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Testbericht: Fallout 4

Die Wartezeit hat sich immer weiter in die Länge gezogen, als der von Bethesda Softworks entwickelte vierte Fallout-Teil Anfang des Jahres angekündigt wurde. Am 10. November war es dann endlich soweit und wir konnten uns in eine postapokalyptische Welt stürzen, die nur darauf wartet, von uns erkundet zu werden. Schon vor Release wurden einige Änderungen zum Vorgänger Fallout 3 beziehungsweise New Vegas bekanntgegeben. Ob es sich lohnt, den Geigerzähler auszupacken oder doch lieber im Schrank zu lassen, erfahrt ihr in unserem Test.

Bevor ich jedoch zu den Worten komme, die ich für Fallout 4 finden konnte, lasst mich euch Eines sagen: Da ich eine Zeit lang keine Möglichkeit dazu hatte, habe ich während der gesamten Zeit ohne Day One Patch gespielt. Gespielt habe ich übrigens auf der Xbox One.

Krieg. Krieg bleibt immer gleich.

Wir befinden uns in dem kleinen Bostoner Vorort Sanctuary Hills im Jahre 2077. Dort lebt ihr mit eurem Partner und eurem Sohn. Alles scheint perfekt. Nachdem ihr eurem Charakter in einem durchaus umfangreichen Editor ein Gesicht verpasst habt, beginnt ihr das schöne Vorstadtleben.

Doch der Eindruck wärt nicht lange. Im Fernsehen erscheinen kurz drauf erste Berichte von Atombombenexplosionen im Land. Kurz drauf erklingen auch in eurem anschaulichen Ort die Sirenen und sämtliche Bürger laufen panisch umher und versuchen Zugang zu einem Vault zu bekommen. Auch ihr macht euch auf den Weg. Da ihr kurz vorher von einem Vault-Tec-Vertreter dazu eingeladen wurdet, im Notfall im Vault 111 Zuflucht zu finden, erhaltet ihr auch sofortigen Zugang und schafft es noch rechtzeitig in den Vault.

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Die anfängliche Idylle währt nicht allzu lange…

Dort angekommen entwickelt sich dann auch der Strang der Hauptgeschichte von Fallout 4. In einer Kapsel sollt ihr dann innerhalb des Vaults dekontaminiert werden, was sich kurze Zeit später jedoch als falsch herausstellt. Ihr werdet stattdessen in einen Kryo-Schlaf versetzt, der euch über den gesamten nuklearen Winter schlafen lässt. Nach vielen Jahren erwacht ihr aus diesem Schlaf, doch nicht lange. Ihr dürft mit ansehen, wie euer Partner erschossen und euer Sohn aus dem Vault entführt wird. Doch bevor ihr etwas dagegen tun könnt, wird die Kryo-Kapsel bereits wieder aktiviert und der Schlaf geht weiter. Einige Jahre, insgesamt nun 200 Jahre später erwacht ihr erneut, vollkommen auf euch alleine gestellt und fortan auf der Suche nach eurem Sohn. Das Land liegt in Trümmern und nun steht es euch offen, all das zu tun, für was ihr euch auch immer einsetzen wollt. Doch denkt daran: Krieg. Krieg bleibt immer gleich.

