Image default
Tests Xbox One

Sudden Strike 4 – European Battlefields Edition (Xbox One) im Test

Am Computer steht Sudden Strike seit vielen Jahren für beinharte Echtzeitstrategie in realistischer Umgebung und ist eines der letzten verbliebener Bollwerke eingesessener Genre-Größen. Mit der European Battlefields Edition von Sudden Strike 4 macht Publisher Kalypso dieses Erlebnis erstmals auch auf Konsole zugänglich. Ob dies gelungen ist, oder ob die Entwickler hier nochmals an ihrer Strategie feilen müssen, lest ihr im folgenden Test.

Sudden Strike 4


Sudden Strike 4 in der European Battlefields Edition – Ein Bollwerk an Umfang

Das Spiel wirft euch in die europäischen Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs. Ob jedes einzelne Schlachtfeld historisch zu 100 Prozent korrekt dargestellt ist vermögen wir nicht zu sagen. Glaubhaft sind die Gefechte und Schauplätze allemal.

Die European Battlefields Edition bietet zum Hauptspiel auch die DLCs Road to Dunkirk und Finland – Winter Storm. Damit summiert sich das gesamte Sudden Strike 4 Paket auf der Xbox auf sagenhafte 31 Missionen, verteilt auf über 5 Kampagnen und 120 verschiedene historisch korrekte Militäreinheiten. Kommandieren könnt ihr diese mithilfe von bekannten Generälen, wie de Gaulle oder Patton, um nur zwei zu nennen, die vermutlich jedem ein Begriff sind.


Trocken und sachlich in den Krieg

Sudden Strike 4 bietet zwar einiges an historischem Videomaterial, entsendet euch insgesamt allerdings dennoch recht trocken und sachlich in die Kriegsgebiete. So bekommt ihr in der Regel ein Missionsbriefing, welches ein wenig Hintergrundgeschichte enthält, die man aber auch ignorieren kann, und euer Ziel, sowie den Grund eures Einsatzes. Präsentiert wird dies in nicht unbedingt ansehnlichen Textblöcken, die nebenbei aber auch vertont sind, was schon mehr Spaß macht. Hört ihr dem zu, dann werden sich eure Augen hierbei dennoch langweilen. Denn auf dem Bildschirm geschieht in der Zwischenzeit einfach nichts.


Mit knappen Einheiten taktiert es sich besser

Die Missionen stellen euch in der Regel vor eine Reihe von Aufgaben. Beispielsweise kann der erste Befehl lauten eine Brücke einzunehmen, der zweite Befehl schickt euch dann weiter ins Hinterland, um drei Abwehrstellungen auszuschalten. Obwohl ihr natürlich dann selbst wählen könnt wie und in welcher Reihenfolge die Abwehr ausgeschaltet wird, ergibt sich insgesamt dennoch ein recht lineares Erlebnis. Ausdrücklich schlecht ist dies nicht. Krieg läuft für die Kommandanten eben so ab. Realistisch ist, wie für die Serie typisch, auch die sehr begrenzte Anzahl an Truppen. Mit den Einheiten, die ihr befehligt, müsst ihr zurechtkommen. Verstärkungen gibt es zwar hin und wieder, verlassen könnt ihr euch darauf aber nie. Da gewinnt jeder Mann, jedes Fahrzeug an Bedeutung. Von diesem Serienprinzip nimmt auch Sudden Strike 4 keinen Abstand. Dem höchst taktischen Echtzeitstrategiespiel tut dies gut. Klassische Tankrush-Strategen werden hier allerdings keinen Spaß haben.


Sudden Strike 4 – Das Plus an Strategie

Einheiten gilt es nicht nur nach dem oft genutzten Schere-Stein-Papier-Prinzip auszuschalten. Jede Einheit, ob in Deckung oder nicht, hat besondere Stärken und Schwächen. Panzer sind in der Regel beispielsweise von hinten angreifbarer als von vorne. Es genügt also nicht die richtige Kontereinheit heranzuziehen, ihr müsst diese auch klug einsetzen. Die verschiedenen Generäle, die ihr spielen dürft geben dem ganzen noch etwas zusätzliche Würze. Hier hat jeder besondere Boni und Fähigkeiten. Einer kann beispielsweise wählen, ob seine Panzer mehr Weitsicht genießen, dafür aber an Wiederstand verlieren, oder lieber die Panzerbesatzung bei der Zerstörung ihres Fahrzeugs sicher überlebt.

Sudden Strike 4 kann großartig aussehen.

