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PS4 Tests Xbox One

Dead by Daylight im Test

Dead by Daylight ist nichts für schwache Gemüter. Mein Herz rast. Eifrig schraube ich an einem Stromgenerator, während zwei Raben meine Bemühungen beobachten. Hinter mir ein Rascheln. Ich drehe mich um: Nichts zu sehen. „Reiß dich zusammen,“ denke ich mir, immerhin ist dieser Generator der Letzte, der uns vom Weg in die Freiheit trennt. Doch plötzlich ertönt der leise Klang eines Windspiels. Gänsehaut macht sich breit. Der Killer nähert sich. Zeit, um mein Leben zu laufen.


Dead by Daylight – Vier Überlebende für ein Halleluja

Nach einem Jahr PC-Exklusivität schlägt das asymmetrische Multiplayerspiel Dead by Daylight nun also endlich auch auf PlayStation 4 und Xbox One auf. Das Spielprinzip des Horrortitels ist dabei relativ schnell erklärt. Vier Überlebende kämpfen gegen einen Killer um das nackte Überleben. 

Auf den verschiedenen Karten befinden sich fünf Stromgeneratoren an zufällig ausgewählten Plätzen, welches es zu reparieren gilt. Haben wir alle Generatoren zum Laufen gebracht, müssen wir noch ein Tor öffnen, durch welches wir entkommen können. Alternativ öffnet sich allerdings auch eine Falltür, wenn nur noch ein Spieler am Leben sein sollte und mindestens zwei Generatoren repariert wurden. Klingt einfach? Keineswegs, dafür wird der Killer schon sorgen.

Mist, das hat der Killer bestimmt gehört. © Steam

Dabei bleibt es jeweils den Spielern selbst überlassen, ob sie als Team zusammenarbeiten, oder als einsame Wölfe ihr Glück versuchen wollen. Allerdings bietet die Zusammenarbeit einige Vorteile, beispielsweise nehmen die Generatoren schneller wieder ihre Arbeit auf, wenn zwei Überlebende an ihnen arbeiten. Außerdem dürfen wir unsere Kameraden heilen oder sogar „wiederbeleben“, wenn sie dem Mörder zum Opfer gefallen sind.

Dieser macht nämlich ganz alleine Jagd auf das Quartett und muss sie an einem Haken ausbluten lassen, um ihnen endgültig den Garaus zu machen. Ja, Dead by Daylight ist kein Spiel für Kinder. Trotz brutalem Konzept gibt sich der Titel allerdings nicht übermäßig blutig.


Von Fallensteller, Geist und dem Doktor

Das Bewegungsrepertoire der Überlebenden ist dabei stark begrenzt. Diese steuern wir aus der Verfolgerperspektive, während der Killer das Spielgeschehen aus der Ego-Ansicht erlebt. Das sorgt für eine bessere Übersicht, um dem blutdurstigen Monster von der Schippe zu springen, wenn es einmal brenzlig wird.

Ansonsten dürfen wir lediglich sprinten, uns ducken und mit der Spielwelt interagieren. Allerdings sollte man die Sprinttaste mit Bedarf einsetzen. Logischerweise sind die dabei verursachten Geräusche lauter und zeigen unserem Verfolger besser an, wo wir uns gerade befinden. Beispielsweise, wenn wir Krähen aufscheuchen oder beim Quick-Time-Event während der Reparaturen scheitern, denn das verrät dem Killer kurzzeitig unsere Position. 

Da auch der Mörder kaum mehr Möglichkeiten hat, dabei aber schneller unterwegs ist als wir, sollten wir bei der Flucht stets die Umgebung im Auge behalten. Offene Fenster und angelehnte Bretterstapel, die wir umwerfen können, sind dabei unsere besten Freunde. So ergeben sich mitunter einige enorm spannende Partien, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Wenn der Killer in Dead by Daylight hinter uns her ist, heißt es rennen. © Steam

Zudem dürfen wir die insgesamt neun Überlebenden aufleveln. Für alle Aktionen während des Spiels erhalten wir Blutpunkte, mit denen wir neue Gegenstände und Fähigkeiten freischalten können. Allerdings erklärt das Spiele diese viel zu schlecht, sodass wir selbst herausfinden müssen, wofür uns Werkzeugkasten, Taschenlampe oder Strickseil nützlich sind.

Alle Überlebenden warten zudem mit unterschiedlichen Fähigkeiten auf. Allerdings müssen wir diese erst freischalten. Wie das geht? Auch das erklärt uns das Spiel nicht. Ist auch egal, letztlich spielen sich alle menschlichen Charaktere weitestgehend gleich. Viel besser sieht es da schon bei unserem Gegenspieler aus.

