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PS4 Tests

Horizon Zero Dawn im Test

Vorsichtig schleicht Aloy, Protagonistin des Action-Adventures Horizon Zero Dawn, durch das hohe Gras. Jetzt bloß kein falscher Schritt, denn jeder könnte ihr letzter sein. Zwischen dem jungen Rotschopf und ihrem Ziel stehen zwei mächtige Maschinen, die dem Erdboden nach Rohstoffen abgrasen. Doch wir haben vorgesorgt, Fallen aufgestellt und Stolperdraht gespannt. Vorsichtig sondieren wir die Lage,  scannen die Umgebung und machen die Schwachstellen der Roboterechsen ausfindig. Wir sind bereit, Zeit den Bogen zu spannen. Luft anhalten, zielen und… Feuer. Der Pfeil sitzt. Unter mechanischem Gebrüll geht eine der Maschinen zu Boden. Der zweiten müssen wir uns aber im offenen Kampf stellen und der hat es wirklich in sich.

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Starke und glaubhafte Heldin

Doch zurück zum Anfang. Aloy hat es wahrlich nicht leicht. Ausgestoßen von ihrem Stamm und nicht wissend wer ihre Mutter ist, wird das junge Mädchen von dem tapferen Krieger Rost aufgezogen und in der Jagd ausgebildet. Um die Identifikation mit der Hauptfigur zu stärken, bedient sich Entwickler Guerrilla Games dem intelligenten Kniff, uns die ersten Spielstunden von Horizon Zero Dawn als Kind erleben zu lassen.

Die Welt ist zerstört und die Natur hat die Städte und mächtigen Bauten längst zurückerobert. In den Ruinen der alten Menschen finden wir direkt zu Beginn des Spieles einen mysteriösen Fokusstein, den wir uns nichtsahnend hinter unser Ohr klemmen. Eine Technik, die dem Stamm der Nora gänzlich unbekannt ist, sich aber schnell als ziemlich nützlich erweist.

Mit dem Fokus ist Aloy in der Lage, Informationen über Gegner zu sammeln.

Mithilfe des Fokus scannen wir nämlich die Umgebung und stoßen auf Datenpunkte und Audiologs, die uns einen kurzen Einblick in die Geschehnisse der Vergangenheit liefern. Doch besonders im Kampf erweist sich das Schmuckstück als äußerst hilfreich, da es uns beispielsweise die Schwachstellen der Gegner aufweist und uns ihren Laufweg darstellt.


Eine bewegende Geschichte

Wenig später springt das Geschehen ein paar Jahre in die Zukunft und aus dem rotznasigen kleinen Mädchen ist eine beachtliche Kriegerin geworden. All die Jahre trainierte Aloy für diesen einen Tag. Der Tag des Initiationsritus, der die Ausgestoßene zur Kriegerin machen wird. Doch das ultimative Ziel ist es, die Prüfung als Erstplatzierte abzuschließen. Denn nur dem Gewinner wird von den Alten ein Wunsch erfüllt. Unser Wunsch ist klar: Herauszufinden, wer unsere Mutter war und was mit ihr geschehen ist. Doch am Tage der Prüfung kommt es zu einem schrecklichen Überfall und wir müssen mit ansehen, wie die Mitglieder des Nora-Stammes reihenweise niedergemetzelt werden.

Horizon: Zero Dawn erzählt eine packende Story um eine starke Protagonistin.

Viel mehr wollen wir zur packenden Geschichte von Horizon Zero Dawn auch nicht verraten, denn diese wartet bereits in der ersten Spielstunden mit einigen unvorhersehbaren Wendungen auf.

Die spannende und emotionale Geschichte ist eines der Prunkstücke des Spiels und überzeugt mit einigen glaubhaft agierenden Figuren. Auch Aloy als Hauptfigur funktioniert hervorragend, da es den Entwicklern sehr gut gelungen ist, ihr ein Gesicht zu verleihen. Zudem sind die Motive ihres Handelns jederzeit nachvollziehbar. Es ist schlichtweg ein riesiger Spaß, in der knapp 30-40 stündigen Hauptgeschichte nach und nach aufzudecken, was wirklich geschehen ist.


