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Tests Xbox One

Testbericht: ReCore – Kernige Daueraction

UPDATE 2:

Der aktuelle Patch für ReCore verbessert die Ladezeiten wirklich deutlich! Gegenüber dem originalen Testzeitpunkt haben sich die Wartepausen nahezu halbiert. So macht das Spiel natürlich noch einmal deutlich mehr Spaß.


UPDATE:

Mittlerweile steht der Day-One-Patch für ReCore bereit, welcher tatsächlich die Spielbarkeit spürbar verbessert! Die teilweise herben Framerateeinbrüche gehören dank des Updates mittlerweile ebenso der Vergangenheit an, wie die im Test beschriebenen Bugs durch hängenbleibende Verbündete.

Dennoch reicht es aufgrund der teilweise über zweiminütigen Ladezeiten und des gegen Ende wahnsinnig nervigen Backtrackings nicht ganz zu einer Aufwertung.


Preisfrage: Was kommt wohl dabei heraus, wenn der Produzent der Mega Man- und Onimusha-Spiele, der Director der Metroid Prime-Serie, sowie der Director of cinematics hinter den Halo-Titeln und Destiny sich zu einem neuen Projekt zusammentun?
„Na dieses eine Spiel da mit der Frau mit der Waffe und dem Helm und diesem Roboter-Hunde-Viech“ lasse ich an dieser Stelle durchaus gelten.
Treffender wäre allerdings die folgende Antwort: Ein knackiger Third-Person-Action-Adventure-Shooter mit vielen Jump ’n‘ Run-, sowie Run ’n‘ Gun-Elementen, ausgiebigen Erkundungstouren und einer ganzen Menge Puzzles.
Oder einfach nur kurz und prägnant: ReCore.
Wir haben uns für euch in die Bullet Hell gewagt und den Xbox One-Exklusivtitel auf Herz und Nieren getestet. Oder besser gesagt auf Kern und Platinen.

Joule und ihre Begleiter sind ein eingespieltes Team
Joule und ihre Begleiter sind ein eingespieltes Team

Schweißtreibende Action

Ich bin gefangen in einer Höhle. Ein mulmiges Gefühl macht sich in der Magengegend breit als ich höre, dass die Panzertür, welche mir eigentlich das Weiterkommen ermöglichen sollte, zufällt. Urplötzlich sehe ich mich umringt von fiesen Robotorspinnen, welche mir und dem treuen Roboterhund Mack an meiner Seite nach dem Leben trachten.
Es ist ein Kampf um Leben und Tod. Mittels Lockon feuere ich Projektile auf die metallenen Arachniden und schicke meinen Gefährten per Tastendruck an die Front. Habe ich alle Gefahren eliminiert, öffnet sich die mächtige Tür wie von Zauberhand. Weiter geht es in das nächste Gebiet.

ReCore bietet spannende, oldschoolige Kämpfe. Mit Combo-Counter und vielem mehr.
ReCore bietet spannende, oldschoolige Kämpfe. Mit Combo-Counter und vielem mehr.

ReCore beginnt herrlich oldschoolig. In den ersten Spielminuten macht uns der Titel mit der Steuerung und den verschiedenen Gameplay-Mechaniken vertraut und findet eine hervorragende Balance aus actiongeladenen Kämpfen, gelungenen Sprungpassagen und einer gehörigen Portion Erkundung.
Doch schon kurz nach dem Tutorial zieht der Schwierigkeitsgrad in den Feuergefechten ganz schön an. Glücklicherweise allerdings, ohne dabei jemals unfair zu werden.


Corebot wechsel dich

So erhalten wir im weiteren Verlauf des Spieles zusätzliche Varianten unseres Corebots, sowie verschiedenfarbige Munitionstypen. Allesamt bieten entsprechende Vor- oder Nachteile gegen bestimmte Gegnertypen. Und die Kämpfe setzen entsprechend auf die geschickte Kombination der unterschiedlichen Möglichkeiten, welche ReCore uns bietet.

Beispielsweise müssen wir uns fiesen Robotern mit der roten Munition erwehren. Dann blitzschnell auf die blaue wechseln und das Feuer auf eine riesige Spinne konzentrieren. Gleichzeitig bekämpft unser gelber Corebot aber ebenfalls eine Handvoll Gegner.

Die unterschiedlichen Corebots sorgen für Abwechslung, bleiben aber ebenfalls relativ blass.
Die unterschiedlichen Corebots sorgen für Abwechslung, bleiben aber ebenfalls relativ blass.

