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PS4 Tests Xbox One

Testbericht: For Honor – Mehrspielerspaß im dunklen Zeitalter

Ein unerbittlicher Kampf tobt in dieser Nacht. Schweiß und Blut laufen unter meiner Samurai-Rüstung hindurch, als ich mich einem feigen Deserteur zum Duell stelle. Kriegsherr der Wikinger Philipp und Mitglied des Ritterordens Tim haben ihre Einsatzberichte aus vorherigen Schlachten bereits öffentlich gemacht. Der Krieg tobt, die Klingen treffen aufeinander, ob wir mit For Honor einen Sieg davon tragen konnten, erfahrt ihr im mit letzter Kraft und Blut geschriebenen Testbericht!


Die Kampagne

Gleich Vorweg: Wer für den Preis von etwa 60 Euro ein großartiges Erlebnis im Bereich des Einzelspielers sucht, der ist bei For Honor fehl am Platz. Das Herzstück des Spiels ist definitiv der Mehrspielermodus, dennoch wollen wir natürlich auch kurz ein paar Worte über die Kampagne(n) verlieren.

Der Einzelspieler von For Honor umfasst ungefähr fünf bis acht Stunden Spielzeit. Je nach Schwierigkeitsgrad und Spieltempo. Außerdem wird der Einzelspieler-Part in drei Kampagnen unterteilt und lässt euch aus der Sicht von jeder der drei vorhandenen Fraktionen spielen.  Zu Beginn steht dabei nur die Fraktion der Ritter zur Verfügung.

Im Grunde genommen geht es bei der Story um die Vorgeschichte zu den Mehrspieler-Schlachten, die das Herzstück des Spieles einnehmen. Im Laufe der Handlung erleben wir wie die mysteriöse Apollyon die drei Kriegsparteien gegeneinander ausspielt und uns ein ums andere Mal hinters Licht führt.

Testbericht: For Honor
Antagonistin Apollyon gibt sich die Ehre.

 

Innerhalb der drei Kampagnen schlüpfen wir immer wieder in die Rolle unterschiedlicher gesichtsloser Charaktere. Mit anderen Worten bietet der Einzelspieler eine hervorragende Basis – da man die einzelnen Klassen kennenlernt – und man so ein gutes Training für die bevorstehenden Mehrspieler-Schlachten erhält. Vor jeder Mission dürfen wir uns den Schwierigkeitsgrad, sowie zwei Fähigkeiten unseres Kriegers aussuchen. Beispielsweise gehören dazu ein kurzer Heilungsschub oder das Ignorieren von gegnerischen Blockmanövern.


Großartige Inszenierung, Koop & lineare Missionen

Die Missionen verlaufen streng linear. Zwar gibt es ab und an mal Weggabelungen, dennoch seid ihr in euren Aktionen stark eingeschränkt. Ihr könnt beispielsweise nicht springen oder schleichen. Kurzum habt ihr nicht viele Möglichkeiten euer Ziel zu erreichen. Auch der Ablauf der Missionen lässt sich im folgenden Muster zusammenfassen:

  1. Missionsziele ablaufen.
  2. Auf dem Weg Kanonenfutter und mehr oder weniger starke KI-Gegner ausschalten.
  3. Gegebenenfalls eine Aktionstaste drücken um beispielsweise Türen zu durchbrechen.
  4. Duell gegen Boss-Gegner. (Die können durchaus knifflig sein.)

Aufgelockert werden die faden Missionen durch die hervorragende Inszenierung und kleinere abwechslungsreichere Passagen. Hauptsächlich geht es natürlich ums sture Gemetzel wie es beispielsweise schon bei Ryse: Son of Rome an der Tagesordnung stand. Ab und an gibt es allerdings Abschnitte, in denen man sich beispielsweise als Wikinger auf sein Pferd schwingt und an einer Verfolgungsjagd teilnimmt. Die Inszenierung ist Ubisoft sehr gut gelungen, immer wieder erwarten uns hunderte von Soldaten auf dem Bildschirm. Geschosse der Katapulte schlagen neben uns ein oder die Bogenschützen bringen den Himmel durch Flammenpfeile zum brennen.

