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Testbericht: Snake Pass – Eine Schlange im freien Fall

Das ausgestorben geglaubte Genre der 3D-Plattformer feiert im Jahr 2017 offensichtlich eine Renaissance. Auch Snake Pass von Entwickler Sumo Digital schlägt in diese Kerbe und erinnert nicht nur auf den ersten Blick an die hochkarätigen Genre-Klassiker der Nintendo 64-Ära. Wir haben uns durch die abwechslungsreichen Areale geschlängelt und klären in unserem Test, ob sich der Kauf des Downloadspiels lohnt.

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Snake Pass – Von Schlange und Kolibri

Ach Snake Pass, du machst es uns wahrlich nicht leicht. So ein Jump ’n‘ Run ohne Sprung-Knopf ist schon eine komische Sache. Besonders zu Beginn habe ich die altbewährten Möglichkeiten eines Doppelsprungs zur rechten Zeit oder die Fähigkeit Wände zu erklimmen schmerzlich vermisst. 

Aufgrund der realistischen Schlangen-Physik bewegt sich Protagonist Noodle nämlich genau so durch die insgesamt 15 Level, wie man es von einer Schlange erwarten würde. Wir bewegen lediglich den Kopf unseres Reptils, während der Körper unseren Bewegungen folgt. Diese im Bereich der Videospiele neuartige Form der Fortbewegung sorgt dafür, dass ein ohnehin schon knackiges Spiel nochmals schwieriger ausfällt.

In Snake Pass werden Erinnerungen an die 1990er Jahre wach

Doch kommen wir zunächst einmal zu den Vorzügen des unkonventionellen Puzzle-Plattformers. Snake Pass versetzt uns mit seinem charmanten, kunterbunten Look direkt zurück in unsere Kindheit und lässt wohlige Erinnerungen an ein Banjo-Kazooie oder Donkey Kong 64 wieder aufflammen. 


Schlangtastisch?

Aus grafischer Sicht überzeugt der Downloadtitel mit einer in sich stimmigen und durchaus detailreichen Spielwelt. Die Dschungel-Areale des Abenteuers strotzen nur so vor Details. Verschiedene Pflanzenarten und Insekten füllen die Welt mit Leben. Auch unser Protagonisten-Duo um Schlange Noodle und Kolibri Doodle stehen dem in Nichts nach und könnten direkt aus der Feder der CGI-Spezialisten von Pixar stammen. 

Vor allem die lebendigen Augen und die ausdrucksstarke Mimik der Königsnatter wissen zu gefallen. Zumal unsere Schlange sich gar zu langweilen beginnt, gähnt und sogar einschläft, wenn wir eine Weile lang keine Bewegung ausführen. Auch unser allgegenwärtiger und als Tippgeber fungierender Kolibri-Freund Doodle überzeugt und rundet die stimmige Optik von Snake Pass gekonnt ab. 

Der bunte und durchaus detailreiche Look überzeugt. Die Mimik weiß zu gefallen.

Eine wahnsinnig detailreiche oder gar riesige Welt darf man von dem knapp 20 Euro teuren Downloadtitel allerdings nicht erwarten. Auch wenn die Unreal Engine 4 hier größtenteils gute Arbeit verrichtet und mit durchaus schicken Lichteffekten punktet, sind die verschiedenen Spielabschnitte leider sehr klein ausgefallen. Auch gelegentliche Slowdowns trüben den Spielspaß mitunter ein wenig.

Besser gefällt uns da schon der entspannte Soundtrack, welcher das Geschehen auf dem Bildschirm gekonnt in Szene setzt und sogar zum Mitsummen einlädt. Allerdings hätten diesem ein paar weitere Melodien gut zu Gesicht gestanden. Ansonsten geht die Vertonung von Snake Pass in Ordnung, ohne jegliche Akzente setzen zu können.


Die Probleme stehen Schlange

Die Atmosphäre und Technik von Snake Pass stimmen also schon mal. Schade nur, dass der Titel aus spielerischer Sicht nicht ganz mithalten kann. Die insgesamt 15 Level des Abenteuers sind in vier Themengebiete unterteilt. Doch auch wenn diese auf den ersten Blick Abwechslung suggerieren, sucht man diese leider meist vergebens. Denn die Hauptaufgabe bleibt immer dieselbe: Wir sammeln farbige Schlüsselsteine, um das Portal zum nächsten Spielabschnitt zu öffnen.

Eine Hintergrundgeschichte? Gibt es nicht. Nebenaufgaben? Fehlanzeige. Geheimnisse oder versteckte Extras? Nö. Neue Fähigkeiten? Nicht die Bohne. Verschiedene Sammelgegenstände? Gibt es, bringen aber absolut Nichts.