Meine Wenigkeit hat sich nun eine ganze Zeit mit dem heiß ersehnten Spiel auseinandergesetzt und einige Erfahrungen gemacht. Ob es nun schlechte oder gute sind, sei an dieser Stelle erst einmal dahin gestellt. Um die Frage nach der Spielzeit bereits zu Anfang abhacken zu können: Ich habe etwa sechs Spieltage mit Fallout 4 verbracht und alle nicht generisch erstellten Quests abgeschlossen, die man so findet. Man könnte eventuell noch einen Tag abziehen, da ich oft ohne Ziel oder Aufgabe das Commonwealth erkundet habe, um es auch in vollen Zügen genießen zu können. Den höchsten Level habe ich in dieser Zeit natürlich nicht erreicht, da es, im Gegensatz zu den Vorgängern, nämlich gar keinen gibt. Ja, richtig gelesen. Es gibt keine Levelgrenze. In meiner Abenteuerzeit habe ich Level 77 erreicht. Mit diesem und den Waffen, die man bis dahin gefunden und zusammengebastelt hat, worauf ich noch eingehen werden, sind die meisten Gegner jedoch kein Problem mehr. Doch erst das S.P.E.C.I.A.L.-Fertigkeitensystem macht euch zu dem, was auch immer ihr sein wollt. Wie auch sonst, ist S.P.E.C.I.A.L. das Akronym für die Eigenschaften, für die ihr euch auch immer entscheiden wollt: Strength (Stärke), Perception (Wahrnehmung), Endurance (Ausdauer), Charisma, Intelligence (Intelligenz), Agility (Beweglichkeit) und Luck (Glück). Dabei ist es auch ausschlaggebend, wie sehr ihr eine dieser Eigenschaften trainiert. Denn nur mit ausreichender Kraft könnt ihr mehr tragen, bessere Nahkampfangriffe durchführen oder einfach mehr Waffen und Rüstungen tragen.

Mit erhöhtem Glück findet ihr unter anderem mehr Munition in Behältern oder habt im V.A.T.S, mit dem ihr einzelne Körperteile eures Gegners auswählen und angreifen könnt, eine erhöhte Treffsicherheit. Wer Fallout 3 kennt, wird auch hier einen kleinen aber wesentlichen Unterschied vermerken. Sobald ihr das Vault Tec Assisted Targeting System aktiviert, wird das Spiel nicht mehr „pausiert“ und ihr könnt euch nicht mehr ewig dabei Zeit lassen, eine geeignete Stelle des Gegners auszumachen und gezielt zu attackieren. Das Ganze ist jetzt weitaus dynamischer, denn innerhalb des aktivierten Systems wird das Spiel lediglich verlangsamt und ihr müsst euch recht zeitnah dazu entscheiden, was ihr beschießen wollt. Doch auch außerhalb des assistierenden Systems ist das Kampfsystem durchaus verbessert worden. Dass die Entwickler sich von Bungie’s Destiny inspirieren lassen, ist durchaus zu erkennen.

Doch das ist nicht die einzige Veränderung. Die Powerrüstungen haben sich ebenfalls geändert und ich musste mich persönlich ziemlich lange daran gewöhnen. Ganze zwei Tage habe ich gebraucht um sie zu mögen. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass die Powerrüstung als Ergänzung zur eigentlichen Rüstung dient. Es ist ein Anzug, in den man „einsteigt“. Der Rohling, der keinerlei aufwertende Panzerung bietet, lässt sich an einer dafür vorgesehenen Werkbank aufwerten. Mit diesem könnt ihr, falls ihr die nötigen Teile habt, diverse Panzerungsteile anlegen, die unterschiedliche Rüstungswerte wie auch Modifikationen haben können. Zu den Modifikationen gehört unter anderem ein erhöhter Nahkampschaden, der von der Armpanzerung ausgeht oder sogar ein Jetpack, der an der Panzerung für den Torso angebracht ist. Im Kampf kann die Panzerung auch einige Blessuren abbekommen oder gar komplett zerstört werden. Dadurch sinkt euer Rüstungswert und dann heißt es wieder: ab an die Werkbank und reparieren.

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Powerrüstungen gibt’s schon überraschend früh im Spiel.

Apropos reparieren! Bis auf die Powerrüstung und diverse Objekte im Siedlungsbau, zu dem wir noch kommen, kann sich der Zustand von Rüstungen und Waffen nicht mehr verschlechtern. Während ihr also das Commonwealth erkundet, kann es euch nicht mehr passieren, dass ihr plötzlich ohne Waffe oder sogar in Unterwäsche vor einem Gegner steht, da sie kurz zuvor auseinandergefallen ist.

