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Assassins Creed Origins Review

Andächtig lasse ich den Blick von der Spitze der beeindruckenden Cheops-Pyramide über die Landschaft schweifen. Während sich über der Wüste ein bedrohlicher Sandsturm zusammenbraut, scheint die Sonne hell über den belebten Straßen Gizehs. Eine Patrouille reitet durch das sandige Meer, Hyänen machen Jagd auf ihre ahnungslose Beute. Zeit, inne zu halten und die Landschaft auf mich wirken zu lassen. Assassins Creed Origins sieht stellenweise schlicht unglaublich aus und ist nach einigen schwachen Ablegern tatsächlich der herausragende Neuanfang geworden, den sich Ubisoft für das Spiel vorgestellt hatte.

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Assassins Creed Origins – Eine neue Ära

Assassins Creed Origins erzählt die packende Geschichte des Kriegers Bayek, dem letzten Medjai Ägyptens. Aus Spoilergründen wollen wir die Story allerdings nur grob anreißen. Bayek wird Zeuge einer Tragödie, die sein Leben in seinen Grundfesten erschüttern sollte. Doch der junge Krieger schwört Rache und macht sich zusammen mit seiner Frau Aya auf, die Schuldigen zur Strecke zu bringen.

Was als simpler Rachefeldzug beginnt, nimmt spätestens nach dem ersten Aufeinandertreffen mit Kleopatra gehörig Fahrt auf, nachdem die letzte Königin des ägyptischen Ptolemäerreichs dem Fall ihrer großen Nation durch ihren Bruder Ptolemaios XIII. entgegensteht. Zusammen mit Aya und Bayek, sowie der Hilfe von Julius Caesar, gilt es, dies zu verhindern. 

Assassins Creed Origins
Assassins Creed Origins ist ein Neuanfang für die Serie, der sich gewaschen hat!

Das mag zunächst einmal wenig eindrucksvoll klingen und doch ist es Ubisoft gelungen, eine packende und emotionale Geschichte um die historischen Ereignisse zu spinnen. Gerade der tragische Prolog übertrifft dabei mit Leichtigkeit alles, was die Serie bislang hervorgebracht hat. 

Ja, ein Assassin’s Creed kann tatsächlich eine richtig spannende Geschichte erzählen. Das ist nur einer der Gründe, warum Assassins Creed Origins einer der besten Ableger seit Jahren geworden ist. Nach dem durchwachsenen Black Flag und dem verkorksten Unity konnte Ubisoft zwar mit Syndicate wieder an alte Stärken anknüpfen, doch was das Team mit dem neuesten Teil abliefert, spielt in einer ganz anderen Liga.


Packende Missionen

Das beginnt bereits bei den herausragend inszenierten und abwechslungsreichen Hauptmissionen. Grundsätzlich besteht das Ziel dieser zwar erneut darin, hochrangige Ziele auszuschalten (Klar, ihr seid ja immer noch Assassinen), doch der Weg dahin fällt erstaunlich variantenreich aus. Eines der Ziele befindet sich beispielsweise in einem Badehaus. Lediglich mit einem Handtuch und der versteckten Klinge bewaffnet liegt es an euch, diese Person an den Gott der Toten Anubis zu übergeben.

Wie ihr das bewerkstelligt, ist dabei allerdings ganz alleine euch überlassen – Möglichkeiten gibt es einige. Beispielsweise könntet ihr ihn ganz einfach mit euren Fäusten ausschalten. Oder ihr klettert eine Etage über euer Opfer und tötet es mit einem Luftattentat. Oder… ihr stellt das Ganze deutlich klüger an. Wie das geht? Das wollen wir an dieser Stelle nicht verraten.

Assassins Creed Origins
Die Hauptmissionen kommen enorm abwechslungsreich daher.

Leider wollen da die langweiligen und eintönigen Gegenwarts-Abschnitte nicht so ganz hineinpassen, auf die Ubisoft gerne hätte verzichten können. 


