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Gravel Review

Mit dem Offroad-Rennspiel Gravel wollen die italienischen Entwickler von Milestone das totgeglaubte Genre der Arcade-Rallye-Rennspiele wiederbeleben, welches spätestens seit dem Ende der Motorstorm-Spiele langsam in Vergessenheit gerät. Wir haben uns hinters Steuer der Rennwagen geklemmt und klären in unserem Review, ob das Spielen im Matsch Spaß macht.

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Ach du Heiliger…

Gehört ihr zu denjenigen, denen die im Vorfeld veröffentlichten Trailer zu Gravel gefallen haben? Dann trifft euch bereits das erste Rennen in Milestones Offroad-Rennspiel wie ein Schlag. Auf grafischer Ebene sieht Gravel bestenfalls bescheiden aus. 

Obwohl wir zum testen bereits den knapp vier GB großen Day-One-Patch installiert haben, der unter anderem die Grafik verbessern soll, geben sich hier verwaschene und unscharfe Texturen die Klinke in die Hand. Kein Vergleich mehr zu den äußerst hübschen Gameplayvideos, die die Entwickler im Vorfeld veröffentlicht haben.

Gravel
SO sieht Gravel leider nicht aus. Die Grafik ist eine Katastrophe.

Auch die Fahrzeugmodelle fallen detailarm aus, ganz zu schweigen von den Regen- und Wettereffekten. Zwar läuft der Titel angenehm flüssig und auch einige Lichteffekte, sowie die Pfützen wissen durchaus zu gefallen, aber mit dem im Vorfeld gezeigten Spiel hat das finale Produkt nur wenig zu tun. Stellenweise kommt es sogar vor, dass ganze Umgebungstexturen gar nicht erst geladen werden. Auf eine Namibia-Strecke beispielsweise fahrt ihr lange Zeit in einer pechschwarzen Umgebung. Als ihr euch fragt, ob dies ein dunkles Nachtrennen darstellen soll, poppt die komplette Umgebungsgrafik urplötzlich um euren Boliden herum auf. Da ist man von der Unreal Engine 4 weit besseres gewohnt.

Unklar ist, ob es sich dabei nicht lediglich um einen fatalen Fehler handelt, den die Entwickler mit einem weiteren Update beheben können. Auf unsere Nachfrage bei Milestone gab es jedenfalls leider keine Reaktion.

Sollte dies nicht der Fall sein, habt ihr es hier mit einem Rennspiel zu tun, was in der technischen Qualität auch auf der vorangegangenen Konsolengeneration funktioniert hätte. Doch ungeachtet der bescheidenen Grafik solltet ihr Gravel eine Chance geben, denn spielerisch steht es um den Arcade-Racer schon deutlich besser.


Komm ich jetzt ins Fernsehen? 

Kernstück in Gravel ist natürlich der Karrieremodus, in dem ihr euch als Nobody in der TV-Sendung „Offroad Masters“ einen Namen machen müsst. Dazu absolviert ihr verschiedene Rennen und Meisterschaften, um es am Ende im direkten Duell mit einem der fünf Experten aufzunehmen. 

Die Präsentation der Karriere erinnert ein wenig an die alten DiRT-Titel, erreicht aber nicht ganz den Charme der Codemasters-Rennspiele. Auch der überdrehte Slapstick-Humor der Experten funktioniert nicht vollends, wirken diese doch aufgrund ihrer pseudo-coolen Posten und Sprüche eher lächerlich. Macht aber nix, denn die Karriere von Gravel macht trotzdem eine ganze Menge Spaß.

Gravel
Die TV-Show dient als Hintergrund, eine Story gibt es allerdings nicht.

Um euch Zugang zu den Experten-Duellen zu erarbeiten, müsst ihr abwechslungsreiche Rennen und Meisterschaften abschließen. Mit gerade einmal 20 Events fällt der Umfang jedoch überschaubar aus. Erreicht ihr darin mindestens den dritten Platz, schaltet ihr die nächsten Events frei. Innerhalb der einzelnen Rennen könnt ihr euch zudem bis zu drei Sterne erfahren. Einen Stern gibt es für eine bestimmte Platzierung, einen weiteren für ein gewisses Ziel und den dritten für den Rennsieg. 