Horizon: Zero Dawn bedient sich bei der Konkurrenz

Aus spielerischer Sicht muss sich Horizon Zero Dawn allerdings einen Kritikpunkt gefallen lassen. Wie schwer dieser wiegt, muss aber letztlich jeder für sich entscheiden. Denn wenn man dem Spiel eines vorwerfen kann, dann ist das der Mangel an eigenen Ideen. Den größten Teil der Spielelemente hat man in der Form nämlich irgendwo schon einmal gesehen. Ein paar Beispiele gefällig?

Durch das Jagen von Tieren und das Sammeln von Pflanzen erhalten wir Ressourcen, mit denen wir größere Taschen, Tränke, Munition oder Fallen herstellen können. Ganz wie in Tomb Raider.

Die riesigen Langhals-Dinos sind schlicht atemberaubend und lassen sich erklimmen.

In bestimmten Nebenmissionen infiltrieren wir möglichst lautlos die Basen der feindlichen Plünderer, schalten dabei idealerweise vorher den Alarm aus und erschaffen so eine neue Basis für den Stamm der Nora. Ganz wie in Far Cry.

Um die Karte aufzudecken und interessante Punkte zu finden, erklimmen wir hohe Türme und scannen die Umgebung. Ganz wie in Assassin’s Creed. Mit dem Unterschied dass diese Türme sich bewegende Maschinen sind.


Wenig Rollenspiel, aber gelungene Missionen

Das eher rudimentäre Rollenspielsystem wartet ebenfalls mit altbekannten Talenten auf, die unsere Schleichfähigkeiten verbessern, die Tragekapazität erhöhen oder uns beweglicher machen. Für nahezu alle Aktionen und abgeschlossene Missionen erhalten wir nämlich Erfahrungspunkte, die wir in neue Skills investieren dürfen. Diese unterteilen sich in die drei Talentbäume Jäger, Sammler und Kämpfer. Auch das klingt durchaus bekannt.

Die Welt von Horizon wartet mit unzähligen Missionen auf.

Erfreulicherweise ist das Missionsdesign von Horizon Zero Dawn enorm abwechslungsreich ausgefallen und vor allem die Hauptaufgaben sind mitunter bombastisch und spannend inszeniert. Dazu gesellen sich einige hervorragend geschriebene Nebenmissionen, aber eben auch die typischen Jagdherausforderungen oder Sammelquests.

Das klingt jetzt alles negativer, als es eigentlich ist. Getreu dem Motto „besser gut geklaut, als schlecht selbstgemacht“ verknüpft der Titel die einzelnen Spielelemente nämlich absolut perfekt miteinander. Da dies, mal abgesehen von ein paar technischen Ungereimtheiten, so ziemlich das Einzige ist, was man dem Spiel ankreiden kann, haben wir es hier tatsächlich mit dem Meilenstein zu tun, den Spieler sich erhofft haben.


Intensive Kämpfe

Aus spielerischer Sicht leistet sich das Action-Adventure nämlich nahezu keine Fehler. Vor allem der spannende Mix aus Erkundung und brachialer Action weiß zu gefallen. Grundsätzlich empfiehlt sich bei den Kämpfen das langsame und taktische Vorgehen. Wer sich den übermächtigen Maschinen im offenen Gefecht stellt, wird bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad schnell an seine Grenzen stoßen, da die Robo-Dinos ordentlich austeilen können.

So schleichen wir durch das hohe Gras, scannen Umgebung und Laufwege der mechanischen Echsen und eliminieren diese nach und nach. Mit leisen Nahkampfangriffen schalten wir die Gegner aus oder locken sie mit einem Stein von der Herde weg, um ihnen mit dem Bogen den Garaus zu machen.  Zusätzlich setzen wir auf Wunsch verschiedene Fallen ein, die unsere Gegner mit Explosionen ins Jenseits schicken oder deren Elektronik außer Gefecht setzen. Dabei bietet uns Horizon Zero Dawn eine Vielzahl an Möglichkeiten, wodurch sich kein Kampf anfühlt, wie der vorherige.

Alle Gegner warten mit eigenen Schwachstellen auf. Das Kampfsystem ist fordernd und enorm spannend.

