Image default
PS4 Reviews Xbox One

Testbericht: Dark Souls 3

Da ist er also wieder, dieser unscheinbare Schriftzug. Schnörkellos, ohne Firlefanz und massiv wie Stein – so hart und angsteinflößend, dass einem alleine schon beim Anblick des Entwicklerlogos von From Software das Blut in den Adern gefriert. Zumindest wenn man weiß, mit welcher Art von Spielen sich das japanische Studio in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht hat. Dark Souls ist zurück und nach dem phänomenalen Bloodborne mein persönlicher Einstieg in die Serie. Wie immer liegen im knüppelharten Rollenspiel nur Sekundenbruchteile zwischen Frustration und dem unglaublich triumphalen Gefühl, einem bestimmten Obermotz endlich den Garaus gemacht zu haben und dieses Gefühl, mit letzter Kraft im 472. Anlauf endlich als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen, vermittelt kein Spiel so perfekt, wie es die Souls Reihe vermag. Das und viele andere Gründe machen Dark Souls 3 zu einem hervorragenden Pflichttitel für frustresistente Gamepad-Akrobaten.  Aber der Titel hat auch seine Schwächen.

Das Gegnerdesign ist gerade bei den Bossen fantastisch
Das Gegnerdesign ist gerade bei den Bossen fantastisch

 

Des Nachts im Königreich Lothric

Auf die Hintergrundgeschichte werde ich in meinem Test nicht eingehen. Diese spielt meiner Meinung nach bei den From Software Titeln eine eher untergeordnete Rolle, ähnlich verhält es sich auch bei Dark Souls 3 – Fans der Serie finden natürlich abermals allerlei Hinweise und Verknüpfungen mit den vorangegangenen Spielen. Um wirklich Spaß mit dem Spiel zu haben, ist diese allerdings nebensächlich.

Dark Souls 3 spielt sich wie ein typischer From Software Titel: Nach einem stimmungsvollen Intro wirft uns das Spiel direkt ins Geschehen. In einem schmalen Morast erwehren wir uns erster Gegner, welche erstaunlich schnell das Zeitliche segnen und machen uns erst einmal mit der Steuerung vertraut. Noch läuft alles problemlos – vielleicht sogar zu gut? Ich erinnere mich zurück daran, wie oft ich in den ersten Spielstunden von Bloodborne das Zeitliche gesegnet habe. Ist Dark Souls 3 deutlich leichter? Oder habe ich den Bogen einfach nur schon raus?

Das Kampfsystem passt, aber irgendwie ist alles eine Spur zu leicht
Das Kampfsystem passt, aber irgendwie ist alles eine Spur zu leicht

 

Hinter einer Abzweigung wartet ein Schild mit dem Hinweis „Kehr um“, das verheißt mit Sicherheit nichts Gutes und es kommt, was kommen muss: Ein fieses Kristallmonster stellt sich unserem tapferen Recken in den Weg, übermotiviert und ohne die Angriffsmuster des Scheusals studiert zu haben sinkt in Sekundenschneller der leblose Körper unseres Helden gen Erde. Auch im zweiten Versuch scheitern wir an dem Monster, bevor es sich dann unserer steten Angriffe und Ausweichrollen nicht mehr erwehren kann und wir unseren Triumpf feiern.
Dark Souls 3 spielt sich relativ flott, das Kampfsystem erinnert dabei an einen Mix aus den Vorgängern und Bloodborne – Neben dem normalen und dem starken Angriff sind die Ausweichrolle und die Blocken-Taste unsere stärksten Verbündeten. Eine schnelle Rolle hinter den Gegner und zwei flinke Hiebe in den Rücken und dann schnellstmöglich wieder auf Distanz gehen.

Die Souls Formel weitergeführt

Binnen weniger Minuten entfesselt der Titel aber wieder diese typische Suchtspirale, welche Fans der Vorgänger nur allzu gut kennen. Immer wieder erwischt man sich nämlich dabei, nach dem eigenen Ableben doch noch einen Versuch gegen den scheinbar übermächtigen Gegner zu wagen. Und noch einen. Und noch einen. Bis man ihn letztlich besiegt hat und sich dieses unvergleichliche Gefühl einstellt, welches Dark Souls ausmacht – bis an die eigenen Grenzen gegangen zu sein und am Ende als Sieger dazustehen. Auch das vermittelt der neueste Ableger hervorragend.

Dass sich das Spiel gefühlt einfacher spielt, als die Vorgänger liegt aber vor allem am vereinfachten und perfekt funktionierenden Kampfsystem: Wir entscheiden, ob wir unsere Waffe ein- oder zweihändig führen wollen, blocken feindliche Angriffe mit dem Schild ab und rollen unter der krachenden Axt eines Gegners in seinen Rücken. Je nachdem für welche Charakterklasse wir uns entscheiden, stehen uns unterschiedliche Waffen zur Verfügung. Dadurch spielen sich die Klassen sogar extrem verschieden: Das Spiel lässt uns die Wahl, ob wir lieber einen aggressiven Schurken spielen wollen, welcher mit zwei Waffen angreift, allerdings keinen schützenden Schild zur Verteidigung haben oder ob wir lieber mit dem langsamen, aber enorm zähen Ritter in die Schlacht ziehen wollen.

