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Spintires: MudRunner – American Wilds Edition im Test

Ganz neu ist MudRunner auf Konsolen nicht. Bereits 2017 brachte Focus Home Interactive die Konsolenumsetzung der auf dem PC beliebten Offroad Simulation Spintires in die heimischen Wohnzimmer. Neuer allerdings ist die Spintires: MudRunner – American Wilds Edition, als welche das Spiel derzeit vertrieben wird und die ihren schlammigen Weg ab dem 27. November auch auf die Nintendo Switch findet. Neben dem Hauptspiel sind in der Spintires: MudRunner – American Wilds Edition auch die bisherigen DLCs enthalten, was das Spiel zum Kaufpreis, den es ehemals zum Release alleine kostete, nochmals merklich aufwertet. Mehr als genug Gründe also die erweiterte Version einem eigenen Test zu unterziehen. Den lest ihr im Folgenden, inklusive unserer Einschätzung zur kommenden Nintendo Switch Version.


Spintires: MudRunner – American Wilds Edition – Worum geht es?

Den Titel einer Offroad Simulation nimmt das Spiel durchaus ernst. Es gilt verschiedene geländetaugliche Boliden, vom einfachen Jeep, bis hin zum richtig großen LKW, durch unwegsames Gelände zu bugsieren und dabei bestenfalls nicht liegen zu bleiben oder Schaden zu erleiden.

Da jedes Spiel eine Rahmenhandlung benötigt, dürft ihr hier Holz aus dem Wald zu Sägewerken schaffen. Dies ist unserer Einschätzung nach allerdings tatsächlich nur ein Rahmen, der eben geschaffen wurde, weil man euch ja nicht ganz ziellos durch die Wildnis fahren lassen kann.

Die Stärken von Spintires: MudRunner – American Wilds Edition liegen hier ganz klar im Fahrzeugverhalten. Selbst mit den Einstellungen für Gelegenheitsspieler wirkt das Fahrverhalten durchaus simuliert. Reine Arcade-Fans werden hier nicht direkt angesprochen aber dennoch irgendwie mit bedient.


Mit schweren Boliden durch schweres Gelände

Mit etwa 30 Fahrzeugen, mit selbst in der Einstellung für Gelegenheitsspieler glaubhaftem Fahrverhalten, dürft ihr 10 Karten befahren. Vier hiervon wurden seit dem ersten Release nachträglich eingefügt. Dabei gilt es nicht nur Trucks zu fahren. Auch entsprechende Anhänger lassen sich ankoppeln und etwa 60 Aufbauten, wie beispielsweise ein Kran für das Holz, dürfen bedient werden. Sogar Allrad, Sperrdifferenzial und Handbremse müssen manuell aktiviert oder deaktiviert werden.

Neben dem sehr realistischen Fahrverhalten fällt auch die glaubhafte Bedienung dieser Elemente auf. Damit ist keinesfalls nur der Kran gemeint. Könnt ihr einen Fluss mit nur eurem LKW noch problemlos überwinden, so werdet ihr mit einem sperrigen Werkzeuganhänger im Schlepptau, der dem Wasser viel Angriffsfläche bietet, weggespült. Setzt ihr den Motor übrigens erstmal so weit unter Wasser, dass dieser absäuft, dann habt ihr das Fahrzeug für den Moment auch verloren. Geringere Tiefen hingegen können durchaus machbar sein. Auch Rangieraufgaben lassen euch den nächsten zurücksetzenden LKW sicher mit ganz anderen Augen betrachten.

Spintires: MudRunner – American Wilds Edition
Der Kran soll nicht nur gut aussehen. Ihr bringt ihn auch zum Einsatz.

Dabei haben die Entwickler einige sehr kluge Ideen einfließen lassen, mit welchen der Realismusgrad eben doch noch zugänglich bleibt. So dürft ihr den Schalthebel beispielsweise manuell mit dem rechten Stick bewegen. Für manche Dinge wird das Verweilen im ersten Gang selbst hartgesottenen Automatik-Spielern schnell als praktikable Lösung vorkommen. In den Momenten, in denen dies nicht zutrifft könnt, ihr den Schalthebel allerdings auch in der Automatik-Stellung einrasten lassen und müsst euch nicht mehr weiter kümmern. Ein ähnliches Beispiel stellt auch die Seilwinde dar, welche die meisten Fahrzeuge bereithalten. Diese zieht euch zwar mit einem hohen Realismusgrad aus dem Dreck und ihr müsst aufpassen euch nicht womöglich noch selbst umzukippen, das Befestigen an Bäumen oder Stämmen funktioniert jedoch über ein sehr simples Auswahl-Overlay.


