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Testbericht: BioShock – The Collection

Als 2K Games vor ziemlich genau neun Jahren wie aus dem Nichts einen atmosphärischen Horror-RPG-Shooter-Mix mit dem klangvollen Namen BioShock veröffentlichte, war man sich vermutlich zumindest anfangs selber nicht bewusst, welches Meisterwerk man hier geschaffen hat. Vollkommen zu Recht sichert sich der Serienauftakt nämlich einen Platz ganz weit oben in den Hitlisten vieler Spieler. Mich eingeschlossen.
Dementsprechend habe ich mich auf die Remakes sehr gefreut, welche man nun unter dem Namen BioShock – The Collection veröffentlicht hat. Die Sammlung bietet für Neulinge die ultimative BioShock-Erfahrung, welche sich absolut niemand entgehen lassen sollte.
Doch bietet die Neuauflage auch für Kenner genug Anreiz? Dieser Frage wollen wir in unserem Testbericht nachgehen.

Die Unterwasser-Stadt Rapture hat nichts von ihrer Faszination eingebüßt
Die Unterwasser-Stadt Rapture hat nichts von ihrer Faszination eingebüßt

Das fast perfekte Gesamtpaket

Die obige Frage lässt sich allerdings nicht eindeutig beantworten. Letztlich müssen Kenner der Serie selbst entscheiden, ob die ungefähr 50 € in die Spielesammlung eine gute Investition sind.
BioShock – The Collection umfasst zumindest alle drei Serienteile – BioShock, BioShock 2 und BioShock Infinite. Obendrauf sind alle erhältlichen Erweiterungen natürlich ebenfalls mit von der Partie.

Lediglich der zugegebenermaßen vernachlässigbare Mehrspielermodus des zweiten Teiles glänzt in der Sammlung durch Abwesenheit, was allerdings nicht weiter tragisch ist.

Gerade der Erstling wartet mir grafischen Detailverbesserungen auf
Gerade der Erstling wartet mir grafischen Detailverbesserungen auf

Vor allem Kenner des Erstlings dürften sich darüber freuen, dass sich innerhalb des Spieles nun insgesamt zehn goldene Filmrollen finden lassen. Diese enthalten kurze Videos, in denen Creative Director Ken Levine und Animation Director Shawn Robertson über die Entstehungsgeschichte der Titel plaudern.

Ebenfalls neu ist das im Hauptmenü anwählbare Museum. In diesem eigenständigen Level kann man sich eine illustre Sammlung der im Spiel vorkommenden Charaktere mitsamt der entsprechenden Konzeptzeichnungen zu Gemüte führen. Zwar reicht ein einmaliger Ausflug in das Museum allemal, unterstreicht aber hervorragend den künstlerischen Aspekt, welcher in BioShock seit seinen Anfängen omnipräsent mitschwingt. Fehlen nur noch ein guter Wein und Käse, um mit seinen Freunden in wohliger Atmosphäre über das herausragende Artdesign der Serie fachsimpeln zu können.

Filmrollen und Museum beziehen sich allerdings leider ausschließlich auf Teil Eins. Ähnliche Boni für die anderen beiden Titel der Sammlung sucht man leider vergebens.


BioShock – The Collection zeigt sich technisch verbessert

Wie es sich für eine Remastered-Remake-irgendwas-Neuauflage gehört, beschränkt sich ein Großteil der Neuerungen dabei auf eine verbesserte Technik. Alle drei Spiele kommen nun in einer 1080p-Auflösung daher. Zudem profitiert die Spielbarkeit von konstanten 60 Bildern pro Sekunde spürbar.

Gerade BioShock und BioShock 2 warten zudem mit einigen teils wunderschönen neuen Details und schicken Effekten auf. Doch auch die verbesserten Texturen können nicht kaschieren, dass der Zahn der Zeit ebenfalls unerbittlich am grafischen Gerüst der Serie genagt hat. Leider sieht man allen drei Titeln das Alter, beziehungsweise die zum Einsatz kommende Unreal Engine 3 sehr deutlich an.
Was seinerzeit für herunterklappende Kinnladen sorgte, sieht aus heutiger Sicht mitunter eher grauenhaft aus.

Trotz Verbesserungen merkt man BioShock - The Collection das Alter an
Trotz Verbesserungen merkt man BioShock – The Collection das Alter an

Besonders schade ist hingegen die Tatsache, dass der neueste Ableger BioShock Infinite abgesehen von höherer Auflösung und Bildrate keinerlei Verbesserungen bietet. Hier hat man lediglich die PC-Fassung übernommen. Da wäre mehr drin gewesen.

Nichtsdestotrotz punkten die drei Spiele allerdings auch heute noch durch ihren bis ins kleinste Detail wahnsinnig stimmigen Look. Und ihre unvergleichliche Atmosphäre. Die fliegende Stadt Columbia steht dabei ihrem Unterwasser-Pendant im Art Déco-Stil in Nichts nach.

Auch die enorm starke Hintergrundgeschichte, auf die wir an dieser Stelle allerdings nicht weiter eingehen wollen, steckt noch immer einen Großteil der heutigen Spiele mit Leichtigkeit in die Tasche.