Ein weiteres Beispiel für die Tiefe der Taktik ist ebenfalls die Weitsicht im Panzer. Lasst die Besatzung die Klappe öffnen und herausschauen, dann erhöht sich deren Sichtfeld. Sicher ist das Herausstrecken des Kopfes im Kugelhagel allerdings nicht. So gibt es wirklich viele dieser Details, die es auf Konsole, wo Echtzeitstrategie ohnehin eher selten anzutreffen ist, in dieser Tiefe sonst kaum gibt.


Wie gut löst Sudden Strike 4 die Krux mit dem Controller?

Und dies hat durchaus Gründe. Controllersteuerung und Echtzeitstrategie sind schwer zu vereinen. Auch wenn es mit Halo Wars 2 und ähnlichen Titeln durchaus gute Beispiele gibt. Diese wurden allerdings eigens entwickelt, während Sudden Strike 4 hingegen eine Portierung ist. Und wenngleich man technisch saubere Arbeit geleistet hat, um alle Funktionen von Maus und Tastatur auf nur einen Controller zu bekommen, so krankt das Spielgefühl dennoch. Das Truppenmanagement ist sicherlich deutlich gewöhnungsbedürftiger als am PC und die schnellen Reaktionen im hitzigen Geplänkel, welche eine Maus ermöglicht, sind hier ebenfalls nur schwer umsetzbar.

Einer der funktionierenden Aspekte am Controller ist die Steuerung über Radial-Menüs.

Augen und Ohren kämpfen mit

Grafisch und im Sound spielt Sudden Strike 4 in der Echtzeit-Oberliga. Dies gilt jedenfalls zweifelsohne im recht konkurrenzlosen Konsolenmarkt für dieses Genre. Die 3D-Ansichten des Schlachtfeldes laden dazu ein, den Krieg auch mal zu verlieren und einfach heran zu zoomen und die Details zu betrachten. Getroffene, aber „nur“ verletzte Einheiten, liegen nicht nur herum, sie betteln auch um einen Sanitäter und die Geräuschkulisse empfanden wir als absolut glaubhaft.

Was uns etwas störte war die gefühlt zu niedrige maximale Zoomstufe. Auch voll herausgezoomt ist man noch sehr nah am Geschehen, wobei der Überblick über die Gesamtsituation etwas schwer zu behalten ist. Dies potenziert die Krankheiten einer Konsolenumsetzung für Echtzeitstrategen enorm.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Sudden Strike 4 im Multiplayer – Echtzeit-Schach

Auf 15 Maps, darunter dreien, die exklusiv für die Xbox One Version erstellt wurden, dürft ihr auch im Online Multiplayer antreten. Habt ihr etwa gleich starke Gegner zur Hand, dann entwickeln sich hier unglaublich spannende Partien. Hier ist eher Echtzeitschach geboten, als Echtzeitstrategie. Denn die vielen Details, die es in der Kampagne beim Kommandieren zu beachten gilt, gelten auch im Multiplayer. Hier gibt es allerdings auch Verstärkungen weitaus regelmäßiger. Je nach Spielmodus, derer gibt es mit Domination und klassischem Sudden Strike Multiplayer zwei, gilt es verschiedene Punkte zu erobern um Verstärkungen rufen zu können. Knapp bleiben Einheiten dennoch. Anfänger ohne Freunde auf gleichem Niveau werden den Multiplayer Modus wohl nur kurz nutzen. Zu schwer ist es gegen Veteranen anzukommen.


Fazit

Sudden Strike 4 ist ein großartiges Spiel für Echtzeitstrategen. Wer das Genre auf der Xbox vermisst, der sollte sich dieses Spiel dann ansehen, wenn es gerne etwas schwerer werden darf. Tank-Rush und ähnliche Taktiken gehen hier nämlich sicher nicht auf. Auch fortgeschrittene Strategen werden sicher irgendwann im Spielverlauf an die Stelle kommen, an der sie scheitern. Die Konsolenfassung in der European Battlefields Edition ist außerdem mit vielen Stunden zusätzlicher Spielzeit im Vergleich zum ursprünglichen Sudden Strike 4 ausgestattet. Dabei leidet das technisch einwandfreie Spiel allerdings unter genau den Problemen, die das Genre auf Konsolen so selten macht. Die Steuerung mit dem Controller ist durchdacht umgesetzt, kommt zwangsläufig aber dennoch an ihre Grenzen. Wer also die Wahl hat, sollte zur PC Version greifen. Wer die Wahl nicht hat, Echtzeitstrategie aber mag, der sollte sich dieses Spiel nicht entgehen lassen.

verwandte Beiträge

*UPDATE* Doch keine Vollversion bei GameStop!

Lars Schulze

Red Faction: Guerrilla erscheint als Remaster für PS4 und Xbox One

Nature225

Details zu Jahr 3 von Rainbow Six Siege veröffentlicht

Lars Schulze