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PS4 Tests

Testbericht: Bloodborne

Bloodborne ist kein Spiel, Bloodborne ist eine Bestie! Eine blutrünstige, hinterhältige, bittersüße und extrem gefährliche Bestie. Wie die Sirenen in der griechischen Mythologie lockt sie mich mit gar so süßen Klängen, führt mich in die Irre und das alles nur, um mich dann hinterrücks auf brutalste Art und Weise zu töten. Hat man sich ihr erst einmal genähert, injiziert sie in Sekundenschnelle ihr tödliches Gift, das mich nicht mehr los lässt und zu ihrem willenlosen Sklaven macht. Und dabei tänzelt sie scheinbar mühelos auf dem schmalen Pfad zwischen unendlicher Frustration und perfekter Motivation.


Willkommen zu Bloodborne

Doch zurück auf Anfang: Bisher habe ich weder eines der Souls-Spiele aus dem Hause From Software gespielt, noch bin ich ein sonderlich großer Fan von dunklen Horrospielen – ideale Voraussetzungen also, um mich in die düstere, lebensfeindliche Welt von Bloodborne zu wagen, in der ich mich binnen kürzester Zeit verliere. Nie konnte ich die Faszination von Dark Souls auch nur ansatzweise nachvollziehen. Als ein Spieler, der (zugegeben) doch relativ schnell dazu neigt, frustriert den Controller in die Ecke zu werfen, war ich felsenfest davon überzeugt, mit den knüppelharten Action-Rollenspielen aus Japan keinen Spielspaß haben zu können. Ooooh, weit gefehlt!

Die Welt von Bloodborne ist böse, düster und mysteriös
Die Welt von Bloodborne ist böse, düster und mysteriös.

In den ersten Spielstunden war dann alles, wie ich es erwartet hatte: Meine Lebenszeit betrug ungefähr fünf Sekunden. Erschlagen von den unzähligen Charakterwerten und dem durchaus komplexen Kampfverhalten wollte einfach kein Spaß aufkommen. Bildschirmtod um Bildschirmtod zog mich Bloodborne allerdings in einen Strudel der Sucht, indem ich immer und immer besser wurde. Jeder Sieg über eine noch so lächerlich wirkende Gegnergruppe sorgte dafür, dass mich das Spiel tiefer in seinen Bann zog. In den absolut notwendigen Spielpausen, welche ich stets mit einem wütenden „verdammter Mist, jetzt setze ich dieses blöde Spiel bei eBay rein“ einläutete wanderten binnen weniger Minuten die Gedanken zurück in die Stadt Yharnam. Wie kann ich die Gegner besiegen? Wo geht es weiter? Wann wartet der Boss auf mich? Wenig später fand ich mich erneut an der Konsole wieder.


Bloodborne ist wie Magie

Bloodborne hat damit etwas geschafft, was bei mir schon seit vielen vielen Jahren keinem anderen Spiel mehr gelungen war: Nämlich mich derart in seinen Bann zu ziehen und meine Gedanken zu bestimmen, selbst wenn ich es gerade nicht spiele. Ein erstes Indiz dafür, wie großartig dieses Stück Software nun wirklich ist.

Dass das Spiel alles andere als einsteigerfreundlich ist, dürfte wohl jedem klar sein: Es gibt keine Aufgaben, keine Minikarte, keinen Hinweis, wo es eigentlich weiter geht. Ich alleine stehe in dieser trostlosen Welt, in der selbst Ratten und Krähen zu tödlichen Gefahren werden, wenn ich auch nur einmal für eine Sekunde nicht aufpasse. Und dabei sterbe ich schon vor Erreichen des ersten Bossgegners häufiger, als in anderen Spielen nach deren großem Finale. Aber es macht Spaß! Eben weil das Spiel zu keinem Zeitpunkt unfair ist.

Im Laufe der Zeit lerne ich, wie bestimmte Gegnertypen reagieren und mit welchen Angriffen sie aufwarten. Ich beginne, die Gegner zu lesen und irgendwann – mit genügend Erfahrung – bin ich ihnen sogar einen Schritt voraus. Bloodborne lebt davon, die Widersacher genau zu studieren und dann im richtigen Moment die tödlichen Schläge zu landen. Wenn ich sterbe, dann ist das alleine meine Schuld, eben weil ich unachtsam war oder doch noch schnell den einen Treffer landen wollte, bevor ich mich mit einer Ausweichrolle auf Distanz bringe.

Selbst Krähen sind eine ernstzunehmende Gefahr
Selbst Krähen sind eine ernstzunehmende Gefahr.

