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Testbericht: Assetto Corsa

Die ultrarealistische Rennsimulation Assetto Corsa ist zumindest auf dem PC fast schon ein alter Hut: Bereits vor etwa drei Jahren tauchte die erste Version im Early-Access-Programm der Spieleplattform Steam auf, im Dezember 2014 ging dann die finale Version an den Start. Unzählige Verschiebungen und knapp zwei Jahre später erscheint das Rennspiel der italienischen Entwickler Kunos Simulazioni nun endlich auch auf PlayStation 4 und Xbox One. Unser Test klärt, ob die Entwickler diese Zeit sinnvoll genutzt haben und ob das Spiel auch auf den heimischen Konsolen für Begeisterung sorgen kann.


Nicht so knackig, wie befürchtet

Assetto Corsa (italienisch für Racing-Setup) versteht sich selbst als knallharte Rennsimulation und schlägt damit in dieselbe Kerbe, wie ein Project Cars oder Forza Motorsport 6. Wer hier also ein bockschweres Spiel erwartet, welches sich ausschließlich an Profis richtet, darf sich freuen: Aufgrund der üblichen, wahlweise zuschaltbaren Fahrhilfen wie ABS oder Traktionskontrolle, lässt sich der Titel auch für Einsteiger sehr angenehm fahren.
Grundsätzlich aber liegt das gesamte Fahrverhalten in etwa auf dem Niveau der Konkurrenz, ohne dabei signifikante Vorteile für sich verbuchen zu können. Gerade das Gewicht der Boliden oder die Simulation der Reifen auf verschiedenen Fahrbahnbelägen ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Die Rennwagen reagieren stets realistisch und jederzeit nachvollziehbar auf die Nutzereingaben, wobei beispielsweise auch das unterschiedliche Verhalten von Heckantrieblern wie BMW und Allradfahrzeugen wie Audi R8 sehr gut umgesetzt wurde.

Assetto Corsa bietet viele Fahrzeuge namhafter Hersteller. Der Umfang stimmt
Assetto Corsa bietet viele Fahrzeuge namhafter Hersteller. Der Umfang stimmt, das Fahrverhalten ist exzellent

 

Ohne aktivierte Fahrhilfen kommt die Beherrschung des eigenen Fahrzeuges dabei schon fast einem Kraftakt gleich. Vor allem, wenn man die Steuerung mittels Lenkrad bevorzugt. Greift man hingegen auf die Unterstützung zurück, welche einem Assetto Corsa bietet, lassen sich auch schon in den ersten Spielminuten beachtliche Erfolge erzielen.  Ganz so brutal wie befürchtet ist der Schwierigkeitsgrad also Gott sei Dank nicht ausgefallen.

Allerdings geht der Titel in dieser Hinsicht deutlich weiter, als seine Konkurrenz: Fahrhilfen lassen sich mitunter in 10 %-Stufen justieren und sogar im laufenden Rennbetrieb deaktivieren. Optionen für Kupplung, Treibstoffverbrauch und Reifenabnutzung unterstreichen den Simulationsaspekt des ambitionierten Rennspieles. Natürlich darf dabei auch die Ausarbeitung des perfekten Setups nicht fehlen.


Spannende Rennen… staubtrocken präsentiert

In Sachen Optionsvielfalt orientiert sich Assetto Corsa ebenfalls am Genrestandard: Dreh- und Angelpunkt für Solisten bildet dementsprechend der Karrieremodus, bei dem man nach und nach immer mehr Rennveranstaltungen und Spezialevents freischaltet.

Allerdings zieht sich hier die staubtrockene und öde Präsentation wie ein roter Faden durch das Spiel: Sowohl die Menüs, als auch die Aufmachung der einzelnen Events kommt minimalistisch daher. Nette Vorschau-Videos oder Hintergrundinformationen sucht man in Assetto Corsa also leider vergebens. Genauso, wie Meisterschaften oder Saisons im Karrieremodus. So spult man ein Einzelevent nach dem anderen ab, was trotz gelungener Lernkurve und mitunter abwechslungsreicher Veranstaltungen aber relativ schnell langweilig wird.

Trotz schicker Fahrzeugmodelle: Die Präsentation und Menüs sind nicht gelungen
Trotz schicker Fahrzeugmodelle: Die Präsentation und Menüs sind nicht gelungen

 

Dass sich der Titel einzig und alleine auf das eigentliche Rennen fokussiert und dabei die gesamte äußere Hülle vernachlässigt, wird dabei leider jederzeit sehr deutlich. Hier wird also der Profi-Anspruch spürbar, nette Details oder eine hübsche Aufmachung sucht man leider vergebens.

Am wichtigsten ist allerdings, wie sich Assetto Corsa spielt. Und in dieser Hinsicht sieht das Ganze schon deutlich besser aus: Da wäre zunächst einmal der Umfang des Spieles, welcher sich absolut sehen lassen kann. Über 90 Fahrzeuge namhafter Hersteller wie Audi, Ferrari oder Mercedes haben es in das Spiel geschafft. Diese dürfen auf insgesamt 26 Streckenvarianten ausgefahren werden, darunter die Kurse in Imola, Silverstone und sogar die legendäre Nordschleife des Nürburgrings.


