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Tests Xbox One

Testbericht: Halo Wars 2 – Taktikhit mit überdurchschnittlicher Präsentation

Nach dem Krieg war ich mit einem Aufklärungstrupp auf dem Ring unterwegs. Mit einem Warthog zogen wir durch die Lande. In den Ruinen eines alten Stützpunktes der Allianz fanden wir ein Logbuch eines gefallenen Spartan. Was das Logbuch offenbarte, zeigt euch unser Testbericht zu Halo Wars 2.


Kurze Kampagne mit überragender Präsentation

Eines Vorweg: Wenn man sich nicht gerade mit dem Haloversum auskennt, so wird man von den Begrifflichkeiten innerhalb des Spieles nicht viel verstehen. In letzter Konsequenz versteht man einfach die Zusammenhänge ohne das nötige Hintergrundwissen nicht.

Halo Wars 2 begeistert innerhalb der Kampagne mit einer überragenden Präsentation. Immer wieder gibt es gerenderte Sequenzen, bei denen selbst Blizzard applaudierend den Kopf nicken würde. Zusätzlich sehen die Effekte innerhalb der Missionen ebenso bombastisch aus.

Doch so gut die Präsentation auch sein mag, die Soldaten von Halo Wars 2 kämpfen an einer ganz anderen Front um ihr Überleben. Dementsprechend fällt die Kampagne im Vergleich – zumindest mit Genre-Vertretern auf dem PC – etwas kurz aus. In guten acht Stunden ist es möglich, die 12 Aufträge von Halo Wars 2 auf dem normalen Schwierigkeitsgrad zu absolvieren. Löblich: Die komplette Kampagne kann im Online-Koop gespielt werden.

Testbericht: Halo Wars 2
Auch mit Flammenwerfern heizen wir der Allianz ordentlich ein.

 

Um was geht es eigentlich? Die nicht sehr tiefgründige Story lässt sich recht schnell erklären. Der Plot knüpft an den ersten Teil an. Er führt unsere Helden in den Kampf gegen einen neuen Gegner, welcher sich sehr gut im Halo-Universum integrieren kann.

Das Raumschiff Spirit of Fire ist nach 28 Jahren wieder auf der Bildfläche aufgetaucht. In der Arche wird die KI Isabel von drei UNSC-Einheiten gefunden. Die künstliche Intelligenz dürstet es nach Rache. Sie erbittet die Spirit of Fire ihr zu helfen und so führt Eines zum Anderen.

Rache? Wofür? Sie erzählt von Atriox, Anführer der Verbannten, und über den Verlust der Mitglieder ihrer Station. Zusätzlich will Atriox einen weiteren Krieg ins Leben rufen. Leider bleibt der Bösewicht dabei etwas auf der Strecke und wird nicht sonderlich gut beleuchtet. Im Laufe des Spiels stellt sich Atriox als unbezwingbare Übermacht heraus, trotzdem erfährt man nur wenig über den eindrucksvoll wirkenden Gegenspieler. Hier wäre beispielsweise etwas mehr Tiefgang oder eine zweite Kampagne angebracht gewesen.


Viel Action & gute Steuerung

Halo Wars 2 kommt vergleichsweise simpel daher. In der Folge erwartet Spieler wieder ein actionbetontes Echtzeit-Strategiespiel. Creative Assembly schafft es, den richtigen Mix zwischen Strategie und Action zu treffen. Abgerundet werden die effektreichen Gefechte von der gut funktionierenden Steuerung. Im Kampf selber gibt es die ein oder andere Anführerfähigkeit welche per Knopfdruck aktiviert wird. Diese erscheinen über ein Ringmenü. Genauso funktioniert übrigens auch das Baumenü, in dem wir neue Gebäude bereitstellen.

Im Aufbau hat sich im Vergleich zum Vorgänger wenig getan. Erneut kann man seine Basen nur auf bestimmten Plätzen errichten und diverse Gebäude erstellen. Nachdem die Hauptbasis ein Upgrade bekommen hat, stehen weitere und komplexere Bauten zur Verfügung.

Testbericht: Halo Wars 2
Die Effekte sind sehr eindrucksvoll.

Die Steuerung funktioniert in der getesteten Fassung für die Xbox One außerordentlich gut. Per Knopfdruck wählen wir alle Einheiten auf dem Bildschirm an, mit einem doppelten Knopfdruck haben wir alle Einheiten auf der gesamten Karte selektiert. Mit dem Druck auf die X oder Y-Taste lassen sich – sofern die Einheit es zulässt – unterschiedliche Angriffe ausführen. Beispielsweise werfen Infanteristen Granaten oder der Warthog geht auf Kollisionskurs. Mit dem Digipad springen wir zwischen Einheiten und Basis hin und her.


Abwechslungsreiches Missionsdesign

Das Missionsdesign in Halo Wars 2 ist eine der großen Stärken der Kampagne. Fast keine der Missionen spielt sich gleich. Mal seid ihr vom Anfang an damit beschäftigt, eure Basis aufzubauen und mal werdet ihr in einem anderen Akt nur mit einer Heldeneinheit versuchen, die gegnerische Basis zu infiltrieren.