Testbericht: For Honor
Nach dem Sieg unserer ersten Schlacht in der Kampagne, bekommt unser Ritter einen neuen Anstrich.

All das läuft auch aus technischer Sicht problemlos ab. Außerdem kann sich die deutsche Vertonung wirklich hören lassen. Ein netter Bonus ist unter anderem auch, dass man die Kampagne im Online-Koop mit einem weiteren Mitstreiter spielen kann. Dabei wird allerdings grundsätzlich eine Internetverbindung zum Spielen von For Honor vorausgesetzt.


Das Herzstück des Spiels – der Fraktionskrieg

Der plattformübergreifende globale Fraktionskrieg stellt ganz klar das Herzstück von For Honor dar. Zum Spielstart wählt man eine Fraktion aus mit welcher man am Spielgeschehen teilnehmen will. Anschließend darf man sich ein eigenes Wappen basteln. Sobald man sich für eine Fraktion entschieden hat, wechselt die Ansicht auf eine große Karte und der Fraktionskrieg wird erklärt. Kurzum geht es darum mit seiner Partei mehr Felder auf der Karte einzunehmen, als die anderen. Nach jeder Mehrspieler-Partie hat man die Möglichkeit, Kriegsressourcen zur Verteidigung oder zum Angriff eines Feldes einzusetzen. Alle sechs Stunden wird die Karte aktualisiert und man sieht, was die einzelnen Fraktionen erreicht haben. Eine Saison besteht aus fünf Runden, eine Runde dauert zwei Wochen. Mitglieder des siegreichen Teams dürfen sich über Belohnungen freuen.

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Das Herzstück des Spiels – die Karte des Fraktionskrieges.

Um auf die Belohnungen zu sprechen zu kommen. Mit etwas Glück habt ihr die Möglichkeit nach jeder Runde Loot zu ergattern. Sei es eine neue Klinge, ein neuer Schaft oder neue Rüstungsteile. Außerdem erlangt ihr Stahl, mit welchem man sich Lootboxen wie bei Overwatch kaufen kann. Anders als dort hat hier die Ausrüstung aber auch Auswirkung auf die jeweiligen Statuswerte. Zusätzlich kann jeden der 12 auswählbaren Helden farblich angepasst werden.

Unter anderem gibt es auch die Möglichkeit, Stahl über tägliche- und wöchentliche Aufgaben zu erlangen. Ebenso gibt es das ein oder andere Eventziel, welches mit allen Spielern erreicht werden muss (Beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Exekutionen).


Die Spielmodi

Ins Spiel haben es insgesamt fünf verschiedene Spielmodi geschafft.

Fangen wir erst mal mit dem Duell an. Wie der Name schon sagt, dreht es sich hierbei um das klassische Eins gegen Eins. Keine Überzahl, keine Ausrüstung – hier kommt es wirklich auf die Fähigkeiten der beiden Spieler an. Jeder sucht sich einen der Zwölf Helden aus und im Best of Five geht es darum, drei der fünf Runden zu gewinnen. Ähnlich wie bei Beat ‚em ups, gilt es nun, seinen Feind mit Kombos und Finten auf die Bretter zu schicken. Dabei wird deutlich, dass das Kampfsystem auf dem zweiten Blick doch mehr zu bieten hat, als man anfangs denkt.

Testbericht: For Honor
Der Raider eignet sich mit seiner Schwierigkeit optimal für den Einstieg in die Welt von For Honor.

Im Grunde genommen ist das Handgemenge nichts anderes. Wieder wird Best of Five gespielt. Allerdings treten hier vier Spieler in zwei Teams gegeneinander an. Zugegeben ist dieser Modus irgendwo zwischen gut und böse. Eine große Schwäche von For Honor ist nämlich ihre Community (da kann das Spiel ja nicht unbedingt etwas für). Folglich hat man nämlich die Möglichkeit zu zweit schnell einen der Kontrahenten zu plätten und sich dann ganz bequem um den überlebenden Letzten zu kümmern. Ob das fair ist oder nicht, sei mal außer Acht gelassen – Krieg ist nunmal dreckig!

