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Hands-On: PlayStation VR

Dass Sonys Brille PlayStation VR, beziehungsweise Virtual Reality an sich auf der gamescom 2016 ein zentrales Thema sein dürfte, war eigentlich von vorne herein klar. Dementsprechend habe ich mich natürlich wahnsinnig darauf gefreut, die die PlayStation-Zusatzhardware selbst ausprobieren zu können. Dazu hatte ich dann am Mittwoch Gott sei Dank auch die Möglichkeit, doch meine zugegebenermaßen riesigen Erwartungen konnten nicht so ganz erfüllt werden.


Fühlt sich gut an

Virtual Reality ist ein wahnsinniger Besuchermagnet. Selbst am Fachbesuchertag bildeten sich vor dem Sony-Stand in Halle 7 bereits riesige Schlangen und Wartezeiten von einer Stunde oder mehr waren an der Tagesordnung. PlayStation VR hat definitiv das Zeug zum Publikumsmagneten, aber letztlich auch zum Verkaufshit?
Da bin ich mir nicht (mehr) so sicher!

Doch fangen wir ganz vorne an: In Sachen Tragekomfort haben die findigen Japaner ganze Arbeit geleistet, denn die erstaunlich leichte und sehr bequeme Brille sitzt angenehmer, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Und sogar bequemer, als die Konkurrenz.
Mittels Knopf auf der Rückseite des Gerätes passt man die Halterung ideal an die eigene Kopfgröße ein, dank einem Rad stellt man diese dann fest, damit sich beim wilden Herumhampeln möglichst Nichts verstellt.
Dann gilt es eigentlich fast nur noch, die Schärfe nach eigenem Gusto zu regeln. Eigentlich, denn genau hier liegt auch schon das erste Problem.
Ich bin mir nicht sicher ob es daran lag, dass ich eine Brille trage, allerdings konnte ich die PlayStation VR zu keinem Zeitpunkt und bei keinem Spiel im gesamten Lineup so scharf stellen, dass ich die Schärfe als „perfekt“ bezeichnen würde. Egal für welche Einstellung ich mich entschied: Das Bild blieb immer ein wenig unscharf und leicht milchig.

Ein großer Vorteil der PlayStation VR liegt am namhaften Spiele-Lineup für das System, auch da setzte allerdings für den ersten Moment ein wenig Ernüchterung ein:  Bei allen Spielen handelte es sich doch fast ausschließlich um Erkundungstouren – unklar, ob man hiermit nur die Möglichkeiten der VR-Brille demonstrieren wollte oder ob die Launchtitel wirklich fast keinen spielerischen Anspruch bieten. Spieltiefe ließen die gezeigten jedenfalls vollends vermissen.


Wenig Spiel, viel Tutorial

Den Anfang machte Batman: Arkham VR. Das Spiel beginnt mit meinem getreuen Buttler Alfred, der mir eine kurze Einweisung gibt. Ich als Bruce Wayne sitze am hauseigenen Klavier, auf dem Ein Schlüssel liegt. Ich nehme diesen mit meiner linken Hand auf und stecke ihn in das Klavier, um die Tasten freizugeben.
Ein paar eher unbeholfene Tastenanschläge später öffnet sich unter mir ein geheimer Zugang und meine Reise geht abwärts in die Bathöhle.

Batman: Arkham VR. Cool, aber spielerisch ohne jeglichen Anspruch.
Batman: Arkham VR. Cool, aber spielerisch ohne jeglichen Anspruch.

 

Gebannt bestaune ich die vorbeiflatternden Fledermäuse, schaue mir die Wasserfälle an und begutachte die Umgebung.
Schnell wird klar: Ein solch immersives Erlebnis gab es im Gaming-Bereich noch nie. Mit den beiden Move-Controllern und der Steuerung meines Blickwinkels fühle ich mich wirklich wie in der Haut des dunklen Ritters. Das verstärkt sich nochmals, wenn ich meinen Greifhaken aufheben und zum Test auf einen Angelpunkt schießen muss. Erst wenn ich diesen ordnungsgemäß an meiner Tasche verstaue, geht es weiter.
Darauf folgen Einweisungen für mein Detektivwerkzeug und die Batarangs samt simpler Zielübungen – welche aufgrund extremem Autoaim ihr Ziel gar nicht verfehlen können.  Letztlich schnappe ich mir meinen Batsuit und die Maske, als ich den Boden der Höhle erreiche und die Demo auch schon wieder vorbei ist.