Assassin’s Creed Skyrim

Assassins Creed Origins versteht sich als Neuanfang für die Serie. Dementsprechend viele neue und kluge Ideen sind in das Gameplay des Titels eingeflossen. Einer der größten Kritikpunkte an den Open-World-Spielen der Entwickler war die sogenannte „Ubisoft-Formel“. Eine Karte, randvoll mit Sammelgegenständen, unzählige langweilige Sammelaufgaben und Missionen, die neue Gebiete freischalteten – All das gibt es in Assassins Creed Origins nicht mehr oder zumindest nicht in der Form.

Vielmehr kommt der neueste Teil dem erstaunlich nahe, was man sich unter einer offenen Welt vorstellt. Die riesige Karte Ägyptens ist zwar noch immer in einzelne Bereiche unterteilt, welche ihr allerdings zu jedem Zeitpunkt bereisen dürft. Dass das mitunter aber nur wenig Sinn macht liegt daran, dass die Gebiete in Level unterteilt sind, die die Stärke der Gegner anzeigen. Dass ihr mit Level 5 nicht in ein Stufe-40-Gebiet reisen solltet, dürfte klar sein. Sonst hauen euch selbst die einfachsten Gegner mit einem Schlag aus den Latschen.

Assassins Creed Origins
Die Welt ist der Held: So muss eine Open World aussehen!

Bei eurer Reise durch die Welt zeigt ein Balken am oberen Bildschirmrand interessante Punkte als Fragezeichen an, welches aufgedeckt wird, sobald ihr euch dem Gebiet nähert. Und ja, das klingt nicht nur genau wie in Skyrim, es fühlt sich auch genauso an. Ist das jetzt etwas Schlechtes? Mit Nichten! Besonders da das Ägypten in Assassins Creed Origins unglaublich lebendig wirkt. Selbst in den entlegensten Winkeln der Welt stoßt ihr immer wieder auf interessante Orte.

Mal findet ihr Schätze, mal stoßt ihr auf ein Rebellenlager und mal müsst ihr eine Löwenhöhle leerräumen. Müsst? Nein vielmehr könnt, denn all diese Nebenmissionen sind rein optional. Vor allem die drei oben genannten Aktivitäten wiederholen sich dabei allerdings recht häufig. Stoßt ihr auf ein Fragezeichen, habt ihr es zu 80 % mit einer dieser drei Aktivitäten zu tun. Hier wären ein paar mehr Aufgaben wünschenswert gewesen. 


Endlich sinnvolle Nebenaufgaben

Weitaus spannender sind da schon die Grabmäler, in denen ihr euch auf die Suche nach antiken Schrifttafeln macht. Oder die Papyrusrätsel, welche euch auf die Reise nach einem mächtigen Artefakt schicken – zumindest sofern ihr die teilweise knackigen Rätsel lösen könnt.

Ach und dann wären ja da noch die unzähligen Nebenmissionen, welche teilweise sogar so abwechslungsreich und gut gestaltet sind, dass sie sogar manch anderes Spiel in den Schatten stellen. Natürlich gibt es die üblichen „Befreie Typ Bla aus Festung X-“ oder „Jage 3x Tier Muh, 3x Tier Buh und 2x Tier Bäh-„Missionen, allerdings erzähle manche der Aufgaben eine wirklich spannende, eigenständige Kurzgeschichte. 

Assassins Creed Origins
Überall stoßt ihr auf spannend und gut gemachte Nebenaufgaben und Geheimnisse.

So oder so: Die Welt von Assassins Creed Origins ist unglaublich lebendig ausgefallen und das, ohne dabei jemals repetitiv oder langweilig zu werden. Ständig stoßt ihr auf neue, packende Aufgaben oder könnt einfach die wunderschöne Welt auf euch wirken lassen. Die Qualität der offenen Welt setzt zumindest neue Maßstäbe und muss sich selbst hinter der eines Skyrim nicht verstecken.