Noch immer hervorragende Spiele

Aus spielerischer Sicht gibt es hingegen leider absolut keine Neuheiten. Das bekannte Kerngameplay mit seinen spannenden Kämpfen und den ruhigeren Erkundungstouren fesselt heute allerdings noch genauso, wie damals. Gerade erstere bieten aufgrund der Plasmide in Kombination mit den wuchtigen Feuerwaffen eine enorme Spieltiefe und laden zum Experimentieren ein. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei knackig wie eh und je.

BioShock Infinite bietet leider keine Verbesserungen
BioShock Infinite bietet leider keine Verbesserungen

Allerdings merkt man auch hier deutlich, dass einige Komfortfeatures aktueller Titel schlicht fehlen. Was entsprechend gerade bei jüngeren (volljährigen) Spielern ein Umdenken voraussetzt.

Dennoch werden auch Einsteiger eine ganze Menge Freude mit diesen drei herausragenden Meisterwerken haben, welche gerade aus storytechnischer und atmosphärischer Sicht ihrer Zeit neue Maßstäbe gesetzt haben.


Für Neulinge und Rückkehrer spannend

Während ich alle drei BioShock-Spiele bereits mehrfach durchgespielt habe, gelingt es den Titeln mit Leichtigkeit, binnen kürzester Zeit bei mir für Gänsehaut zu sorgen. Beispielsweise wenn diese herrliche Musik bei der Einfahrt in die Unterwasser-Metropole Rapture einsetzt.
Oder wenn ich beim Durchforsten der Umgebung in der Ferne das laute Schnaufen und Stapfen der mächtigen Big Daddys, sowie die zarte Stimme der Little Sisters, höre. Atmosphärisch ist BioShock – The Collection schlichtweg derart stimmig, dass mich die Titel und der Erkundungsdrang binnen weniger Spielminuten wieder genauso gepackt haben, wie damals.

Dieses dynamische Duo ist ein Highlight der Spiele
Dieses dynamische Duo ist ein Highlight der Spiele

Was gäbe ich nur dafür, die drei Spiele noch einmal ohne Vorwissen spielen zu können. Glücklicherweise übernimmt diesen Part meine Freundin, der ich während des Tests einfach unvermittelt das Gamepad in die Hand drücke und sage „hier, mach du mal“.

Für mich ist es dabei besonders spannend, sie beim Spielen zu beobachten. Da sie weder sonderlich oft Shooter spielt, noch einen einzigen der Serienteile kennt.
Schon nach wenigen Minuten macht sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht bemerkbar, wenn ich neben mir die Aussage höre „Wow. Einfach nur wow, das ist genau mein Spiel“. Gefolgt von einem „man ist das gut, der Wahnsinn“.
Ich kenne diese Aussagen noch ganz genau aus meinen Ausflügen in die Welt von BioShock. Daher sehe mich in meiner Meinung bestätigt, dass die Spiele auch aus heutiger Sicht nichts von ihrer Faszination verloren haben.


Die Kritikpunkte am Original bleiben bestehen

Am Ende ist sie sogar so von den Spielen fasziniert, dass ich regelrecht darum kämpfen muss, wieder selbst den Controller in die Hand nehmen zu können. Ein gutes Zeichen.

„Wer sich dieses Meisterwerk entgehen lässt, verpasst das wohl Beste Spiel der letzten Jahre und eines des Besten überhaupt. Danke an die Entwickler, dass sie sich getraut haben, Bioshock von all den anderen Shootern abzuheben – in jeder Hinsicht.“ (Mein Fazit im damaligen Test zu BioShock)

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Bei all dem Lob dürfen allerdings auch die (wenigen echten) Kritikpunkte an den Spielen nicht außen vor bleiben. Abwechslungsreiche Gegnertypen bot die Serie leider noch nie. Zudem wirken viele der moralischen Entscheidungen einfach zu aufgezwungen. Zumal deren Ergebnisse leider viel zu oft der Spielmechanik geschuldet sind.

Auch der Sammeldrang, sowie der hervorragenden Horror-Elemente sind in BioShock 2 und BioShock Infinite leider auf ein Minimum reduziert worden.


Fazit:

awardBioShock – The Collection ist letztlich genau das, was es sein möchte. Die vollständige und detailverbesserte Sammlung der drei Serienteile.

Leider halten sich die echten Neuerungen in Grenzen. Oder beschränken sich fast ausschließlich auf den Serienauftakt. Von der verbesserten Technik profitieren alle drei Spiele allerdings merklich, dennoch suchen Kenner der Serie echte Kaufargumente fast vergebens.
Das ist allerdings nicht wirklich schlimm. Denn aufgrund der enorm dichten Atmosphäre, der spannenden Geschichte und dem herrlichen Artdesign fesseln die Abenteuer auch Rückkehrer binnen kürzester Zeit wieder an das Gamepad.
Für Neulinge hingegen führt absolut kein Weg an der Spielesammlung vorbei. Drei absolute Hochkaräter zu einem fairen Preis, welche man unbedingt gespielt haben muss.


Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!


Noch nicht genug von BioShock?

Hier findet ihr unseren Testbericht zu BioShock Infinite.
Sowie Tim’s kritische Analyse zum dritten Serienteil.
Einen Erfahrungsbericht, sechs Jahre nach Release von Teil Eins und Zwei gibt es hier.

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