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Testbericht: Die Zwerge – Die RPG Hoffnung aus Deutschland

Die Fantasyroman-Reihe Die Zwerge des deutschen Autors Markus Heitz gehört hierzulande zu den beliebtesten Vertretern ihrer Zunft. Dass sich die axtschwingenden Trunkenbolde auch hervorragend für ein Videospiel eignen würden, dachte sich vermutlich auch das Bremer Entwicklerstudio King Art.

So startete man am 01. September eine Kickstarter-Kampagne für eine entsprechende Versoftung, welche das Spiel erfolgreich passierte. Nun steht das Rollenspiel endlich in den Läden, doch was hat das Abenteuer um Tungdil Bolofar wirklich auf dem Kasten?


Die Zwerge haben es schon nicht leicht

Tungdil Bolofar und seine Gefährten haben es schon nicht leicht. Der als Findelkind geborene und unter Menschen aufgewachsene Zwerg  hat keinerlei Erinnerungen an seine Vergangenheit.
Als wäre das für den tapferen Winzling nicht schon schlimm genug, bricht auch noch eine Dämonen-Invasion über das geborgene Land herein. Dutzendweise garstige Orks trachten den Zwergenvolk nach dem Leben.

Tungdil hat eine beschwerliche Reise vor sich
Tungdil hat eine beschwerliche Reise vor sich

Das Spiel beginnt mit einem durchaus stimmigen Prolog, der uns daran teilhaben lässt, wie die Invasoren bereits einige Jahrhunderte zuvor ins geborgene Land einfielen. König Giselbart Eisenauge und seine treuen Gefährten versuchen, die letzte Bastion der Zwerge zu schützen.
Schauplatz für letzte Schlacht ist ein Engpass in Form einer riesigen Brücke, über die die Grünhäute scharenweise über uns hereinbrechen.


Haltet die Brücke!

Dabei ist die Anzahl der Gegner, die uns Die Zwerge entgegenwirft absolut eindrucksvoll und vermittelt das Gefühl eines nahezu aussichtslosen Kampfes um das Überleben hervorragend. So schwingt im Intro durchaus das Gefühl eines Helms Klamm aus dem Herrn der Ringe mit.

Die Zwerge überzeugt vor allem mit stimmigen Charakteren
Die Zwerge überzeugt vor allem mit stimmigen Charakteren

Die hervorragende Atmosphäre zeigt allerdings direkt zu Beginn einige Risse, denn leider hat das Spiel mit unschönen Rucklern und Framerateeinbrüchen zu kämpfen, die den Spielspaß deutlich beeinträchtigen.

Dank hervorragender Physikengine machen die Schlachten trotzdem eine Menge Spaß. Per Knopfdruck kloppt Eisenauge seine Widersacher gleich scharenweise von der Überführung. Einmal mit dem Hammer ausgeholt, werfen wir beispielsweise unsere Feinde zurück und stoßen die herannahenden Massen dahinter gleich mit von der Brücke. Oder stürmen todesmutig der Horde entgegen und fegen die Angreifer dadurch mit Leichtigkeit vom Brückenrand.

Abseits der Kämpfe warten zumeist leblose Areale
Abseits der Kämpfe warten zumeist leblose Areale

Die Zwerge präsentiert sich als taktisches Echtzeit-Rollenspiel. Im Laufe des Spiels schlüpfen wir in die Haut gleich mehrerer Helden, die allesamt mit unterschiedlichen Talenten aufwarten, um die grünen Eindringlinge scharenweise über den Jordan zu jagen.


Klick, Klick – Boom!

Was zunächst wie ein simples Action-RPG klingt, entpuppt sich schnell als enorm taktische Keilerei. So dürfen wir jederzeit das Geschehen anhalten und die begrenzten Aktionspunkte unserer Recken miteinander kombinieren.

Lassen wir das Spielgeschehen dann weiterlaufen, können wir so die verheerenden Angriffe verknüpfen und für Chaos sorgen. Dieses etwas komplizierte System geht schon nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über und sorgt für für enorm taktische Gefechte.

Die Zwerge punktet vor allem mit seinem finessenreichen Kampfsystem
Die Zwerge punktet vor allem mit seinem finessenreichen Kampfsystem.

Allerdings müssen wir dabei auch immer unsere Verbündeten im Auge behalten, denn auch denen können wir mit unseren Attacken schaden. Stirbt einer der insgesamt 12 Helden, bleibt uns nur das Laden des Spielstandes.ubikugel-silber

Neben den Massenschlachten kommt aber auch der Rollenspielaspekt in Die Zwerge nicht zu kurz. Nach dem actiongeladenen Prolog nimmt der Titel nämlich zunächst das Tempo heraus und führt uns behutsam in die Welt des Spieles ein.


Taugt Die Zwerge als Rollenspiel?

So bereisen wir von der Weltkarte aus nach und nach die verschiedenen Gebiete, die leider ziemlich winzig ausgefallen sind. Die meisten Abschnitte haben wir nämlich binnen weniger Sekunden komplett erkundet. Zudem warten diese mit nur ganz wenigen Details oder Geheimnissen auf, sehr schade.

Von der Weltkarte aus bereisen wir viele Gebiete. Die leider winzig ausgefallen sind
Von der Weltkarte aus bereisen wir viele Gebiete. Die leider winzig ausgefallen sind.

