Image default
PS4 Reviews Xbox One

Testbericht: Battleborn

„Oh eine Tür! Die äh… also die sollte da jetzt nicht sein. Aus dem Weg, Tür! Der Hain brennt!“ Mit diesen unfassbar weisen Worten stürmt der Wächter ins brennende Gehölz, dicht gefolgt von einer Handvoll tapferer Recken mit der Mission, das mythische Wäldchen und die darin schlummernden, unsagbaren Schätze zu beschützen.
In Sachen Humor spielt Battleborn, der neueste Shooter von Gearbox Software, in der obersten Liga. Doch ob der Titel auch spielerisch etwas auf dem Kasten hat oder ob der Kampf bereits verloren ist, bevor er überhaupt angefangen hat, soll unser Test klären.

Bunt, schnell und mitunter chaotisch kommt Battleborn daher
Bunt, schnell und mitunter chaotisch kommt Battleborn daher

Battleborn: Ein zweischneidiges Schwert

Eines vorab: Wer ein ähnlich episches, detailverliebt gestaltetes und umfangreiches Abenteuer im Stile eines Borderlands sucht, wird von Battleborn schwer enttäuscht sein. Denn abseits des Grafikstils, des herausragenden Humors und dem Fakt, dass es sich um einen Ego-Shooter handelt, war es das auch schon mit den Parallelen zur beliebten Coop-Reihe rund um Claptrap und Co.

Zwar bietet das Spiel auch eine Kampagne, welche sich auf Wunsch kooperativ mit bis zu fünf Spielern absolvieren lässt und das – wie der reine Mehrspielermodus übrigens auch – wahlweise im Splitscreen an nur einer Konsole (eine gerngesehene Seltenheit heutzutage), allerdings geht dieser leider relativ schnell die Puste aus. Dafür ist die schwache Hintergrundgeschichte einfach derart irrelevant, dass man ihr bereits nach der zweiten Mission keine Aufmerksamkeit mehr schenkt.
Alle Sterne im Universum wurden zerstört bis auf einen: Solus. Dementsprechend retten sich alle Spezies auf den verbleibenden Himmelskörper. Aufgeteilt in vier Fraktionen kämpfen die Stärksten unter ihnen dann gegen den Ursprung allen Übels – die Varelsi.

Mit diesen beiden Sätzen ist dann die komplette Story auch schon abgehandelt, in gerade einmal neuen Missionen kommt die Kampagne auf eine Nettospielzeit von etwa vier bis sechs Stunden. Sonderlich viel Wiederspielwert bieten die einzelnen Akte dabei ebenfalls nicht, da sich die Aufgaben leider zu oft wiederholen: Gehe zu Punkt A und sichere einen wichtigen Punkt, begleite irgendjemanden zu Punkt B und beschütze ihn, während er irgendwas sammelt und besiege dann den Endboss des Levels. Ein Glück dass der herrlich abgedreht, schwarze Humor samt jeder Menge Selbstironie und die wundervoll geschriebenen Charaktere und Dialoge das ansonsten dröge Abhaken von Missionszielen gekonnt auflockern.

Da entschädigen auch die vielen sammelbaren Gegenstände in den relativ detailarm gestalteten und zu leblos wirkenden Arealen leider nur wenig. Auch der gesammelte Charakterfortschritt – welcher immerhin zusätzlich in den Multiplayer übernommen wird – und die zwei verschiedenen Schwierigkeitsgrade samt Hardcore-Modus helfen leider kaum dabei, Solus mehr als einmal freiwillig schützen zu wollen.

Sein volles Potential entfesselt Battleborn allerdings im Multiplayer, hier sieht es schon ganz anders aus: Insgesamt drei Spielmodi stehen zur Verfügung, welche sich aufgrund der Missionsziele zudem enorm unterschiedlich anfühlen. Obwohl auch hier der Umfang mit gerade einmal zwei Karten pro Modus leider viel zu überschaubar bleibt, überzeugt der Mehrspielermodus mit einer Menge guter Ideen und spannender Ansätze, die gekonnt frischen Wind ins Shooter-Genre bringen.


Eine Prise League of Legends

Allem voran der Modus Überfall, welcher durch Elemente des immer beliebter werdenden Genres der MOBA-Spiele wie League of Legends, DotA oder SMITE für ein neuartiges Spielgefühl in einem Ego-Shooter sorgt. In diesem Modus gilt es, die eigenen Schergen auf dem Weg durch die jeweilige Karte zu begleiten, um am Ende die feindliche Basis zu zerstören.  Dabei sammelt man Splitter, um Türme und Verteidigungsanlagen zu errichten, beziehungsweise zu verbessern oder um eigene Verstärker zu aktivieren, welche unter anderem den Schaden erhöhen, die Abklingzeiten verkürzen oder mehr eintreffenden Schaden absorbieren.