Zu schweres Gelände? Spintires: MudRunner – American Wilds Edition und der Hang zur Übertreibung

Während bis hier viele Dinge gefallen haben, übertreibt Spintires: MudRunner – American Wilds Edition an anderer Stelle schon etwas. Die 10 Karten der Kampagne bestehen gefühlt zu 90 Prozent aus Schlamm. Dieser ist zwar namensgebend, dass vielerorts aber nur wenige Meter vor der eigenen Werkstatt tiefer Schlamm anfängt erscheint uns jedoch schon etwas übertrieben. Darunter leidet auch das Gameplay ein wenig. Schnell kommt das Gefühl auf die gesamte Zeit nur im Schlamm zu stecken. Hier einige Steigungen auf felsigem Untergrund oder ähnliche Elemente öfter einzubauen wäre sicherlich kein Fehler gewesen.

Dennoch sind die Karten mit zusätzlichen Gimmicks versehen. Aussichtspunkte decken den umliegenden Teil der Karte erst auf und zusätzliche Fahrzeuge schaltet ihr Frei, indem ihr sie auf der Map findet und gegebenenfalls erst wieder fahrtüchtig macht.

Spintires: MudRunner – American Wilds Edition
Ihr habt schon so oft versucht Oma zum Umzug in die Stadt zu überreden. Und jetzt müsst ihr sie schon wieder mit eurem Familienwagen auf dem schlammigen Hof besuchen.

Challenge Akzeptiert!

Einen Teil des Versäumnisses bei der Abwechslung machen die zusätzlichen 11 Challenges wieder gut. Dies ist der zweite Modus für Solisten. Der verlangt euch bestimmte Aufgaben ab. So müsst ihr einmal mit einem Jeep einen Berg erklimmen. Ein anderes Mal müsst ihr einen Werkstattwagen finden und zurückbringen, der auch nicht immer an derselben Stelle der Map spawnt. Auch Oma müsst ihr auf ihrem schlammigen Hof besuchen, wobei ihr unwissende Städter natürlich deutlich untermotorisiert daherkommt. Um jede der Challenges mit Bestwertung abzuschließen, gilt es auch Sonderziele zu beachten. Beispielsweise das ausschließliche Fahren mit Cockpit-Kamera oder den Verzicht auf den Einsatz der Winde. Ob ihr diese Vorgaben in einem einzigen Durchgang erfüllt oder nacheinander bleibt euch überlassen. Da dies der abwechslungsreichste Modus ist, fiel der für unseren Geschmack fast etwas zu klein aus. Dies liegt aber sicher auch daran, dass die Challenges nicht so viel Spielzeit verschlingen, wie eine normale Mission, in der alle Ziele erreicht werden.

Auch Oma müsst ihr auf ihrem schlammigen Hof besuchen, wobei ihr unwissende Städter natürlich deutlich untermotorisiert daherkommt.


Gewöhnungsbedürftig aber gelungen – Die Steuerung in Spintires: MudRunners – American Wilds Edition

Manuelles Schalten mit einem Schaltknüppel, das Steuern diverser Aufbauten und das Justieren der Kamera. All dies auf einem Controller unterzubringen war sichtlich eine Herausforderung. Somit erscheint die Steuerung im ersten Moment sehr kompliziert, da vieles doppelt belegt werden musste. Habt ihr euch aber erstmal eingewöhnt erscheint sie durchaus machbar.

Einige Tasten einsparen hätte man vielleicht können, wenn man Allrad und Sperrdifferenzial einfach ständig aktiviert belassen hätte. Denn so sieht die gespielte Realität bei all dem Schlamm für die meisten Spieler ohnehin aus. Was aber die meisten Spieler anfangs ärgern wird, ist die Tatsache, dass das Lenkrad sich nicht absolut zu eurem Stick bewegt. Heißt: wenn der Stick losgelassen wird und in seine Ausgangsposition zurück schnellt, bleibt das Lenkrad eingeschlagen. Videospieler, auch in den meisten Simulationen, sind dies anders gewohnt. Bei den wenigen Gelegenheiten zur schnelleren Fahrt stört dies auch und hinterlässt einen schwammigen Eindruck. In der meisten Zeit rangiert ihr aber und tastet euch vorsichtig durchs Gelände. Da ist dies absolut hilfreich. Beispielsweise um andere Elemente zu bedienen und den Lenkradeinschlag in dieser Zeit dennoch beizubehalten.


