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Testbericht: Divinity: Original Sin

Divinity: Original Sin ist ein Kickstarter-Projekt von den ursprünglichen Entwicklern der Divinity-Reihe. Angesiedelt ist das Ganze vor den Geschehnissen der früheren Titel und dementsprechend ein Prequel. Die Larian Studios konnten dank des Crowdfundings nicht nur das Spiel verwirklichen, sondern auch sämtliche Stretch-Goals erreichen, die noch mehr Inhalt versprachen. Im Grunde handelt es sich bei Divinity: Original Sin um ein klassisches RPG, es ist aber trotzdem kein reines Retro-RPG und bietet interessante Mixturen. Rollenspiel gemixt mit taktischen Strategie-Kämpfen und eine umfangreiche Story mit großen Dialog-Anteilen. Was das Ganze aber noch interessanter macht, sind die Dialoge, die ihr mit eurem Begleiter führt. Der ist entweder von der KI gesteuert oder im weitaus besseren Fall ein menschlicher Mitspieler und dann bekommen die Dialoge einen ganz neuen Schwung, denn wann kommt es schon einmal zur Situation, dass ihr euch Ingame mit euren Mitspieler streitet, um zu entscheiden wie ihr handelt? Ich war sehr neugierig und habe mir Divinity: Original Sin genauer angesehen, um euch zu sagen, ob sich der Titel lohnt oder im gigantischen Sumpf an RPGs untergeht.

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Ein Mord, Orcs, Untote und auch sonst ist alles ganz normal

Bevor ihr in die Welt von Divinity: Original Sin eintauchen könnt, müsst ihr euch natürlich standesgemäß einen Helden zusammenkleistern. Aussehen, Klasse, Rasse und Name, selbige Prozedur erledigt ihr dann ein zweites Mal bei eurer Begleitung. Dann kann es auch schon losgehen. Und ehe ihr euch verseht, steht ihr an einer Küste. Das Tagebuch enthält Informationen, aber keine besonders wegweisenden Ziele. Ihr sollt einem Mord nachgehen, denn ihr seid Quelljäger, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Quellmagier mit im Spiel sind und es gibt die Vermutung, dass der Mord mit denen in Verbindung gebracht werden könnte. Aber wer denkt, dass er ganz einfach seiner Aufgabe nachgehen kann, der täuscht sich gewaltig. Beispiel gefällig? Okay!

Nachdem ihr euch mit eurer Aufgabe vertraut gemacht habt und die Gegend erkundet, entdeckt ihr einen verschlossenen Höhleneingang und eine kleine Gruppe von Sekten-Mitglieder, diese haben eine Kugel geklaut und während zwei von ihnen sich euch zum Kampf stellen, verschwindet der dritte mit der besagten Kugel. Der Neugier wird nachgegeben und die Höhle ebenfalls erkundet. Jede Kiste, jede Vase wird dabei inspiziert, denn überall könnte es ja etwas Wichtiges geben. Auch hier treffen wir wieder auf Gegner, doch die können wir sehr schnell ausschalten, dank eines zuvor in einer Kiste gefundenen Feuer-Zaubers. Der wird aber nicht direkt auf die Widersacher abgefeuert, sondern auf die Öllache auf dem Boden. Was für ein Resultat dabei rauskommt, dürfte offensichtlich sein. Später finden wir auch heraus, dass die geklaute Kugel enorm wichtig ist und dass sie wieder zurückgeholt werden muss. Wichtig: es wird nicht als eines eurer Ziele angegeben, euch darum zu kümmern. Jedes Ereignis wird in eurem Tagebuch notiert und ihr müsst euch nicht dazu zwingen auch die Kugel wiederzubeschaffen.

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Erst reden, dann handeln!

Nachdem wie aus dem ersten Dungeon/ Höhle rausgekommen sind, suchen wir weiter nach ersten Hinweisen und treffen dabei auf zwei „leicht“ angetrunkene Legionäre, die die Brücke bewachen sollen. Dort erfahren wir, dass die Stadt in der der Mord passierte auf dem Weg liegt, aber erst nachdem die beiden Saufbolde uns für Orcs hielten. Die Orcs machen nämlich in letzter Zeit wieder mächtig Ärger und werden ein immer ernsteres Problem. Bevor wir dann aber weiterziehen können, wollen uns die beiden Männer doch nicht direkt durchlassen. Dadurch ensteht eine Diskussion mit unserem Begleiter und die Frage, ob die beiden nur ihren Job erledigen oder eine Schande sind für ihre Rüstung. Ob wir mit Einschüchterung, Schmeichelei oder Argumenten versuchen unsere Entscheidung durchzusetzen bleibt uns überlassen. Ich versuche mit Argumenten meiner Begleitung klar zu machen, dass ein Kampf nicht notwendig ist, sie hingegen bleibt bei stur bei ihrer Meinung, die Schwerter sollten das klären. Und plötzlich finden wir uns in einer Runde Schere, Stein, Papier wieder. Für jeden Sieg gibt es drei Punkte, wer zuerst 10 hat, der entscheidet auch, wie es weiter geht. Wirklich überraschend und lustig, fährt sich dann aber doch sehr schnell tot.

