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Testbericht: Batman: The Telltale Series

Nach Game of Thrones, Borderlands und Minecraft folgt für Telltale Games mit Batman das nächste große Franchise, desseen man sich annimmt. Da sich die Formel der Titel kaum unterscheidet, hielten wir es für eine gute Idee unsere Meinung innerhalb eines Dialogs zu äußern und zu erkunden, ob den Entwicklern eine gute Umsetzung gelungen ist. Damit unsere Argumente insbesondere in Bezug auf die Story besser nachvollzogen werden können, wollen wir in kurzen Sätzen sagen, wie wir zu Batman und der mit ihm verbunden Welt stehen und was unsere Erfahrungen und/oder Erwartungen sind. Darum würde ich jetzt meinen Kollegen Tim fragen, wie gut er sich mit der Materie auskennt.

Tim: Ich muss gleich vorweg sagen, dass mich Telltale relativ früh verloren hatte. Ich habe mir seinerzeit The Walking Dead Episode 1 geholt, um herauszufinden, was denn der ganze Hype soll und war anschließend ziemlich ernüchtert, wenn nicht sogar sehr enttäuscht. Telltale wusste mit Quick-Time-Events tatsächlich umzugehen, Dialogentscheidungen unter Zeitdruck würde ich mir in so manchem Rollenspiel wünschen, genau wie die Option auch einfach mal Nichts zu sagen. Ansonsten fand ich die Story ziemlich schwach und die angeblichen Entscheidungen fühlten sich von Anfang an ziemlich unbedeutend an. Noch dazu bin ich jemand, der Batman zwar ganz ok, den Rest der DC-Helden oft aber deutlich interessanter findet. Kurz gesagt: Ich bin vermutlich der perfekteste Tester, den wir in unserem Team finden konnten – nicht. Und trotzdem habe ich mich der Herausforderung gestellt, man muss ja doch auch über den eigenen Schatten springen können.

Lukas: Tatsächlich ist es bei mir völlig anders. Trotz meines Interesses an den Spielen habe ich zuvor keinen Titel von Telltale selber gespielt. Auf der anderen Seite bin ich ein großer Fan von Superhelden, habe diverse Comics gelesen, so ziemlich alle Filme geschaut und mehr Zeit auf dem Marvel- oder DC-Wikia verbracht als nötig. Würde dir aber zustimmen bei der Aussage, dass andere Helden oft interessanter wirken. Natürlich mag ich Batman, aber selbst dort finde ich Nebencharaktere wie Catwoman oder seinen Sidekick Nightwing deutlich faszinierender. An diesem Punkt ist es ein offenes Geheimnis, dass Warner Bros. aus den anderen Marken nicht so viel Geld rausschlagen kann. Das beweisen viel beworbene Gastauftritte von Batman in der Film-Adaption von Suicide Squad und dem aktuellen animierten Film Justice League Dark.

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Wie der Vater, so der Sohn? Das ist eine der zentralen Fragen des Adventures.

Tim: Es stellt sich halt eine gewisse Übersättigung ein, wenn man zum gefühlt fünfzigsten Mal Thomas‘ und Martha Waynes Mord erlebt. So emotional dieser Moment für Bruce sein mag, so kalt lässt er mich mittlerweile. Deshalb hat es mich gefreut, dass sich die Telltale-Autoren an der einen oder anderen Stelle tatsächlich getraut haben, ein paar Dinge mal auf den Kopf zu drehen und eigene Wege einzuschlagen, die dann so auch nicht unbedingt vorhersehbar waren.

Lukas: Darüber habe ich mich ebenso gefreut. So schwer es manchmal sein mag sich an neue Interpretationen zu gewöhnen, ich finde sie mittlerweile viel ansprechender. Denn wenn ich den Tod der Waynes noch einmal in einem Medium miterleben muss, übergebe ich mich. Das aber nur als Randnotiz, kommen wir zum eigentlichen Thema, den fünf Episoden und ob die Entwickler es schafften uns von ihrer Idee zu überzeugen. Und vorweg muss ich sagen, dass ich zwar von der Geschichte und der veränderten Mythologie überzeugt bin, ich die Umsetzung stellenweise aber doch etwas dürftig finde.

