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Testbericht: GRID Autosport

Die GRID-Reihe erlebte auf der PS3 und Xbox 360 ein Auf und Ab der Gefühle. Galt der Erstling als der Geheimtipp schlechthin im Rennspielgenre auf der vergangenen Konsolengeneration, enttäuschte GRID 2 seine Fans mit der neuen Ausrichtung hin zu driftlastigen Rennen und war dabei so weit von einer Rennsimulation entfernt wie Sebastian Vettel 2014 von dem Formel-1-Weltmeistertitel. Nun erscheint mit GRID: Autosport wohl eine Entschuldigung für all die enttäuschten Zocker, die sich nach GRID eine konsequente Fortsetzung des Mixes aus Arcade und Simulation gewünscht haben. Wir sind für euch in die Cockpits zahlreicher Boliden geklettert, sind auf unzähligen Rennstrecken dieser Welt gefahren und haben Triumphe gefeiert. Ob das Ganze aber auch Spaß bereitet hat, verraten wir euch in unserem folgenden Testbericht zum Spiel.

Packende Rennaction steht in GRID Autosport an der Tagesordnung!
Packende Rennaction steht in GRID Autosport an der Tagesordnung!

Für jeden Geschmack etwas

GRID Autosport verfolgt gänzlich andere Ansätze als noch sein Vorgänger GRID 2. Vorbei sind die Zeiten von wilden Driftevents, arcadigen Straßenrennen, sogar eine Cockpitperspektive gibt es nun wieder. Codemasters geht mit GRID: Autosport wieder mehr in Richtung Rennsimulation und packender Rennaction Rad-an-Rad. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist der Karrieremodus, in dem ihr 25 Saisons durchlaufen könnt und dabei in jeder Saison selber entscheiden dürft, an welcher Rennserie ihr teilnehmen möchtet. Zur Auswahl stehen dabei knallharte Touring-Car-Rennen, Wettkämpfe mit flotten Open-Wheel-Fahrzeugen, Drift-Rennen, Straßenrennen und Langstreckenmeisterschaften. Obendrauf gibt es noch eine spezielle GRID-Meisterschaft, in der euch ein Best-of aus allen Disziplinen erwartet. Pro Rennserie gibt es zahlreiche Wettkämpfe, die sich in der Streckenvielfalt und Anzahl der Events unterscheiden. Gleichzeitig erhaltet ihr für jede Saison neue Teamangebote mit entsprechenden Teamzielen, die es in der jeweiligen Meisterschaft zu erreichen gilt, um wichtige Erfahrungspunkte einzustreichen. Geld erhaltet ihr übrigens nur in Onlinerennen, um dort eigene Rennwagen kaufen zu können. Im Karrieremodus gibt es diese Option leider nicht. So flexibel das Spiel bei der Karriere ist, so flexibel ist GRID Autosport auch bei den Fahreinstellungen. Mögt ihr es lieber simulationslastig? Kein Problem! Stellt die Fahrhilfen aus, den Schaden an und deaktiviert die Rückspulfunktion. Wer es lieber zugänglicher mag, der relativiert den Schaden und nutzt Fahrhilfen wie ABS, Automatik-Getriebe und Co. und hat dennoch seinen Spaß. GRID Autosport liefert sowohl beim Inhalt, als auch beim Gameplay etwas für jeden Rennspielgeschmack. Auch wenn die Karriere an sich etwas steril aufgebaut ist und ihr im Prinzip nur von einem Event zum nächsten hetzt und etwas Flair fernab der Rennpisten vermisst, hat sich Codemasters bei der Umsetzung der eigentlichen Rennen viel Mühe gegeben. So könnt ihr an den Rennwochenenden an Trainingssitzungen teilnehmen, das Qualifying für eine optimale Startposition bestreiten und im Tuningbereich einzelne Fahrzeugparameter anpassen.

Die K.I. setzt im Spiel gern mal harte Bandagen ein!
Die K.I. setzt im Spiel gern mal harte Bandagen ein!

Racing so wie es sein muss!

Doch ein Rennspiel steht und fällt mit dem Spaß, den ihr auf der Strecke erlebt. Hier punktet GRID Autosport erneut mit einem klasse Fahrgefühl und einer sehr guten Gegner-K.I.. Eure Widersacher fighten um jeden Zentimeter auf der Pisten, verteidigen ihre Positionen und überholen fleißig. Gerade auf den höheren Schwierigkeitsstufen stellt die K.I. wirklich eine richtig ansprechende Herausforderung dar. Besonders positiv fällt auf, dass auch eure Gegner hin und wieder fatale Fehler begehen, sich drehen, verbremsen oder auch mal miteinander kollidieren. Leider auch zum Leidwesen von euch, denn es ist keine Seltenheit, dass sich die Computerfahrer übermütig in einen Überholvorgang mit euch stürzen und ihr dabei von der Strecke kreiselt, während das gegnerische Fahrzeug unbehelligt weiterfährt. Unnötig ist zudem das neue „Team-Feature“. In den meisten Rennveranstaltungen habt ihr nun einen Teamkollegen, dem ihr Anweisungen geben könnt, ob er offensiv oder defensiv fahren soll. Ein merklicher Unterschied zwischen beiden Fahrweisen lässt sich allerdings nur sehr schwer erkennen und kann somit im Prinzip gleich vernachlässigt werden. Nichtsdestotrotz kommt bei den Positionskämpfen erneut das typische „GRID“-Feeling auf. Die Rennen sind sehr intensiv und machen einfach nur Spaß. Dank unterschiedlicher Fahrzeugklassen wird das Ganze auch nicht so schnell langweilig, da jedes Auto seine ganz eigenen Rafinessen bietet. Für ein intensives Fahrgefühl sorgt zudem die Rückkehr der Cockpitperspektive, von der aus ihr die Rennen aus den Augen des Rennfahrers erleben könnt. Leider hat es Codemasters aber versäumt, detaillierte Cockpits zu integrieren. So bekommt ihr „verwaschene“ Lenkräder und Armaturen zu sehen, welche den „typischen“ Tunnelblick eines Fahrers während eines Rennens symbolisieren sollen. Vielen wird diese Designentscheidung sicher nicht gefallen, sodass Codemasters hier ein wenig unnötig Potenzial liegen lässt.

