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PS4 Tests

Testbericht: Gravity Rush 2

Wenn ich an Spiele denke, die aus der Entfernung immer ganz besonders reizvoll und mysteriös wirkten, dann fällt mir unter anderem Gravity Rush ein. Ein originelles Konzept mit anscheinend sehr guter Umsetzung, das stets außerhalb meiner Reichweite war, da kein Mensch auf der Welt eine PS Vita besitzt und Gott bewahre schon gar keine Spiele für ebenjene un–

˙uǝssɐl uǝuıǝɥɔsɹǝ ǝlɥöɥzʇɐɥɔs ǝʇllüɟǝƃ uǝʇsɹǝq ɯnz sıq ǝuıǝ ǝıʍ nııʍ ɹǝp ʞǝɥʇoılqıqǝɹɐʍʇɟos ǝıp ɹɐƃos ulǝʇıʇ uǝʇuɐʌǝlǝɹ uɐ lɥɐʍsnɐ ǝɹɐqnɐɥɔsɹǝqü uǝɹǝp ‚ǝʇlǝpuɐɥ ǝƃɐuoʇɹɐʞ-pɥ ǝʇɹǝnǝʇɹǝqü ɯn ɥɔılpuǝʇzʇǝl ɥɔnsɹǝʌ-plǝɥpuɐɥ sʎuos ıǝq ɥɔıs sǝ ssɐp ‚os ɐʍʇǝ ʇɥɔıu ɥɔnɐ ɐɾ ʇsı sǝ

…huch? Das war seltsam. Für einen Moment war mir so, als hätte sich die ganze Welt gedreht. Na ja… jedenfalls, wo waren wir noch gleich? Ach ja, genau! Ich sollte dieses Videospiel hier rezensieren, hat man mir gesagt. Na okay. Versuchen wir’s mal.


Gravity Rush 2
Muss auch mal sein: Ausruhen zwischen den Runden.

Höher, schneller, tiefer… langsamer?

Wir können uns bekanntlich glücklich schätzen, im goldenen Zeitalter der HD-Remaster zu leben, und so wurde Gravity Rush vor etwa einem Jahr aus den dürren Klauen der Vita befreit und komplett aufpoliert auf der PS4 neu veröffentlicht. Und nicht nur das, nein, auch ein direkter Nachfolger stand plötzlich in den Startlöchern. Natürlich nicht ohne den für Franchises mittlerweile fast obligatorischen Animated Short, der die Ereignisse zwischen dem Ende von Teil 1 und dem Beginn von Teil 2 abdeckt. Wer möchte, kann sich also vor dem Losspielen erstmal Gravity Rush Overture reinfahren, das in knapp 20 Minuten auch Neulingen einen guten Eindruck bietet von dem, was da auf sie zukommt. Wobei hier aber auch explizit erwähnt sei, dass es fast schon erforderlich ist, den ersten Teil gespielt zu haben. Denn wenn Gravity Rush in der Videospielcommunity für eine Sache berühmt ist, dann für seine nicht zuende erzähle Mythologie. Es ist ein irrsinnig tolles Spiel, aber es ließ nahezu alle Fragen offen.

Als Spiel hat Gravity Rush 2 zunächst mal alles, was ein klassisches Sequel braucht: Es bietet eine deutlich größere Welt, es hat eine Vielzahl an Nebenaufgaben (aber zum Glück kein Ubisoft-Cluttering), einige Spielmechaniken bekamen etwas mehr Feinschliff spendiert und andere kamen neu hinzu. Und Kohei Tanaka steuert einmal mehr einen grandiosen Soundtrack bei. Gravity Rush 2 geht dabei das Risiko ein, den Spieler direkt zu Beginn in eine relativ düstere und trostlose Intro-Sequenz zu werfen, die zunächst mal ein Weilchen andauert, bevor Kat ihre gewohnten Schwerkraft-Fähigkeiten wieder einsetzen kann. Das erzielt erzählerisch durchaus die gewünschte Wirkung, da Kat nun erstmal damit klarkommen muss, wie alle anderen zu sein und ihr niemand glaubt. Aber ab dem Punkt, an dem freies Shiften wieder möglich ist, wird dieser Aspekt ihres Charakters viel zu schnell wieder vergessen.

Gravity Rush 2
Die Schönheit der offenen Welt begeistert nachhaltig.