Im Kampf beruht alles auf dem simplen Schere-Stein-Papier-System. Beispielsweise sind Infanteristen stark gegen Lufteinheiten, diese hingegen können sich gut gegen

Testbericht: Halo Wars 2
Das Terrain in Halo Wars 2 sieht super aus. Licht und Schatten gefallen.

Fahrzeuge zur Wehr setzen.

Neben den Hauptzielen, gibt es auf den Karten auch noch die eine oder andere Nebenaktivität. Zum Beispiel geht es darum, Energieknoten einzunehmen oder eine zweite Basis zu errichten. Abschließend wird euer Können auf dem Schlachtfeld mit Punkten und einer Medaille belohnt.


Langzeitspaß im Multiplayer

Das große Herzstück des Spieles ist aber definitiv der Multiplayer-Modus. Im klassischen Deathmatch oder anderen zielorientierten Modi geben sich hier bis zu sechs Mitspieler auf die Mütze. Vor jedem Match könnt ihr zwischen der UNSC und den Verbannten entscheiden. Unter anderem legt ihr mit dieser Auswahl einen Anführer fest, der spezielle Fähigkeiten auf dem Schlachtfeld mit sich bringt.

Das Matchmaking klappt dabei tadellos. Natürlich sollte man sich aber erst in den Multiplayer wagen, wenn man ein wenig Zeit im Tutorial und in der Kampagne verbracht hat.  Andernfalls wird man sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt. Darüber gibt es auch bei der Verbindung nichts zu meckern. Folglich kommt es selten zu Rucklern oder Verbindungsabbrüchen.

Testbericht: Halo Wars 2
Mit unseren Einheiten wagen wir den Kampf gegen die Allianz.

Der Scheinwerfer des Mehrspielers fällt aber auf den neuen Blitz-Modus. Hier gibt es keinen Basenbau, sondern ihr werdet mit Spielkarten ausgestattet. Mit wenigen Ressourcen und ebenso wenig Nachschub müsst ihr taktisch klug entscheiden, welche Karte ihr ausspielt. Hier kann eine gut gespielte Karte über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Außerdem gibt es neben dem normalen Blitz auch noch eine Variante, welche auf den Namen Blitz Firefight hört. Im genannten Modus stellt ihr euch mit einer Gruppe oder alleine Unmengen von Gegnerwellen gegenüber. Auch hier spielt ihr mit den sogenannten Karten.

Mit jedem Stufenaufstieg gibt es ein neues Kartenpaket. Alternativ besteht die Möglichkeit Kartenpakete mit Echtgeld zu kaufen. Hier könnte es schnell unfair werden, denn die Karten leveln mit jedem gekauften Kartenpaket schneller.


Die Technik

Ganz klar – in den Rendersequenzen macht Halo Wars 2 so schnell niemand etwas vor. Sie sehen beeindruckend aus und wirken filmreif. Anders sieht es mit den Ingame-Sequenzen aus. Gerade in den Nahaufnahmen wirken die Einheiten nicht mehr so hübsch. Zusätzlich haben einige Texturen ein leichtes Kantenflimmern.

Aus der Vogelperspektive wirkt das Spiel sehr detailreich. Gerade die Areale glänzen mit anständigen Licht- und Schatteneffekten. Die Karten sorgen mit den unterschiedlichen Klimazonen für eine gelungene Abwechslung. Das Spiel läuft trotz der vielen Effekten und Einheiten ohne große Ruckler ab.

Testbericht: Halo Wars 2
Selbst wenn sich viele Einheiten auf dem Schlachtfeld tummeln, bleibt das Spiel durchgängig stabil.

 

Vom Sound her ist das Spiel ein zweischneidiges Schwert. Natürlich kommt Halo Wars 2 mit dem serientypisch pompösen Soundtrack daher. Innerhalb der Schlachten macht die Vertonung eine gute Figur, trotzdem fangen die elendig gleichen Kommentare der Einheiten irgendwann an zu nerven. Die deutsche Synchronisation in den Zwischensequenzen ist vom Timing auch nicht immer optimal.


Fazit:Award

Halo Wars 2 trifft in die Herzen zweier Zielgruppen. Wer auf Halo und/oder Strategiespiele steht, für den kann man eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Richtig viel Auswahl gibt es für die Konsolen ohnehin nicht. Auch für Neuankömmlinge in diesem Genre bietet Halo Wars 2 mit seinem simplen und einfachen Spielprinzip einen guten Einstieg.

Mit brillanten Zwischensequenzen, einem motivierenden Multiplayer und einer gut umgesetzten Steuerung schaffen es die Entwickler, Spieler bei Laune zu halten. Ein großer Vorteil ist natürlich, dass die Kampagne im Koop spielbar ist. Außerdem ist es Teil des Play Anywhere-Programms.

Einzig die Dauer und der Tiefgang der Kampagne schaffen es die Wertung etwas zu drücken. Daneben hätte ich mir von den atemberaubenden Zwischensequenzen einfach mehr gewünscht, diese lassen irgendwann etwas nach. Zudem lässt die Vertonung ab und an zu wünschen übrig.

Zu guter Letzt trübt das leichte Pay2Win-System den Spielspaß des gut gelungenen Blitz-Modus.


Vielen Dank an Microsoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!

 

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