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Testbericht: Ghostbusters

Die beliebten Geisterjäger unserer Kindheit erleben aktuell ein eher zweifelhaftes Revival, denn am nunmehr dritten Film und Reboot der Ghostbusters scheiden sich die Geister. Natürlich darf zu einem solchen Blockbuster auch die passende Versoftung nicht fehlen. Entwickler FireForge hat sich todesmutig dieser schwierigen Aufgabe angenommen. In unserem Test erweisen wir dem Titel genau die Art Ironie, welche es auch von uns Spielern abverlangt.

Wie einst die Helden unserer Jugend, greifen die neuen Ghostbusters auf durchschlagskräftige Waffen zurück
Wie einst die Helden unserer Jugend, greifen die neuen Ghostbusters auf durchschlagskräftige Waffen zurück

Who you gonna call?

„Was ist bloß aus den guten alten Lizenzspielen geworden?“ fragte man sich als Spieler in den letzten Jahren mitunter häufiger. Transformers, Batman und Konsorten konnten nämlich nicht nur mit einem großen Namen punkten, sondern auch aus spielerischer und technischer Sicht fast vollends überzeugen.
Glücklicherweise beweisen die Entwickler des neuen Ghostbusters-Spiels, dass das Warten auf ein absolut grauenhaftes Lizenzprodukt nicht vergebens war.

Dabei startet das Spiel mitunter durchaus stimmig: Das hübsch anzuschauende Introfilmchen im Comicstil macht durchaus Lust auf mehr. Auch der serientypische Humor kommt mit dem altbekannten Wortwitz daher und wenn eines der Teammitglieder dann auch noch mit dem bekannten Zitat aus dem Titelsong der alten Filme die Szenerie betritt, schwingt eine gehörige Portion Nostalgie mit.
Glücklicherweise wird einem beim Spielen dann aber schnell ziemlich deutlich, dass Ghostbusters nahezu nichts mehr richtig macht und zu keinem Zeitpunkt seinem großen Namen gerecht wird.

Die Geschichte spielt nach den Ereignissen des aktuellen Kinofilms. Während die vier Damen in Washington beschäftigt sind, greift das Spiel auf vier Neulinge zurück, welche vom New Yorker Hauptquartier aus für Recht und Ordnung sorgen sollen.
Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie klischeehaft, eindimensional und absolut austauschbar diese Charaktere gestaltet wurden: Da gibt es den kräftigen Tank mit Minigun, den Schlauberger mit seinem Sturmgewehr und zwei weibliche Charaktere, welche mit Schrotflinte, beziehungsweise zwei Pistolen in den Kampf ziehen.  Eben typisch Ghostbusters oder etwa nicht? Immerhin war das Original-Team um Spengler, Venkman und Co seinerzeit bekannt für seinen verschwenderischen Umgang mit blauen Bohnen.

Um den Spieler mit Erlernen der Klassen nicht zu überfordern, greift man hier also auf das Standard-Repertoire kooperativer Twin-Stick-Shooter zurück, denn genau darum handelt es sich beim neuen Ghostbusters-Spiel. Eben nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass mir auf der Stelle eine Handvoll Genrekollegen einfällt, die ihre Sache weitaus besser machen und dabei noch nicht einmal die Hälfte davon kosten. Alienation, um nur ein Beispiel zu nennen.

Die eigentliche Spielmechanik ist gar nicht soooo schlecht... nur eben alles andere
Die eigentliche Spielmechanik ist gar nicht soooo schlecht… nur eben alles andere

Grundsätzlich macht das Spiel seine Sache dabei eigentlich noch nicht einmal so wahnsinnig schlecht: Im Verlaufe des Abenteuers verschlägt es das Team unter anderem in ein von Geistern besetztes Museum, ein Kreuzfahrtschiff oder ein Hotel. Doch erfreulicherweise wir diese spielerische Abwechslung, welche das Spiel mit den unterschiedlichen Szenerien suggeriert schnell wieder zunichte gemacht. Nämlich indem absolut jedes Level nach exakt demselben Prinzip verläuft. Erst bekämpfen wir eine Vielzahl kleiner Geister, welche in etwa so abwechslungsreich ausgefallen sind, wie ein Zehnerpack Eier.
Danach erwehren wir uns einiger größerer Gegner, um uns am Ende eines jeden der insgesamt zehn Level einem Bossgegner zu stellen.  Hat man diese besiegt, ist das Einfangen selbiger mittel Knöpfchenhämmer-Minispiel dann auch schon das Einzige, was an die eigentlichen Ghostbusters erinnert.

Im nächsten Level beginnt das Spielchen dann von vorne. Und wieder. Und wieder. Und… na ihr könnt es euch sicher schon denken. Prinzipiell warten die Geister im weiteren Spielverlauf mit ein paar Modifikationen auf, welche zumindest auf dem Papier eine Veränderung unserer Taktik nach sich ziehen. Glücklicherweise ist das aufgrund des fast schon lächerlich niedrigen Schwierigkeitsgrades aber überhaupt nicht nötig, denn der Titel lässt jeglichen spielerischen Anspruch vermissen. Ideal, um auch mal beim Eindösen auf dem Sofa den einen oder anderen Untoten dingfest zu machen.

Die Umgebungen strotzen nur so vor Details (nicht!) Die Kämpfe sind enorm abwechslungsreich (nicht!)
Die Umgebungen strotzen nur so vor Details (nicht!) Die Kämpfe sind enorm abwechslungsreich (nicht!)

 

Apropos Eindösen:  Hier liegt offenbar die eigentliche Bestimmung des Ghostbusters-Spiels, denn die einzelnen Abschnitte sind mitunter enorm lang ausgefallen – besonders für das Genre der Twin-Stick-Shooter. Aufgrund der unterschiedlichen Umgebungen und der genutzten Unreal Engine 4 sehen diese, wie auch der gesamte Comic-Look sogar durchaus passabel aus und warten sogar mit einigen absolut irrelevanten versteckten Items auf.
Während dieser mitunter jeweils über einstündigen Torturen bietet das Spiel aber dermaßen viel Leerlauf, langweilige und noch dazu verwirrende Umgebungen, dass selbst Slimer vergnügt ein Freuden-Nickerchen machen würde. Immerhin macht es im kooperativen Mehrspielermodus Spaß, seinen Freunden aufgrund der ungenauen und hakeligen Steuerung beim Verfehlen der Gegner zuzuschauen oder – wenn man sich denn alleine an das Abenteuer wagt – die nicht so wirklich kluge KI bei der Arbeit zu bestaunen.
Das Übrige erledigen dann die unmotivierten und unpassenden Sprecher, welche mit ihrem desaströsen Wortwitz jegliche Atmosphäre im Keim ersticken.


Fazit:

So langsam wird klar, dass die Helden unserer Kindheit endgültig ihren wohlverdienten Ruhestand genießen dürften. Denn obwohl das Grundgerüst des Ghostbusters-Spieles eigentlich durchaus solide daher kommt und zumindest die Grafik in Ordnung geht, geht dem Titel schon nach wenigen Minuten die Puste aus. Die Steuerung ist ungenau, das Gameplay viel zu repetitiv und schlichtweg sterbenslangweilig. Machen wir es kurz: Who you gonna call? Mit Sicherheit nicht mehr (diese) Ghostbusters.


Vielen Dank an Activision für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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