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Special: Monument Valley

Wenn es in letzter Zeit ein Spiel gab, das ich insbesondere Nichtvideospielern gerne weiterempfehlen würde, dann ist es Monument Valley. Vielleicht liegt das gerade daran, dass mit Ustwo kein Videospielentwickler, sondern eine Design-Agentur dahinter steht.

Es liegt aber insbesondere an der geringen Einstiegshürde und der (relativ) niedrigen Lernkurve. Die notwendige Touch-Steuerung ist simpel und selbsterklärend, die zu lösenden Rätsel werden zwar immer komplexer, sind grundsätzlich aber nicht kompliziert. Ganz im Gegenteil, denn ähnlich wie bei Portal kann es durchaus passieren, dass man zu viel über ein Puzzle nachdenkt und sich dann an die Stirn fasst, wenn die Lösung eigentlich recht simpel, möglicherweise sogar ziemlich offensichtlich war.  Monument_Valley_iPad_03

Ich glaube, dass man den Namen M.C. Escher nicht unbedingt vorstellen muss, zumal die Grafiken des niederländischen Künstlers bereits mehreren Videospielen, wie etwa dem PSP-Klassiker Echochrome, Ego-Puzzler Antichamber oder dem etwas obskureren The Bridge als Vorlage dienten. Für alle Unwissenden möchte ich trotzdem eine kurze Übersicht geben: M(aurits). C(ornelis). Escher ist insbesondere für seine zeichnerische Darstellung perspektivisch korrekter, physikalisch jedoch unmöglicher Gebilde bekannt. Vor allen Dingen seine unmöglichen Dreiecke und sein unmöglicher Wasserfall dürfte so ziemlich Jeder schon einmal gesehen haben.

Monument Valley wandelt auf Eschers Spuren und möchte unser Hirn insbesondere durch das Spiel mit solchen scheinbar nicht möglichen Perspektiven herausfordern.Monument_Valley_iPad_05

Man steuert Prinzessin Ida, die sich ihren Weg durch die rätselhaften Monument-Ruinen bahnt, kann aber auch mit der Umgebung interagieren und so neue Wege freilegen. Die grauen Zellen werden dabei deutlich herausgefordert, abstraktes Denken bringt einen den Lösungen oft näher. Allerdings sollte man, wie bereits erwähnt, zwar vorausschauend, jedoch nicht gleich um viel zu viele Ecken denken.

Die sehr bewusst gewählte Farbgebung und die sanften Klänge der musikalischen Untermalung verleihen dem Tal der Monumente eine geradezu meditative Aura. Darüber hinaus schafft es das Spiel trotz seiner eher kurzen Dauer, eine sehr emotionale Geschichte zu erzählen.

Die Kürze der Spieldauer ist offenbar der größte Kritikpunkt an Monument Valley, ich sage jedoch, dass der geringe Umfang dem Spiel hilft. Es ist sehr schwer, ein reines Puzzlespiel über die Dauer eines regulären Videospieles von etwa sechs bis acht Stunden zu erstrecken. Der Spannungsbogen sinkt, aus Rätsellust wird Rätselfrust. Hier liegt getreu dem Sprichwort in der Kürze die Würze.

Monument_Valley_iPad_04Ich habe 3,49 Euro für das Spiel bezahlt, was aufgrund des niedrigen Durchschnittspreises innerhalb des App Stores manchem offenbar zu hoch erscheint. Ich jedoch finde den Preis angemessen, denn Monument Valley ist schon jetzt ganz klar eines der besten Spiele des Jahres.

Und wenn es euch zu kurz erscheint, dann habe ich einen guten Vorschlag: Spielt es mit Menschen, die sonst eben keine Videospiele spielen. Gebt ihnen Tipps, wenn sie einmal nicht weiterkommen, seid aber auch verständnisvoll und lasst ihnen Zeit, denn in unserer hektischen Alltagsgesellschaft ist Monument Valley eine erfrischende Oase der Entschleunigung. Und den Weg dorthin dürft ihr gerne mit anderen teilen.

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