Meine aggressive Begleiterin setzt sich zu meinem Bedauern durch und ein Kampf steht bevor. Dass Elemente und die Umgebung einen großen Stellenwert haben, habe ich ja bereits erwähnt, daher ein paar Dinge zu den Kämpfen selber. In taktischen Rundenkämpfen bewegt ihr eure Figuren, rüstet euch aus, nutzt Items und greift natürlich mit der Waffe, euren Fähigkeiten oder der Magie an. Jede dieser Aktionen kostet Aktionspunkte. Diese sind begrenzt, wenn ihr also zu weit weg steht und ihr mit eurem Nahkämpfer angreifen wollt, achtet darauf, dass ihr nicht am Ende vor dem Gegner steht aber nicht mehr angreifen könnt. Auch können zum Beispiel Felsen im Weg sein, die verhindern, dass eure Pfeile ihr Ziel treffen. Selbiges gilt auch für euren Begleiter; steht der einem Pfeil im Weg, kassiert dieser den Schaden.

Nach dem siegreichen Kampf begeben wir uns nun also Richtung Stadt, um dem Mord zu untersuchen. Doch auch auf dem Weg zur Stadt kommen wir bereits am nächsten Ereignis vorbei. An der Küste liegen Schiffe der Orcs, die sich mitten im Kampf mit der Stadtwache befinden und selbstredend helfen wir auch dort. Dadurch finden wir aber auch heraus, dass die Orcs Hilfe hatten von einem Menschen. Ein weiteres Rätsel, dass eine Antwort benötigt. Aber nicht nur das, in der Stadt selber erfahren wir noch von einer Untoten-Plage und dass die Nekromanten zu einer immer größeren Gefahr werden. Ein Mord, eine geklaute Kugel, Orc-Angriffe, Nekromanten und Untote und wir sind gerade erst angekommen!

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Nicht nur das Gameplay glänzt

Ich könnte noch stundenlang weiter davon erzählen, was ich erlebt, entdeckt oder gefunden habe. Es gibt immer wieder etwas Neues, was euch von eurem eigentlichen Ziel ablenkt und weitere Stunden Spielzeit frisst und ich glaube, das spricht für sich alleine. Das Gameplay ist auf allerhöchstem Niveau. Seien es die fordernden taktischen Kämpfe, die Dialoge und die Debatten um eine Entscheidung, die Kombinationsvielfalt eures Handelns oder dass ihr die Umgebung mit euren Fähigkeiten beeinflussen könnt. Es ist ein toller Mix aus bekannten Mechaniken und neuen Ideen, die hier wirklich flüssig Hand in Hand greifen.

Aber auch technisch ist das Spiel eine Wucht. Die Welt und die Umgebungen sehen fantastisch aus und sind sehr detailverliebt. Diese ganze Welt zieht euch allein durch ihr Aussehen in den Bann. Dazu kommt dann auch noch ein Soundtrack der Extraklasse. Er fügrt sich perfekt ein und könnte passender nicht sein.

Ihr merkt schon, ich bin voll des Lobes und Begeisterung. Viel zu meckern gibt es aber auch nicht, wenn, dann sind es wirklich Kleinigkeiten. Es ist schon Fantasy-Standard-Kost, wieder sind es Untote, Magier und Orcs, hier wäre etwas Neues schön gewesen, aber es ist gut gemacht, da muss man das Fantasy-Rad auch nicht neu erfinden. Der Einstieg könnte sich für manch einen als zäh und schwierig erweisen. Die Kämpfe sind von Beginn an fordernd, wirklich erklärt wird nicht alles, sondern immer nur angeschnitten und dadurch, dass ihr eben nicht genau gesagt bekommt, was ihr wie wo tun sollt, macht es für Einsteiger nicht besser. Außerdem macht das Spiel mit einem menschlichen Co-Op-Partner selbstredend viel mehr Spaß, gerade die Streitereien und Diskussionen sind dynamischer und echter als ein plumper KI-Partner.

Divinity: Original Sin ist seind Geld wert, es bietet einen enormen Umfang und viele Stunden Spaß, es wird einfach nicht langweilig. Wenn man mit Rollenspielen und auch Fantasy zurechtkommt, ist Divinity ein Titel, denn man definitiv spielen sollte.


Vielen Dank an Daedalic für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.

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