Neue Möglichkeiten… kaum genutzt

Diese Demo zeigt mir meiner Meinung nach exakt zwei Dinge: Erstens bietet VR die Möglichkeit, Spiele in einer derart stimmigen Atmosphäre zu erleben, wie ich es noch nie zuvor konnte. Ich sehe nicht mehr nur den Protagonisten auf dem Bildschirm, ich bin diese Figur.

Allerdings werden mir hier auch die Schwächen von PlayStation VR klar: Sowohl aus technischer Sicht, denn das Bild ist ziemlich unscharf, enorm grobkörnig – ja sogar pixelig und nicht wirklich detailliert. Es erinnert von der Bildqualität her schon fast an die vorangegangene Konsolengeneration. Wer hier die HD-Grafikqualität der PlayStation 4 erwartet, wird enttäuscht sein. Auf Nachfragen bei der sympathischen Dame am Stand wird mir sogar zugesichert, dass PlayStation VR nicht die Bildschärfe und Grafikqualität der PS4 bieten KANN, ja dazu nicht in der Lage ist. Enttäuschend.

Zudem wird klar, dass aktuelle VR-Titel nicht mehr, als simple Grafikdemos sind. Ich kann mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich vorstellen, ein umfangreiches Rollenspiel oder stundenlanges Action-Adventure mit dieser Brille zu spielen. Bei Batman konnte ich mich ja noch nicht einmal von der Stelle bewegen, bei anderen Titeln war die Bewegung zudem sehr hakelig. Mal abwarten, was da die finalen Produkte bieten werden.

Als zweites Spiel wäre dann noch Robinson: The Journey von Crytek zu erwähnen, bei dem sich fast exakt dasselbe Bild zeigt. In diesem Erkundungsspiel auf einem fremden, von Dinosaurier belebten Planeten fällt zunächst einmal auch die unscharfe, sehr grobpixelige Grafik auf. Verwaschene Texturen und pixelige Berge, sowie Dinosaurier geben sich hier die Klinke in die Hand.
Das Spielerlebnis aufgrund von VR ist hingegen wieder gut gelungen: Mit dem PS4-Pad bewaffnete stapfe ich durch eine mir unbekannte Welt. An einem Berg angekommen muss ich an Pilzen eine Wand hinaufklettern. Dabei muss ich selbst nach dem Weg schauen, der Blick nach oben offenbart mir dann den Pfand und mit abwechselndem Druck auf die Trigger greife ich nach dem nächsten Halt. Oben angekommen ziehen kleinere Flugsaurier an mir vorbei, denen ich fasziniert hinterher schaue.

Auch Robinson: The Journey kann technisch nicht überzeugen.
Auch Robinson: The Journey kann technisch nicht überzeugen.

 

Ein riesiger Pflanzenfresser versperrt mir den Weg, neben mir finde ich eine Kiste mit ein paar Gegenständen. Ein paar Versuche später finde ich heraus, dass ich diese Gegenstände auf Früchte werfen muss, die von einem Baum hängen. Das herunterfallende Obst lockt den Dino weg und gibt mir den Weg über die schmalen Äste hinweg frei.
Hier wären wir auch schon wieder beim nächsten Problem angelangt: Die Steuerung funktioniert ausschließlich mit dem Gamepad, die Brille wird nämlich nur dazu genutzt, meinen Kopf beziehungsweise meine Blickrichtung zu justieren. Und die Fußsteuerung ist derart hakelig und unpräzise ausgefallen, dass ich Angst habe, im Sekundentakt den Halt unter den Füßen zu verlieren. Simples Geradeausgehen ist schlicht unmöglich.
Was also bleibt ist dieses atemberaubend neuartige Spielgefühl, bei dem aber aufgrund der durchwachsenen Technik und der ungenauen Steuerung nicht so wirklich – zumindest aber nicht über lange Zeit – Freude aufkommen will.

Fazit:

PlayStation VR wird, nach all dem was ich bisher selbst spielen konnte, meinen enorm hohen Erwartungen absolut nicht gerecht. Klar: Das Spielerlebnis ist unglaublich, so etwas hat man schlicht noch nicht erlebt. Man ist selbst im Mittelpunkt des Spieles und wird Teil einer ganz anderen Welt. So wirklich will dieses Konzept aber noch nicht aufgehen, da man aufgrund der technischen Schwächen einfach nicht wirklich das Gefühl hat, ein Teil einer echten Welt zu sein.
Zudem sind die gezeigten Spiele einfach noch viel zu simpel, um wirklich lange an den Bildschirm zu fesseln, bleibt nur zu hoffen, dass die Zukunft „richtige“ Spiele bereithalten wird. 

In der Form jedenfalls ist PlayStation VR keine ernst zunehmende Konkurrenz für die großen, guten Spiele, wie wir sie kennen.

Tendenz: Mäßig bis gut

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