Spieler der Beta dürften den Herrschafts-Modus bereits kennen. Hier geht es in einem vier gegen vier darum, drei Punkte auf dem Schlachtfeld einzunehmen und zu kontrollieren. Das kennt man bereits aus Spielen wie Call of Duty oder Titanfall und ist mit Abstand der taktischste Modus der fünf Spielvarianten. Hat man genug Punkte gesammelt, geht man in die zweite Phase. In dieser werden die Portraits des hinten liegenden Teams am Bildschirmrand angezeigt. Sollten jetzt alle Gegner besiegt worden sein, so gewinnen die Überlebenden das Spiel. Um dies abzuwenden, gibt es noch die Möglichkeit, schnell die Eroberungspunkte wieder einzunehmen.

Testbericht: For Honor
Mit Gesten können wir über den Gegner spotten, ihn provozieren oder unseren Sieg feiern.

Zu guter Letzt reiht sich noch der Modus Vernichtung ein. Diesen gibt es in zwei verschiedenen Formen, einmal mit Respawn und einmal ohne. Hier treffen acht Spieler in zwei Teams aufeinander und messen sich im Best of Five bis zum Tod miteinander.


Das Kampfsystem

Das Kampfsystem ist von der Basis her sehr einsteigerfreundlich ausgefallen. Um aber wirklich das Maximum des bevorzugten Charakters herauszuholen, muss man sich doch eine gewisse Zeit damit beschäftigen.

Im Grunde gibt es drei Haltungen, welche man mit dem rechten Analogstick beeinflussen kann. Je nachdem welche Haltung eingenommen wird, so wird auch angegriffen oder geblockt. Es gibt unterschiedliche Arten anzugreifen, grundlegend gibt es einen schweren- und einen leichten Angriff. Darüber hinaus gibt es noch charakterspezifische Angriffe und Eigenschaften wie zum Beispiel Blutungs- oder Konterangriffe. Um die Abwehr seiner Gegner zu durchstoßen, kommt ein Abwehrbrecher hinzu. Dadurch gerät er ins Taumeln und kann dann umgeworfen werden.

Ist der Gegner kurz vor dem Tod, gibt es die Möglichkeit ihn mit einer eindrucksvollen Exekution ins Jenseits zu befördern. Diese Attacken füllen das Leben teilweise wieder auf, außerdem wird anderen Spielern verwehrt, den exekutierten Spieler wiederzubeleben.

Testbericht: For Honor
Die Defensive ist ein wichtiger Punkt im Kampfsystem.

Alles in Allem bietet For Honor ein umfangreiches Schere-Stein-Papier-Prinzip. Spieler die nur verteidigen, werden irgendwann vom Abwehrbrecher überrascht. Auf der anderen Seite kann man diesen leicht mit einem Angriff kontern.

Sieht man sich mehreren Gegnern gegenüber, kommt der Rache-Modus ins Spiel. Sobald es soweit sein sollte und ihr von zwei Gegenspielern anvisiert werdet, lädt sich unten links ein Balken auf. Infolgedessen könnt ihr die „Rache“ per Knopfdruck aktivieren. In diesem Zustand kosten eure Angriffe keine Ausdauer, außerdem haltet ihr etwas mehr aus.

Von der Basis her ist das Kampfsystem simpel, dennoch kommt jeder Charakter mit seinen eigenen Fähigkeiten und Kombos daher. Die Friedensstifterin ist im Vergleich zum Raider zum Beispiel sehr wendig und setzt auf Blutungen, während der Raider mit seiner Zweihandaxt auf Würfe, Robustheit und nicht blockbare Angriffe setzt.


Die Technik

Aus der technischen Sicht macht For Honor sehr vieles richtig. Bei dem ganzen Gewusel auf dem Bildschirm sieht der Titel unfassbar gut aus. Im Einzelspieler begeistert Ubisoft mit dynamischen Kamerafahrten und bildgewaltigen Cutscenes wie es ein Call of Duty nicht besser machen kann. Lichteffekte, Charakterdesign und die Darstellung der Welt wissen zu glänzen und überzeugen in der von uns getesteten PS4-Version. Trotzdem mischt sich ab und an auch eine matschige Bodentextur ein.

