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Testbericht: Jotun – Valhalla Edition

Sichtlich erschöpft und unterkühlt stapft unsere junge Heldin den Berg hinauf durch den endlos erscheinenden Schnee. Der eisige Griff des unerbittlich heulenden Nordwindes trachtet uns nach dem Leben und markiert, mal abgesehen von krächzenden Raben, den einzigen Begleiter auf unserer Suche. Müde und gezeichnet von der beschwerlichen Reise lassen wir unseren Blick über die weiße Pracht schweifen. Bis wir vor uns einen riesigen Kreis aus Eiszapfen erblicken. Das muss es sein! Das Ziel unserer Reise. Denn inmitten der Formation ragen zwei riesige Hörner aus dem Boden hervor.
Was nun folgt ist eines der absoluten Highlights des Action-Erkundungsabenteuers Jotun, welches sich mit dem neuen Namenszusatz Valhalla Edition etwa ein Jahr nach seinem PC-Debut endlich auch auf den heimischen Konsolen die Ehre gibt.
Ob sich das Warten auf das knackige Abenteuer gelohnt hat, wird unser Testbericht zeigen.

Die packend inszenierten Bosskämpfe stellen ein Kernelement von Jotun da
Die packend inszenierten Bosskämpfe stellen ein Kernelement von Jotun da

Eine Frau muss Jotun, was eine Frau Jotun muss

Doch zurück zum Anfang. In dem Action-Adventure Jotun schlüpfen wir in die Haut der jungen Heldin Thora, welche sich mit zwei großen Problemen herumplagen muss. Problem 1: Thora ist tot, das ist also schon mal nicht so optimal. Problem 2: Ihr Tod war leider derart unrühmlich, dass der tapferen Kriegerin der Einlass in Odins goldene Halle Walhalla versagt wird.
Doch die Götter erweisen sich als äußerst gnädig und gewähren dem Rotschopf eine zweite Chance, sich dem Platz an der Tafel des Allvaters würdig zu erweisen.

Doch was müssen wir dafür tun? Die Aufgabe präsentiert uns das Spiel ähnlich simpel, wie seine leider viel zu minimalistische Hintergrundgeschichte. Insgesamt fünf Riesen – die namensgebenden Jotun – müssen von uns zur Strecke gebracht werden, damit wir uns den Feierlichkeiten unserer Ahnen im Jenseits anschließen dürfen.
Wer es jetzt noch nicht bemerkt hat: Schauplatz des Spieles ist die gesamte Welt der nordischen Mythologie. Und genau diese will uns der Titel im Laufe des Abenteuers auch näher bringen. Auf unserer Reise durch insgesamt neun Level in fünf abwechslungsreichen Gebieten erklärt uns eine Stimme auf Norwegisch, was es mit dem Eichhörnchen-Boten Ratatosk, dem Weltenbaum Yggdrasil oder dem Ur-Riesen Ymer auf sich hat.

Jotun überzeugt durch einen stimmigen Comiclook und eine außergewöhnliche Atmosphäre
Jotun überzeugt durch einen stimmigen Comiclook und eine außergewöhnliche Atmosphäre

Dabei sind die Ausführungen des Sprechers für Fans der Edda und absolute Neulinge gleichermaßen spannend. Schade nur, dass das aufmerksame Verfolgen der deutschen Texte aufgrund des spannenden Geschehens auf dem Bildschirm nicht immer problemlos möglich ist.