Noch mehr Rollenspiel

Das sind bereits genug Neuerungen, damit Assassins Creed Origins seine Vorgänger überflügelt. Doch Ubisoft reichte das scheinbar noch nicht. Auch das Kampf- und Inventarsystem wurde grundlegend überarbeitet. Immerhin dürft ihr Bayek nun vollständig ausrüsten. Bis zu zwei Nah- und zwei Fernkampfwaffen weist ihr dem Protagonisten zu. Hinzu gesellen sich Schilde, Reittiere und Monturen.

Assassins Creed Origins gelingt der Sprung hin zum Rollenspiel dabei hervorragend. Neue Ausrüstung erbeutet ihr von getöteten Gegnern oder kauft diese auf dem Markt. Besonders gute Gegenstände findet ihr aber vor allem in geheimen Bereichen der Welt. Dabei sind Waffen und Rüstungen in verschiedene Qualitätsstufen unterteilt. Besonders die legendären Items mit goldener Farbe warten dabei immer mit einigen interessanten Zustatzeffekten auf und lassen Gegner beispielsweise bei einem Treffer bluten oder heilen euch für erledigte Feinde. 

Besonders cool: Wird eure liebgewonnene Waffe langsam zu schwach, weil ihr einige Levelaufstiege hinter euch habt, dürft ihr diese beim Schmied aufwerten lassen, um ihren Schaden und ihre Werte zu erhöhen. Für jede neue Stufe erhaltet ihr zudem einen Fähigkeitspunkt, welchen ihr in neue Talente investieren dürft. Diese sind in drei abwechslungsreiche Bäume unterteilt, die eure Nahkampffähigkeiten verbessern, euch neue Möglichkeiten mit Pfeil und Bogen bieten oder euch sogar wilde Tiere zähmen lassen. So ergeben sich mitunter komplett andere Spielweisen und ganz neue Möglichkeiten.

Assassins Creed Origins
Oh oh, der Sandsturm droht Gizeh zu verschlingen.

Auch das Kampfsystem wurde in Assassins Creed Origins komplett überarbeitet und fällt deutlich komplexer aus, als noch in den Vorgängern. Besonders gegen stark gepanzerte Gegner ist das Blocken zum Beispiel unabdingbar. Via Tastendruck visiert ihr einen Feind an und attackiert diesen mit leichten und schweren Angriffen. Ihr weicht den Angriffen aus und landet kritische Treffer im Rücken eures Widersachers. Eine Parade zur rechten Zeit lässt euren Kontrahenten zudem straucheln, was euch einige schnelle Treffer ermöglicht.

Obwohl die Zielerfassung gerade beim Kampf gegen mehrere Feinde etwas zu hakelig agiert, machen die Kämpfe eine Menge Spaß. Besonders, wenn ihr es mit mehreren Gegnertypen zu tun bekommt, die allesamt ihre eigene Taktik voraussetzen. Das neue Kampfsystem ist eine enorme Bereicherung für das Spiel und sorgt dafür, dass die Auseinandersetzungen mit euren Feinden endlich nicht mehr nur ein notwendiges Übel sind. 


Eine unvergleichliche Reise

Bei all der überschwänglichen Freude gibt es aber auch Anlass zur Kritik. Assassins Creed Origins entfernt sich zumindest von seinen Wurzeln, weil das Schleichen fast gar nicht mehr notwendig ist. Natürlich dürft ihr eine feindliche Basis noch immer durch geheime Eingänge infiltrieren und die Gegner durch Pfeifen anlocken, um sie lautlos über den Jordan zu schicken, allerdings sind die offenen Konflikte (selbst gegen mehrere Gegner) genauso effektiv.

Außerdem hat Ubisoft das Parkours-Gameplay weitestgehend zurückgeschraubt, was vielleicht auch ein wenig der offenen Wüstenlandschaft geschuldet ist. Zwar dürft ihr noch immer an Mauern, Türmen oder Bäumen hinaufklettern, doch die meiste Zeit werdet ihr auf den Wegen und Straßen verbringen. Trotzdem funktioniert die Kletterei sehr gut, auch wenn Bayek manchmal einfach nicht da hin springen will, wo ihr ihn haben wollt. 