Das klingt auf den ersten Blick zwar unglaublich kompliziert, geht aber dank intuitiver und sehr präziser Steuerung schnell in Fleisch und Blut über. Und dennoch: ReCore ist gerade in den Kämpfen ein enorm knackiger Reflextest, bei dem die ständige Anpassung an die jeweilige Situation oberste Priorität hat.


ReCore in Farbe und bunt

Hinzu kommt, dass unsere anpassbaren Gefährten ebenfalls in verschiedene Farben und Formen daher kommen. Doch zusätzlich verfügen die KI-gesteuerten Begleiter über ganz eigene Stärken und Schwächen gegen bestimmte Gegnertypen. So kann es durchaus Sinn machen, beispielsweise mit dem aus den Videos bekannten Roboterhund (gelb) gegen andersfarbige Feinde zu kämpfen, weil dieser gegen einen blauen Gegner trotzdem im Vorteil sein kann.

Ein ständiger Wechsel des Munitionstyps, sowie des Sidekicks ist also unabdingbar. Einige Bildschirmtode sind von Nöten, bis man dieses System auch nur ansatzweise beherrscht. Das kann mitunter ganz schön frustrierend sein, auch für die eigentliche Hauptzielgruppe von ReCore in Form von Hardcore-Spielern.

Die Welt von ReCore ist in sich stimmig, oftmals aber zu leer.
Die Welt von ReCore ist in sich stimmig, oftmals aber zu leer.

Zusätzlich dazu greift in den Actionsequenzen ein Combo-System, welches den eigenen Schaden je nach Höhe der Combo mitunter deutlich steigert. Immer wieder greift man sich deshalb leichtere Gegner, um den Zähler in die Höhe zu treiben.
Und dann die erhöhte Durchschlagskraft gegen die größeren Gefahren nutzen zu können.
Im Laufe der Zeit stellt sich durch die vielen unterschiedlichen Situationen, auf die man beim Spielen binnen kürzester Zeit reagieren muss allerdings ein mitunter enormes Glücksgefühl ein, wenn man als Sieger aus einem schon verloren geglaubten Gefecht hervorgegangen ist.


Gehüpft wie gesprungen

Schnell wird klar, dass ReCore das arcadeige Spielgefühl von Titeln wie Mega Man oder Metroid Prime in den Kämpfen sehr gut einfängt. Gerade diese machen nämlich einen durchaus großen Teil des Gameplays aus.

Das zweite große Spielelement stellen die Plattform-Abschnitte dar, welche sich ebenfalls fast so anfühlen, wie eine gelungene 3D-Fortführung des blauen Roboters mit der Laserhand. Auch hier gibt sich ReCore ähnlich knackig, wie in den Kämpfen.

Im Sekundentakt gilt es, im Sprung Lasern auszuweichen, mittels Doppelsprung auf einer nur kurzzeitig erreichbaren Plattform zwischenzulanden und dann dank vom Corebot unterstütztem Gleitsprung den sicheren Halt am anderen Ende zu erreichen. Obwohl der Tod mitunter nur eine Millisekunde entfernt sein kann, sind die Jump ’n‘ Run-Abschnitte nicht zuletzt dank enorm präziser Steuerung hervorragend gelungen. Wenn auch sehr schweißtreibend.

Dank präziser Steuerung machen die knackigen Sprungpassagen wirklich Spaß.
Dank präziser Steuerung machen die knackigen Sprungpassagen wirklich Spaß.

Wirkliche Schwächen leistet sich der Titel hingegen leider in den ruhigeren Erkundungstouren. Und das, obwohl die Welt mit einem wunderschönen und rundum stimmigen Design aufwartet. Prinzipiell macht es nämlich wirklich viel Spaß, den Schauplatz Neu-Eden zu erkunden.
Die riesigen Sanddünen zu durchforsten und immer wieder an den unzähligen fabrikähnlichen Bauwerken Halt zu machen, welche auch von Aliens erbaut sein könnten.
Oder die deutlich lineareren, düsteren Dungeons zu erkunden.


Die riesige Welt birgt Gefahren

Der Großteil von ReCore spielt dabei in weitläufigen Sandbox-Arealen, welche allerdings nur wenige Rücksetzpunkte bieten. Gerade gegen Spielende werden dabei die optionalen Nebenmissionen zur mitunter nervigen Pflicht, da es nur dort bestimmte Gegenstände gibt, welche das Weiterkommen ermöglichen.

Und so reist man immer wieder in bereits erkundete Gebiete und muss dort zunächst einmal weit laufen, bis man das eigentliche Ziel erreicht. Nur um dann möglicherweise festzustellen, dass man zum Erreichen einen ganz bestimmten Corebot benötigt.
Obwohl man jederzeit zwischen zwei der Gefährten wechseln kann, ist der Austausch selbiger nur an bestimmten Wegpunkten möglich. Hat man also die falschen Verbündeten bei sich, ist erneut eine mitunter lange Reise notwendig.

