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Warum ich mich auf der Xbox One einfach nicht wohl fühle

Da steht er also, der riesige, schwarze Kasten aus Redmond, Washington mit dem leuchtenden X auf der rechten Seite. Ganze dreizehn Jahre nach dem revolutionären Einstieg von Microsoft in den Konsolenmarkt mit der Xbox und der Xbox 360, welche in meinen Augen zu den drei besten Konsolen gehört, die je gebaut wurden, geht den Konsolen des Software-Riesen in der dritten Generation so langsam die Puste aus. Ich fühle mich unwohl und kann meine Ausflüge in fremde Welten nicht so wirklich genießen und will einmal versuchen, das zu erklären.

Ich habe beide Konsolen Zuhause, aber nur eine davon gefällt mir wirklich. Und das Ergebnis ist erstaunlich
Ich habe beide Konsolen Zuhause, aber nur eine davon gefällt mir wirklich. Und das Ergebnis ist erstaunlich

Achtung: Es handelt sich hierbei lediglich um meine komplett subjektive Meinung!

Doch klären wir zunächst einmal die Ausgangssituation: Ich würde mich selbst, beziehungsweise hätte mich noch bis vor einem Jahr als absoluten Xbox-Fanboy bezeichnet. Als Spieler, der sich im November 2002 die „neue Generation Videospiele“ für ganze € 479, sowie quasi alle Launchtitel die damals angeboten wurden nach Hause geholt hat, den Onlineservice Xbox Live seit seinen Anfängen für sich entdeckte und den Onlinewelten absolut verfallen ist.

Xbox Live hat  das Onlinespielen auf Konsolen salonfähig gemacht
Xbox Live hat das Onlinespielen auf Konsolen salonfähig gemacht

Zum wirklichen Fanboy entwickelte ich mich allerdings eher wegen (oder sollte ich sagen: dank) der Xbox 360, welche in meinen Augen zu den besten Konsolen aller Zeiten gehört. Definitiv ist es aber das System, auf dem ich mit weitem Abstand am meisten gespielt habe – auch das ist größtenteils dem hervorragenden Onlineservice Xbox Live geschuldet. In einer Zeit, in der ich mich vermehrt mit dem Online-Mehrspielermodus und dem eSport auseinandergesetzt habe, wurde die Xbox 360 zum Aushängeschild meiner sozialen Interaktionen im Bereich der Videospiele.

Dreh- und Angelpunkt war das hervorragende, übersichtliche und enorm flüssige, wie auch stabile Dashboard der Konsole. Im Verlaufe der Konsolengeneration erfuhr das Hauptmenü bekannterweise unzählige Änderungen und Designverbesserungen, die letztlich im übersichtlichsten Menü gipfelten, welches die Konsolenwelt bisher gesehen hatte. Besonders die Zusatzfunktionen wie der Partychat, die eigene Spielerkarte und natürlich die Erfolge waren seinerzeit einzigartig. Gerade letztere haben in meinen Augen die Art des Spielens revolutioniert – natürlich nicht für jeden Zocker von Belang, aber die „Gamerscore-Jäger“ waren geboren.
Schon die zweite Generation, die Microsoft mit seinen Konsolen meiner Meinung nach gelungen ist. Denn obwohl sowohl SEGA mit der Dreamcast, als auch Sony bereits Vorarbeit in Sachen Onlinespielen geleistet haben, haben die Redmonder dieses System perfektioniert. Sowohl die erste Xbox, als auch die 360 waren DIE Onlinesysteme – selbst wer lieber alleine spielte, war auf Wunsch jederzeit für seine Freunde erreichbar. Ob nun eben im Chat, für Sprach- und Textnachrichten oder wie auch immer.

360
Das Hauptmenü der Xbox 360 war in meinen Augen nahezu perfekt

Über Jahre habe ich mich an das flüssige Menü und das Erscheinungsbild gewöhnt, täglich unzählige Nachrichten verschickt, gechattet, geschrieben und natürlich auch gespielt. Habe mir meine Erfolge angeschaut, diese mit Freunden verglichen – bin durch die Freundesliste gescrollt und habe mir die Neuerungen in ihren Profilen angeschaut. Die Xbox war wie ein zweites Zuhause für mich. Und in diesem Zuhause habe ich mich pudelwohl gefühlt.