Satte 180 Sterne könnt ihr in der Karriere erfahren, mit denen ihr nach und nach im Rang aufsteigt. Für neue Ränge schaltet ihr beispielsweise neue Fahrzeuge und Lackierungen, sowie neue Strecken für die schnellen Rennen frei. Das alles ist nicht neu, funktioniert allerdings hervorragend und fällt erstaunlich motivierend aus. Besonders, da die späteren Fahrzeuge in allen Belangen besser sind, als die Standard-Karossen, die euch Gravel an die Hand gibt. 


Gravel macht wirklich Spaß

Grundsätzlich wird in Gravel in vier Kategorien gefahren. Im Cross Country-Modus erwarten euch spektakuläre Checkpoint-Rennen auf extremen Pisten, während ihr in Wild Rush abwechslungsreiche Rundkursrennen absolviert. Zudem gibt es einen Speed Cross-Modus, der mit engen und kurzen Rundkursrennen für einen Adrenalinrausch sorgt. Abgerundet wird die Auswahl an Disziplinen durch die fetten Stadium Trucks, in denen ihr in vollbesetzten Stadien um den Sieg kämpft.

Keine der Disziplinen ist wirklich neu, Spaß machen sie allerdings trotzdem alle. Das liegt vor allem am gelungenen Streckendesign des Racers, welches enorm abwechslungsreich ausgefallen ist. Die Cross Country-Kurse erinnern dabei ein wenig aus die Querfeldeinrennen, die ihr bereits auf Forza Horzion kennt. Hier rast ihr beispielsweise durch ein traumhaftes Waldgebiet, welches zudem mit mehreren Abkürzungen aufwartet. In Montebianco driftet ihr durch einen eisigen Schneesturm, währen die Stadium Truck-Pisten entsprechend kurz ausfallen, euch dafür aber teilweise die Wahl zwischen alternativen Routen bieten. 

Alle Disziplinen in Gravel spielen sich enorm variantenreich und werden zudem noch durch Eliminator-, Smash- oder Zeitrenn-Modi ergänzt, die für spielerische Abwechslung sorgen. Zudem kann sich die Auswahl an Pisten absolut sehen lassen: Insgesamt 16 Umgebungen mit 51 Streckenvarianten haben es in das Spiel geschafft.

Gravel
Die Auswahl an Pisten in Gravel kann überzeugen.

Auch der vollständig lizenzierte Fuhrpark weiß zu gefallen und bietet mit dem fetten 500-PS-Astra, Hummer, Ford Truck oder dem ikonischen Subaru Impreza von Rallye-Legende Colin McRae für jeden Geschmack den richtigen fahrbaren Untersatz.

Besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden agieren die KI-Fahrer mitunter ziemlich aggressiv und scheuen nicht davor zurück, euch eiskalt in die Bande zu befördern. Das kann mitunter zu einigen Frustmomenten führen. Glücklicherweise gibt euch Gravel eine Rückspulfunktion an die Hand, um Fahrfehler wieder auszubügeln.


Springen, driften, tunen

Gravel belohnt euch darüber hinaus für besondere Fahrmanöver. Alle Kurse warten mit zahlreichen Sprüngen oder engen Haarnadelkurven auf. Für Sprünge, Drifts oder besonders schnelles Fahren sammelt ihr Stil-Punkte, die ihr sogar gekonnt zu fetten Kombos verknüpft. Mithilfe dieser Punkte schaltet ihr im Laufe des Spiels weitere neue Inhalte frei. In welchem Spielmodus ihr die Punkte sammelt ist dabei egal, da diese allesamt eurem Fahrerprofil gutgeschrieben werden.

Mit seinem arcadelastigen Spielprinzip richtet sich der Racer vor allem an die Spieler, die schnellen und unkomplizierten Spielspaß suchen. Dank der zugänglichen Steuerung  werden auch blutige Anfänger eine Menge Spaß mit dem Spiel haben. Auch das Fahrverhalten der Rennkisten fällt eher simpel aus, trotzdem steuern sich die Boliden der verschiedenen Klassen erstaunlich unterschiedlich. Während die allradbetriebenen Rallye-Rennwagen fast schon auf der Strecke kleben, benötigen die deutlich giftigeren Rallycross-Fahrzeuge schon mehr Eingewöhnungszeit. Das enorme Gewicht der fetten Stadium Trucks ist ebenfalls spürbar und bis ihr diese PS-Monster beherrscht, gehen einige Runden ins Land.