Multiplayer – Mehr Spieler, mehr Spaß?

Die Kampagnenkarten lassen sich auch im Online-Multiplayer im Koop spielen. Hier habt ihr dieselben Aufgaben zu erledigen, dafür aber eure Freunde, die euch zur Seite stehen. Bis zu vier Spieler dürfen ins Gelände. Hier darf man sich gegenseitig aus dem Schlamm ziehen oder ihr lasst euren Kumpel einfach mit dem Reperaturfahrzeug nebenherfahren, sodass euch im Unglücksfall schnell geholfen ist. Technisch funktioniert dies alles größtenteils gut. Einen spielerischen Mehrwert hat es nur bedingt. Hier fehlen uns eigene Missionsziele, nur für den Multiplayer, die alleine nicht zu schaffen wären. Spaß kann es allerdings auch machen ein Wettrennen zu veranstalten. Wer erreicht den Aussichtspunkt zuerst? Sicher war dies nicht unbedingt, was den Schöpfern von Spintires: MudRunner – American Wilds Edition vorschwebte.


Technisch betrachtet – Wie gut sieht MudRunner aus?

Technisch betrachtet ist Spintires: MudRunner – American Wilds Edition sehr solide. Dies liegt sicher auch daran, dass seit Release des Hauptspiels mehr als genug Zeit war Bugs zu beheben. Einige Minimalschwächen sind uns dennoch untergekommen. Es kam vor, dass wir einfach eingesunken waren, ohne einen optischen Hinweis dafür zu bekommen. Es schien als wäre da ein Straßengraben am Wegesrand. Mit dem Unterschied eben, dass da keiner war. Selbst unter Einsatz der Winde war es schwer sich zu befreien. Wir sind uns recht sicher. dieses Phänomen und einige wenige ähnlicher Kleinigkeiten, waren nicht gewollt. Zu diesen Kleinigkeiten zählt auch die Kollisionsabfrage. Besonders fiel diese auf, als wir in einer Challenge keine Zäune beschädigen sollten. Die fielen allerdings auch ohne Berührung von Geisterhand um. Einen vermutlich unnötigen, frustrierenden Neustart später wiederholte sich die Geschichte. Gewertet wurde diese Vorgabe dennoch als erfüllt. Es waren also tatsächlich Geister im Spiel.

Spintires: MudRunner – American Wilds Edition


Die nackte Grafik und der Sound

Während der Sound im Grunde durchgängig überzeugen konnte aber auch kein besonderes Highlight offenbarte, liegen bei der Grafik Freud und Leid sehr nah beieinander. Die getestete Xbox One X Version sieht grundsätzlich sehr gut aus. Schlammablagerungen am Fahrzeug sind nicht immer zu hundert Prozent, immerhin aber annähernd an der richtigen Stelle zu finden. Und selbst zwischen den Reifen sieht man sich bewegende Schlammklumpen kleben. Ähnlich detailliert sind die Interaktionen mit dem Gelände, in dem ihr euch befindet. Egal ob ihr gegen Bäume fahrt oder tiefe Furchen im Untergrund hinterlasst. Bis hier her sind die für das Gameplay wichtigen Elemente alle auch toll gestaltet.

Die Kehrseite ist die insgesamt eintönige Gestaltung. Abgesehen davon, dass Farbe Seltenheitswert hat, sehen die Karten alle recht gleich aus und sind vergleichsweise auswechselbar. Eine triste Stimmung Grau in Grau. Oben angesprochene, von Geistern umgeworfene Zäune, sehen beispielsweise auch recht flach aus. Sehr wenige moderne Spiele schaffen es gleichzeitig so gut und dennoch so schlecht auszusehen. Ein Tag-Nacht-Wechsel ist zwar vorhanden, macht durch die ohnehin düstere Grundstimmung allerdings viel zu wenig Unterschied und echten Weitblick gibt es auch am Tag nahezu nie, da dieser fast immer von Hindernissen unterbrochen wird.