Tim: Beim Thema dürftig möchte ich dann gleich loswerden, dass Penguin hier eine mittlere bis halbschwere Katastrophe war. Der übertriebene London-Gangster-Akzent machte ihn für mich zu einer kompletten Lachnummer, die ich zu keiner Zeit ernstnehmen konnte, insbesondere weil ich sie mental dann immer gleich mit der meiner Meinung nach sehr guten Version der Gotham-Serie verglichen habe. Alle anderen Figuren fand ich dafür ziemlich gut getroffen, obwohl es mir lieber gewesen wäre, wenn Alfred nicht immer zu Allem Ja und Amen gesagt hätte.

Lukas: Ich denke man hat sich bei der Umsetzung vom Penguin auch klar an der Serie orientiert und finde, dass der Schauspieler Robin Lord Taylor einen deutlich besseren Eindruck macht und für mich zu den guten Aspekten der Serie gehört. Ähnlich sehe ich auch das Problem mit Alfred. Während ich die Entscheidungen als Batman traf, versuchte ich möglichst diplomatisch zu bleiben und da mag es nicht so stark auffallen, aber der Butler hinterfragt nicht eine der Entscheidungen seines Arbeitgebers und ich finde das nimmt dem Charakter etwas weg in meinen Augen und lässt ihn wie eine Mutter wirken, die dem eigenen Kind nicht widersprechen kann. Möglicherweise ist das seitens der Entwickler Absicht gewesen, für mich funktionierte diese Entscheidung allerdings nicht. Positiv überrascht war ich hingegen von Selina Kyle aka Catwoman. Zugegeben, ich bin ein großer Fan und eventuell etwas voreingenommen, aber neben den frechen Kommentaren und der Chemie zwischen ihr und Batman hat man einen interessanten Einblick in ihre eigene Gedankenwelt erhalten in den ruhigen Momenten, sofern man seine eigenen Karten natürlich richtig gespielt hat.

Tim: Absolute Zustimmung bezüglich Catwoman, die natürlich im Spiel mit drin sein musste. An ein paar Eckpfeilern der Batman-Ikonographie kommt man ja doch nicht vorbei, allerdings war dann der Oberbösewicht jemand, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte und durchaus eine sehr positive Überraschung. Sehr gut fand ich auch, dass man sich an verschiedenen Stellen entscheiden konnte, sich einer Situation entweder als Bruce Wayne oder Batman zu stellen, was dann zumindest kleinere Details im Story-Verlauf ändern konnte. Mittlerweile sollte ja doch jeder wissen, dass das große Versprechen von „Entscheidungen“ im Videospielgenre oft nur so halb gehalten wird – egal ob bei Telltale oder Mass Effect. Dennoch empfand ich das als eine gute Idee, sich entscheiden zu müssen, ob man als reicher Playboy oder als Superheld gewisse Probleme löst.

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Batman oder doch „nur“ Bruce Wayne? Es ist dem Spieler überlassen, in welcher Rolle man die jeweilige Situation löst.

Lukas: Es ist unausweichlich bestimmte Charaktere mit einzubinden, da sie ja auch eng mit dem Hauptcharakter verknüpft sind. Darum war es für mich auch keine Überraschung einem grünhaarigen Bekannten während eines Ausflugs in die Nervenheilanstalt zu begegnen. Diverse Personen sind eindeutig als Setup für mögliche zukünftige Episoden gedacht, wobei ich mir gerade nicht sicher bin, ob man in der Hinsicht von offizieller Seite bereits etwas hörte. So sehr ich jedoch die Figuren und die Geschichte mochte, tatsächlich hat die technische Umsetzung stark am Spielspaß und meiner Motivation gezerrt. Keine Episode lief durchgängig flüssig, es ruckelte immer mal wieder in fast jeder Szene. Gerade in den Kämpfen ist es für die QTEs äußerst störend wenn ein solches Spiel nicht gescheit läuft. Und es tut mir Leid, aber so schön der Comic-Stil des Spiels ist, es ist keine Grafikbombe und entschuldigt solche Aussetzer nicht. Vor allem wenn die Entwickler seit dem ersten Walking Dead mit derselben Engine arbeiten und andere Titel wie Heavy Rain das mit weitaus realistischerem Aussehen bereits vor Jahren schafften.