Assassins Creed Origins
Auch auf dem Wasser drohen Gefahren – Mit Krokodilen ist nicht zu spaßen.

Immer an eurer Seite ist übrigens die Adlerdame Senu, mit der ihr über ein Gebiet fliegen und Gegner oder interessante Punkte markieren dürft. Habt ihr Senus Fähigkeiten verbessert, dürft ihr sie sogar auf einen Feind jagen, um ihn zu betäuben. 

Hinzu kommt, dass Assassins Creed Origins schlichtweg atemberaubend aussieht. Die Welt kommt wahnsinnig abwechslungsreich daher und wartet mit wunderschönen Effekten und einem fliegenden Tag- und Nachtwechsel auf. Letzterer hat aber auch einen spielerischen Nutzen. Infiltriert ihr bei Nacht eine Basis, werden euch weniger Wachen im Weg stehen.

Doch zurück zur Grafik: Was Ubisoft hier abfeuert, ist schlichtweg unglaublich. Während meines Spieldurchgangs musste ich unzählige Male innehalten und die Umgebung und Lichtstimmung auf mich einwirken lassen. Ich erinnere mich, wie ich einmal mit einem Boot auf dem Nil tuckerte und im Schein des Mondes ein paar Nilpferde beim vergnügten Baden beobachtete. 

Assassins Creed Origins
Technisch ist der Titel trotz einiger Fehler über jeden Zweifel erhaben.

Oder wie die Sonne vor der Metropole Memphis das Wasser zum Leuchten brachte, während im Hintergrund ein gewaltiger Sandsturm wütete. Kurzum: Assassins Creed Origins sieht schlichtweg bombastisch aus. Allerdings kommt es vor allem in größeren Städten mitunter zu nervigen Einbrüchen der Framerate. Auch ein paar Clippingfehler und hakelige Animationen müsst ihr in Kauf nehmen, doch für eine derart lebendige und abwechslungsreiche Welt lässt sich das allemal verschmerzen.

Auch die Vertonung überzeugt auf ganzer Linie. Habt ihr erst einmal das deutsche Sprachpaket heruntergeladen, erwarten euch erstklassige Sprecher, wenngleich sich einige Sprüche der Bewohner Ägyptens schnell wiederholen. Doch der Soundtrack auf der anderen Seite ist über jeden Zweifel erhaben und fängt die Atmosphäre der Zeit hervorragend ein.


Fazit:

AwardChapeu, Ubisoft! Ich bin seit dem Erstling ein großer Fan der Serie, doch selbst bei mir setzte nach dem letzten Ableger Ernüchterung ein. Doch was die Entwickler mit Assassins Creed Origins abliefern ist schlichtweg meisterhaft. Ich hätte niemals gedacht, dass das Team die vollmundigen Versprechungen im Vorfeld auch nur halbwegs erfüllen könnten. Doch dass man diese sogar noch übertroffen hat, grenzt an eine Meisterleistung.

Assassins Creed Origins bringt mit seinem überarbeiteten Kampfsystem und den neuen Rollenspiel-Elementen frischen Wind in die Serie und stellt eine echte Evolution dar. Jeder noch so kleine Winkel Ägyptens wartet mit spannenden Überraschungen auf. Zudem kann die Handlung auf ganzer Linie überzeugen und mich sogar emotional berühren. Und das alles ohne die typische Ubisoft-Formel. Ob ich nun einfach mal ein paar Tiere jage, um meine Ausrüstung zu verbessern, einen Schatz suche oder in der Wüste auf Fototour gehe – ich habe keine einzige Minute bereut. Selbst die Nebenmissionen sind nicht nur langweilige Lieferanten für Erfahrungspunkte, sondern fesseln mitunter mit einer packenden Kurzgeschichte. 

Trotz einiger weniger Fehler und Problemchen zeigt Ubisoft mit Assassins Creed Origins eindrucksvoll, wie ein Open-World-Spiel auszusehen hat und ist einer der Besten, wenn nicht sogar der Beste Teil der Reihe und ein Anwärter auf das Spiel des Jahres 2017. Weiter so!


 

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