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Testbericht: Far Cry Primal

Mit dem neuesten Ableger Primal geht Publisher Ubisoft mit der gleichermaßen beliebten, wie auch hochwertigen Shooter-Reihe Far Cry ganz neue Wege. Nach einer tropischen Insel, Afrika und einem vom Bürgerkrieg zerrütteten Eiland schicken uns die kanadischen Entwickler diesmal in die Mittelsteinzeit ungefähr 10.000 Jahre vor Christi Geburt und stellen dabei das nackte Überleben in den Vordergrund. Mit von der Partie sind einige bekannte Stärken der Open-World-Shooter-Serie, aber auch eine Vielzahl gelungener Neuerungen, die Far Cry Primal zu einem enorm intensiven und spannenden Abenteuer nicht nur für Genrefans machen.

Die Welt Oros ist voller Gefahren. Durch die primitiven Waffen wirken diese intensiver.
Die Welt Oros ist voller Gefahren. Durch die primitiven Waffen wirken diese intensiver.

Vom Gejagten zum Jäger

In einem düsteren Zeitalter, in dem die Menschheit sich so langsam vom Gejagten zum Jäger und Sammler entwickelte und sich allerlei Gefahren wie wilden Säbelzahntigern und den gewaltigen, aber zumeist friedlichen Mammuts erwehren musste, schlüpfen wir in die Haut des jungen Takkar.
Takkar ist der letzte Überlebende seiner Gruppe, die in einen Hinterhalt geraten ist und so beginnen wir das Spiel als gejagter, geschundener junger Mann, dessen einziges Ziel zunächst einmal das eigene Überleben ist.
Im Verlaufe der etwa 30-stündigen Geschichte können wir dann aber unseren eigenen Stamm gründen und vergrößern und müssen zudem gegen feindlich gesinnte Stämme antreten, jagen oder erstmals sogar wilde Tiere zähmen und für uns in den Kampf schicken.
Dabei bleibt die Hintergrundgeschichte serientypisch auf einem guten Niveau, ohne jedoch wirklich zu fesseln. Im Grunde genommen handelt es sich um ein typisches Ubisoft Spiel, bei dem eben die Erkundung der Welt, unzählige Sammelaufgaben und Nebenmissionen in den Vordergrund gerückt werden und die Story nur eine nebensächliche Rolle spielt. Wen das bei den Vorgängern, Assassin’s Creed oder anderen Titeln des Publishers bereits gestört hat, wird vermutlich auch hier nicht glücklich werden – für eine Menge Spielspaß sorgt die Mischung allerdings auch heute noch.

Leider gibt es nur wenig Neues, dem Spielspaß tut das aber keinen Abbruch
Leider gibt es nur wenig Neues, dem Spielspaß tut das aber keinen Abbruch

Spielerisch erinnert Far Cry Primal dabei an seine namhaften Vorgänger: In der offenen Spielewelt steht es uns frei, welcher der unzähligen Aufgaben wir uns als nächstes annehmen wollen. Abseits der Hauptgeschichte wartet das Spiel dabei abermals mit einer Vielzahl von Nebenmissionen auf, darunter die Befreiung von Außenposten oder das Jagen bestimmter Tiere. Ebenfalls aus den Vorgängern bekannt: Wilde Pflanzen und Häute der in Oros beheimateten Fauna können gesammelt und so zu neuer Medizin beziehungsweise zu neuen Ausrüstungsgegenständen wie beispielsweise Taschen zusammengeschustert werden – doch anders als bisher, macht dieses Feature diesmal sogar wirklich Sinn.
So bauen wir Taschen, die unser Inventar vergrößern oder spezielle Waffen wie Keulen oder Messer und Spezial-Munition für unseren Bogen. Anders als noch in Far Cry 4 wirkt dies diesmal aber deutlich passender und keinesfalls aufgesetzt, denn ohne diese herstellbaren Gegenstände ist das Weiterkommen teilweise nur schwer oder sogar gar nicht möglich. So lernen wir im Verlaufe des Spiels ein Feuer zu entfachen, welches Wildtiere abhält und uns in der Nacht wärmt. Da Takkar diese Waffen vor unseren Augen selbst zusammensetzt, beispielsweise aus einem Stock, in den er ein Loch ritzt und einem Stein, wirkt das Ganze sehr authentisch und trägt zur hervorragenden Atmosphäre bei.