In der Ruhe liegt die Kraft

Jotun setzt sich in Sachen Gameplay dabei aus zwei grundverschiedenen Kernelementen zusammen. Einen Großteil der knapp achtstündigen Spielzeit verbringen wir nämlich damit, die durchaus weitläufigen Areale auf der Suche nach Runensteinen zu erkunden. Gekämpft wird dabei aber eher selten. Vielmehr stehen abwechslungsreiche Geschicklichkeitspassagen und vereinzelte Rätsel an der Tagesordnung.
Ausgestattet mit einer riesigen Axt müssen wir so beispielsweise Kristalle in Form eines Sternenbildes aktivieren, um in den nächsten Spielabschnitt vordringen zu können. Allgemein hat die Interaktion mit der Umgebung die oberste Priorität beim Erkunden der abwechslungsreichen Areale. Darunter gefährliche Lava-Seen, wunderschöne Sternbilder im Götterhimmel oder düstere Sumpfgebiete voller fauliger Pilze. In einem Eislevel hingegen müssen wir aufgrund des unerbittlichen, zeitweise einsetzenden Sturmes immer wieder hinter Eiswänden Schutz suchen. Nur so umgehen wir den drohenden Kältetod.

Und so bahnen wir uns den Weg durch die verschiedenen Gebiete, welche allerdings leider relativ detailarm ausgefallen sind. Wenngleich hübsch inszenierte Kameraschwenks in Kombination mit dem Einsatz des hervorragenden Sprechers und der grandiosen Musik immer wieder für Gänsehaut sorgen.


Die Macht der Runen

Innerhalb der Gebiete stoßen wir auf der Suche nach der Rune dabei auf Götter-Schreine. Diese lehren uns neue Fähigkeiten. Die Gunst der Liebesgöttin Freya verleiht uns einen temporären Geschwindigkeitsschub. Thor lässt uns mit der Macht seines Hammers Mjolnir besonders kräftig austeilen. Odins Speer sorgt dann dafür, dass wir uns nahender Gefahren auch aus der Distanz erwehren können.

Thor und andere nordische Götter gewähren uns Spezialfähigkeiten
Thor und andere nordische Götter gewähren uns Spezialfähigkeiten

Mal abgesehen von diesen Schreinen und dem ultimativen Ziel in Form der Rune bieten die verschiedenen Level von Jotun allerdings nur wenig Anreiz zum Erkunden. Hier wären mehr Rätsel und Geheimnisse wünschenswert gewesen. Denn da uns zwar eine Übersichtskarte grob anzeigt, wo sich die entsprechenden Ziele befinden, wirkt die Suche nach diesen künstlich gestreckt. Besonders, da auf der Karte unsere eigene Position nicht vermerkt ist und wir mitunter etwas zu planlos umherirren.

Dass unsere Erkundungstour dann aber doch eine ganze Menge Spaß macht, liegt dabei vor allem am wunderschönen, handgezeichneten Grafikstil und der herausragenden Musikuntermalung von Jotun.

Optisch stellt der Titel eine Augenweide dar. Der farbenfrohe Comicstil passt hervorragend und besticht vor allem durch wunderschöne Effekte. Beispielsweise wenn Thora umringt von glühend heißer Lava Brücken überquert. Oder sich auf der Suche nach der nächsten Rune plötzlich einsetzenden Schneestürmen erwehren muss.
Darüber hinaus trägt die minimalistische Soundkulisse hervorragend zur mystischen und rundum stimmigen Atmosphäre des Titels bei. Der fast schon meditativ anmutende, wunderschöne Orchestral-Soundtrack tut dann sein Übriges.


Ein Hauch von Dark Souls

Haben wir alle Runen in einem Bereich gesammelt, dürfen wir endlich dem jeweiligen Endgegner entgegentreten. Diese knallharten und stark designten Bosskämpfe bilden nämlich das zweite Kernelement von Jotun. Und haben es noch dazu ganz schön in sich. Glücklicherweise sind sie dabei aber zu keinem Zeitpunkt unfair ausgefallen.
Trotzdem benötigt es eine gehörige Portion Geschick, eine perfekte Taktik und den Einsatz aller vorhandenen Götter-Fähigkeiten, um als Sieger aus dem in mehrere Phasen unterteilten Zweikampf hervorzugehen.

