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Testbericht: FIFA 17 – Routinierter Fußballtraum

Das alljährliche Fußball-Duell geht mit FIFA 17 in die nächste Runde. Nachdem die Konkurrenz aus dem Hause Konami schon einmal ordentlich vorgelegt hat, ist EA nun im Zugzwang. Mit einer neuen Grafik-Engine und dem Story-Modus „The Journey“ bietet der neueste Ableger der Sportspiele-Reihe zumindest auf dem Papier einige interessante Features. Doch die Wahrheit liegt, wie so oft, auf dem Platz.


Der Umfang kann sich sehen lassen

Was den Umfang betrifft, gibt sich FIFA 17 auch in diesem Jahr gewohnt optionsreich. Neben den obligatorischen Wettbewerben und schnellen Spielen ist natürlich auch das beliebte Ultimate Team wieder mit von der Partie. Der Modus sollte aus den Vorgängern hinlänglich bekannt sein und weist keine nennenswerten Neuerungen auf. Motivierend ist die Karten-Sammelei auf der Suche nach seinen Lieblingsspielern aber allemal und entfaltet schon nach kurzer Zeit das gewohnte Suchtpotential.

FIFA 17 besticht durch echtes Stadion-Feeling und eine hervorragende Atmosphäre
FIFA 17 besticht durch echtes Stadion-Feeling und eine hervorragende Atmosphäre

Auch im Mehrspielermodus bietet FIFA 17 ausschließlich Bekanntes. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein. Immerhin hat man mit dem Pro-Clubs-Modus den genreübergreifend besten kooperativen Multiplayerpart wieder mit an Bord. Bis zu 22 menschliche Spieler treten hier gegeneinander an. Dank hervorragendem Netzcode und gelungenem Matchmaking-System motiviert der Modus auch in diesem Jahr wieder vollends.

Darüber hinaus schnürt EA für das Sportspiel ein unvergleichliches Lizenzpaket, welches die Konkurrenz absolut alt aussehen lässt. Über 650 Mannschaften aus insgesamt 30 Ligen finden sich im Spiel wieder. Darunter natürlich die komplette erste und zweite Fußball-Bundesliga.

Das Lizenzpaket und der Umfang sind über alle Zweifel erhaben
Das Lizenzpaket und der Umfang sind über alle Zweifel erhaben

Ein Wert, der sich absolut sehen lassen kann, auch wenn gerade im Mehrspielermodus vermutlich nur die üblichen Verdächtigen aus Deutschland, England, Spanien und Italien gegeneinander antreten werden.
Wie üblich sind die Kader dabei natürlich auf dem neuesten Stand und werden in regelmäßigen Abständen aktualisiert.


FIFA 17 – Story-Modus bringt frischen Wind

Wichtigste Neuerung in FIFA 17 ist ohne Frage der Story-Modus „The Journey“. Wirklich neu ist das Ganze allerdings auch nicht. Immerhin bietet 2K Games mit der NBA 2k-Reihe bereits seit Jahren einen ganz ähnlichen Ansatz. Und als das Aushängeschild, welches die Kampagne eigentlich sein soll, scheitert der Be-A-Pro-Nachfolger fast schon kläglich.

The Journey ist leider nicht viel mehr als nettes Beiwerk
The Journey ist leider nicht viel mehr als nettes Beiwerk

In diesem Modus verfolgen wir den Werdegang des 17-jährigen Talentes Alex Hunter, der sich im Verlauf der wahnsinnig klischeebeladenen Geschichte vom Nobody zum Weltstar hocharbeiten muss. Während die Korbwurf-Konkurrenz dabei auf den eigens dafür erstellten Profi setzt, greift FIFA 17 ausschließlich auf den vorgegebenen, englischen Spieler zurück.

Der Vorteil liegt natürlich darin dass der Titel dem Spieler so deutlich besser eine Identität und eben auch eine eigene Stimme verleihen kann. Der Nachteil auf der anderen Seite allerdings, dass sich „The Journey“ ausschließlich auf die englische Premiere League konzentriert. Hunter kann im Verlauf der Story also nicht für ein Team seiner Wahl auflaufen – sehr schade.