Aufgrund der fast schon absurd langen Ladezeiten kann das schnell ziemlich nervig werden. Auch der ansonsten hervorragende Spielfluss leidet darunter natürlich. Man wird dabei das Gefühl nicht los, dass die Entwickler dadurch die eigentlich knapp achtstündige Spielzeit strecken wollten.


Schwache Heldin

Doch der Titel hat noch ein ganz anderes Problem. Die bereits angesprochenen Begleiter sind nämlich offensichtlich die eigentlichen Helden des Spiels. In den Kämpfen sammelt man neue Teile, um seine Begleiter dann in der eigenen Basis verbessern zu können. Dieses Crafting- und Upgrade-System weiß durchaus zu gefallen, allerdings beschränkt es sich eben ausschließlich auf die Bots. Joule, die Heldin von ReCore steigt zwar im Verlaufe des Spiels ebenfalls im Level auf, die daraus resultierenden Veränderungen haben dann aber nahezu keine spürbaren Auswirkungen.

Darüber hinaus sind die Upgrades der Bots nahezu irrelevant, wirkliche Vorteile in den Kämpfen ergeben sich dadurch nämlich nicht.

Gegenstände und Upgrades gibt es zu Hauf. Leider ist das Crafting-System zu inkonsequent.
Gegenstände und Upgrades gibt es zu Hauf. Leider ist das Crafting-System zu inkonsequent.

Ganz allgemein gelingt dem Spiel die Identifikation mit der Hauptfigur leider zu keinem Zeitpunkt, sodass wir leider mit einer enorm eindimensionalen und blassen Heldin unterwegs sind. Und die Corebots auf der anderen Seite werden nicht genug ins Rampenlicht gerückt, um als ernstzunehmende Protagonisten durchgehen zu können.

Hinzu kommt, dass ReCore seine sehr simple Story enorm langweilig präsentiert. Nach einer kurzen Abhandlung der Eckpfeiler wird man zu Beginn des Spiels einfach ins Geschehen geschmissen. Ohne die wirklichen Gründe des Handelns klarzustellen. Schade, denn hier hätte sich so viel Potential geboten.
Lediglich anhand von Audiologs erfährt man mehr über die Ereignisse auf Neu-Eden und die Besiedelung des Planeten.


ReCore: Das Getriebe stottert

Leider sind die bereits angesprochenen, viel zu langen Ladezeiten nicht das einzige Problem aus technischer Sicht. Gerade die getestete Xbox One-Fassung hat mit einigen herben Rucklern und Slowdowns zu kämpfen. Zudem erreicht das Spiel die angepeilte Rate von 30 Bildern pro Sekunde nur selten.

Außerdem kommt es nicht selten vor, dass Charaktere in Türen oder Durchgängen steckenbleiben. Dies lässt sich dann ausschließlich mit einem Neustart des Checkpoints beheben. Aufgrund der hohen Frequenz dieses Problems, nervt das ungemein.

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Schade, denn eigentlich sieht ReCore wirklich gut aus und überzeugt mit einer in sich stimmigen, durchaus detailreichen Spielewelt. Abwechslung bietet der Titel allerdings kaum: Die riesigen Sand-Areale und immergleichen Höhlen und Anlagen wiederholen sich leider viel zu oft.
Matschige Texturen und eine enorm störrische Kamera stoßen ebenfalls sauber auf. Gerade wenn es auf dem Bildschirm hektisch wird, verliert man Joule und ihre Begleiter leider gerne mal aus den Augen.


Fazit:

In ReCore steckt jede Menge Herz. Allerdings wird man leider das Gefühl nicht los, dass der Titel einfach noch mehr Zeit gebraucht hätte. 
In den Kämpfen und Sprungpassagen fühlt man sich wirklich in die gute alte Zeit von Mega Man oder Metroid Prime versetzt. Und genau hier brilliert das Spiel. Allerdings kommen diese aufgrund von Rucklern und einer nervigen Kamera ebenfalls nicht ohne Probleme daher. 
Die vielen cleveren Ideen und Spielmechaniken wurden zudem nur halbherzig umgesetzt. Sie bleiben letztlich ohne Belang. Zudem nerven das Backtracking und die mitunter viel zu leeren Areale immens. 
Trotzdem haben gerade frustresistente Genrefreude mit ReCore eine ganze Menge Spaß. Aufgrund des günstigen Preises kann man auf jeden Fall mal einen Blick risikieren. Spaß macht der Titel allemal. Und doch hätte ReCore so viel mehr sein können.


Vielen Dank an Microsoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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