Nur der Sound schafft es die Grafik noch zu übertreffen. Das kreuzen der Schwerter, die Schläge und die Schreie während der Kämpfe sind erstklassig. Wie schon mehrfach erwähnt ist auch die deutsche Vertonung sehr gut gelungen.

Testbericht: For Honor
Auch ohne unseren Einfluss nimmt die Schlacht seinen Lauf.

 

Der einzige Wermutstropfen im Technikbereich sind die langen Ladezeiten und das spezielle Matchmaking. Oftmals dauert Letzteres nämlich sehr lange und selten kommt es auch zu kompletten Verbindungsabbrüchen. Woran liegt das? Wahrscheinlich daran, dass Ubisoft komplett auf dedizierte Server verzichtet. Ergo übernimmt einer der Spieler die Rolle als Host. Sobald dieser das Spiel verlässt, wird der Host auf ein anderes Mitglied der Schlacht migriert.


Online-Zwang, Balancing & Langzeitmotivation

Die Unterüberschrift gibt schon eine grobe Einleitung auf die Kritik, welche For Honor erwarten wird. Den Anfang macht der Fakt, dass man zwanghaft online sein muss. Dies ist selbst in der Einzelspielerkampagne der Fall. Werden die Ubisoft-Server gewartet oder sind gestört, könnt ihr euch lediglich genüsslich das Spielmenü anschauen. Auch ein lokaler Mehrspieler wäre eine nette Funktion gewesen.

Zudem gibt es auch in Sachen Balancing das eine oder andere Probleme. Beispielsweise sind Helden wie der Kriegsherr in den richtigen Händen quasi unüberwindbar. Demgegenüber kommt der Raider in den Duellen gegen schnelle Gegner sehr schwach daher und ist nahezu chancenlos.

Die flache und geradlinige Story fällt mit ihren sechs Stunden Spielzeit auch sehr kurz aus. Natürlich ist diese nicht das Herzstück des Spiels, dennoch wäre etwas mehr schön gewesen. Ebenso schön wäre es gewesen, wenn die Helden innerhalb der Story etwas mehr Persönlichkeit und ein Gesicht hätten.

Testbericht: For Honor
Nicht nur mit der Axt! Auch mit Schild und Schwert ziehen die Wikiniger in die Schlacht.

Zu guter Letzt kommt noch die Langzeitmotivation hinzu. Das muss natürlich irgendwo auch jeder selber wissen. Ich für meinen Teil bin mir nicht sicher, ob For Honor es schafft auch nach der hundertsten Partie noch an den Bildschirm fesseln zu können. Die Karten wiederholen sich regelmäßig, sodass man schon an einem Abend alles gesehen hat. Bleibt nur zu hoffen, dass Ubisoft hier im besten Fall noch nachrüsten kann.


Fazit:

Bisher hatte ich mit For Honor wirklich viel Spaß. Gerade die intensiven Online-Duelle haben mir Freude bereitet. Demnach kann es schon mal vorkommen, dass man sich mit seinem Gegner packende Duelle über die vollen fünf Runden liefert. Folglich ist das Gefühl über den Sieg eines schweren Gegners unbeschreiblich intensiv. Der Einzelspieler hat mit Apollyon eine interessante Antagonistin bekommen. Vorallem mit der Inszenierung und den technischen Aspekten kann Ubisoft hier trumpfen.

AwardDer Spielspaß wird aber leider durch den Online-Zwang und dem schwachen Einzelspieler-Modus getrübt. Dafür sind die Missionen einfach zu linear und bieten dem Spieler zu wenig Freiheiten. Manche der Missionen laden gerade nur zum Schleichen ein. 

Im Kontrast zu den Rundenzeiten, fallen die Ladezeiten im Mehrspieler etwas zu lang aus. Auch das Matchmaking könnte noch etwas optimaler funktionieren, dieses dauert teilweise sehr lange. Demgegenüber wären dedizierte Server schön gewesen, wenn aus Frust einer Niederlage ein Host das Spiel verlässt wird es doch eine zähe Angelegenheit.


Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung des Testmusters!


Abschließend haben wir hier noch etwas Gameplay von der Xbox One Fassung für euch aufgenommen:

Dieses Video ansehen auf YouTube.

 

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