Das kann man nun sehen, wie man will. Meiner Meinung nach nimmt es dem Spiel das, was es eigentlich ausmachen sollte: Den Kampf ums Überleben! Selbst auf höheren Schwierigkeitsgraden wird lediglich der Schaden sowie das Erscheinen legendärer Gegner beeinflusst. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad „Überleben“ werden zusätzlich auch nur die Heileffekte stark reduziert. Einen Hardcore-Modus, den wir aus Fallout: New Vegas kennen, sucht man vergeblich. Ob dieser später oder durch einen DLC nachgereicht wird, bleibt abzuwarten.

Genügend Gefahren gibt es aber dennoch. Die Radioaktivität ist eine euch stets begleitende Gefahr. Nicht nur durch verstrahlte Lebensmittel erhöht sich das Risiko an einer Strahlenkrankheit zu erkranken, sondern auch durch Gewässer, durch die ihr schwimmt oder radioaktive Fässer, in deren Nähe ihr kommt. Doch das ist nicht alles. Denn neben den normalen und harmlosen Wetterveränderungen, wie dichtem Nebel oder Regen, kommt es ab und an auch zu einem radioaktiven Sturm, der eure RAD-Werte kontinuierlich ansteigen lässt, falls ihr euch nicht ausreichend schützt.

Neben der Radioaktivität könnt ihr auch an einer Sucht erkranken, die einige Nachteile, wie eingeschränkterAusdauer oder geringerer Kraft, mit sich bringen kann. Zum Glück lässt sie sich aber ziemlich schnell mit Hilfe eines Heilmittels kurieren. Ihr könnt euch natürlich auch von einem Arzt helfen lassen. Eine durchaus coole Sache ist das Modifizieren von Waffen und Rüstungen. So ziemlich jede Waffe und Rüstung lässt sich mit diversen Modifikationen aufwerten. Von verbesserter und diverser Panzerung für Rüstungen bis hin zu neuen Aufsätzen, wie einem Visier, einem Bajonett oder einem neuen Lauf und einer Maganzinvergrößerung für eure Lieblingsknarre, könnt ihr an der Werkbank so einiges basteln, vorausgesetzt ihr habt die nötigen Teile auf euren Streifzügen durch das Ödland eingesammelt.

Let’s build a new world!

Eine weitere neue Idee, die etwas Abwechslung zum eigentlichen Geschehen des Spiels bietet, ist das Aufbauen von Siedlungen. Im Aufbau-Modus könnt ihr dann neben einem Dach über dem Kopf auch für ausreichend Wasser, Nahrung oder Schutz für eure Siedler sorgen. Dabei ist es notwendig, genügend Schrott in der Werkstatt zu haben, um die nötigen Objekte, wie Betten, Pumpstationen oder Abwehranlagen bauen zu können. Der Aufbau kann teilweise ziemlich umständlich sein, da sich die Elemente nicht richtig drehen oder platzieren lassen. In den Siedlungen selbst kann es nach Angriffen durch Raider oder anderen Bewohnern des Commonwealth auch dazu kommen, dass Anlagen zerstört werden und die Laune eurer Siedler in den Keller sinkt, da beispielsweise nicht genügend Wasser vorhanden ist. Doch so unterhaltsam das Ganze zu Beginn auch ist, entwickelt sich der Siedlungsbau und dessen Instandhaltung nach einer gewissen Spielzeit und einigen aufgebauten Siedlungen zu einer lästigen Angelegenheit. Denn neben dem Stillen der Bedürfnisse heißt es des Öfteren auch diverse Aufgaben für die Siedler zu erledigen, die sich jedoch nach kurzer Zeit bereits wiederholen.

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Die offene Welt lädt zum Erkunden ein.

Neben der Haupt-Story, die zwar durchaus interessant ist, jedoch tiefgründiger sein könnte, warten Genügend unterschiedliche Quests auf euch. Bei diesen erhaltet ihr neben reichlich Erfahrungspunkten und dem Zahlungsmittel Nummer eins, den Kronkorken, ab und an auch mal eine besondere beziehungsweise legendäre Ausrüstung oder Waffe. Solche legendäre nGegenstände werden auch von mächtigeren Gegnern getragen, an die ihr natürlich erst dann kommt, wenn ihr sie ausgeschaltet habt.

