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Testbericht: Child of Light

Da hat sich Ubisoft an eine außergewöhnliche Mischung gewagt. Ein modernes Märchen, das sich vom Stil Miyazaki Hayaos inspirieren ließ, Rollenspiel-Elemente und Plattformer in einem Titel vereint. Warum uns Child of Light sofort in seinen Bann geschlagen hat und bis zum Ende nicht mehr losließ, das lest ihr in unserem Test, der vielmehr zu einer Liebeserklärung geworden ist.

Rollenspiel in ungewöhnlichem Gewand

Märchenhafter könnte ein Spiel kaum beginnen. Die junge Prinzessin Aurora findet sich plötzlich in Lemuria wieder, einem finsteren Ort voller dunkler Kreaturen. Um zu ihrem Vater heimkehren zu können, muss sie sich den Gefahren dieser unbekannten Lande stellen und das Licht in dieser Welt wieder zum Strahlen bringen, denn die Dunkle Königin Umbra hat Sonne, Mond und Sterne gestohlen. Doch den Gefahren Lemurias muss sie sich nicht allein stellen. Schon bald begegnet sie dem freundlichen Glühwürmchen Igniculus und noch einigen weiteren tapferen Gefährten, die ihr tapfer im Kampf gegen die dunklen Kreaturen zur Seite stehen.

Child of Light ist vom Gameplay her ein ziemlich klassisches japanisches Rollenspiel. Ihr habt mehrere Gefährten in eurer Gruppe, die ihr beliebig im Kampf gegen dunkle Kreaturen einsetzen könnt. Jeder Charakter hat hierbei seine eigenen Stärken und Schwächen. So ist beispielsweise der Capili Finn ein hervorragender Zauberer, Närrin Rubella ist flink und kann im Nahkampf ordentlich austeilen und die Maus Robert geht vorzüglich mit Pfeil und Bogen um.

Child of Light Kampf

Der Kampf selbst läuft zeitbasiert ab. Sowohl ihr als auch eure Gegner haben ein bestimmtes Tempo, die einzelnen Attacken dauern unterschiedlich lange und so gilt es zu taktieren, wer wann mit welcher Attacke angreifen kann. Ein Zeitstrahl bietet dabei jederzeit den Überblick über das Kampfgeschehen. Was auf dem Papier vielleicht umständlich klingt, prägt sich jedoch wirklich schnell ein und ist somit gerade für einsteigende Rollenspieler oder Gelegenheitszocker genau richtig.

Besiegte Gegner verschaffen euch Erfahrungspunkte, die ihr in Fertigkeitsbäume investieren könnt. Wer den Kampf nicht scheut und alle Gegner auf dem Weg mitnimmt, wird feststellen, dass der Levelaufstieg relativ zügig von statten geht, ohne dass ihr dabei die Feinde überflügelt. So bleibt das ganze Spiel über ein recht angenehmes Balancing, das allerdings geübten Rollenspielern wohl etwas zu leicht fallen dürfte. Einzig die Bossgegner brauchen tatsächlich etwas mehr Taktgefühl.Die Gegner verfügen jeweils über bestimmte Elementarschwächen und -stärken, die es herauszufinden und denen passend zu begegnen ist. Brennende Kreaturen sind beispielsweise anfällig gegen Wasser, knorrige Baumwesen gegen Feuer. Eure eigenen Angriffe könnt ihr ebenfalls mit Elementen ausstatten mit Hilfe von verschiedenen Kristallen, von denen ihr im Laufe des Spiels reichlich finden werdet und die jederzeit außerhalb von Kämpfen ausgetauscht werden können. Weitere Ausrüstungsgegenstände wie Kleidung oder Waffen gibt es nicht. Eingefleischte Rollenspiel-Fans kommen hier also nicht unbedingt auf ihre Kosten.

Child of Light Fertigkeiten

Besonders interessant ist hier das Glühwürmchen Igniculus. Innerhalb von Kämpfen kann er von Sträuchern zusätzliche Lebenspunkte einsammeln, Gefährten heilen oder den Gegner blenden, um ihn zu verlangsamen. Außerhalb von Kämpfen ist er beim Lösen von Rätseln behilflich, löst Lichtschalter aus oder öffnet Lichttruhen. Wer mag, kann sich beim Spielen durch jemanden helfen lassen, denn Igniculus lässt sich seperat mit der WiiMote steuern, wenn ihr möchtet.

Einfach malerisch

Soweit so klassisch. Ganz und gar nicht klassisch ist allerdings die Präsentation des Spiels. Was vom Inhalt her Kitsch und Feenzauber vermuten lässt, entpuppt sich als wunderschöne und dunkle Synphonie aus Klavierklängen und Aquarell. Die ganze Welt Lemurias ist ein Spiel mit Farben, Musik und Stimmung. Die leicht getragenen Melodien verleihen dem Ganzen einen melancholischen Hauch und die in Reimform gehaltenen Dialoge vermitteln das Gefühl, dass man sich durch ein Märchenbuch bewegt. Das Wort „wunderschön“ lässt sich gar nicht oft genug erwähnen! Die Geschichte selbst ist ebenfalls sehr schön präsentiert und bis zum letzten Moment fesselnd.

Child of Light Apfelbaum

Einzig vermissen lässt sich eine vollständige Sprachausgabe. So gibt es zwar eine Erzählerin, die hin und wieder durch die Geschichte führt, sämtliche Dialoge finden allerdings nur in Textboxen statt. Aber vielleicht würden einem die Reime sonst auch arg zu Kopf steigen, wenn sie auch noch vorgetragen würden.

Child of Light ist nicht nur Rollenspiel, sondern auch Plattformer. Sehr schnell bekommt Aurora Feenflügel verliehen und so hüpft und schwebt ihr bald durch die zweidimensionale Welt, in der es hinter jeder Ecke Truhen und Dunkle Kreaturen zu finden gibt. Dabei werdet ihr sicherlich mehr als einmal staunend verweilen, nur um euch die Szenerie anzuschauen. Das Spiel führt euch durch dornige Wälder, dunkle Grotten, urige Städtchen, scharfe Klippen, schwebende Tempel und ihr lernt dabei allerlei wundersame Kreaturen kennen, von denen bei weitem nicht alle bösartig sind.

Child of Light Magnagold-groß

Wer sich einmal ganz nostalgisch in einer ganz und gar nicht kitschigen Märchenwelt verlieren möchte, dem sei Child of Light nur ans Herz gelegt. Ich persönlich habe lange nicht mehr so entspannt gespielt. Das Spiel mag in seinem Konzept keine völlig neuen Wege gehen und das Kampfsystem mag für alte Hasen nicht übermäßig fordernd sein. Dafür ist es ein Spiel, das euch auf eine Reise einlädt und euch ohne Hektik in eine märchenhafte Geschichte mitnimmt.


 

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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