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Testbericht: Steep

Nach dem Boom der Trendsportspiele ende der 90er und Anfang der 2000er wurde es in den letzten Jahren sehr ruhig für die Fangemeinde abseits der Massensportarten. Doch zur diesjährigen E3 kündigte Ubisoft vollkommen überraschend das Trend- und Extremsportspiel Steep an, welches, der Snowdrop-Engine sei Dank, mit seiner spektakulären Grafik und dem frischen Konzept überzeugt.

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Auf dem Dach der Welt

Ubisoft passt dabei seinen Titel der aktuellen Mode an: Steep setzt auf eine offene Welt bestehend aus vier Alpen-Regionen in denen man sich auf insgesamt sechs Bergen vollkommen frei fortbewegen darf. Dabei sind so illustre Gebiete wie den Ortler, den gewaltige Mont Blanc oder die Nordwand des Matterhorns.
Dabei ist man jedoch nicht nur auf eine Sportart beschränkt, sondern darf zwischen Skiern, Snowboard, Wingsuit und Paraglider wechseln. Sogar zu Fuß könnte man sich auf die Suche nach grau eingefärbten Gebieten begeben, schneller geht das aber mit einem der Sportgeräte. Hat man eines erspäht und ist nicht weiter als einen Kilometer davon entfernt, wird durch einen Blick durch das immer in Griffweite befindliche Fernglas dort eine neue Dropzone freigeschaltet.

Was beim erkunden sofort auffällt ist, das die Aussicht in Steep stets beeindruckend ist. Auch aus der Ferne können bereits die verschiedenen Gebiete und Challenges erkannt werden.

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Per Tastendruck zoomt zoomt man aus der Übersichtskarte heraus und man kann das komplette Gebirge anschauen. Dropzones sind in dieser Bergpanorama-Ansicht markiert und man kann sich direkt dort absetzen lassen. Natürlich geht es in Steep nicht nur darum die Bergwelt zu erkunden sondern es werden zu jeder Extremsportart verschiedene Herausforderungen angeboten, in denen man versuchen muß eine Goldmedaille zu erringen. Auch freigeschaltete Challenges lassen sich sofort über das Bergpanorama anwählen. Die Suche nach einem Lift bleibt also, neben der Kälte, den echten Wintersportlern überassen.


Fun, aber nicht simpel

Neben dem Open-World-artigen Spielaufbau unterscheidet sich Steep auch im Gamedesign von den Funsport-Vorgängern aus dem Genre. Ubisoft positioniert Steep vor allem als Multiplayer-Spiel und setzen deshalb auf den kontroversen Always-On-Modus. Das bedeutet: Man muß beim Spielen von Steep immer mit dem Internet verbunden sein da sonst das angestrebte Konzept eines nahtlosen Mehrspielermodus nicht funktionieren würde.

Diese erzwungene Multiplayer-Komponente soll eigentlich ermöglichen dass sich die Spieler die gleiche (Berg)Welt teilen. Trifft man auf andere Steep-Zocker kann man sich per Tastendruck zu einer Gruppe von bis zu vier Leuten zusammenschließen, die Spielwelt erkunden oder sich in Challenges miteinander messen.

Das Konzept verheisst theoretisch gviel Spaß und eine dynamische, soziale Komponente nur leider funktioniert dieses nicht wie geplant. In den ersten zwei Tagen nach Release fand man noch zahlreiche andere Spieler, die jedoch Einladungen zu Multiplayer-Sessions in der Regel ignorierten. In den darauf folgenden Tagen bevölkerten immer weniger Leute die Gebirge.

Das als Multiplayer-Wettbewerb geplante Spiel entwickelt sich somit zum Singleplayer-Erlebnis mit Online-Zwang. Das bedeutet, wenn das Internet gerade einmal streikt, kann man sein teuer gekauftes Spiel nicht starten. Und wie lange Ubisoft die Server für den Titel online lässt wird auch die Zeit zeigen. Ohne Verbindungs ins World Wide Web hat man also nicht mehr als einen teuren Untersetzer (wenn man das Glück hat die CD-Version zu besitzen. Bei der Download-Version hat man einfach gar nichts).