Besonders nervig ist das, da das Betreten eines jeden Levels – und sei es nur für einen kurzen Dialog – zwei enorm lange Ladezeiten mit sich bringt. So kommt beim Spielen von Die Zwerge vor allem in den ersten Stunden leider überhaupt kein Spielfluss auf. Ladezeit, Gebiet erkunden, Ladezeit. Ladezeit, Dialog anhören, Ladezeit. Das nervt!

Auf unserer Reise absolvieren wir dabei mehr oder weniger spannende Quests. Die meisten Nebenaufgaben tun sich allerdings nur auf, wenn wir die verschiedenen Areale besuchen und über langweilige Textkästen mit den Bewohnern kommunizieren.

Dabei macht der Titel seine Sache als Rollenspiel eigentlich ganz gut. Besonders die Gespräche überzeugen mit jeder Menge Witz und Charme. Auch die deutschen Sprecher, die vor allem ältere Semester aus einigen Hörbüchern kennen dürften, liefern einen herausragenden Job ab. Selbst der orchestrale Soundtrack weiß zu gefallen. Weniger gut haben uns hingegen die Soundeffekte gefallen, die enorm blechern daher kommen. Hier merkt man dem Spiel das niedrige Budget deutlich an.


Oink, Oink kleine Schweinchen

Die Zwerge macht es dem Spieler wahrlich nicht leicht. Auf der Habenseite verbucht der Titel eine enorm stimmige Welt und liebevolle Charaktere. Die Hintergrundgeschichte mag vielleicht nicht weltbewegend sein, trotzdem will man wissen, wie es mit Tungdil und seinen Gefährten weiter geht.

Der Humor ist großartig!
Der Humor ist großartig!

Auch das enorm taktische und finessenreiche Kampfsystem überzeugt. Besonders, wenn wir das Geschehen pausieren und die Spezialangriffe unserer bärtigen Helden zu einer mächtigen Kombo verknüpfen.

Das größte Problem des Spieles liegt allerdings darin, dass sich einfach kein konstanter Spielspaß entwickeln will. Das liegt zum Einen daran, dass die winzigen Spielabschnitte viel zu oft von elendig langen Ladezeiten unterbrochen werden und nahezu gar nicht zum Erkunden einladen.

In Sachen Charakterentwicklung bietet das Spiel lediglich Standardkost. Nach jeweils zwei Levelaufstiegen müssen wir uns für eine von zwei neuen Fähigkeiten entscheiden. Ein wirklich umfangreiches Inventar mit vielen abwechslungsreichen Rüstungen oder Waffen bietet Die Zwerge leider ebenfalls nicht.

Die Charakterentwicklung ist leider eher rudimentär
Die Charakterentwicklung ist leider eher rudimentär

Teils katastrophale Technik

Zum Anderen allerdings an der verkorksten Technik von Die Zwerge. Eigentlich sieht das Spiel gar nicht schlecht aus. Besonders die liebevoll gestalteten Charaktermodelle und schicken Effekte wissen durchaus zu gefallen. Weniger gut gefallen dann aber die detailarmen Umgebungen und die teils hakeligen Animationen.

Vor allem die Charaktermodelle überzeugen.
Vor allem die Charaktermodelle überzeugen.

Was dann aber wirklich sauer aufstößt, sind die ständigen Ruckler und Framerateeinbrüche, unter denen das Spiel leidet. Besonders in den an sich spaßigen Kämpfen hat man als Spieler viel mehr mit der Technik zu kämpfen, als mit den eigentlichen Widersachern. Bleibt abzuwarten, ob die Entwickler die Probleme vielleicht mit einem Update in den Griff bekommen. Wirklich unspielbar wird der Titel jedoch zu keinem Zeitpunkt.

Leider hat das Spiel mit enormen technischen Problemen zu kämpfen.
Leider hat das Spiel mit enormen technischen Problemen zu kämpfen.

Hinzu kommt die leider ziemlich schwammig geratene Steuerung, denn unsere Helden lassen sich nicht präzise über den Bildschirm lenken. Ob sie vielleicht ein wenig zu Tief in den Becher voll Bier geblickt haben?


Fazit:

Zugegeben: Ich habe meine Probleme Die Zwerge richtig einzuschätzen. Gerade die mitunter katastrophale Technik in Kombination mit den langen Ladezeiten und die winzigen, detailarmen Spielabschnitte nerven tierisch. Gerade in den ersten Spielstunden will einfach kein wirklicher Spielfluss aufkommen. So schleppe ich mich auf der Weltkarte von Ort zu Ort, schaue mich ein wenig um und sammele etwas Proviant ein – Immer eingerahmt von diesen nervigen Ladezeiten.

Doch auf der anderen Seite sind da diese herrliche Welt, die liebevoll gestalteten Charaktere und dieser absolut stimmige Humor. Wenn es um Fantasy geht, sind die Zwerge schon immer meine Lieblingsfraktion gewesen. Das muntere Völkchen haben die Entwickler hervorragend in das Spiel verfrachtet und gerade dadurch punktet Die Zwerge in meinen Augen. Trotz technischer Macken fühlt man sich in der Welt des Spiels einfach sofort heimisch und will wissen, wie es mit der Geschichte weiter geht. Besonders, weil die Kämpfe (sofern man denn mal dazu kommt) eine ganze Menge Spaß machen (können!).


Vielen Dank an THQ Nordic für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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