Insgesamt sieben Angst einflößende Killer sind im Spiel vertreten, die allesamt mit eigenen Stärken und Schwächen aufwarten. Der Fallensteller kann so beispielsweise Bärenfallen auslegen, die uns festhalten und verletzen. Die Krankenschwester kann sich teleportieren, die Hexe verteilt Fallen, die Trugbilder erschaffen und ihr die Position der ausgelösten Falle anzeigen.

Die abwechslungsreichen Killer sind sehr gut gelungen.

Die verschiedenen Charaktere spielen sich dabei sehr unterschiedlich und stellen auch aus optischer Sicht das Highlight des Spiels dar.


Wie, das war’s schon mit Dead by Daylight?

Das Positive gleich vorab: Hat man das Spielprinzip erst einmal verinnerlicht, kann Dead by Daylight eine Menge Spaß machen. Kann? Ja, denn leider hat das Spiel mit einigen herben Bugs und Problemchen zu kämpfen.

Bereits im Hauptmenü wird deutlich, dass die Portierung des PC-Spiels leider äußerst schlampig ausgefallen ist. Die Navigation erfolgt über eine Art Mauszeiger. Anzeigen für die Tasten des Controllers sind zwar vorhanden, bleiben aber teilweise ohne Funktion. Was zum…?

Außerdem sind die Menüs teilweise in englischer und teils in deutscher Sprache gehalten. Tutorials sucht man vergebens, hier wäre ein spielbarer Einstieg in das anfangs doch recht komplex anmutende Spiel wünschenswert gewesen. Doch leider muss man sich mit rudimentären Hilfetexten begnügen.

Viel schlimmer sind allerdings die Probleme während des Spiels. Leider hat Dead by Daylight des Öftern mit herben Rucklern und Lags zu kämpfen. Das ist besonders ärgerlich, da es sich um einen reinen Onlinetitel handelt. Eine Einzelspielerkampagne oder einen Couch-Coop sucht man vergebens. 

Die Technik ist durchschnittlich, aber die Atmosphäre enorm dicht.

Auch die Technik des Spiels rangiert trotz Unreal Engine 4 lediglich auf durchschnittlichem Niveau. Leider sind die Umgebungen ziemlich detailarm ausgefallen und nervige Treppchenbildung stößt sauer auf. Hakelige Animationen und eine eintönige Farbkulisse runden diesen Eindruck ab. Zudem ähneln sich die verschiedenen Karten zu sehr. 

Auf der anderen Seite schafft der Titel aber vor allem durch seinen Sound eine wahnsinnig dichte Atmosphäre, die bei uns fast im Sekundentakt für Herzrasen sorgt. „Hat sich da etwas bewegt? Was war das für ein Geräusch? Oh Gott, er kommt!“

Trotz all der Probleme entwickelt das Spiel jedoch ein enormes Suchtpotential. Hat man sich erst einmal hineingefuchst und die Spielmechaniken verinnerlicht, kann man so schnell nicht mehr aufhören zu spielen. Und das, obwohl das Gameplay auf allen Karten gleich bleibt. 

Für ein paar schnelle Runden, idealerweise im Team mit Freunden, ist Dead by Daylight allerdings sehr gut geeignet und wer weiß, vielleicht gelingt es den Entwicklern ja, den Titel durch künftige Updates noch deutlich aufzuwerten.


Fazit:

Wieder einmal fungieren wir Spieler also als Beta-Tester, das nervt! Dabei macht Dead by Daylight eigentlich eine Menge Spaß und ist ein Garant für atmosphärische und nervenaufreibende Hetzjagden durch die Nacht.

Wären da bloß nicht die ganzen Bugs und Fehler. Das Spiel wirkt schlicht unfertig. Wieso muss ich auf der Konsole mit dem Mauszeiger navigieren? Warum stellt sich auf einmal im laufenden Spiel meine Steuerung um? Das nervt!

Kann ich dann aber doch mal eine Partie fehlerfrei durchspielen, entwickelt der Horrortitel mitunter enormes Suchtpotential. Die Suche nach den Generatoren, bei der jeder einzelne Schritt wohlüberlegt sein will, ist den Entwicklern enorm spannend gelungen. Die Zusammenarbeit mit den anderen Spielern macht Spaß und es ist eine Mords Gaudi, dem Killer in letzter Sekunde sein Opfer vom Haken zu entreißen und die Beine in die Hand zu nehmen.

Auch die abwechslungsreich gestalteten Mörder zu spielen macht eine Menge Spaß. Ärgerlich jedoch, dass es keinen Singleplayer oder Couch-Coop gibt. Auch das unübersichtliche Upgrade-System nervt. Für Fans von Horror- und Multiplayer-Spielen kann ich Dead by Daylight jedoch trotzdem eine Empfehlung aussprechen. Für ein paar schnelle Partien zwischendurch eignet sich der Titel jedenfalls sehr gut. 


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