Spielmodi: Die üblichen Verdächtigen

Der Umfang stimmt also, doch wie sieht es mit den Spielmodi aus? Auch hier zeigt sich Assetto Corsa optionsfreudig und bietet neben der Karriere unter anderem Spezialevents, Driftveranstaltungen oder Zeitfahren. Auch ein Online-Mehrspielermodus darf natürlich nicht fehlen. Dabei dürfen bis zu 16 Spieler gleichzeitig bei ganzen Rennwochenenden an den Start gehen: Das freie Training mündet also in die Qualifikation, welche letztlich im eigentlichen Rennevent gipfelt.

Löblich ist vor allem die Option, auch noch in laufende Events einsteigen zu können: In der Qualifikation kann man so noch eigene Bestzeiten nachlegen. Auch der Start aus der Boxengasse beim Rennen ist möglich. Während meiner Testsession kam es mitunter aber noch zu Verbindungsproblemen, diese sollten aber hoffentlich schnell behoben werden können. Eine Menge Spaß machen die Rennen gegen echte Gegner allerdings schon jetzt.

Unverständlich jedoch, dass man im Spiel keine eigenen Lobbies erstellen kann. Somit ist man auf die Optionen angewiesen, welche einem die Entwickler zur Verfügung stellen. Zwar decken diese nahezu alle denkbaren Strecken- und Fahrzeugkombinationen ab, die Option, ein eigenes Spiel nach seinem Gusto zu eröffnen lässt der Titel allerdings gänzlich vermissen.
Auch einen Splitscreen-Modus haben die Entwickler dem Spiel leider nicht spendiert.


Der Fokus von Assetto Corsa liegt auf dem Rennen

Bei Assetto Corsa steht das eigentliche Rennen und eine möglichst realistische Abbildung des Motorsports im Mittelpunkt. Und diese Hürde meistert das Rennspiel sehr gut. Vor allem das gelungene Fahrverhalten kann auf ganzer Linie überzeugen. Wer gerne das eigene Setup auf der Jagd nach der letzten Hundertstel-Sekunde perfektioniert und auf – nicht zuletzt dank gelungener künstlicher Intelligenz der CPU-Fahrer – spannende Rennen steht, wird mit dem Spiel seine Freude haben.

Vielleicht sogar schon einen Tick zu spannend, denn die computergesteuerten Fahrer scheuen nicht davor zurück, einem ganz ungeniert in die eigene Karosse zu fahren und drehen dabei gerne mal das Heck des Fahrzeuges. Das Strafsystem greift dabei, übrigens ebenso wie beim Abkürzen über die Wiese, zu inkonsequent. Das kann mitunter zu enormem Frust führen.

Technisch geht Assetto Corsa in Ordnung, leistet sich aber Fehler
Technisch geht Assetto Corsa in Ordnung, leistet sich aber Fehler

 

Auch das Schadensmodell geht in Ordnung: Heftige Crashs wirken sich spürbar auf das Fahrverhalten der Rennwagen aus, auch wenn ein Totalschaden nicht möglich ist. Aus optischer Sicht gibt es außer ein paar Schrammen und Dellen allerdings nicht viel zu sehen, in diesem Aspekt geht das Schadensmodell also leider nicht weit genug.

Aus optischer Sicht rangiert Assetto Corsa leider nur auf durchschnittlichem Niveau. Mal von den durchaus hübschen Fahrzeugmodellen abgesehen, herrscht auf dem Bildschirm zumeist Tristesse. Abseits der Piste gibt sich das Spiel enorm langweilig und wartet nur mit wenigen Details auf. Zudem sehen die Zuschauer alles andere als detailliert aus, da sind wir heutzutage weitaus besseres gewohnt.
Technische Kompromisse gegenüber der PC-Version sorgen dafür, dass nun maximal 16 Fahrzeuge gleichzeitig auf der Piste unterwegs sind – waren es dort doch immerhin noch 20 Boliden. Auch die angepeilten 60 Bilder pro Sekunde erreicht das Spiel leider nicht konstant, immer wieder kommt es zu kleineren Einbrüchen in der Bildrate. Auch die mitunter sehr langen Ladezeiten und nervige Tearing-Effekte stoßen sauer auf.
Zudem bietet Assetto Corsa leider weder Wettereffekte, noch Nachtrennen. Schwach!

Die Vertonung punktet immerhin mit sehr gelungenen Motorensounds, musikalisch sieht es dann hingegen wieder mehr als düster aus.


Fazit:

Der Test liest sich jetzt vielleicht negativer, als das Spiel eigentlich ist. Assetto Corsa kann als durchaus gelungenes Rennspiel bezeichnet werden. Auf der Haben-Seite punktet der Raser mit einem enorm realistischen und rundum gelungenen Handling, sowie einer starken Nachbildung des Motorsports. Die Einstellungsmöglichkeiten erfreuen vor allem Profis.

Doch diese Vorteile erkauft sich Assetto Corsa, indem es auf jeglichen Komfort verzichtet: Die Präsentation ist langweilig, die Karriere uninspiriert. Auch aus grafischer Sicht verzichtet man auf unnötigen Ballast und verliert damit das eigene Gesicht. Fragwürdige Entscheidungen, den Multiplayer betreffend, technische Probleme und eine Rüpel-KI sorgen mitunter für Frust. So richtet sich der Titel an absolute Puristen und Rennspielprofis, welche sicherlich eine Menge Spaß haben werden. Wer mal wieder ein frisches Rennspiel sucht, bekommt mit Assetto Corsa eine gute Option zur Hand. Doch mit einem Project Cars oder Forza Motorsport 6 haben vor allem Einsteiger, aber auch Profis, definitiv mehr Spaß.


Vielen Dank an 505 Games für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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