Der besondere Clou ist allerdings, dass jeder Gegnertyp mit verschiedenen Stärken und Schwächen aufwartet und wir mithilfe unseres Fokus-Ohrrings deren Schwachstellen aufspüren können. Diese taktische Komponente sorgt für enorm intensive Kämpfe, bei denen uns auch aufgrund des knackigen Schwierigkeitsgrades des Öfteren die Schweißperlen auf der Stirn stehen.


Kampf den Elementen

Mit unserer Schleuder werfen wir so beispielsweise Eisbomben auf die Dinos, welche sie bewegungsunfähig machen. Nun folgen ein paar Feuerfeile auf den brennbaren Tank auf dem Rücken des Roboters, welcher kurz darauf unter einer gewaltigen Explosion in die Knie geht. Zwei gezielte Pfeile auf die Kabel am Maul des Monsters sorgen dafür, dass wir als Sieger aus dem Kampf hervorgehen.

Gerade die Elementarwaffen werden im späteren Spielverlauf unabdingbar. Unsere Waffen verfügen ebenfalls über Elementarboni, welche wir mithilfe von Glyphen auch noch verstärken können.

Elemente wie Flammenpfeile spielen im Kampf eine wichtige Rolle.

Die intensiven Kämpfe sind eines der Prunkstücke von Horizon: Zero Dawn, besonders wenn verschiedene Gegnertypen involviert sind, die jeweils mit ihren eigenen Stärken und Schwächen aufwarten. Derart packende Kämpfte inszenierte zumindest kaum ein anderer Genrevertreter.


Eine Welt zum Niederknien

Was Horizon Zero Dawn zudem vielen Konkurrenten voraus hat, ist eine bombastische und bis ins letzte Detail durchdachte Spielwelt. Kurzum: Die offene Welt ist einfach atemberaubend! Jeder noch so entlegene Winkel strotzt nur so vor Details. Seien es die schneebehangenen Berge des Startgebietes oder die flachen Graslande jenseits der Tore. Selten hat es derart viel Spaß gemacht, die Umgebung zu erkunden.

Horizon: Zero Dawn bietet eine unglaublich detaillierte und glaubhafte Spielwelt

Was die Entwickler hier auf die Beine gestellt haben, ist schlicht atemberaubend und sorgt fast im Sekundentakt für offene Münder. Beispielsweise wenn wir relativ zu Beginn des Spiels die Ruinen einer Stadt durchstreifen und zwischen den Häuserschluchten einen majestätischen Langhals erblicken.

Von überwucherten Ruinen, über eisige Bergketten bis hin zu staubigen Wüstengebieten bietet der Titel eine derartige optische Abwechslung, wie wir das nur selten erlebt haben. Zudem wirkt jeder Winkel der Spielwelt belebt. Im Wald tummeln sich Hasen und Wildschweine, auf der Wiese grasen mechanische Wildpferde, die von Wächter-Robotern geschützt werden. Auf einem Hügel gehen Nora-Jäger ihrem Handwerk nach und im Tal erblicken wir den Kampf eines verfeindeten Stammes mit zwei riesigen Robotern.


Verweilen und genießen

Bei unserem Test haben wir Stunden damit verbracht, einfach nur die Welt zu genießen, dem bunten Treiben beizuwohnen und die malerische Atmosphäre in uns aufzusaugen. Einfach bombastisch! Zudem stoßen wir auf unserer Reise in regelmäßigen Abständen auf Lagerfeuer, die uns als Speicher- und Schnellreisepunkte dienen. Haben wir ein Reisepaket in unserem Inventar, dürfen wir zu jedem bereits entdeckten Lagerfeuer springen, was die teilweise enormen Laufwege natürlich deutlich verkürzt. Nervig sind dabei allerdings die durchaus langen Ladepausen ausgefallen.

Umso beeindruckender, dass Horizon Zero Dawn ansonsten fast komplett ohne Ladezeiten auskommt. Was bei dieser atemberaubenden Technik und Größe der Welt erstaunlich ist. Besonders wenn man bedenkt, dass es auch unterhalb der Erdoberfläche mit den Ruinen der Alten und Brutstätten der Roboter Areale gibt, die mitunter größer sind als komplette Level manch anderer Spiele.