Das Kampfsystem ist dabei ein besonderes Schmankerl und überzeugt mit interessanten Ideen und erstaunlich viel Abwechslung, ohne dabei zu komplex zu sein. Gerade die Kombination aus flinken Einhandangriffen und der Fernkampfwaffe gefällt. Im Zusammenspiel mit der absolut präzisen Steuerung ist das schlichtweg ein Genuss.


Dunkelheit in Perfektion

Hinzu kommt die sehr düstere, aber wunderschöne Welt, in der Bloodborne spielt. Mal durchkämme ich vorsichtig die vermeintlich leeren Gänge eines verlassenen Krankenhauses, begleitet von knatschenden Holzdielen, mal kämpfe ich mich durch einen düsteren Friedhof und dann wiederum schlage ich mich in einem verwucherten Wald mit der örtlichen Fauna herum. Man kann dem Spiel vorwerfen, dass die verschiedenen Gebiete sich doch relativ ähnlich sehen: Geprägt von viktorianischen Prachtbauten, zudem spielt Bloodborne in nur einer Nacht, weshalb die Areale allesamt entsprechend dunkel ausgefallen sind. Wirklichen Anlass zur Kritik bietet das meiner Meinung nach allerdings nicht, denn obwohl die Grundstimmung immer mehr oder weniger gleich bleibt, unterscheiden sich die verschiedenen Bereiche doch stark von einander und bieten für Entdecker einige interessante Verstecke. Beispielsweise klappte mir beim Erblicken eines Sees voller Glühwürmchen die Kinnlade herunter.  Das Setting gefällt mir wirklich ausgesprochen gut, viele abwechslungsreiche Gegnertypen und wunderschöne Effekte runden die hervorragende Grafik des Spiels ab.

Das Spiel sieht einfach unglaublich gut aus
Das Spiel sieht einfach unglaublich gut aus.

Allgemein sieht Bloodborne einfach hervorragend aus, deshalb ist es sehr schade, dass die gute Technik von gelegentlichen Framerateeinbrüchen und extrem langen Ladezeiten getrübt wird (allerdings versprechen die Entwickler bei beiden Problemen bereits mit einem Patch Abhilfe).


Kritik? Nicht viel

Insgesamt gibt es zwei Punkte, die ich dem Spiel wirklich vorwerfen kann:  Zum Einen ist dies die doch recht schwache deutsche Synchronisation. Vor allem in den ersten Spielstunden hört man von den Gegnern immer exakt dieselben zwei bis drei Sprüche. Nach dem einhundertfünfzigsten „elende Bestie“ kann man diese Sprüche kaum noch ertragen. Zum Anderen kann man dem Spiel vorwerfen, dass im Grunde genommen keine wirkliche Hintergrundgeschichte vorhanden ist beziehungsweise man diese absolut vernachlässigen kann. Letztlich geht es eigentlich nur darum, ein bestimmtes Gebiet zu erreichen und dort den Weg zum Bossgegner zu säubern und diesen schließlich dann zu besiegen. Warum ich das Ganze mache, erschließt sich mir nicht vollends, aber das macht auch gar nichts, fesselnd ist das Spiel trotzdem allemal.

Das sind die einzigen beiden Kritikpunkte, die ich an Bloodborne habe. Alles in Allem ist das Spiel deutlich besser, als ich es jemals zu hoffen gewagt hatte. Erwartet habe ich nicht viel, bekommen habe ich ein spannendes und nervenaufreibendes Abenteuer in einer wunderschönen, tödlichen Welt mit unglaublich vielen Geheimnissen, die es zu entdecken gilt. Motivierend und frustrierend zugleich und doch zu keinem Zeitpunkt unfair. Ein derart fesselndes Spiel habe ich schon seit unzähligen Jahren nicht mehr erlebt, ja wenn es hoch kommt in meiner Zeit als Zocker vielleicht höchstens zwei bis drei Mal.


Fazit:

AwardBloodborne ist DER Exklusivtitel für die PlayStation 4, den wirklich jeder einmal gespielt haben sollte, der auch nur ansatzweise etwas mit Rollenspielen oder einem Fantasy-Setting anfangen kann. Diesen Titel darf sich einfach niemand entgehen lassen, auch wenn die Gefahr groß ist, vorschnell aufzugeben.

Doch Durchhalten wird mit einem unvergleichlich motivierenden und packenden Spielerlebnis belohnt. Ein absoluter Pflichtkauf. Und nun entschuldigt mich, mein Jäger wartet auf mich.


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