Der bereits eingangs erwähnte Winter-Jotun Isa konnte von uns dabei, wie fast alle seiner Kollegen, erst nach mehreren erfolglosen Versuchen geschlagen werden. Denn während der Koloss zu Beginn des Kampfes lediglich mit brachialer Gewalt versucht, Thora zu zerquetschen, müssen wir im Verlaufe des Kampfes zusätzlich noch seinem Frostatem entfliehen und seinem wütenden Ansturm ausweichen.  Als wäre das nicht schon schwierig genug, weicht der sichere Halt des kühlen Schnees im Verlaufe der Schlacht einer rutschigen Eisdecke. Diese erschwert unseren ansonsten aufgrund der rundum gelungenen Steuerungen präzisen Bewegungen natürlich deutlich. Zudem beschwört er im Angesicht des Todes einen mächtigen Schneesturm herauf, welcher unsere Sicht zunehmens einschränkt.

Die hübschen Umgebungen sind leider etwas detailarm ausgefallen
Die hübschen Umgebungen sind leider etwas detailarm ausgefallen

So nähern wir uns dem Riesen von hinten und attackieren ihn mit zwei schnellen Hieben und einem starken Angriff.  Der Gigant gerät ins Taumeln und schlägt benommen auf den Boden auf. Das ist unser Zeichen dafür, unseren Angriff mit der Macht von Thors Hammer zu verstärken und dem Vieh eine volle Breitseite in sein Gesicht zu geben. Mittels geschicktem Einsatz der Ausweichrolle, des Geschwindigkeitsschubes und der Heilkünste der Götting Frigg neigt sich dann aber der Lebensbalken des Obermotzes nach nervenaufreibenden 15 Minuten dem Ende zu.


Nur wenige Neuerungen

Ein finaler Schlag lässt das Monster zu Eis erstarren und belohnt uns mit einem weiteren Schritt in Richtung Eintrittskarte nach Walhalla. Auf weitere Belohnungen oder gar neue Ausrüstungsgegenstände verzichtet Jotun aber leider völlig. Also ziehen wir unvermittelt weiter in das nächste Gebiet. Nur um dort mehr oder weniger dieselbe Aufgabe zu erledigen.

Hier hätte ein bisschen mehr Anreiz, genauso wie mehr Abwechslung, dem Spiel gut zu Gesicht gestanden. Wirklich schlimm ist das allerdings nicht. Auch so sorgt das Gameplay von Jotun für eine ganze Menge Spaß.

Wem die spannenden Bosskämpfe allerdings noch nicht knackig genug sind, der kann sich an die einzige Neuerung der Konsolenumsetzung wagen. Im Valhalla-Modus warten nämlich alle Riesen darauf, nacheinander von uns zur Strecke gebracht zu werden. Allerdings sind diese hier nochmals stärker und verfügen über neue Angriffsmuster. Dennoch wird aufgrund der wenigen Neuerungen nicht ganz ersichtlich, warum die Portierung des Spieles ein ganzes Jahr Zeit in Anspruch genommen hat. Das ist letztlich aber auch egal, denn Jotun macht so oder so eine Menge Spaß!


Fazit:

Jotun beweist eindrucksvoll, dass die nordische Mythologie auch abseits von gzg-medailleaxtschwingenden, Kriegern mit langen roten Bärten, Drachenbooten und Trinkhörnern eine ganze Menge zu bieten hat. Gerade der gelungene Mix aus ruhigen Erkundungstouren und packend inszenierten Bosskämpfen sorgt für jede Menge Spielspaß. Der wunderschöne, handgezeichnete Grafikstil gefällt. Die mystisch minimalistische Soundkulisse in Kombination mit dem hervorragenden Soundtrack sorgen für eine einzigartige Atmosphäre.
Mangelnde spielerische Abwechslung, eine etwas zu detailarme Welt und die schwache Story sorgen dann allerdings dafür, dass Jotun eine noch höhere Wertung verwehrt bleibt. Trotzdem kommen Genrefreunde mit dem Indietitel voll auf ihre Kosten. Und lernen ganz nebenbei noch etwas über die nordische Mythologie, deren Fans gerne noch einen Punkt zur Wertung hinzuaddieren dürfen.


Vielen Dank an Thunder Lotus Games für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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