Für Levelaufstiege schaltet man im Helix-Menü jweils eine neue Verstärkung frei
Für Levelaufstiege schaltet man im Helix-Menü jweils eine neue Verstärkung frei

 

Innerhalb einer jeden Runde – auch in der Kampagne – steigt man dabei durch gewonnene Erfahrung im Level auf und schaltet so Verstärkungen für die eigenen Fähigkeiten frei. In einem Helix-System entscheidet man sich dabei bei jedem Aufstieg für eine von zwei möglichen Optionen, durch das spielübergreifende Aufleveln des Charakters erhält man an bestimmten Punkte zudem eine dritte, meist weitaus stärkere Auswahlmöglichkeit durch einen sogenannten Mutator. Wer also oft auf denselben Helden setzt, schaltet im Laufe der Zeit einzigartige Verbesserungen frei, welche im Kampf möglicherweise einen signifikanten Vorteil bieten. Das macht eine Menge Spaß!

Gearbox-typisch bietet Battleborn zudem eine Unmenge an Herausforderungen und Freischaltmöglichkeiten für die verschiedenen Charaktere wie Skins oder Posen. Einen wirklichen Charaktereditor, umfangreiche Individualisierungsoptionen oder wechselbare Waffen gibt es hingegen leider nicht. Trotzdem überzeugt das Spiel mit wunderbar designten und herausragend gebalancten Charakteren: Jeder der insgesamt 25 Charaktere wirkt sehr gut durchdacht, Totalausfälle oder zu starke Recken gibt es nicht. Und so zieht man wahlweise mit einem Pinguin in einem Mech, einem durchschlagskräftigen Soldaten, welcher allerdings noch nicht einmal in der Lage ist bis drei zu zählen oder einem axtschwingenden Zwerg in den Kampf. Aufgrund der rundum gelungenen Fähigkeiten sind auch Nahkämpfer nicht zu schwach und behaupten mit Recht ihren Platz im Kämpferfeld neben Bogenschützen, Heilern, Magiern und Tanks.

Battleborn spielt sich relativ schnell und obwohl das Spielgeschehen auf dem Bildschirm mitunter viel zu chaotisch werden kann, auch herrlich unkompliziert. Nach nur wenigen Runden hat man den Dreh raus und dank gut funktionierendem Matchmaking-System und hervorragendem Netzcode, stellt sich sehr schnell ein enormer Suchtfaktor ein – vorausgesetzt das eigene Team weiß was es tut.

Großes Lob gilt den Entwicklern dafür, sowohl die Kampagne, als auch den Mehrspielermodus im Splitscreen an einer Konsole zocken zu dürfen. Das funktioniert größtenteils hervorragend, allerdings stößt dabei die gedrosselte Bildrate enorm sauer auf. Denn obwohl das Spiel dank der in die Jahre gekommenen Unreal Engine 3 und detailarm gestalteter Areale optisch keine Augenweide ist, hat der geteilte Bildschirm mit einigen Rucklern und Slowdowns zu kämpfen. Auch die gerade einmal 30 Bilder pro Sekunde machen die hitzigen Feuergefechte nicht unbedingt einfacher. Spielt man alleine, sieht das Ganze allerdings schon deutlich besser und vor allem flüssiger aus.

Toll: Splitscreen-Support, auch im Multiplayer. Leider mit technischen Schwächen
Toll: Splitscreen-Support, auch im Multiplayer. Leider mit technischen Schwächen

Zudem ist die Schrift leider viel zu klein ausgefallen, wenn der Bildschirm geteilt wird. Selbst auf großen Fernsehern ist diese kaum zu entziffern, was allerdings auch daran liegt, dass Karte und Missionsziele dabei nochmal etwa ein Drittel des Sichtfeldes rauben.
Soundtechnisch geht Battleborn in Ordnung, ohne dabei irgendwelche Bäume auszureißen: Die Sprecher liefern zwar mit aberwitzigen Sprüchen und tollen Dialogen einen hervorragenden Job ab, Musik und Soundeffekte an sich sind aber gerade einmal gehobener Durchschnitt.


Fazit:

Battleborn enttäuscht auf hohem Niveau. Gerade wer die Borderlands-Spiele gemocht hat, wird mit dem Titel nicht zufrieden sein, dafür ist die Kampagne mit gerade einmal knapp fünf Stunden Spielzeit viel zu kurz ausgefallen. Auch die belanglose Story und die immergleichen Missionen gefallen leider nicht wirklich. Dass Battleborn jedoch alles andere als ein Totalausfall ist, liegt an fast rundum gelungenen Mehrspieler-Part, welcher mit MOBA-Elementen, tollem Balancing und abwechslungsreichen, gelungenen Charakteren für frischen Wind sorgt. Das schnelle und unkomplizierte – wenn auch mitunter zu chaotische – Gameplay geht gut von der Hand und motiviert trotz weniger Karten dank vieler Freischaltungen und Extras durchaus für längere Zeit.
Wer einen optionsreichen Mehrspieler-Shooter sucht und gerne auch im Splitscreen in die Schlacht zieht, wird mit Battleborn seine Freude haben, nicht zuletzt auch dank cooler Charaktere und hervorragendem Humor. Für Fans von umfangreichen Coop-Kampagnen bietet der Titel allerdings zu wenig.


Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

 

verwandte Beiträge

Review: Mario Tennis Open

Nature225

Testbericht: AiRace Speed

Nature225

The Turing Test: First-Person-Puzzle erscheint am Dienstag

Christian Ibe