Doch kommen wir zurück zu den Quests. Während der ganzen Aufgaben, denen ihr euch stellen müsst, unterhaltet ihr euch auch einige Male mit den Bewohnern des Commonwealth. Die Dialoge sind zwar komplett vertont, doch weiß man oft nicht, welche Aussage sich hinter einer Antwortmöglichkeit verbirgt, da diese schlicht und ergreifend zu ungenau sind. Darüber hinaus kam es mir die gesamte Zeit so vor, als würde jegliche Handlung keine Alternative bieten. Und im Grunde ist das auch so. Solche großen Entscheidungen, wie wir sie aus Fallout 3 oder New Vegas kennen, in denen man sich für oder gegen eine Siedlung entscheiden konnte, sucht man vergeblich. Lediglich im Story-verlauf entscheidet ihr euch für beziehungsweise gegen eine Fraktion des Commonwealth.

Wahrscheinlich liegt es auch einfach daran, dass sich die Entwickler gegen ein Karmasystem entschieden haben. Nur gegenüber euren Begleitern gibt es positive oder negative Handlungen, die dazu führen können, dass sie euch eine besondere Fähigkeit oder sogar eine besondere Quest zukommen lassen. Euer aktueller Begleiter hilft euch nicht nur im Gefecht, er kann auch einige eurer Gegenstände tragen, falls ihr mal zu viel bei euch tragt und zeichnet zum Glück auch nicht das Zeitliche. Er kann nur zu Boden gehen, wo ihr ihm mithilfe eines Stim-Packs wieder auf die Beine helfen könnt. Wirklich hilfreich sind die Begleiter meiner Meinung ebenfalls nicht. Dabei hatte ich sie ohnehin nur für die Fähigkeiten oder eventuellen Quests, die auf mich warten. Nicht selten standen sie mir im Weg und haben immer gleiche Phrasen von sich gegeben, was irgendwann einfach nur noch nervig ist.

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Mann oder Frau? Alt oder jung? Welche Frisur? Der Charaktereditor bietet so einige Möglichkeiten.

Wobei wir auch schon in der technischen Sparte angelangt sind. Eines habe ich von Anfang an gesagt: Ein Fallout ohne Fehler ist kein Fallout. Und so findet man auch einige in Fallout 4. Doch dazu komme ich gleich. Die Bedienung über den Controller ist zu Anfang ziemlich gewöhnungsbedürftig, ist aber durchaus präzise. Wie zuvor schon angeschnitten, merkt man, dass sich die Entwickler von anderen Spielen inspirieren ließen, was man im Gunplay auf jeden Fall zu spüren bekommt, denn dieses ist hervorragend.

gzg-medailleSoundtechnisch glänzt das Spiel, wie bereits seine Vorgänger. Ratternde Gewehre und krachende Explosionen sind da nur zwei Beispiele. Ebenfalls nicht zu verachten ist der Soundtrack des Spiels, welcher das Gameplay hervorragend abrundet. Grafisch hat sich Fallout 4 durchaus verbessert und sieht wirklich stimmig aus. Mit aktuellen Spielen lässt es sich zwar nicht vergleichen, doch wer Fallout kennt, würde das auch nie tun. Meiner Meinung nach, ist das auch nicht so wichtig. Der größte Nachteil sind aber wohl die Ladezeiten, in denen man teilweise einen Kaffee trinken könnte. Wobei man hier, wie auch bei den nachfolgenden Fehlern wohl einige Besserungen mit dem Day One Patch verzeichnen kann. Zu diesen gehören neben einigen Grafikfehlern, wie Clipping oder matschigen Texturen, auch Tonaussetzer, das Einstürzen der Framerate wie auch ab und an ein Spielabsturz, wodurch die Speicherstände beschädigt werden können. Deshalb empfiehlt es sich, wie eigentlich in jedem Rollenspiel: speichern, speichern, speichern!


Vielen Dank an Bethesda für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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