Fallen, sammeln, Kickflip

Das Pacing ist dabei zunächst ähnlich wie beim Vorgänger. Man fliegt, pardon, fällt so durch die Gegend, sammelt unterwegs wertvolle Edelsteine für Upgrades ein und erledigt meist erstmal ein paar Nebenmissionen oder Herausforderungen, bevor es in der Story weitergeht. In Sachen Design, Charakterzeichnung und Storytelling ließe sich Gravity Rush insgesamt wohl am ehesten mit den Filmuniversen von Studio Ghibli vergleichen. Es ist eine einzige audiovisuelle Pracht, die oft ein zufriedenes breites Grinsen verursacht und man merkt dem Sequel deutlich an, dass hier von Grund auf für eine HD-Konsole entwickelt wurde, ohne jedoch die stilistischen Wurzeln zu vernachlässigen.

Die gesamte Inszenierung ist dabei deutlich aufwändiger. Eine Mission, ungefähr auf der Hälfte des Spiels, ist beispielsweise ein gigantisches und komplett auf Kampfaction ausgerichtetes Setpiece, das sich vor den Feature-Königen Uncharted und Call of Duty in Sachen Bombast nicht verstecken muss. Was zunächst ungewohnt ist, da der Erstling in Sachen Format nie so recht eskalieren wollte und sehr charmant mit seiner Low-Key-Attitüde kokettierte. Im Sequel werden aber gelegentlich die Bremsklötze weggetreten und das tut den großen Storymomenten so verdammt gut, auch wenn man die Plötzlichkeit und scheinbare Selbstverständlichkeit gewisser Plotentwicklungen gelegentlich doch in Frage stellen möchte. Zum Ausgleich nimmt sich das Spiel in dem Nebenmissionen reichlich Zeit für Worldbuilding und kleine Seltsamkeiten. Hier können das bisweilen äußerst clevere Writing sowie die exzentrischen Nebenfiguren in der Regel besonders glänzen. Kat ist für mich einer der sympathischsten weiblichen Protagonisten überhaupt und während sie in ihrer Gutmütigkeit (bisweilen auch Naivität) einem Haufen von Leuten bei deren Problemen hilft, lernt man sie automatisch besser kennen.

Zu den sehr positiven Erfahrungen, die ich mit Gravity Rush 2 gemacht habe, zählt unter anderem auch die Online-Komponente. Es ist möglich, von anderen Spielern Missionen zu erhalten, in denen entweder die Bestleistung in einer Herausforderung getoppt oder ein Schatz anhand eines Bildhinweises gefunden werden muss. Der Clou: Gefundene Schätze kann man selbst mit einem selbst geknipsten Hinweis an andere Spieler weiterschicken. Habe ich schon erwähnt, dass Kat im gesamten Spiel eine Kamera samt diverser Bildfilter mit sich herumschleppt? Nein? Habe ich erwähnt, dass ich mehrfach versucht habe, Selfies mit einem Bossgegner zu machen? Das war schon in der HD-Version von The Wind Waker fantastisch und hat hier nichts an Reiz verloren. Wer sich ausreichend in dieser Richtung engagiert, kann zudem exklusive Unlocks abräumen, die über den normalen Spielfortschritt nicht zugänglich sind. Normalerweise ein Ärgernis, aber hier macht es mir so viel Spaß, dass ich gnädig darüber hinweg sehe, zumal es sich nicht um essentielles Equipment handelt.

So, das war doch jetzt genug Zucker, oder? Ja? Finde ich auch. Kommen wir also zu den weniger erfreulichen Begleiterscheinungen.

Gravity Rush 2
Kämpfe gegen Mechs und menschliche Gegner sind an der Tagesordnung.

Lose Enden, lockere Schrauben

Kritikpunkte gibt es aber dennoch reichlich, was jetzt wirklich schlimmer klingt als es ist. Das beginnt schon bei der Ungleichheit der beiden alternativen Kampfstyles, die Kat im Laufe der Stroy zur Verfügung gestellt werden. So bekommt beispielsweise der leichtfüßige Lunar Style eine Menge Aufmerksamkeit mit diversen Nebenmissionen und Rennen, der schwere Jupiter Style hingegen bleibt abgesehen von „seinen“ Missionen recht gimmicky und hilft höchstens mal hier und da im Kampf weiter. Das heißt, sofern man sich im Kampf überhaupt nahe an den Gegner heranwagt, denn durch die Überarbeitung der Stasis Bubble ist das Werfen von herumliegenden Gegenständen in Gravity Rush 2 ein bisschen überpowert, insbesondere, weil einem dank herumliegendem Kram nie die Munition ausgeht.