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Des Raiders neue Kleider

Für jeden souveränen Move, abgeschlossene Challenge, Trick und Stunt, bekommt man Erfahrungspunkte, steigt im Level auf, schaltet neue Herausforderungen frei und verdient Credits, mit denen man neue Kleidungsstücke, Ausrüstungsgegenstände, Snowboards und Ski kaufen kann. Diese sind jedoch rein kosmetischer Natur, neue Fähigkeiten oder irgendeine Verbesserung bekommt man dadurch nicht. Neue Tricks, Skills oder Sonstige RGP-artige Charakterfortschritte gibt es in der gesamten Laufzeit des Spiels keine was der Langzeitmotivation leider nicht besonders zuträglich ist. Schliesslich gibt es auch keine Story, besondere Missionen, Endgegner oder sonstige Besonderheiten, die der Spielwelt von Steep ausser dem aufdecken neuer Routen einen Roten Faden verleihen würden.

Zumindest Anfangs fällts das aber auch gar nicht negativ auf. Die Berge sind mit so vielen Herausforderungen gepflastert, das man durch deren schiere Anzahl und Möglichkeiten erstmal beeindruckt in die Spielwelt abtaucht. Wenn man frei in der riesigen Spielwelt unterwegs ist, darf man in einem praktischen Ring-Menü jederzeit auswählen, mit welcher Sportausrüstung man unterwegs sein möchte.

Die Herausforderungen beschränken sich jeweils immer auf eine bestimmte der vier möglichen Extremsportarten. Schon auf der Karte könnt man sofort einsehen ob hier die Fähigkeiten im Wingsuit, als Paraglider oder mit Ski oder Snowboard gefragt sind. Zudem wird auch immer  der Schwierigkeitsgrad der Challenge angezeigt.


Steep sorgt für das „Extrem“ in „Extremsport“

Schon bei „Mittel“ und vor allem bei „Schwer“ wird es viele Versuche, eine gute Portion Glück und noch mehr Geduld benötigen um eine Medaille zu erlangen. Die Herausforderungen sind oftmals richtig knackig und verlangen dass ihr die Strecke auswendig gelernt wird. Da kommt es entgegen dass man sich immer wieder sofort und ohne Ladezeit zum Start der Challenge zurücksetzen lassen kann.

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Vor allem bei den Wingsuit-Herausforderungen wird man diese Möglichkeit söfter benutzen als einem lieb ist. Weicht man bei dem Wahnsinnstempo mit dem man sich beispielsweise eine Felswand herunter stürzt, nur gering von der eingeblendeten Ideallinie ab, so ended das augenblicklich mit Knochenbrüchen für die eigene Spielfigur. Wem das noch nicht genug Adrenalinkick ist, der aktiviert die GoPro-Kamera-Ansicht und spielt aus der Ego-Perspektive.

Die Snowboard- und Ski-Challenges machen ebenfalls jede Menge Spaß, obwohl diese lediglich die bekannten Checkpointrennen mit Geistern sind oder man in Funparks versucht mit Tricks eine gewisse Punktezahl zu erreichen. Die Geschwindigkeit ist dabei stets hoch und die Strecken sind angenehm abwechslungsreich. Die Steuerung der ganzen Tricks muß wie üblich erst ein Fleich und Blut übergehen, funktioniert dann aber meist tadellos.

Einzig die Paragliding-Challenges sind nicht so spannend und abwechslungsreich wie der Rest. Da diese aber relativ zügig abgehakt sind, macht Steep dennoch über einige Stunden richtig Laune.
Man kann sich frei in der Spielwelt bewegen, sammelt Medaillen in Wettbewerben,  erkundet die autentisch gestaltete Winterlandschaft oder fährt querfeldein die Abhänge hinunter. Nach etwa 15-17 Stunden hat man dann das Maximallevel 25 erreicht und alle Challenges gespieltDa es wie erwähnt danach keine Nebenmissionen oder ähnlcihen Content gibt fällt die Motivationskurve ziemlich ab.


Fazit

Steep ist endlich mal wieder ein stylischer und mutiger Vertreter des Funsport-Genres ohne zu sehr ins Arcadige abzudriften. Der Schwerpunkt mit dem Online-Konzept funktioniert allerdings nicht so wie es sich Ubisoft erwünscht hat und nach erreichen des Maximallevels gibt es keine neuen Challenges oder sonstige Progression. Die Spielwelt ist riesig, wird aber etwas spärlich mit Inhalt gefüllt.

Nimmt einem das Spiel anfangs noch an die Hand und zeigt die Möglichkeiten der Abwechslungsreichen Sportarten, ist ein gutes Abschneiden in späteren Herausforderungen durch den knackigen Schwierigkeitsgrad nur den erfahrenen oder geduldigen Zockern zuzumuten. Glücklicherweise kann man sich aber jederzeit seine Eigene Route ins Tal aussuchen und einfach die mit beeindruckender Grafik untermalte Freiheit in den Bergen geniessen.


Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

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