Sammelgegenstände zu erreichen ist mitunter knackig. Der Aufwand lohnt kaum.

Schade, denn hier verschenkt das eigentlich spaßige Snake Pass wahnsinnig viel Potential. Und so schlängeln wir uns durch die verschiedenen Bereiche, die meistens in knapp 15 Minuten oder weniger absolviert werden können. Das Sammeln aller versteckten Goldmünzen oder Blasen in erfolgreich absolvierten Leveln sorgt ebenfalls nur für einen geringen Wiederspielwert, da diese uns keine Boni oder Extras gewähren. Ansonsten können wir lediglich im Kampf gegen die Uhr versuchen, die weltweiten Bestenlisten zu erklimmen. Aber auch das ist nicht allzu motivierend.

Ganz ehrlich: Ich hätte mir gewünscht, dass sich Snake Pass mehr wie ein klassisches Hüpfspiel steuern ließe. Die Steuerung ist zwar realistisch und unkonventionell ausgefallen, aber genau das hinderte mich in vielen Situationen daran, Spaß mit dem Spiel zu haben.


Snake Pass – Gratwanderung zwischen Spaß und Frust

Und das ist äußerst ärgerlich, denn Snake Pass macht stellenweise enorm viel Spaß. Die kniffligen Geschicklichkeitspassagen können überzeugen. Es ist eine wahre Freude, sich auf der Suche nach den Schlüsselsteinen durch die herrlichen Level zu schlängeln.

Ein großer Teil des Spieles besteht allerdings leider daraus, von Bambusstangen oder anderen Objekten zu fallen während man versucht, einen der Gegenstände einzusammeln oder ein neues Areal zu erreichen. Vor allem die Steuerung und die störrische Kamera sorgen dabei für Frustration.

Kameraprobleme sorgen für Frust. Die innovative Steuerung kann nicht wirklich überzeugen.

Denn eigentlich lässt sich Noodle sehr gut durch das Spiel manövrieren. Eine Taste dient der Beschleunigung, eine weitere Taste hebt den Kopf der Schlange an. Dadurch können wir in Kombination mit dem linken Analog-Stick nach oben oder nach unten kriechen. Und genau das ist die Hauptaufgabe in Snake Pass. Die Probleme mit der Steuerung werden deutlich spürbar, sobald wir den festen Boden unter uns verlassen.

Dafür wickeln wir Noodle um die überall verteilten Bambusstangen, um unserer Schlange so die nötige Stabilität zu gewähren und nicht in den Tod zu stürzen. Doch genau das passiert in regelmäßigen Abständen. 

Wir bewegen uns tatsächlich wie eine echte Schlange. Dementsprechend gilt es zu jeder Zeit, das Gewicht und die Physik mit einzuberechnen. Eine hervorragende und innovative Idee, welche allerdings leider selbst simple Puzzles deutlich schwieriger macht, als man es gewohnt ist. Besonders in Kombination mit der störrischen Kamera, welche wir in regelmäßigen Abständen nachjustieren müssen, während der Schwanz unseres Helden langsam aber sicher Halt verliert und in den Abgrund rutscht. 


Fazit:

Snake Pass kann eine herrlich entspannende Reise durch wunderschöne Areale sein, welche an die großen Plattformer der 1990er Jahre erinnert. Doch leider birgt der Titel enormes Frustpotential. Ich hätte mir gewünscht, dass die Steuerung sich mehr an den Klassikern orientiert und man bei Sumo Digital weniger versucht hätte, das Rad neu zu erfinden.

Die meiste Zeit bin ich damit beschäftigt, Noodle um Objekte zu wickeln und zu versuchen, nicht in den Tod zu stürzen. Doch das klappt leider viel zu selten. Vor allem die störrische Kamera führt nicht selten zum unfreiwilligen Suizid. Zumal der Umfang des Spiels relativ gering ausgefallen ist. Eine Story gibt es nicht, Sammelgegenstände hingegen schon. Allerdings bringen diese einem nichts, auf Freischaltungen oder Geheimnisse hat man nämlich konsequent verzichtet.

Letztlich ist Snake Pass ein durchaus guter Puzzle-Plattformer geworden, der einen Großteil seines Potentials verschenkt. Hartgesottene Genrefans dürfen zugreifen, alle anderen schlängeln sich am Spiel vorbei und warten besser aus Yooka-Laylee


Vielen Dank an Plan of Attack für die Bereitstellung des Testmusters!

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