Das neu eingeführte Talisman-System, mit dem Kat diverse Status-Buffs erhalten kann, bleibt ebenfalls eine Randerscheinung. Meist nimmt man einfach die mit, die man auf dem Weg findet oder bekommt und fährt damit ganz gut. Auch die Minenabschnitte, die man über den mühseligen Prozess von jeweils zwei Ladebildschirmen besuchen und wieder verlassen muss, sind kein Spaßhighlight und dienen, abgesehen von ihrem Erscheinen in der Story, überwiegend zum Grinden von Upgrade-Materialien. Dass sie ziemlich groß sind, macht es nicht besser. Überhaupt dauert das Reisen von einer Ecke der Spielwelt zur nächsten manchmal einen kleinen Tick zu lang. Das lässt sich dank Gullideckel-Schnellreisesystem teilweise umgehen, aber auch eben nur, nun ja, teilweise.

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Vielleicht die größte Sünde überhaupt ist aber die zu hohe Zahl an Situationen, in denen Kat das, was sie besonders macht, kaum bis gar nicht nutzen darf. Schleich- und Eskortmissionen sind ja an und für sich völlig in Ordnung, aber wenn ich jedes mal erleichtert aufatme, sobald ich merke, dass es keine ist, läuft was schief. Einige dieser Situationen werden vom oben erwähnten guten Writing gerettet, andere machen tatsächlich Spaß (beispielsweise die Infiltration einer Militärbasis zusammen mit Raven inklusive Simultan-KO-Stealthkicks), aber der überwiegende Teil zieht sich hin.

Wo wir schon so in Fahrt sind, vielleicht noch ein bisschen Kritik der ganzheitlichen Erzählstruktur: Das letzte Viertel der Story haut dem Spieler alle offenen Fragen des ersten Teils links und rechts um die Ohren und beantwortet sie auch. Nicht alle davon absolut zufriedenstellend, aber wenigstens die meisten. Es war für mich einerseits ein absoluter Genuss, endlich die vollständige Geschichte präsent zu haben. Insbesondere mit dem Gedanken daran, dass die Weltensäule im ersten Teil ein irrsinnig mysteriöser und bizarrer Ort mit extrem unangenehmer Atmosphäre war. Andererseits ist das eben auch ein riesengroßer Exposition Dump und trotz einiger überraschender Gameplay-Änderungen alles andere als elegant. Okay, egal. Ich freu mich trotzdem darüber, de–

˙ɥɔıǝɹʇsǝıuǝƃ ɹǝuıǝlʞ uıǝ ɥɔıɯ ɹüɟ ʇsı ‚ʇƃäɹd ǝʇɥɔıɥɔsǝƃpunɹƃɹǝʇuıɥ ǝʇɯɐsǝƃ ǝɹɥı uɹǝpuos ‚ʇɐɥ ǝʞɔǝʍzʎɐldǝɯɐƃ ɹnu ʇɥɔıu ɹǝpɐ ǝlɐızos ǝʇƃäɹdǝƃsnɐ ʞɹɐʇs sʇɐʞ ssɐp uuǝp ˙uǝlǝıdsoǝpıʌ uı ɯoɹpuʎsɹǝɟlǝɥ ɐɯǝɥʇ ɯnz ʎɐssǝ sǝuǝƃıǝ uıǝ ɥɔou ɹǝıɥ ǝpuüʇs os ‚uǝɥǝƃ ɯnıɹoʇıɹɹǝʇ-ɹǝlıods suı ɟǝıʇǝıuʞ ʇɥɔıu ʇıɯɐp ɥɔı ǝpɹüʍ pun

…wow, was war das denn jetzt schon wieder? Mann, ich sollte echt ins Bett. Hier dreht sich schon alles…

Fazit:

AwardMit Gravity Rush 2 hat Sony Japan einen würdigen Nachfolger für den Vita-Kulttitel um die Gravity Queen Kat rausgehauen. In Sachen Gameplay ist es more of the same mit einigen netten Erweiterungen und Gimmicks, erzählerisch ist es jedoch ein deutlicher Schritt nach vorn. Es bleibt abzuwarten, welche Lücken der kommende Gratis-DLC The Ark of Time: Raven’s Choice noch schließen wird, aber bereits in seiner jetzigen Form haben wir es hier mit einem extrem hochwertigen Titel zu tun. Wer den Vorgänger mochte und dazu noch eine Schwäche für offene Welten und großartiges Artdesign hat, greift umgehend zu. Alle anderen spielen erstmal den Vorgänger, um sich vor Augen zu führen, warum selten eine Fortsetzung so dringlich war wie diese.


Wir bedanken uns bei Sony für die freundliche Bereitstellung des Testmusters.

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