Spielerisch bietet Dark Souls 3 gewohnte Kost, was jetzt aber negativer klingt, als es eigentlich ist: Wir erkunden verwinkelte Areale, immer in vorsichtiger Erwartung eines gegnerischen Hinterhaltes und kämpfen uns den Weg zum nächsten Leuchtfeuer frei, an dem wir unseren Fortschritt speichern können oder unsere Heiltränke auffüllen. Für getötete Gegner sammeln wir Seelen, die wir bei Händlern für Levelaufstiege und allerlei neue Items eintauschen dürfen.
Dabei sind die Gebiete gespickt mit allerlei fiesen Fallen und Hinterhalten, aber auch Geheimnissen und Abkürzungen, welche wir erst freischalten müssen. Serientypisch gibt es keinerlei Hinweise, welchem Pfad wir nun eigentlich folgen sollen – die Erkundung der Spielewelt und das Finden des richtigen Weges ist ein Kernaspekt des Spieles.

Die düstere, bedrückende Atmosphäre ist rundum gelungen
Die düstere, bedrückende Atmosphäre ist rundum gelungen

Am Ende eines jeden Abschnittes wartet dann ein zumeist riesiger Bossgegner darauf, von uns ins Jenseits befördert zu werden: Das Gegnerdesign von Dark Souls 3, wie auch die gesamte Grafik, orientiert sich offensichtlich ebenfalls am herausragenden Bloodborne, denn von fiesen Glibberwesen, über Knochenhunde bis hin zu haushohen Zombie-Riesen bietet die Antagonisten-Palette alles, was das Souls Herz begehrt.
Gerade die vom stimmigen Orchestral-Soundtrack begleiteten und nahezu perfekt inszenierten Bosskämpfe sind den Entwicklern unglaublich gut gelungen und sorgen für jede Menge Spielspaß.

Irgendwas fehlt

Ja, Dark Souls 3 macht eine Menge Spaß, bietet die serientypische Suchtspirale, noch einen letzten Versuch zu starten und sorgt für eine ganze Menge Bildschirmtode. Aber… irgendwas fehlt? In den unzähligen Stunden mit dem Spiel kam bei mir zu keinem Zeitpunkt dieses unglaubliche Gefühl auf, an welches ich mich noch heute gerne beim Spielen von Bloodborne zurück erinnere. Schwierig zu sagen allerdings, woran das liegt.

Technisch macht Dark Souls 3 eine richtig gute Figur
Technisch macht Dark Souls 3 eine richtig gute Figur

Vielleicht liegt es daran, dass der Titel etwas leichter ausgefallen ist – zweifelsohne zählt es noch immer zu den schwersten Spielen überhaupt und sorgt für mehr Bildschirmtode, als ein Großteil aller anderen Rollenspiele zusammen, gefühlt kam ich aber relativ problemlos durch die Geschichte.
Vielleicht liegt es daran, dass das Leveldesign zu stark in die anderen From Software Titel erinnert – das ist jetzt nicht wirklich negativ,
allerdings wird man das Gefühl nicht los, irgendwie alles schon einmal gesehen zu haben. So wunderschön die verschiedenen Areale auch designt sind. Zudem wirkt die gesamte Spielewelt mehr wie eine Aneinanderreihung verschiedener Abschnitte und nicht, wie eine lebendige, zusammenhängende Welt. Nach Absolvieren eines Abschnittes gibt es in dem meisten Fällen keinen wirklichen Grund, diesen erneut aufzusuchen.

Dark Souls 3 erreicht leider zu keinem Zeitpunkt die Qualität und vor allem diese unglaubliche Atmosphäre, wie es einem Bloodborne gelang. Zu einem schlechten Spiel macht es das aber noch lange nicht, denn gerade das perfekte Kampfsystem und die unglaublich stimmigen Bosskämpfe sorgen für jede Menge Spaß. Gepaart mit der wunderschönen Grafik, bei der vor allem die Lichteffekte und das Monsterdesign für Begeisterung sorgen verleben wir gerne unzählige Spielstunden in der Welt von Lothric und versuchen, jedes noch so kleine Geheimnis zu lüften.


Fazit:

Dark Souls 3 enttäuscht. Ja, ich habe es geschrieben. Aber es enttäuscht auf sehr gzg-medaillehohem Niveau, denn es handelt sich noch immer um ein hervorragendes, bockschweres Action-Rollenspiel und verfügt über die serientypischen Stärken. Gerade die wunderschöne, detailverliebt gestaltete und mit einer Vielzahl von Geheimnissen versehene Welt, sowie das hervorragende Kampfsystem sorgen für jede Menge Spielspaß. Zudem suchen die Obermotze qualitativ abermals ihresgleichen und stellen definitiv das Highlight des Titels dar.
Allerdings zeigt der Abschluss der Trilogie auch seine Schwächen: Gerade das recht lineare Leveldesign enttäuscht und greift leider zu oft auf die Vorgänger zurück. Zudem bieten sich nur wenige Gründe, bestandene Level erneut aufzusuchen. Auch der vermeintlich gesenkte Schwierigkeitsgrad dürfte Serien-Veteranen nicht so wirklich zusagen, gefühlt (und vielleicht mit einer falschen Erwartungshaltung) kommt man zu problemlos durch das Spiel.
Letztlich ist das aber alles halb so wild: Dark Souls 3 ist ein hervorragendes Action-Rollenspiel, welches in keiner Spielesammlung fehlen sollte und vielleicht für Neulinge der ideale Einstieg in die Serie. In der internen Rangliste muss sich der Titel aber den Vorgängern und gerade dem unglaublichen Bloodborne geschlagen geben.


Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche

Bereitstellung des Testmusters!

verwandte Beiträge

Star Wars Battlefront bekommt Outer Rim DLC

Christian Ibe

SEGA arbeitet an Alien: Isolation

Nature225

Tom Clancy’s Ghost Recon Wildlands – Zweite Aktualisierung in den Startlöchern

Lars Schulze