Die PlayStation 3, welche sich ebenfalls seit ihrem Erscheinen in meinem Besitz befand, nutzte ich seit jeher gerade mal als Blu-Ray-Player und für die wenigen herausragenden Exklusivtitel wie beispielsweise Uncharted oder The Last of Us. Multiplattform-Spiele war für mich seit jeher auf der Xbox 360 vorgemerkt, das war sicher. Und lag zum Teil auch an dem hervorragenden Gamepad, welches für mich heute noch immer die absolute Speerspitze der Controller ausmacht. Egal für welches Genre: Der Controller war perfekt – na gut, vom Steuerkreuz mal abgesehen.

Und dann? Kam die One und mit dieser Konsole wich so langsam die Liebe zur Microsoft-Hardware. Das liegt noch nicht einmal an dem riesigen Shitstorm, der schon vor dem Erscheinen auf die Konsole niederprasselte – Stichworte „Always On“, „Kinect-Zwang“ und vieles mehr. Das störte mich persönlich nur wenig, da ich bzw. meine Konsolen seit jeher immer mit dem Internet verbunden sind. Und Kinect? Naja, kann ja angeschlossen sein, aber nutzen muss ich es ja nicht.

Nein, schon mit den ersten Schritten im Dashboard fühlte ich mich irgendwie nicht so wirklich wohl. Klar: Das gesamte Kacheldesign sieht wirklich nett aus und ist durchaus übersichtlich, alle Funktionen sind noch vorhanden – irgendwie zumindest – und lassen sich schnell finden. Auch die Möglichkeit, Apps wie Party und Co anzudocken ist eine nette Idee. Wären da nicht die ganzen Probleme und Fehlerchen…

Aufgeräumt sieht das Dashboard der One ja schon aus...
Aufgeräumt sieht das Dashboard der One ja schon aus…

Angefangen mit der Party selbst: Was auf der Xbox 360 noch kein Problem war, stellt uns hier bereits am ersten Tag vor einige unlösbare Probleme. Hier konnte keine Verbindung aufgebaut werden, da warf es nach kurzer Zeit jemanden aus dem Gruppenchat – nichts funktionierte problemlos, so wie es sollte.
Auch das Xbox-Guide-Menü überzeugt meiner Meinung nach kein bisschen. Ich war es eigentlich gewöhnt, dass sich das Menü schnell öffnet und butterweich funktioniert. Dass ich die Funktionen, die ich suche, auf einen Blick finde und auch aktivieren kann. Sei es das Anschauen meiner Erfolge oder eben das schnelle Einladen meiner Freunde in eine laufende Partie.
Doch das alles funktioniert auf der Xbox One nicht so flüssig, wie ich es gewohnt war. Hier hängt ein Menü, da lädt eine Option nicht auf den ersten Knopfdruck. Das gesamte Dashboard wirkt einfach unglaublich fummelig und unnötig verwinkelt – beispielsweise sind die eigenen Erfolge ziemlich versteckt und lassen sich eben nicht mehr auf den ersten Blick komfortabel vergleichen.

Warum zum Beispiel darf ich eine Spieleinladung nicht mehr mit einem simplen Druck auf den Guide-Button annehmen und muss stattdessen den Umweg über das Dashboard gehen, dort die Einladung anklicken und kann erst dann diese annehmen? Auch das Nachrichtensystem funktioniert meiner Meinung nach ziemlich bescheiden und langsam. Auch hier öffnet sich das Menü eben nicht, wie von der Xbox 360 gewohnt, mit nur einem Tastendruck. Ganz zu schweigen von den Sprachnachrichten, welche erst vor kurzem überhaupt eingefügt wurden und noch immer nicht problemlos abgespielt werden können.
Vielmehr scheint man bei Microsoft einfach den Fokus darauf gelegt zu haben, von jeder noch so unwichtigen Spielszene ein kurzes Video aufzunehmen, welches dann möglichst schnell mit dem Internet geteilt werden darf.

Immerhin muss man Microsoft zugute halten, dass sie ihre Konsole fast jeden Monat verbessern und mit neuen Features füttern. Viele zu Beginn noch schmerzlich vermisste Funktionen wurden jetzt eingebaut – wenn auch teilweise mehr oder weniger notdürftig wie die Option, Screenshots aufzunehmen, welche ebenfalls viel zu kompliziert umgesetzt wurde.
Doch das alles dürfte den meisten Spielern nicht einmal wirklich auffallen, und versteht mich nicht falsch: die Xbox One ist wahrlich keine schlechte Konsole. Vor allem dem Controller gebührt großes Lob, denn mal abgesehen von der miesen Verarbeitungsqualität (ich habe nun schon von drei Leuten gehört, deren Gamepads bereits den Geist aufgegeben haben) ist es hier wirklich gelungen, das hervorragende Xbox 360-Pad noch einmal zu verbessern!

