schade.
Apropos Charaktere: Hier ist sich Just Cause 3 offensichtlich nicht ganz sicher, ob es eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen oder den Humor eines Borderlands erreichen möchte. Einige Szenen sind dabei allerdings komplett unpassend. Warum zum Beispiel muss unser Freund Mario ständig Selfies mit Leichen machen? Oder einen miesen Witz nach dem anderen raus hauen?
Immerhin passt die musikalische Untermalung.


Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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