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Um es kurz zu fassen: Horizon: Zero Dawn ist das optisch eindrucksvollste Konsolenspiel aller Zeiten. Die wahnsinnig detailverliebte und riesige Welt kommt derart abwechslungsreich daher, dass man stellenweise gar nicht aus dem Staunen herauskommt. Hinzu gesellen sich die enorm detaillierten Gegner- und Charaktermodelle. Jedes einzelne Kabel, jede einzelne Schraube der Roboter ist erkennbar. Ähnlich verhält es sich mit den Charakteren, bei denen jedes noch so kleine Detail ausmodelliert wurde.


Horizon Zero Dawn ist eine optische Meisterleistung

Die Umgebungen in Kombination mit den atemberaubenden Lichteffekten setzen dem Ganzen allerdings die Krone auf. Und das nicht nur in 4k-Auflösung auf der PS4 Pro. Einzelne Büsche und Gräser sind komplett ausgearbeitet und wiegen sich unabhängig voneinander im Wind. Mücken spielen im Licht der untergehenden Sonne, ja selbst die Ameisenstraße an der Rinde einer Buche ist erkennbar.

Optisch ist das Spiel eine wahre Augenweide. Details und Effekte sind eine Wucht.

Und wenn ich an die spannenden Gefechte mit den Maschinen bei einer untergehenden Sonne denke, wie perfekt die Lichtstrahlen an ihrer stählernen Rüstung brechen und die Suchscheinwerfer der Dinos das Land überstrahlen, gepaart mit schicken Lens-Flare-Effekte, gerate ich regelrecht ins Schwärmen. Horizon Zero Dawn ist aus grafischer Sicht ein absolutes Meisterwerk geworden, das gilt auch für die erstklassigen Animationen.

Ein wenig geschludert haben die Entwickler allerdings bei der starren Mimik der Charaktere. Außerdem glänzt die Haut der menschlichen Bewohner ein wenig stark, was merkwürdig aussieht. Bis auf ganz wenige Pop-Ups in der Ferne leistet sich das Spiel ansonsten aber keinerlei Schwächen und selbst die Bildrate bleibt angesichts dieser Grafikpracht jederzeit stabil. Chapeau, Guerilla Games!

Nicht nur die Gegnermodelle überzeugen durch einen enormen Detailgrad.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Vertonung. Vor allem die Soundeffekte sind schlichtweg ein Meisterwerk. Alle Maschinen warten mit ihren eigenen, charakteristischen Sounds auf. Zudem unterstreichen Vogelgezwitscher, plätschernde Wasserfälle oder grunzende Wildschweine die erstklassige Atmosphäre des Spiels hervorragend. Auch die Musik steht dem in Nichts nach und überzeugt auf ganzer Linie. Einziger Wehrmutstropfen ist die eher durchwachsene und oftmals nicht einmal ansatzweise lippensynchrone deutsche Sprachausgabe.


Fazit:

AwardÜberraschung: Horizon Zero Dawn wird tatsächlich seinem Hype gerecht! Entwickler Guerilla Games liefert hier ein erstklassiges Spiel ab und einen der besten Vertreter seines Genres. Der Titel punktet mit einer enorm starken Protagonistin und einer schlichtweg atemberaubenden und wahnsinnig detailverliebten Spielwelt. Auch wenn man Horizon aus spielerischer Sicht zu wenige eigene Ideen ankreiden kann, greifen die verschiedenen Spielelemente perfekt ineinander und sorgen so für jede Menge Spielspaß.

Die Welt von Horizon ist wirklich neu und erfrischend anders und selbst obwohl sie einige nur allzu bekannte Open-World-Problemchen mit sich bringt, ist jede Sekunde in ihr ein absoluter Genuss. Das gilt auch für die enorm starke Story und die sagenhafte Technik. Bei der deutschen Vertonung und den starren Mimiken leistet sich das Spiel minimale Schwächen, die allerdings den enormen Spielspaß zu keinem Zeitpunkt trüben.
Horizon Zero Dawn ist ein absolutes Meisterwerk geworden, welches sich niemand entgehen lassen sollte und
stellt bereits im ersten Quartal einen ernsthaften Anwärter auf das Spiel des Jahres dar.



 

Vielen Dank an McGame.com für die Bereitstellung des Testmusters!

 

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