Der Controller der One ist überragend. Was man von der Verarbeitung leider nicht behaupten kann
Der Controller der One ist überragend. Was man von der Verarbeitung leider nicht behaupten kann

Der Großteil der Probleme fällt eben nur auf, wenn man die Vergleichsmöglichkeit namens PlayStation 4 hat, mit denen Sony meiner Meinung nach der große Wurf gelungen ist! Zugegeben: Viele Funktionen der PS4 sind nicht neu und waren in dieser oder ähnlicher Form schon einmal auf anderen Konsolen zu sehen. Aber die Summe der Features ist es, die die Xbox One einfach absolut alt aussehen lässt.
Das ganze System läuft blitzsauber und absolut ruckelfrei, absolut alle wichtigen Optionen lassen sich mit nur einem Knopfdruck erreichen, das Teilen von Screenshots ist unglaublich komfortabel gehalten. Nachrichten sind schnell und einfach verschickt, Partychats funktionieren problemlos, Trophäen lassen sich vergleichen, ich erhalte auf einen Blick Informationen über heruntergeladene Updates und und und… Das gesamte Design wirkt wie aus einem Guss und kommt angenehm aufgeräumt daher – man fühlt sich im Hauptmenü der PlayStation 4 schlicht und ergreifend wohl. So ging es mir auf noch keiner Sony-Hardware.

Das Menü der PS4 ist nicht neu, hier hat Sony aber ganze Arbeit geleistet und alles richtig gemacht.
Das Menü der PS4 ist nicht neu, hier hat Sony aber ganze Arbeit geleistet und alles richtig gemacht.

Wenn man beide Konsolen zuhause stehen hat, fragt man sich unweigerlich, was da im Hause Microsoft eigentlich schiefgelaufen ist. Doch selbst Gespräche mit großen Microsoft-Fanboys, welche lediglich die One ihr Eigen nennen zeigen mir, dass diese mit der Hardware – viel mehr aber noch mit der Software – teilweise überhaupt nicht zufrieden sind und die Konsole daher nur selten anwerfen beziehungsweise eben seltener, als wenn alles ähnlich komfortabel funktionieren würde wie noch auf der Vorgänger-Generation.

Und dann ist da ja leider auch noch der Fakt, dass auf der Xbox One einige Spiele in einer niedrigeren Auflösung laufen und teils mit mehr technischen Problemen zu kämpfen haben als auf der PlayStation 4. Dabei dachte man eigentlich, dass dieses Phänomen der Vergangenheit angehören würde, seit Microsoft die ehemals für Kinect genutzten Ressourcen freigegeben hat. Aber weit gefehlt, scheinbar haben Entwickler noch immer große Probleme damit, ihre Spiele auf die Microsoft-Hardware zu konvertieren.

Und so ändern sich für mich die Dinge. Ich hätte bis vor kurzem nie gedacht, dass ich (wenn sich mir die Wahl bietet) mich immer eher für die PS4-Version eines Spiels entscheiden würde. Der einzige nennenswerte Vorteil der Xbox One liegt für mich darin, dass eben der Großteil meiner Freunde – die ich nun immerhin teilweise bereits seit 12 Jahren kenne – noch immer Xbox Live nutzt. Die wenigen herausragenden Exklusivtitel reichen meiner Meinung nach noch nicht aus, den Kauf der Konsole zu rechtfertigen:  Hier muss Microsoft dringend nachlegen und ich bin wirklich sehr gespannt, was man auf der E3 und gamescom Großes, Neues präsentieren möchte. Es muss auf jeden Fall nicht nur ein Hammer dabei sein, sonst ist dieser Konsolenkrieg endgültig gelaufen.

Ich jedenfalls fühle mich auf der Xbox One leider absolut nicht wohl und hoffe sehr, dass man dem Dashboard eine Frischzellenkur spendiert und dieses deutlich benutzerfreundlicher gestaltet, denn das ist meiner Meinung nach mehr als dringend nötig. Allerdings möchte ich nochmal festhalten, dass die Xbox One wahrlich keine schlechte Konsole ist und viele der Macken und Fehler vermutlich nur auffallen, wenn man die Vergleichsmöglichkeit hat. Spielen macht auch auf der Microsoft-Konsole viel Spaß, gerade was die Exklusivtitel Ori and the Blind Forest und Forza Horizon 2 betrifft.

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