Leider wirken sich die verschiedenen Fahrbahnbeläge zu wenig auf die Lenkung aus. Der Unterschied zwischen Asphalt und Eis ist zumindest kaum spürbar. Trotzdem werden auch Profis mit Gravel gut bedient. Immerhin dürft ihr eigene Setups erstellen und nahezu jede Schraube der Karossen nach eurem Gusto anpassen. Die Auswirkungen des richtigen Setups fallen aber deutlich geringer aus, als bei den realistischeren Kollegen wie beispielsweise DiRT 4. Natürlich bietet Gravel auch ein umfangreiches Schadensmodell, welches sich auf Wunsch auch auf die Lenkung und Leistung auswirkt. Allerdings braucht es wirklich einiges, um eure Karre derart zu schrotten.

Gravel
Alle Fahrzeugklassen steuern sich sehr unterschiedlich. Das macht Spaß.

Neben dem Karrieremodus bietet das Rennspiel zudem die Option schneller Rennen, sowie einen Zeitfahrmodus, um gegen Spieler auf der ganzen Welt auf Bestzeitjagd zu gehen. Besonderes Highlight des Rennspiels ist aber vor allem der gelungene Onlinemodus, an dem maximal acht Spieler teilnehmen können. Hier dürft ihr euch sogar als Gruppe vermitteln lassen, um an den verschiedenen Rennvarianten oder spaßigen Teamspielen wie Capture the Flag oder King of the Hill teilnehmen zu können. Zu unserem Testzeitpunkt tummelten sich nur wenige Spieler auf den Servern, allerdings klappte die Spielvermittlung einwandfrei und auch Ruckler oder Slowdowns konnten wir nicht feststellen. Gerade im Multiplayer macht Gravel besonders viel Spaß und punktet mit seinen kurzweiligen und actionreichen Rennen. Natürlich dürft ihr auch selbst eine Lobby erstellen und könnt zahlreiche Einstellungen vornehmen.


Technisch nur Durchschnitt

Wie bereits eingangs erwähnt, kann Gravel aus grafischer Sicht nicht überzeugen. Da helfen die schicken Lichteffekte und die flüssige Grafik mit 30 fps leider nur wenig. Hässliche Popups und unschönes Kantenflimmern tun in den Augen weh. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler diese Probleme irgendwie noch in den Griff bekommen können. 

Gravel
Die Lichteffekte sind auf grafischer Ebene so ziemlich das einzige Highlight.

Um die Vertonung steht es da schon deutlich besser, wenngleich diese ebenfalls keinen Preis gewinnen wird. Die Motorengeräusche liegen auf ordentlichem Niveau, erreichen jedoch nicht die Qualität der Konkurrenz. Besser gefällt da schon der coole und rockige Soundtrack, der die Menüs und das Renngeschehen hervorragend untermalt. Weniger gelungen sind dafür aber die pseudo-coolen Sprüche des Ansagers, die relativ schnell nerven. Wirklich ins Gewicht fallen diese jedoch nicht. 


Fazit:

Zugegeben: Wirklich Spielspaß-Granaten haben uns die italienischen Entwickler von Milestone bisher noch nie geliefert. Gravel hingegen ist das bislang beste Spiel der Entwickler, wenn man einmal von der durchwachsenen Grafik absieht. 

Spielerisch hält der Racer zumindest all das, was er verspricht. So bietet Gravel unkomplizierten und adrenalingeladenen Offroad-Spaß, wie ich ihn seit einigen Jahren nicht mehr gesehen habe. Die abwechslungsreichen Rennmodi wissen jedenfalls zu gefallen. Zumal die Karriere mit zahlreichen freischaltbaren Meisterschaften und Fahrzeugen bei Laune hält. Auch das Streckendesign weiß zu gefallen: Die Kurse sind erstaunlich abwechslungsreich und warten mit zahlreichen Abkürzungen und interessanten Elementen auf.

Der rockige Soundtrack gefällt mir ausgesprochen gut und auch die lizenzierten Fahrzeuge können überzeugen. Zudem bietet das Fahrverhalten eine ausgewogene Mischung, um sowohl Anfänger, als auch Profis anzusprechen. Im motivierenden Karrieremodus ergeben sich zahllose erbitterte Rennen mit den bissigen KI-Fahrern und auch der Online-Modus gegen echte Gegner macht Laune. Wäre da nur nicht die Grafik. Auch einige Stunden nach meinem ersten Rennen bin ich schockiert über die technische Präsentation.

Wer darüber hinweg sehen kann, erhält mit Gravel jedoch einen wirklich guten Arcade-Offroad-Racer, der tatsächlich eine Menge Spaß macht, sofern man sich darauf einlässt.


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