Tim: Es hat leider den Anschein als ginge man bei Telltale den Weg des geringsten Widerstandes. Bei The Walking Dead hat man die teilweise nicht unerheblichen Technikmängel ja noch irgendwie akzeptiert, wenn auch Telltale damals schon bei weitem kein neues Studio mehr war. Aber inzwischen gibt es keine Ausrede mehr. Telltale muss am technischen Grundgerüst arbeiten und dafür vielleicht dann auch mal auf die inzwischen offenbar am Fließband erfolgende Versoftung aller möglichen Lizenzen für ein halbes Jahr stoppen. Oder ein wenig Geld in Qualitätsmanagement und Playtesting investieren, aktuell hat es den Anschein als würde man bewusst auf beides verzichten und hofft, dass man sich alleine auf den Schultern der Autoren irgendwie durchmogeln kann. Bei allem Respekt vor den offensichtlich talentierten Schreibern muss das Geschäftsmodell des Studios echt auf den Prüfstand gestellt werden.

Lukas: Dass dies nötig ist fiel mir auch im Nachhinein auf, als ich mir im Sale die Adaption von Game of Thrones gekauft habe. Einen mehreren Gigabyte großen Patch und zwei Jahre später lief auch der Titel nicht einwandfrei. Neben den offensichtlichen technischen Problemen würde ich aber nochmal betonen wollen, dass man an der grundlegenden Telltale-Formel nichts geändert hat. Es spielt sich wie die anderen Titel auch und mittlerweile wirkt es wie eine weitere Edition von Monopoly: jeder kennt es und egal welches Setting man sich aussucht, wenn man das Grundspiel nicht mag, werden die neuen Namen auch nicht viel daran ändern.

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Leider ist Telltale mit seiner inzwischen doch arg abgenutzten Formel längst nicht mehr so treffsicher wie der dunkle Ritter.

Tim: Entweder man mag die Telltale-Formel oder eben nicht, das muss halt jeder für sich wissen, wobei natürlich die jeweilige Franchise eine Entscheidungshilfe darstellt. Persönlich haben mir bei Batman insbesondere die Detektivsequenzen gefallen und diejenigen, in denen man vorab Kämpfe plant und dort entscheidet, was man mit welchem Gegner macht. Aus den eigentlichen Actionsequenzen namen die QTEs dann aber doch den Spielfluss ein bisschen raus und am Besten denkt man gar nicht erst an die Arkham-Spiele, es sind halt doch zwei ganz andere Genres.

Lukas: Das mit den Kämpfen war durchaus interessant. Arkham Knight bot ein ähnliches Feature, wo man Gegner in einer Reihenfolge markieren und sie der Reihe nach mit perfekter Choreographie ausschalten konnte. Teilweise hatte man ja die Möglichkeit Gegner aus verschiedenen Richtungen anzugreifen oder statt eines Stuhls einen Tisch zu verwenden. Hast du da Unterschiede bemerkt, dass manche Entscheidungen zu erfolgloseren Angriffen führten? Ich kann mich gerade nicht daran erinnern, auch nur einmal Probleme gehabt zu haben, vielleicht habe ich mich auch nur immer für den richtigen Weg entschieden. Ich denke zusammenfassend würde ich dann sagen, dass ich durchaus meinen Spaß an dem Titel hatte und der Geschichte gerne gefolgt bin. Da ich die technische Umsetzung jedoch enttäuschend finde, weiß ich nicht, wann ich das nächste Mal zugreifen werde, wenn Telltale auf dem Cover steht. Für mich bleibt es wahrscheinlich abhängig vom Franchise.

Tim: Ich denke, wenn man nicht die nachfolgenden Quick-Time-Events verpatzt hat, gab es da keine echten Schwierigkeiten. Alles in allem ist Batman: The Telltale Series ein solides Spiel, aber selbst mit Batman-Bonus ist bei Telltale so langsam doch die Luft raus und das Studio muss sich künftig ein bisschen mehr Mühe geben. Ich bin riesiger Guardians-Fan, aber auf ein Telltale-Spiel mit Rocket und Groot habe ich absolut keine Lust, tut mir leid.

Dann bedanke ich mich für diesen interessanten Austausch und hoffe, zögernde Fans schauen vielleicht mal rein.

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