Ein optisches Schadensmodell fehlt. Der gesamte Schaden wird durch eine Punkteleiste im Bild dargestellt. Erst wenn diese sich zu sehr füllt, sprüht das Fahrzeug übertrieben Funken. Dies ist insofern schade, dass hier ein gutes Stück des zuvor so bravourös eingehaltenen Simulations-Gedanken, verschenkt wird. Lediglich eure Ladung könnt ihr bei einem Überschlag verlieren. Beulen oder gar ein Achsbruch habt ihr keine zu befürchten.


Spintires: MudRunner – American Wilds Edition für Nintendo Switch

Die Nintendo Switch Version von MudRunner in der American Wilds Edition erscheint am 27.11.18. Bei vielen Spielen halten wir Rückschlüsse von anderen Versionen zur Nintendo Switch Version aufgrund der unterschiedlichen Hardware für schwierig. Bei der Spintires: MudRunner – American Wilds Edition ist dies ein wenig anders.

Die Grafik als solche ist zwar relativ detailliert, lässt sich mit einigen kleineren Stellschrauben in Richtung weniger Details und geringerer Auflösung allerdings sicherlich auch auf der Nintendo Switch darstellen. Sollte die Framerate an der einen oder anderen Stelle leiden, so fällt dies beim insgesamt sehr langsamen Spiel wohl eher wenig ins Gewicht. Fehler und Probleme kann es zu Beginn natürlich bei jedem Port geben. Der Entwickler hat allerdings bereits bewiesen, dass diese dann auch behoben werden. Die untenstehende Wertung kann dementsprechend unter Vorbehalt auch als Prognose für die Nintendo Switch Version von Spintires: MudRunner – American Wilds Edition betrachtet werden. Erfreulich ist außerdem: Focus Home Interactive beweist hier, dass auch ein Port für die Switch nicht teurer ausfallen muss, als das Spiel auf anderen Plattformen gerade kostet. Für 40 Euro gehört es euch.


Michaels Fazit:

Spintires: MudRunner – American Wilds Edition holt sicherlich nicht jeden Spieler ab. Doch dies ist auch nicht das Ziel. Dieses Spiel richtet sich vor allem an jene, die eine wirklich gut gemachte Simulation zu schätzen wissen und im Idealfall noch ein gewisses Fable für dicke Brummis im Gelände mitbringen. Dies heißt nicht, dass andere damit keinen Spaß haben können, seine Ausrichtung erfüllt das Spiel jedoch am besten.

Vor allem in Sachen Simulationsgrad ist Spintires: MudRunner – American Wilds Edition nah an der Perfektion. Dies gilt auch für die meisten optischen Elemente, die direkt etwas mit dem Gameplay zu tun haben. Lediglich ein Schadensmodell und etwas mehr Abwechslung für die Augen wäre dem Spiel gut zu Gesicht gestanden.

Für lediglich 40 Euro bietet das Spiel eine ganze Menge. Fans von Simulationen werden hier besser bedient, als mit manchem Vollpreis-Titel.


Lars‘ Fazit:

Kennt ihr das, wenn ihr ein Spiel seht und es von Anfang an belächelt und unterschätzt? So ging es mir mit Spintires: MudRunner – American Wilds Edition. Wie ich nach den ersten paar Spielstunden allerdings feststellen musste, vollkommen zu Unrecht! MudRunner ist für mich so ein Spiel, welches man ganz entspannt spielen kann, wenn man beispielsweise einen harten Arbeitstag hatte und diesen einfach auf entspannte Art ausklingen lassen möchte. Es macht einfach, obwohl der Titel optisch ziemlich grau gehalten wurde, eine ganze Menge Spaß die schweren Boliden durch den schlammigen Untergrund zu manövrieren .

Auf der anderen Seite muss ich allerdings auch Kollege Michael zustimmen. Hätten doch sowohl ein detailreicheres optisches Schadensmodell, wie auch ein paar mehr unterschiedliche Untergründe und ein umfangreicherer Online-Multiplayer dem Titel noch den einen oder anderen Pluspunkt herausgekitzelt.

Dennoch dürten Simulations-Fans mit Spintires: MudRunner voll auf ihre Kosten kommen!


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