Für das Abschließen von Missionen oder Nebenaufgaben erhalten wir abermals Erfahrungspunkte, welche wir in neue Fähigkeiten investieren dürfen. So lässt sich unter anderem der Waffenschaden erhöhen – besonders spannend ist aber die Bestienmeister-Fähigkeit, durch die sich Far Cry Primal auszeichnet. Mit deren Hilfe können wir wilde Tiere zähmen und diese dauerhaft für unsere Zwecke einsetzen.

Von der Keule und dem Wolf

Jedes der Tiere verfügt dabei über besondere und einzigartige Fähigkeiten: Den Anfang macht dabei eine Eule, welche wir sogar selbst steuern können, um aus der Luft die Umgebung auszukundschaften. Andere Tiere warnen uns vor Gefahren oder greifen unsere Widersacher getarnt an. Besonders toll: Auf den größten Raubtieren können wir dann sogar reiten! Das ist diesmal sogar eine sinnvolle Option der schnelleren Fortbewegung, denn Fahrzeuge suchen wir im Spiel natürlich vergebens. Gerade die Kämpfe gegen diese Tiere sind den Entwicklern hervorragend gelungen, sorgen sie doch (anders als die Kämpfe gegen die nicht sonderlich klugen humanoiden Gegner) für besonderen Nervenkitzel. Die Auswahl der richtigen Vorgehensweise und Bewaffnung, sowie Planung der erfolgreichen Jagd sind enorm spannend umgesetzt. Ansonsten sind die Kämpfe allerdings viel zu einfach ausgefallen und sind nicht mehr, als ein Mittel zum Zweck.

Gerade die Lichtstimmungen sind hervorragend - das gilt für die gesamte Atmosphäre
Gerade die Lichtstimmungen sind hervorragend – das gilt für die gesamte Atmosphäre

Apropos Waffen: Dem Setting geschuldet treten wir natürlich nicht mit Maschinengewehr und Schrotflinte gegen unsere Feinde an. Far Cry Primal setzt entsprechend auf selbstgebaute Äxte oder Dolche, sowie die gleichermaßen tödliche, wie auch leise Kombination aus Pfeil und Bogen. Klingt logisch, verändert das Spielgefühl aber grundlegend. Das Spiel schickt euch dadurch vermehrt in den Nahkampf, wodurch die Kämpfe viel intensiver und gefährlicher sind, als noch in den Vorgängern. Selbst Pfeil und Bogen haben natürlich nicht so eine Reichweite, wie ein Scharfschützengewehr – wir müssen also stets nah ran. Das verstärkt den Schleichaspekt des Spiels gegenüber Far Cry 4 nochmal ein ganzes Stück weit und spielt sich absolut hervorragend: Das leise ausspionieren einer feindlichen Basis, begleitet von unserem Wolfsgefährten, der uns vor Gefahren warnt, macht unglaublich viel Spaß!

Und so punktet Ubisofts Steinzeit-Abenteuer vor allem mit einer wunderschönen, abwechslungsreichen und enorm glaubhafte
n Spielewelt – viel mehr, als mit der Hintergrundgeschichte. Besonders die Lichtstimmung ist den Entwicklern hervorragend gelungen: Wenn die letzten Strahlen der sich senken Sonne durch die üppige Flora von Oros blitzen, sich dabei die Farne majestätisch im Wind wiegen und am Horizont ein Rudel Wölfe einen Hirsch jagt wird deutlich, wie schön und lebendig die offene Spielewelt gestaltet wurde.
Allgemein gilt: Primal sieht hervorragend aus – ob es nun die sehr detaillierten Charaktermodelle sind, die wunderschön und abwechslungsreich gestalteten Umgebungen oder die herrlichen Licht- oder Feuereffekt, das Spiel ist ein Genuss für das Auge. Dem kommen auch die butterweichen und rundum stimmigen Animationen Zugute.
Wenig Anlass zur Kritik bietet auch die Vertonung des Spiels, welche mit einem stimmigen Soundtrack und tollen Effekten zu überzeugen weiß. Etwas ärgerlich, dass man auf deutsche Sprecher verzichtet hat – die Figuren unterhalten sich in einem unverständlichen Wenja-Dialekt, sodass wir das gesamte Spiel auf die Untertitel angewiesen sind, was mitunter anstrengend sein kann. Allerdings wirkt sich auch das positiv auf die Atmosphäre aus – Oros ist eine bis ins kleinste Detail stimmige Spielewelt und definitiv der Star von Far Cry Primal.


Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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