Unterhaltsam ist die Geschichte um den jungen Akteur und seinen Kumpel Gaz dabei allemal, trägt aber an einigen Punkten einfach viel zu dick auf und driftet dabei in kitschige Klischees ab, die man so oder so ähnlich bereits unzählige Male in anderen medialen Beiträgen rund um das Thema Sport gesehen hat.


Viel mehr ein Be-A-Pro 2.0

Grundsätzlich spielt sich das Ganze wie der Vorgängermodus Be-A-Pro. Ihr startet mit einer 6.0er Wertung und müsst diese im Verlauf einer jeden Partie durch gelungene Aktionen steigern, um Trainer und Vorstand zufriedenzustellen.

Alex Hunter läuft ausschließlich in England auf. Das findet selbst Wayne Rooney doof.
Alex Hunter läuft ausschließlich in England auf. Das findet selbst Wayne Rooney doof.

So absolviert man in „The Journey“ zumeist Spiel um Spiel, bis dann irgendwann die nächste Zwischensequenz folgt. Dort versucht Hunter seinen ehemaligen Jugendtrainer von sich zu überzeugen, präsentiert seiner Familie stolz seine ersten Erfolge oder debattiert mit dem Trainer über die vorangegangene Auswechslung.

Das alles ist zwar durchaus nett inszeniert und erlaubt eine deutlich bessere Identifikation mit dem eigenen Spieler. Letztlich ist es aber nicht viel mehr als nettes Beiwerk, welches vermutlich nicht so viel Beachtung finden wird, wie sich EA das erhofft hat. Immerhin sorgen nette Trainingsübungen dafür, dass man die eigenen spielerischen Künste in FIFA 17 verbessern kann.


Spielerische Stagnation

Wie heißt es so schön: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Und genau dieser Punkt ist es, bei dem die japanische Konkurrenz FIFA 17 im Eiltempo überholt.

Allerdings darf man dies nun nicht falsch verstehen. FIFA 17 ist noch immer ein sehr gutes Sportspiel. Allerdings bietet der neueste Serienteil nicht einmal ansatzweise die taktische Tiefe eines Pro Evolution Soccer 2017.

FIFA 17: Neue Engine und Story-Modus.
FIFA 17: Neue Engine und Story-Modus.

Denn während dort auch nach Einhundert Partien immer wieder neue Spielzüge entstehen und man neue Animationen erblickt, stellt man bei FIFA 17 sehr schnell fest, dass die immergleichen Situationen zum Erfolg führen. Auch das Flügelspiel ist erstaunlicherweise eher verschlechtert worden.

Flanken führen trotz schneller Außenstürmer nur noch ganz selten zum Torerfolg. Daher greift man schon nach kurzer Zeit auf Angriffe aus der Spielmitte zurück. Und diese ähneln sich dann oft wie ein Ei dem anderen.

FIFA 17 ist, wie auch schon die Vorgänger, einfach viel zu berechenbar. Das Tempo der eigenen Stürmer ist abermals das wichtigste Kriterium. So lässt sich dann ganz locker auch das härteste Abwehrbollwerk aushebeln. Dann der typische Querschritt, angeschnittener Schuss und Tor. Das kennt man in der Form bereits seit Jahren und funktioniert auch in diesem Ableger immer wieder hervorragend.


FIFA 17 mit etwas Licht und viel Schatten im Gameplay

Positiv fällt auf, dass die neuen Optionen für Ecken und Freistöße hervorragend umgesetzt wurden. So ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, die Standards weitaus gefährlicher machen als in den Vorgängern. An die neue Steuerung muss man sich allerdings erstmal gewöhnen. Allerdings funktioniert diese – wie auch im gesamten Spiel – hervorragend.

Die künstliche Intelligenz der Spieler wurde in FIFA 17 allerdings eher verschlimmbessert und ist der Konkurrenz meilenweit unterlegen. Zwar decken die Akteure freie Räume nun weitaus besser ab, gerade in der Offensive laufen eure Mitspieler allerdings viel zu selten mit. Wodurch natürlich einige Konter schlicht im Sande verlaufen.

Spielerisch stagniert die Serie seit Jahren
Spielerisch stagniert die Serie seit Jahren

Trotz aktivem Pressing arbeitet die Abwehr darüber hinaus oftmals viel zu passiv und attackiert den Ballführenden viel zu spät.