Auf den Stadtkursen wechseln sich Highspeedpassagen mit teils rechtwinkligen Kurven ab!
Auf den Stadtkursen wechseln sich Highspeedpassagen mit teils rechtwinkligen Kurven ab!

Etwas unausgereift ist auch das Strafen-Feature im Spiel. An sich ist es natürlich sehr gut, dass Abkürzern ein Strich durch die Rechnung gemacht wird, jedoch scheint die Verteilung der Strafen etwas willkürlich. Geratet ihr mit zwei Reifen auf einen Abweiser, der eigentlich noch zur Rennstrecke gehört, erhaltet ihr eine Strafe, während man an anderer Stelle mir allen vier Reifen neben der weißen Linie entlangrasen kann, ohne eine Tempolimitierung zu erhalten. Hier sollte mittels Patch etwas nachgebessert werden. Ein weiterer großer Pluspunkt des Rennspiels ist die Vielseitigkeit. Während die Straßenrennen mit anspruchsvollen Fantasiestrecken inmitten bekannter Metropolen wie Barcelona oder San Francisco locken, dürften Formel-Fans mit der Open-Wheel-Serie glücklich werden, bei der ihr bekannte Rennstrecken wie Hockenheim, den Yas Marina Circuit oder auch Spa Franchorchamps besucht. Wen es dann mal nach etwas Driftspaß gelüstet, der kann sich bei Driftturnieren mit zickigen PS-Monstern um die verwinkelten Kurvenkombinationen quälen. Für die Ausdauernden unter euch sind die Endurance-Rennen etwas. Hier gibt es zudem auch einen Reifenverschleiß und Rennlängen von über 30 Minuten, sodass ein spannender Gegenpol zu den sonstigen Sprintrennen geboten wird. Das Schadensmodell in GRID: Autosport ist an sich serientypisch erneut gut, hält für meinen subjektiven Geschmack aber immer noch etwas zuviel aus. Zudem wirken sich beispielsweise abgefahrene Flügel nicht auf die Fahrbarkeit eures Autos aus. Letztlich könnt ihr also wie gewohnt nur eure Lenkung, den Motor, Federung und Aufhängung beschädigen, was sich dann auch fahrerisch bemerkbar macht. Zudem scheint die K.I. deutlich robustere Fahrzeuge zu haben, denn Kollisionen machen euren Gegnern meist deutlich weniger aus als euch.

Edel-Racer: Die Grafik ist für die PS3 und Xbox 360 wirklich richtig gut!
Edel-Racer: Die Grafik ist für die PS3 und Xbox 360 wirklich richtig gut!

Online-Racing und die Technik

GRID Autosport bietet neben dem Splitscreen-Modus für zwei Spieler auch einen umfangreichen Onlinepart. Hier könnt ihr ebenfalls euren Fahrerrang verbessern. Autos mit gesammelter Währung erwerben, aufmotzen und optisch individuell anpassen. Die Rennen laufen flüssig ab und bieten zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Natürlich gibt es auch den gewohnt hohen „Chaos-Faktor“ in der ersten Kurve, wo ein paar übermütige Fahrer gern einmal eine Massenkarambolage provozieren, aber ist es nicht gerade all das, was wir in GRID 2 so schmerzhaft vermisst haben? Obendrauf könnt ihr via RaceNet eigene Communities gründen oder an speziellen Challenges teilnehmen. silber-großOptisch ist GRID Autosport für einen Xbox 360 Titel noch einmal eine echte Augenweide geworden. Die Schauplätze sehen toll aus und die Rennwagen sind detailliert. Besonders schick anzusehen sind die tollen Partikel- und Lichteffekte, die fast den Eindruck erwecken lassen einen „NextGen-Titel“ vor Augen zu haben. Auch beim Geschwindigkeitsgefühl gibt es keinen Grund für Kritik, hier passt wirklich fast alles. Einzig ein paar schwammige Texturen und der eine oder andere Ruckler trüben das sonst sehr gelungene Gesamtbild. Für eure Ohren gibt es zudem knackige Motorensounds und in der Karriere auch Instruktionen von eurem Renningenieur zu hören. Letztere wiederholen sich allerdings relativ schnell.


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