Zumal dann auch noch die Torhüter immer wieder dazu neigen, sichere Bälle einfach wegzufausten. Außerdem agieren die Keeper teilweise sehr mysteriös und lassen die einfachsten Kullerbälle passieren. Zumeist agieren diese allerdings auf einem ordentlichen Niveau.

Nicht zuletzt dank gelungener Ballphysik, starker Zweikämpfe und dem neuen Grafikgewand ist FIFA 17 allerdings auch in diesem Jahr ein sehr gutes Sportspiel geworden.


Die Präsentation gefällt

Obwohl durch die neue Frostbite-Grafik-Engine nur wenige spürbare Verbesserungen erzielt werden, hinterlässt FIFA 17 aus technischer Sicht einen sehr guten Eindruck.

Gerade der Rasen kommt detaillierter daher, als je zuvor. Zudem nutzt er sich im Verlaufe der Partien realistisch ab. Auch die neuen Wetter- und Lichteffekte sind dynamischer und hübscher ausgefallen.

Selbst abseits des eigentlichen Spielgeschehens hat sich einiges getan: Die Zuschauer sehen nun nicht mehr aus wie Pappfiguren. Dank hervorragender Fangesänge und einer stimmigen Präsentation kommt echtes Stadion-Feeling auf.

Dafür haben die Spielermodelle allerdings mit dem engine-typischen Plastiklook zu kämpfen. Die Akteure glänzen viel zu stark und sehen aufgrund starrer Mimik nicht wirklich realistisch aus.

Die Spieler sehen nicht wirklich realistisch aus. Ansonsten leistet die neue Engine aber gute Arbeit
Die Spieler sehen nicht wirklich realistisch aus. Ansonsten leistet die neue Engine aber gute Arbeit

Obwohl die bekanntesten Namen des Weltfußballs einen sehr hohen Wiedererkennungswert bieten, erreicht die Qualität der Gesichert nicht einmal ansatzweise die der Konkurrenz.

FIFA 17 klingt allerdings schlichtweg fantastisch. Ob es die Ausrufe der Spieler, die Soundeffekte auf dem Platz oder der abwechslungsreiche Soundtrack sind. Lediglich die Kommentatoren Frank Buschmann und Wolff-Christoph Fuss sind auf einem gewohnt mäßigen Niveau unterwegs. Wenngleich eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger spürbar ist.

Zudem punktet FIFA 17 durch eine weitaus ansprechendere Präsentation der Menüs und versorgt Fußballfans mit mehr oder weniger interessanten Informationen rund um die Welt des Sports. Der Titel bietet also für Fans das weitaus bessere Gesamtpaket.


Fazit:

awardFür sich betrachtet ist FIFA 17 in diesem Jahr erneut ein sehr gutes Fußballspiel
geworden. Nicht zuletzt dank der gelungenen Technik, dem fetten Lizenzpaket und der ansprechenden Präsentation schnürt EA Sports dem sportbegeisterten Spieler auch in diesem Jahr wieder das komplettere Gesamtpaket.

Obwohl der Storymodus frischen Wind in den Sport bringt, ist „The Journey“ leider nicht viel mehr als eine nette Dreingabe. Die Geschichte kommt leider viel zu eindimensional und klischeehaft daher. Zudem fehlt die Möglichkeit, Hunter in anderen Ligen auflaufen zu lassen.
Spielerisch herrscht allerdings bereits seit Jahren Stagnation. FIFA 17 bietet keine nennenswerten Neuerungen und das Gameplay wiederholt sich noch immer viel zu oft.

Wagt man den Blick auf die Konkurrenz, werden gerade aus spielerischer Sicht eklatante Schwächen spürbar. Gerade was die taktische Tiefe und die abwechslungsreicheren Spielzüge, aber auch die Unberechenbarkeit angeht.

Trotzdem gilt, dass FIFA 17 aufgrund der Lizenzen und der starken Spielmodi für die meisten Fußballfans vermutlich das interessantere Spiel darstellen dürfte, bei dem Fans problemlos zugreifen dürfen.


Vielen Dank an EA für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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